Mankichi und Keita Watanabe – Bio-Tee aus Yakushima

Nachdem wir nun seit unserer Ankunft in Japan in regelmäßigem Kontakt mit Frau Goto vom Teegarten von Mankichi Watanabe stehen, um den Import der beiden Watanabe Shincha-Sorten bestmöglich zu koordinieren, hatten wir diesmal bisher jedoch noch keine die Zeit nach Yakushima zu reisen. Heute schaffen wir es nun endlich uns auf den Weg auf die entlegene Insel zu machen, die ganz im Süden von Kyushu liegt, und noch zur Präfektur Kagoshima zählt, auch wenn zwischen der Stand Kagoshima und Yakushima etwa 150 Kilometer Meer gelegen sind.

Die märchenhafte Insel Yakushima – Blick von der Küste hinauf zu den Bergen

Die Ernte begann dieses Jahr hier bei Mankichi Watanabe auf Yakushima am 13. April. Die früheste Strauchsorte im Teegarten von Mankichi Watanabe ist die Kuritawase. Der Wortbestandteil „wase“ in Namen der Strauchsorte „Kuritawase“ bedeutet nebenbei bemerkt „früh“, da der außergewöhnlich frühe Erntezeitpunkt im Vergleich zu anderen Teestrauchvarietäten ein wesentliches Merkmal des Strauchsorte darstellt. Normalerweise folgt im Teegarten von Mankichi Watanabe auf Yakushima darauf als nächste Teestrauchsorte die Ernte der Varietät Sae Midori, und anschließend die Varieät Yutaka Midori, bevor die Asatsuyu ihren optimalen Zeitpunkt für die Ernte erreicht hat. Interessanterweise muss angemerkt werden, dass die Asatsuyu eigentlich als frühe Sorte gilt. Natürlich ist die Asatsuyu auch im Teegarten von Mankichi Watanabe früh, doch seine anderen, außergewöhnlich frühen Sorten, sind eben noch früher als die Asatsuyu.

Herr und Frau Watanabe, Frau und Herr Goto und die vielen jungen Helfer im Teegarten

In diesem Jahr ist die Reihenfolge allerdings etwas anders, denn das Klima ist dieses Jahr kühl. So kommt es dazu, dass sich nicht nur die Erntezeitpunkte der jeweiligen Sorten nach hinten verschieben, sondern es kommt auch zu Verschiebungen in der Reihenfolge, denn auch der Temperaturverlauf, die Niederschlagsmenge und Sonneneinstrahlung haben unterschiedliche Effekte aus die verschiedenen Strauchvarietäten. Aber die sich dieses Jahr so ergebende Erntereihenfolge passt zufällig genau für unseren Watanabe Kabuse Shincha, den Mankichi Watanabe speziell für MARIMO herstellt, obwohl es sich dabei nur um eine kleine Menge handelt, da die Erntemengen mancher seiner Varietäten extrem begrenzt sind. Der Watanabe Kabuse Shincha setzt sich aus drei Teestrauch-Varietäten zusammen: Kuritawase, Sae Midori und Asatsuyu. Alle Bestandteile werden etwa 10 Tage vor der Ernte beschattet. Limitierender Faktor für unseren Shincha ist die edle Teestrauch-Varietät Sae Midori. Im Teegarten gibt es nur ein paar wenige Reihen Sae Midori, so dass Mankichi Watanabe nur etwa 15kg pro Jahr bei der ersten Ernte davon ernten kann. In den vergangenen Jahren hat Mankichi auch noch Sae Midori für einen anderen Shincha verwendet, den er in Japan anbietet. In diesem Jahr hat er sich nun aber entschlossen die Sae Midori vollständig nur für unseren Watanabe Kabuse Shincha zu verwenden, wovon wir uns sehr geehrt fühlen, denn ohne dass dies abgesprochen wurde, räumt er dem Tee für unsere Kunden einen so wichtigen Platz ein, dass er dafür sogar die Tees für seine anderen Kunden hinsichtlich ihrer Zusammensetzung verändert. Es sind nun nur noch 3kg Kabuse Sae Midori als Rückstellmuster übrig, also hat er uns offensichtlich etwa 12kg der Kabuse Sae Midori für unseren Watanabe Kabuse Shincha gegeben. Wir sind sehr dankbar dafür, und wirklich angetan, von seinem Entgegenkommen.

Seit ein paar Tagen ist der fertig verarbeitete Watanabe Kabuse Shincha 2017 nun auf dem Weg nach Deutschland, wo Kirill und Masato bereits in den Startlöchern auf die Ankunft warten, um ihn dann schnellstmöglich versandbereit an unsere Kunden zu machen. Auch wenn wir natürlich immer so schnell wie möglich den neuen Tee in Europa anbieten möchten, dauert es dennoch zumindest noch einige Tage, denn selbst wenn der Shincha hier in Japan schon fertig verarbeitet vorliegt, folgt ja noch das Procedere für den Export, Transport, und Import. Dies ist nicht nur eine Frage der Entfernung von Japan bis nach Deutschland, sondern letztlich immer auch eine Frage wie schnell die entsprechenden Dokumente vorbereitet werden können, und wie schnell der Zoll bei der Importabwicklung arbeitet.

Davor, also bevor der Tee versendet werden kann, liegen natürlich auch noch einige Tage zwischen der Ernte und der finalen Verarbeitung. Der Tee liegt nach der primären Verarbeitung erstmal in Form von Aracha (vorverarbeitetem Tee) vor. Möchte man verschiedene Teestrauch-Varietäten kombinieren, folgt darauf das Blenden. Da der Tee möglichst schön, also ohne Blattstiele und kleine Ästchen vorliegen soll, folgt darauf die finale Sortierung. Darauf wiederum folgt ein für den Geschmack sehr wichtiger Schritt, die finale Erhitzung (hi-ire). Hier entscheidet Mankichi Watanabe wie stark er die Temperatur und Durchlaufzeit bei der Erhitzung einstellt, um einerseits die Shincha-Frische und den frisch-blumigen Duft des Tees zu erhalten, ihn aber gleichzeitig auf etwa 2% Feuchtigkeit herunter zu trocknen, wie das für Sencha und andere japanische Tees üblich ist. Wird die Temperatur zu hoch gewählt, so entstehen ansatzweise Röstnoten, die in einem Shincha üblicherweise nichts zu suchen haben, denn Röstnoten gehören eher zu einem Tee, der lagerfähig sein soll, und nicht zu einem Tee, der zum Ziel hat beim Trinken den Frühling zu feiern.

Da Mankichi Watanabe Bio-Tee erzeugt, und wir das auch in Europa zeigen möchten, folgt darauf noch die Bio-Export-Bürokratie. Für diesem Schritt ist Frau Goto zuständig, die sich um alle Belange bei der Zertifizierung kümmert. Sie arbeitet schon seit über 25 Jahren mit Mankichi Watanabe zusammen und hat sich damals, in den 1990ern auch dafür eingesetzt, dass der Teegarten biologisch betrieben wird. Vor zwei Jahren haben wir in unserem Reiseblog davon berichtet. Da die Mitarbeiter der japanischen Bio-Kontrollstellen oftmals einige Schwierigkeiten mit der englischen Sprache haben, das Export-Zertifikat aber auf Englisch ausgestellt werden muss, dauert es selbst bei einer erfahrenen Kontrollstelle oftmals bis zu 10 Tage bis das Zertifikat ausgestellt ist. Davor darf der Tee nicht abgeschickt werden. Der Transport nach Deutschland dauert von Japan auch noch einmal etwa ein bis zwei Wochen, manchmal sogar länger. Je nachdem wie viel am Zoll in Deutschland gerade los ist, kann es auch hier nochmal ein paar Tage dauern. Auch wenn wir alles nur Mögliche tun um den neuen Tee so schnell wie irgend möglich den Shincha-Durstigen anzubieten, dauert es doch immer mindestens 3 Wochen ab der Ernte, bis der Tee dann in Europa in den Läden steht. Die einzige Ausnahme ist, wenn wir einen kleinen Teil des Shincha direkt im Koffer mitnehmen, aber wie sich vermuten lässt, geht das nur mit wenigen Kilos, denn wir haben für unsere vierwöchige Reise ja noch allerhand andere Dinge und Arbeitsutensilien mit dabei, die wir auch gerne wieder mit nach Hause nehmen möchten.

Keita und Mankichi Watanabe

Während die erste Ernte in Miyazaki und Kirishima nun gerade erst beginnt, sind die Watanabes in den letzten Zügen der ersten Ernte: Yabukita und Kanaya Midori (letztere für den Watanabe Kanaya Midori Schwarztee) stehen noch auf dem Plan. Heute wird Yabukita geerntet und zu Sencha verarbeitet – der letzte Grüntee der diesjährigen ersten Ernte bei Mankichi Watanabe auf Yakushima. Während Mankichi Watanabe mit der Verarbeitung beschäftigt ist, holt uns sein Sohn Keita vom Hafen ab. Keita ist etwa in unserem Alter und lebt derzeit noch in Tokyo. Als Kind wuchs er zwar bei seiner Familie auf Yakushima auf, doch da es auf Yakushima zu jener Zeit bereits keine Oberschule mehr gab, zog er für den Besuch der Oberschule nach Kagoshima um. Letztlich zog er dann für sein Studium nach Tokyo, wo er seither blieb. Im Jahr 2016 war er schon für einige Wochen im Teegarten des Vaters um Stück für Stück die Abläufe und Tätigkeiten im Teegarten zu lernen. In diesem Jahr ist er über die ganze Zeit der ersten Ernte im Teegarten von Mankichi Watanabe und hilft wo er nur kann. Er hat vor einiger Zeit entschieden den Betrieb des mittlerweile 68-jährigen Vaters Mankichi Watanabe weiterzuführen. Im nächsten Jahr steht dann ein großer Umzug an. Mit seiner Frau und seinen beiden Kindern zieht Mankichis Sohn Keita Watanabe dann von Tokyo nach Yakushima. Größer könnte die Entfernung und auch der Kontrast zwischen moderner Großstadthektik im Norden und abgeschiedener Naturidylle auf einer abgelegenen, tropischen Insel ganz im Süden Japans kaum sein.

Keita Watanabe mit seinem zwei-jährigen Sohn

Watanabe Shincha 2017: Kuritawase & Asatsuyu Update

Nachdem wir gestern ein neues Foto von Herr Matsumoto aus der Präfektur Kumamoto erhielten, auf dem die Fortschritte der neuen Triebe der Teegartenparzelle zu sehen sind, von deren Teesträuchern er die Blätter für den sagenhaften Shincha MOE erntet, widmen wir uns heute kurz den neuesten Shincha-Geschehnissen auf Yakushima.

Frau Goto, die Mitarbeiterin des Teegartens von Mankichi Watanabe und seinem Sohn Keita Watanabe, ließ uns kürzlich wissen, da am 13. April 2017 der erste Teil der Kuritawase Sträucher geerntet wurde. Vor zwei Jahren erlebten wir bereits Ende März, wie im Teegarten von Herrn Watanabe die Blätter von der Strauchvarietät Kuritawase geerntet wurde – ein außergewöhnlich frühes Jahr 2015. Nun, 2017, handelt es sich um ein recht spätes Jahr, und tatsächlich wurde die Strauchvarietät Kuritawase nun erst am 13. April 2017 geerntet, obwohl es die frühest austreibende Teestrauchvarietät im Teegarten von Mankichi Watanabe ist, die er für die Hertellung unsere „Watanabe Kabuse Shincha“ verwendet.

Umso interessanter ist aber, dass die zeitlichen Verhältnisse im Vergleich der unterschiedlichen Teestrauchvarietäten sich ebenfalls ändert. Während im Jahr 2015 die Ernte der Kuritawase-Sträucher bereits Ende März stattfand, so wurden die Sträucher der Varietät Asatsuyu jedoch erst knapp zwei Wochen später fast schon Mitte April 2015 geerntet. Der zeitliche Abstand zwischen Kuritawase und Asatsuyu betrug also fast zwei Wochen. Dieses Jahr jedoch, also 2017, wurden die ersten Blätter für die Watanabe Kabuse Shincha von der Teestrauchvarietät Kuritawase erst am 13. April geerntet, doch erklärte uns Frau Goto, dass der zweite Erntetag der 15. April 2017 sei, also heute, und dass nun der zweite Teil der Kuritawase-Sträucher und zudem bereits der erste Teil der Strauchvarietät Asatsuyu geerntet wird.

Während der zeitliche Unterschied des Erntezeitpunkt bei Mankichi Watanabe’s Teegarten auf der Insel Yakushima ganz im Süden Japans also 2015 fast zwei Wochen betrug, so sind es nun im Jahr 2017 nur zwei Tage. Uns erwartet demnach nun dieses Jahr auch wieder ein spannender Watanabe Kabuse Shincha, dessen Charakter aufgrund des Cuvées aus Kabuse Kuritawase, Kabuse Sae Midori und Kabuse Asatsuyu zwar eine deutliche geschmackliche Stabilität aufweist, aber durch die jedes Jahr wirklich unterschiedliche klimatische Situtation auch immer wieder überraschende Noten zeigen wird.

Teegarten von Iwao Hayashi in der Präfektur Mie
Teegarten von Iwao Hayashi in der Präfektur Mie

Als Vergleich noch ein Foto, das wir heute im Bio-Teegarten von Iwao und Kimihiko Hayashi in der Präfektur Mie aufgenommen haben. Die Mie-Präfektur liegt grob gesagt etwa in der Höhe von Nagoya, alsa nur etwas mehr als einhundert Kilometer entfernt von der Kyoto-Präfektur. Somit liegt die Präfektur Mie etwa 600 bis 700 Kilometer nördlich von Yakushima, wo ja bereits vor zwei Tagen der erste Shincha geerntet wurde. Hier, in Mie, sieht man aber wirklich nur die allererstes, extrem kleinen Blattknospen. Während der Sohn Kimihiko Hayashi den ersten Erntetag auf den 10. Mai schätzte, belief sich die Schätzung des Vaters Iwao Hayashi auf den 20. Mai, denn es ist wirklich noch recht kühl in Mie dieses Jahr.

Shincha MOE – Neuigkeiten aus dem Teegarten von Herrn Matsumoto

Vor wenigen Minuten erreichte uns die neueste Nachricht von Herrn Matsumoto, der für uns zur Zeit fast täglich ein Foto in seinem Teegarten aufnimmt, und uns zuschickt. Dabei geht es immer genau um die Teegartenparzelle, von deren Teesträuchern Herr Matsumoto die Blätter für den Shincha MOE erntet. So kann man wunderbar beobachten, wie die feinen jungen Triebe Stück für Stück weiter austreiben, bis sie die perfekte Größe und Beschaffenheit erreicht haben, dass Herr Matsumoto sie für den Shincha MOE ernten kann.

Die Teegartenparzelle, von dem die Blätter für den Shincha MOE stammen, fotografiert von Herrn Matsumoto am 14. April 2017
Die Teegartenparzelle, von dem die Blätter für den Shincha MOE stammen, fotografiert von Herrn Matsumoto am 14. April 2017

Den unverkennbar schönen Teegarten, in dem Herr Matsumoto die Yabukita-Sträucher anbaut, deren Blätter er in sehr jungem Stadium für den außergewöhnlich fein geernteten Shincha MOE verwendet, ist leicht wiederzuerkennen: Im Hintergrund schaut man auf eine idyllische Meeresbucht in der Präfektur Kumamoto.

Auch von Frau Goto, einer Mitarbeiterin im Teegarten von Mankichi Watanabe und seinem Sohn Keita Watanabe, erhielten wir heute eine Nachricht, wie sich dort die Teesträucher weiterentwickeln, und welche Teestrauchvarietäten für den Shincha dieses Jahr an welchem Tag voraussichtlich geerntet werden oder auch schon bereits geerntet wurden. Mehr dazu schreiben wir in unserem morgigen Blog-Beitrag hier im Shincha Blog 2017.

Ankunftstag in Kyoto

Wie könnte ein Japan-Tee-Reise-Blog besser beginnen als mit der Kirschblüte. Die Kirschblüte liegt zwar ein ganzes Stück früher als die Ernte des ersten Tees des Jahres, des Shincha, wenn man beide Ereignisse innerhalb einer Region betrachtet und doch überlappen sie sich, wenn man bedenkt, dass die Kirschblüte im Norden Japans oft mit dem ersten Shincha aus dem Süden Japans zeitlich zusammentrifft. Die Vollblüte, der Höhepunkt der Blütenpracht kann nur wenige Tage her sein. Nur ein paar Blütenblätter fliegen im Wind, während die Bäume noch prächtig aussehen.

In diesem Jahr ist es noch recht kalt. Wir haben schon Jahre erlebt, in denen die Kirschblüte in dieser Region, wir sind in Kyoto, zwei-drei Wochen früher im Jahr lag. Ebenso verhält es sich auch mit dem Tee. Vor ein paar Tagen haben wir von Mankichi Watanabe gehört, dass wohl heute, der 13.April der allererste Erntetag in seinem Teegarten auf Yakushima, ganz im Süden in der Präfektur Kagoshima, sein wird. Das Datum hatte sich immer weiter verschoben. Erst hieß es noch, dass am 7.April die Ernte losgehen würde, aber weil es weiterhin kalt und regnerisch war, sind die Teepflanzen so langsam gewachsen dass Mankichi doch noch warten musste. Vor zwei Jahren waren wir Ende März in Yakushima und haben zu dem Zeitprunkt schon den ersten Erntetag erleben dürfen. Die Natur ist also etwa zwei Wochen später dran als gewöhnlich.

Auch für uns ist dieses Jahr ungewöhnlich. So sind wir es aus den letzten Jahren gewöhnt, in Deutschland bei Kälte und oft auch Regen ins Flugzeug zu steigen und in Japan von Sonne und angenehmer Wärme begrüßt zu werden. In diesem Jahr kommen wir etwas wärmeverwöhnt aus Frankfurt an und werden in Osaka von einer kühlen Brise begrüßt. Um uns vom Flug etwas zu erholen machen wir nach unserer Ankunft in Kyoto erst einmal einen Spaziergang und genießen den kühlen Wind und die ersten Sonnenstrahlen.

In einem Antiquariat springt uns von weitem schon ein Buch über Matchaschalen ins Auge, ganz so müde können wir also gar nicht sein. Beim weiteren Stöbern entdecken wir ein spannendes Buch über die Keramikstile der verschiedenen Töpferorte. Wir können uns nicht zurückhalten und müssen es, allein zu Bildungszwecken mitnehmen. Für uns ist das Blättern in dem Buch auch schon ein kleiner Vorgeschmack auf die kommenden Tage, denn in diesem Jahr stehen neben Teegärten auch verschiedene Keramikwerkstätten auf unserem Programm.

Shincha 2017 – Die Einflussfaktoren Lage, Teestrauchvarietät und Produktionsstil

Während im Teegarten von Mankichi Watanabe auf der Insel Yakushima, dem frühesten Shincha-Anbaugebiet Japans abgesehen vom noch weiter südlich gelegenen Okinawa, bereits die jungen Blatttriebe mehrere Zentimeter weit ausgetrieben sind, sind in nördlicheren Teeanbaugebieten Japans, wie Shizuoka oder Saitama, noch gar keine neuen Blatttriebe des Jahres 2017 zu sehen. Nachfolgend haben wir einen ersten Versuch gewagt, die zeitliche Dimension der unterschiedlichen Orte, an denen Shincha hergestellt wird, in einer Tabelle zusammen zu tragen. Natürlich ist die Liste nicht vollständig, da wir zwar zu Teegärten in relativ vielen japanischen Präfekturen enge Kontakte pflegen, in denen Shincha hergestellt wird, aber nicht zu Teegärten in allen japanischen Tee-Präfekturen.

Shincha-Ernte-Übersicht 2017, Stand 13. April
Lage Teegarten Teestrauchvarietät Voraussichtliches Shincha-Erntedatum 2017
Süd-Kyushu, Kagoshima-Präfektur, Insel Yakushima Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe Kuritawase 13. April, HEUTE GEERNTET
Süd-Kyushu, Kagoshima-Präfektur, Insel Yakushima Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe Yutaka Midori 14. April
Süd-Kyushu, Kagoshima-Präfektur, Insel Yakushima Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe Sae Midori 16. April
Süd-Kyushu, Kagoshima-Präfektur, Insel Yakushima Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe Asatsuyu 17. April
Süd-Kyushu, Miyazaki-Präfektur Bio-Teegarten von Haruyo und Shigeru Morimoto Yutaka Midori 28. April
Süd-Kyushu, Miyazaki-Präfektur Bio-Teegarten von Haruyo und Shigeru Morimoto Saki Midori 29. April
Süd-Kyushu, Kumamoto-Präfektur, Region Minamata Teegarten von Kazuya Matsumoto Yabukita 28. April
Honshu, Mie-Präfektur, Region Ise Bio-Teegarten von Iwao Hayashi Yabukita 20. Mai
Honshu, Shizuoka Präfektur Vergleichsteegarten Yabukita 22. Mai

Bei der Frage, zu welchem Zeitpunkt die Blätter für einen Shincha genau geerntet werden spielen natürlich eine ganze Menge Faktoren eine wichtige Rolle.

Dazu gehört sicherlich an erster Stelle der Faktor der Anbauregion, denn die zeitlichen Unterschiede zwischen weiter südlich und weiter nördlich liegenden Anbauregionen sind immens. Kyushu liegt dabei am weitesten im Süden Japans, mit vielen bekannten Teeanbau-Regionen wie Kirishima, Satsuma und Yakushima in der Präfektur Kagoshima, sowie den mittlerweile fast ebenso bekannten Tee-Präfekturen Miyazaki, Kumamoto, Saga und anderen. Weiter im Norden befindet sich die Insel Honshu, die sich allerdings von Südwesten bis Nordosten mehrere Hundert Kilometer in die Länge zieht. Die Teeanbaugebiete Nara, Kyoto und Mie befinden sich zwar noch relativ weit im Süden auf Honshu, allerdings schön mehrere Hundert Kilometer nördlich von Kyushu. Shizuoka und Saitama gehören nicht nur auf Honshu sondern überhaupt zu den nördlichsten Teeanbaugebieten. Der zeitliche Unterschied der Ernte zwischen dem südlichsten Kyushu und den nördlichsten Anbauregionen der Hauptinsel Honshu kann durchaus sechs Wochen betragen.

Einerseits ist also die Makro-Lage von entscheidender Wichtigkeit hinsichtlich des Erntezeitpunkt, aber auch die Meso-Lage, besonders auch hinsichtlich der Höhe, spielt keine unwichtige Rolle. Während wir in manchen Jahren bei Haruyo und Shigeru Morimoto in der Präfektur Miyazaki die ersten feinen Blätter bereits Mitte April ernten konnten, fand die Ernte der höher gelegenen Gegenden von der Präfektur Miyazaki, die für ihre Kamairicha-Produktion bekannt sind, zumeist erst drei bis vier Wochen später statt. Während sich Ende März 2017 in Yakushima bereits die ersten Blatttriebe zeigten, lag zeitgleich in den besagten höheren Regionen von Miyazaki noch der Schnee auf den Teesträuchern, und dies, obwohl die beiden Anbauregionen sich beide im Süden der südlichsten japanischen Hauptinsel Kyushu befinden.

Ein zweiter, sehr wesentlicher Faktor ist die Teestrauchvarietät, wie sich aus den ersten Zeilen der obigen Tabelle leicht erkennen lässt. Da die Teestrauchvarietät Yabukita seit Ende des 20. Jahrhunderts sich zur am weitesten verbreiteten Teestrauchvarietät in Japan entwickelte, mit ca. 70-80% aller verwendeten Teesträucher – was sicherlich auch kritisch zu betrachten ist – wird diese oft als eine Art Norm herangezogen. Spricht man beispielsweise über das Thema, welche Teestrauchvarietäten früher austreiben, und welche später, wird die Strauchvarietät Yabukita als Nullpunkt angesetzt. Während einige Strauchvarietäten wie Yutaka Midori und Kuritawase eine gute Woche früher austreiben als die Norm-Strauchvarietät Yabukita, treiben anderen Strauchvarietäten wie Asatsuyu nur einige Tage früher aus als die Varietät Yabukita. Sicherlich gibt es darüber hinaus auch Teestrauchvarietäten, die später als die Yabukita austreiben, was hier jedoch nicht näher betrachtet werden soll, da es im Fall von Shincha-Blog im Regelfall um Teestrauchsorten mit zeitlich frühen Vegetationszyklus geht. Um Missverständnissen vorzubeugen: Die besagten frühen Teestrauchvarietäten wachsen nicht schneller, nein sie treiben früher aus. Den Vergleich zwischen Schneller und weniger schnell wachsenden Teestrauchvarietäten gibt es natürlich auch. Dies hat einen wesentlichen Einfluss auf den Ernteertrag, doch ist dies eine andere Dimension als die Dimension des Zeitpunktes des Austreibens der jungen Triebe. Hier im Shincha-Blog wird daher das Thema der Wachstumsgeschwindigkeit nicht weiter thematisiert, während das Thema der zeitlichen Verschiebung der Wachstumszyklen öfter wieder aufgegriffen werden wird.

Als drittes spielt hinsichtlich des Erntezeitpunktes die Frage eine entscheidende Rolle, wie der Ernte- und Produktionsstil eines Teegartens bzw. Teemachers ist, der die Blätter für den entsprechenden Shincha erntet und verarbeitet. Solange wir nicht von Pulverteesorten (Matcha) und von lange beschatteten Teesorten (Gyokuro) sprechen, sondern von „normalen“ nicht gemahlenen Blattteesorten, und solange von modernen Tee-Produktionsstilen die Rede ist und nicht vom Produktionsstil, der bis Mitte oder spätestens Ende des 20 Jahrhunderts eher vorherrschend war, lässt sich zusammenfassend sagen, dass heutzutage feinere, jüngere, kleinere Blätter als hochwertigeres Blattgut angesehen werden. Betont sei jedoch, dass es einige wichtige Ausnahmen von dieser Verallgemeinerung gibt. Abgesehen von diesen Ausnahmen jedoch, zeichnet es einen Teemacher oder Teegarten aus, der besonders hochwertigen Tee herstellen möchte, eher fein zu ernten, oder aber fein zu sortieren. Herr Matsumoto, der mit seinem raren Shincha MOE mittlerweile sehr viel Beachtung findet, erntet dafür weit über das übliche Maß hinaus feines Blattgut. Das geerntete Blattgut ist derart fein, dass eine Sortierung gänzlich entfällt, was eine wirklich selten anzutreffende Besonderheit darstellt. Sehr fein geerntetes Blattgut bedeutet allerdings, dass sehr früh geerntet wird, denn zu einem späteren Zeitpunkt wären die Blätter nicht mehr so fein. Dies erklärt, warum die Ernte des Shincha MOE bei Herr Matsumoto relativ früh stattfindet, obwohl der in der Präfektur Kumamoto vorzufindende Teegarten vergleichsweise hoch gelegen ist.

Kabuse Shincha Vorbereitungen im Teegarten von Mankichi Watanabe auf Yakushima

Inzwischen sind die Vorbereitungen für den Kabuse Shincha vom Bio-Teegarten der Familie Watanabe auf Yakushima bereits in vollem Gange. Gestern erhielten wir von Frau Goto, der Mitarbeiterin von Herrn Watanabe, bereits Fotos, die Mankichis Sohn Keita Watanabe für uns in seinem Teegarten aufgenommen hat.

Watanabe Kabuse Shincha 2017
Watanabe Kabuse Shincha 2017

Die Insel Yakushima, ganz im Süden Japans, noch weiter südlich der Insel Kyushu als die anderen Anbaugebiete in der Präfektur Kagoshima, liegt rund 200 km südlich der Stadt Kagoshima. Auf Yakushima treiben die Teesträucher landesweit am frühesten aus, weshalb Yakushima gewissermaßen eine Oase für die „Teesorte“ Shincha darstellt.

Auf dem Foto, das Mankichi Watanabes Sohn Keita am 4. April 2017 aufgenommen hat, sieht man nicht nur, dass die Teesträucher für den Kabuse Shincha bereits mit schwarzen Netzen beschattet werden – die Hälfte der Arbeit des Anbringens der Netze ist bereits geschafft – sondern auch, dass zu dieser frühen Zeit bereits die jungen Blatttriebe gut zu sehen sind. Auch die hellgrüne Farbe des Teegartens verrät uns, dass die Teesträucher bereits deutlich begonnen haben auszutreiben, und schön Knospen gebildet haben, die für den Watanabe Kasbuse Shincha 2017 verwendet werden.

Umso erstaunlicher ist, dass auf dem Foto die Teegartenparzelle von Mankichi Watanabe zu sehen ist, in der die Teesträucher der Varietät Asatsuyu angebaut werden, denn dies sind nicht einmal die ersten Sträucher, die bei Herrn Watanabe austreiben. Nein, die Strauchvarietät Kuritawase ist noch früher dabei neue Triebe und Blattknospen zu bilden. Nicht mehr lange also, bis der Watanabe Kabuse Shincha 2017 geerntet werden kann!

Die Shincha-Zeitgrenze: Von Yakushima nach Shizuoka

Während bei manchen Teesorten die Analyse der Namen durchaus in die Irre führen kann, scheint dies im Fall von Shincha eher eine Möglichkeit zu sein, einen spannenden Blick hinter die Kulissen zu werfen. Der Schlüssel zu allen Überlegungen ist dabei natürlich in der ersten der beiden Silben zu finden, nämlich im „Shin“, das ganz schlicht und ergreifend „neu“ bedeutet. Beim Shincha geht es bekanntlicherweise um die ersten frischen Tees des neuen Erntejahres. Doch wann werden diese in welchen Regionen geerntet?

Vor zwei Jahren, also 2015, haben wir das Glück gehabt, ein sehr frühes Shincha-Jahr mitzuerleben, was einerseits durch die Wetterlage bedingt war, und zudem dadurch, dass wir uns genau zur rechten Zeit am rechten Ort aufhielten: So erlebten wir bereits Ende März die Shincha-Ernte bei Mankichi Watanabe auf der Insel Yakushima, die etwa 200 km südlich der Stadt Kagoshima liegt, und damit noch weiter südlich als die Insel Tanegashima. Beide Inseln, also Yakushima als auch Tanegashima, gehören zur Präfektur Kagoshima, auch wenn der Hauptteil von Kagoshima, der sich auf der Insel Kyushu befindet, nicht unweit von Tanegashima und umso mehr von Yakushima entfernt ist.

Während im Jahr 2015 die Shincha-Ernte bei Mankichi Watanabe bereits Ende März begann, so fand die Ernte in der Kirishima Region erst circa drei Wochen später statt, was angesicht der Tatsache, dass es sich immer noch um dieselbe Präfektur handelt, durchaus erstaunlich klingt. Shutaro Hayashi erntete im Jahr 2015 seinen ersten Tee (Tennen Gyokuro) der ersten Ernte etwa am 20. April. In der benachbarten Präfektur Miyazaki hingegen fand die Ernte des Morimoto Shincha bei Haruyo und Shigeru Morimoto jedoch kurz zuvor statt, was unter anderem auf die bekanntlicherweise starke Sonneneinstrahlung in Miyazaki zurückzuführen ist.

Wirklich ins Erstaunen versetzte uns allerdings, dass in den letzten Jahren in Europa bei manchen Teehändlern fast zeitgleich mit den Shincha-Sorten aus dem südlichsten Ende Japans (also Kyushu u.a. mit den Präfekturen Kagoshima, Miyazaki und Kumamoto) ein Shincha aus Shizuoka auf den hiesigen Markt kam. Wie kann das nur möglich sein? Da Shizuoka rund 1000km weiter im Norden liegt als Yakushima, grob gesagt gerade einmal etwas südlich von Tokyo, müsste doch dort die Ernte minimal vier Wochen später statt finden, wenn nicht sogar eher sechs Wochen später?

Eine Antwort, die uns wirklich zum Schmunzeln brachte, wußte uns zu dieser Frage Shutaro Hayashi zu sagen, der seinem Universitätsstudium in Kagoshima viele spannende Kontakte in der japanischen Insider-Teeszene zu verdanken hat, die immer mal wieder überraschende Dinge ans Licht bringen: Natürlich kann ein Shincha bereits kurz nach der Ernte in Yakushima und Tanegashima aus Shizuoka kommen, auch wenn dort die Ernte noch garnicht stattgefunden hat. Naja, und wie?

Dafür gibt es mindestens zwei Möglichkeiten: Zum einen gibt es in Shizuoka unzählige Tee-Großhändler und Tee-Finalverarbeiter (Japanisch: Tonya-san), die Blätter aus ganz Japan einkaufen, und dann mit einem „passenden“ Namen verkaufen. „Shizuoka Shincha“ bedeutet in deren Augen nicht, dass die geernteten Shincha-Blätter aus Shizuoka stammen müssen, sondern einfach nur, dass die finale Verarbeitung in Shizuoka stattgefunden hat. Eine interessante Interpretationsweise, die sicherlich ihre Berechtigung hat, auch wenn das nicht so ganz zu unserer eigenen Tee-Philosophie zu passen scheint.

Die zweite Möglichkeit ist aber auch nicht gerade weniger überraschend: Man kann natürlich auch die Teeblätter der Ernte im vorigen Jahr im vorverarbeiteten Zustand (Aracha) einfrieren, und dann gerade kurz bevor in anderen Regionen im folgenden Jahr geerntet wird, die Finalvearbeitung durchführen. So ist man der Erste, der Shincha auf den Markt bringt, egal wann die neue Ernte stattfindet!

Offen gesagt ist unsere Denkweise da wirklich anders, denn natürlich ist es schön schon zu einem frühen Zeitpunkt im Jahr zum Genuß eines frischen Shincha zu kommen, aber macht es nicht letztlich den wirklichen Charme eines Shincha aus, dass er wirklich frisch geerntet wurde, und nicht nur frisch schmeckt? Zudem, ist es nicht schön zu wissen, woher das geerntete Shincha-Blattgut wirklich stammt, und mitzuerleben wie der Shincha bei einem bestimmten Teegarten geerntet wurde und dessen Charakter trägt?

Aus dieser Idee ist der vorliegende „Shincha Blog 2017“ entstanden, bei dem wir so gut wie jeden Tag die neuesten Shincha-Ereignisse, vor allem bei unseren Teegarten-Partnern Mankichi Watanabe auf Yakushima, Haruyo und Shigeru Morimoto in Miyazaki, und Herrn Matsumoto in Kumamoto, mitverfolgen und darüber berichten. Und in wenigen Tagen gibt es bereits die ersten Fotos aus Yakushima!

Shincha 2017: Reservierungen bei Watanabe, Morimoto und Matsumoto bestätigt

In den letzten Tagen erhielten wir von Herrn Matsumoto, von Haruyo und Shigeru Morimoto, sowie von Frau Goto, die für den Teegarten von Familie Watanabe auf Yakushima arbeitet, wirklich freudige Nachrichten: Alle drei nehmen unsere diesjährigen Shincha-Reservierungen an, so dass wir gute Chancen haben, auch dieses Jahr (2017) wieder so fantastische Shincha-Sorten zu bekommen, wie in den vergangenen Jahren.

Beim Shincha werden die Blätter von recht früh austreibenden Strauchsorten geerntet. Dazu gehört bei den Morimotos besonders die Strauchvarietät Yutaka Midori, die bei Familie Morimoto für den Shincha gut zwei Wochen beschattet wird. Bei Familie Watanabe auf Yakushima gehört zu den am frühesten austreibenden Sorten die seltenen Varietät Kuritawase, die ebenso für die Shincha-Ernte beschattet wird.

Herr Matsumoto hingegen verwendet seine Yabukita-Sträucher, die an sich nicht allzu früh austreiben, aber erntet nur die aller jüngsten, aller feinsten Blatttriebe, so dass er dennoch recht früh ernten kann, und zudem eine sehr ausgefallene, feine Shincha-Qualität produziert. Die Kehrseite von solch einem extrem feinen Schnitt, wie er für den Shincha MOE von Herrn Matsumoto durchgeführt wird, ist allerdings, dass die Erntemenge extrem klein ist. Dies ist natürlich auch ein Grund dafür, warum wir so dankbar sind, dass Herr Matsumoto auch dieses Jahr unsere Reservierung angenommen hat, obwohl die hersgestellte Menge des Shincha MOE sehr klein ist.

Beim Shincha von Familie Watanabe auf Yakushima ist die Menge unseres Kabuse Shincha allerdings auch sehr begrenzt. Hier liegt es weniger daran, dass die gesamte Erntemenge so klein wäre, sondern vielmehr daran, dass Herr Watanabe für uns einen eigenen, besonderen Kabuse Shincha herstellt, für die er auch die Blätter seiner seltenen Sae Midori Sträucher verwendet. Da er nur etwa fünf Reihen der Sae Midori Sträucher in seinem Bio-Teegarten hat, beträgt die Erntemenge nur ca. 15kg. Natürlich wollen wir Herrn Watanabe nicht gleich die gesamte Menge von 15kg wegschnappen, so dass wir nur mit ca. 5kg Blattgut der Sorte Sae Midori für unsere Watanabe Kabuse Shincha rechnen. Vor diesem Hintergrund können jährlich nicht viel mehr als 35kg diese Shincha hergestellt werden, denn sonst würde sich das Mengenverhältnis der einzelnen Varietäten im letztlichen Shincha zu stark verändern. Also ebenso eine begehrte Shincha-Sorte, über die wir uns jedes Jahr sehr freuen, und dankbar sind, dass wir diesen von Herrn Watanabe hergestellt bekommen.

Yakushima Zedernwald

Diesmal ist die Zeit ein wenig knapp, so haben wir nur einen Vormittag um wenigstens kurz in die Berge zu gehen. Als wir losfahren, ist es zwar extrem feucht von dem Starkregen am Vortag, aber dennoch regnet es nicht.

Während wir bis hoch zu den mehrere tausend Jahre alten Zedern wandern, fängt der Regen aber wieder an. Schon nach kurzer Zeit sind wir komplett nass, aber irgendwie scheint das niemanden so wirklich zu stören. Der Anblick dieses fantastischen Waldes mit seinen zahlreichen Bächen, hohen Bäumen und viel Moos lässt uns vergessen, dass der Regen bereits alle Schichten unserer Kleidung durchdrungen hat.

Zum Mittagsessen sind wir mit den Watanabes und Frau Goto verabredet, weshalb wir auch schon bald wieder aufbrechen. Im Teegarten angekommen, merken wir, wie uns langsam kalt wird. Wir freuen uns unter der Heizung zu sitzen, und ein bisschen zu trocknen. Zusammen bereiten wir nach dem Essen noch die Pakete mit dem diesjährigen Watanabe Kabuse Shincha vor, bevor wir uns auf den Weg zur letzten Fähre nach Kagoshima machen.

Besuch im Teegarten von Mankichi Watanabe auf der Insel Yakushima

Nach einer kurzen Nacht machen wir uns auf dem Weg zum Hafen, um nach etwa 2 Stunden auf der Insel Yakushima anzukommen. Wir haben heute wirklich Glück. In den letzten Tagen hat es in der ganzen Region Kyushu und auch auf Yakushima fürchterlich geregnet. Heute ist es zwar wolkig, aber trocken. Ab und zu sehen wir sogar ein paar Sonnenstrahlen. Wir stellen schnell unsere Sachen in der Unterkunft ab, um dann zu Mankichi Watanabe weiterzufahren. Noch etwas über eine halbe Stunde brauchen wir um unseren abgelegensten Teegarten zu erreichen.

Da die Tage, an denen geerntet werden kann, sehr rar sind, arbeiten alle auf Hochtouren, um heute die Yabukita zu ernten und den Aracha fertig zu machen. Herr Goto übernimmt die Ernte mit einer Helferin, die die frischen Blätter immer wieder, wenn die Teesäcke voll sind, zur Verarbeitungsanlage transportiert. Zwei weitere Helfer rollen die schwarzen Netze ein. Die Watanabes produzieren von der ersten Ernte nur Kabusecha.

Mankichi Watanabes Teegarten auf Yakushima

Wir versuchen uns im Hintergrund zu halten und genießen zusammen mit Valérie und Francoise einen der schönsten Teegärten Japans. Mankichi Watanabe sehen wir heute nur kurz in der Fabrik, er winkt uns kurz zu begrüßt uns, widmet sich dann aber gleich wieder der Teeverarbeitung, die seine volle Aufmerksamkeit verlangt. Bis zum Sonnenuntergang wird weiter geerntet. Die Verarbeitung läuft noch, wie wir am nächsten Tag erfahren, bis morgens um halb 3.

In der Erntezeit, so ab Ende März bis Ende April schläft Mankichi Watanabe in der Teefabrik, um flexibel reagieren zu können, wenn die Büsche bereit sind für die Ernte und gleichzeitig das Wetter passt. Das sind manchmal nur wenige Stunden, die es abzupassen gilt. Müsste er erst von zuhause kommen, immerhin eine Stunde Autofahrt, würde das nicht immer klappen. In diesem Jahr, so erzählt uns Frau Goto, hat es ungewöhnlich viel geregnet. Es war auch recht kalt, sodass die Teebüsche sehr langsam gewachsen sind – ein gutes Zeichen für die Qualität. Die Ernte auf Yakushima ist daher erst Anfang April losgegangen. Im letzten Jahr haben wir den ersten Tee schon Ende März geerntet.