Morimoto Shincha 2017 – Morimotos geben ihr Bestes, dass er so schnell wie möglich ankommt

Unser letzter Ausflug für dieses Jahr führt uns noch einmal in die abgelegene Präfektur Miyazaki zu Haruyo und Shigeru Morimoto. Die erste Ernte ist hier gerade in vollem Gange. Als wir gerade im Haus der Morimotos ankommen, erfahren wir von Haruyo, dass sie die ganze Nacht durchproduziert haben. Shigeru hat nicht einmal 2 Stunden geschlafen, Haruyo gar nicht. Dadurch, dass wir sie gut kennen, merken wir, dass sie etwas müde sind, trotzdem empfangen Sie uns sehr herzlich und freuen sich, dass wir Besuch mitgebracht haben.

Haruyo und Shigeru Morimoto ganz gerürt von den schönen Gastgeschenken
Haruyo und Shigeru Morimoto ganz gerürt von den schönen Gastgeschenken (Foto: Arun Herzog)

Als wir vorige Woche zu Besuch waren, hatten sie schon eine anstrenge Erntephase vorausgesagt, dass nun der Schlaf aber fast komplett ausfällt, ist noch einmal eine Steigerung dessen. Gestern haben sie noch bis spät  die Kabuse Yutaka Midori vom auf 260m über dem Meer gelegenen Shincha-Teegarten geerntet und verarbeitet. Seit unserem letzten Treffen haben wir fast täglich telefoniert um auf dem Laufenden zu bleiben, was die Ernte dieses Tees betrifft. Wir warten alle schon ganz sehnsüchtig auf den diesjährigen Morimoto Shincha, der nun zumindest schon vorverarbeitet als Aracha vorliegt. Die Farbe der Aracha-Blätter ist schon einmal ganz großartig –tief dunkelgrün mit fast ins bläuliche tendierendem Schimmer – großartig.

Die Yutaka Midori ist in diesem Jahr wirklich besonders spät. In den neun Jahren, die wir mit den Morimotos nun schon zusammen arbeiten, war das noch nie der Fall, dass Yabukita und Yutaka Midori in etwa auf die dieselbe Zeit fallen. Yutaka Midori und Saki Midori waren immer die ersten Strauchsorten, dann kam eine Pause von zwei-drei Tagen und erst dann ging die Ernte der Yabukita los. In diesem Jahr liegen diese Sorten mit der Yabukita etwa gleich auf. Heute wurde nämlich die Roji (unbeschattete) Yabukita, ein kleiner Bestandteil des Morimoto Tokujou Sencha, geerntet.

Luftaufnahme des Teegartens von Haruyo und Shigeru Morimoto
Luftaufnahme des Shincha-Teegartens von Haruyo und Shigeru Morimoto (links: Kabuse Yutaka Midori (bereits geerntet), Mitte Yabukita, rechts Neuanpflanzung Minami Sayaka) (Foto:Arun Herzog)

Dadurch, dass die Morimotos und auch die beiden Töchter die Nacht durchgearbeitet haben, ist heute nun aber früher Schluss, noch während unserer Anwesenheit fangen die beiden Töchter mit der Reinigung der Verarbeitungsanlage an. Dann heißt es erst einmal Energie tanken für den nächsten Erntetag. Für morgen steht dann die Kabuse Yabukita auf dem Plan, aber nur wenn das Wetter mitspielt. In diesem Jahr ist das schwer vorauszusagen. Während wir in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht haben, dass der regionale Wetterbericht recht präzise vorhersagen konnte an welchen Tagen es regnet und wann die Sonne scheint, ist die Wetterlage in diesem Jahr sehr unbeständig und wechselhaft. Auch für heute schwankten die Voraussagen zwischen strahlendem Sonnenschein und 27 Grad und Regenschauern mit 21 Grad. Um uns herum ziehen auch dicke schwarze Wolken, die sich dann zum Abend hin aber verziehen statt abzuregnen.

Haruyo und Shigeru Morimoto
Haruyo und Shigeru Morimoto im Oku Midori Teegarten: Selbst im Alter von 68 Jahren haben die beiden immernoch ihre jugendliche Energie und Lebensfreude behalten  (Foto: Arun Herzog)

Weil wir morgen schon unseren Rückweg in Richtung Honshu antreten, müssen wir auch schon früh wieder aufbrechen. Haruyo sichert uns bei der Verabschiedung noch zu, sich darum zu kümmern den Morimoto Shincha nun so schnell wie möglich zu sortieren und Shigeru die Finalerhitzung durchführen zu lassen, damit der Tee auf den Versandweg nach Europa gehen kann. Ab Montag arbeitet auch die Bio-Kontrollstelle wieder – die Golden Week ist dann vorbei. Dann kann auch das Exportzertifikat ausgestellt werden. Wir halten euch auf dem Laufenden, wann der Morimoto Shincha 2017 in Europa ankommt.

Vorbereitungen des Morimoto Shincha 2017

Was wäre eine MARIMO-Teereise nach Japan ohne einen Besuch bei Haruyo und Shigeru Morimoto: undenkbar. Am 25.April sind wir das erste Mal in diesem Jahr in Miyazaki und sehen uns nach einem Jahr endlich wieder persönlich. Es ist wieder unglaublich, wie sich der Betrieb der beiden von Jahr zu Jahr entwickelt. Immer mehr steigt die älteste Tochter Yukie tiefer und umfangreicher in die Arbeit im Teegarten ein. Sie ist mittlerweile nicht mehr aus dem Team wegzudenken. Auch hat sich die jüngere Tochter Tae nun entschlossen auf den Hof zurück zu ziehen, um die Eltern mehr zu unterstützen. Zuvor hatte sie 5 Jahre in einer eigenen Wohnung ein paar Autominuten entfernt gewohnt.

Vor einem Jahr wurde im Teegarten von Haruyo und Shigeru Morimoto ein neuer shi-age-Raum eingerichtet. Im Japan-Reiseblog 2016 haben wir ausführlich darüber berichtet. Shi-age beschreibt alle Prozesse der Endverarbeitung, also alles was mit dem Aracha noch geschieht bis er als fertig verarbeiteter Tee wie zum Beispiel Sencha auf den Markt kommt. Im neuen shi-age-Raum wird der Aracha zuerst sortiert, also die Blattstiele von den zu Nadeln geformten Blättern getrennt. Im Anschluss daran folgt die finale Erhitzung (hi-ire), die seit dem vergangenen Jahr mit einer professionellen hi-ire-Kikai durchgeführt wird. Zuvor haben die Morimotos eine sehr kleine Maschine verwendet, die eigentlich nur für wenige Kilogram gedacht ist, die nun vor einem Jahr durch die wirklich professionelle Maschine ersetzt wurde. Der shi-age-Raum wird im Sommer gekühlt, damit der Aracha nicht an Aroma verliert. Das verbraucht natürlich Energie. Da es den Morimotos ein Dorn im Auge war Energie für die Kühlung zu „verschwenden“, haben sie im März eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installieren lassen. An heißen und sonnigen Tagen produziert die Anlage nun mehr Strom als für die Kühlung benötigt wird, so dass noch Strom für anderen Dinge übrig bleibt. Gleichzeitig heizt sich das Gebäude auch etwas weniger auf, da die Sonne nicht mehr direkt auf das Dach strahlt, das von den Solarzellen bedeckt wird, so dass es einen doppelt positiven Effekt gibt.

Photovoltaik-Anlage von Haruyo und Shigeru Morimoto

Wir schauen uns natürlich auch wieder die einzelnen Teegarten-Parzellen genau an. Dabei fällt uns auf, dass zwischen den Reihen immer noch die Ventilatoren aufgebaut sind. Diese dienen dazu in sehr kalten Nächten warme Luft von oben in die Teereihen zu blasen, um dadurch zu verhindern, dass sich Bodenfrost bildet. Haruyo erklärt uns, dass sie diese noch aufgebaut lassen, bis tatsächlich die Ernte losgeht. In den Nächten wird es manchmal noch recht kalt, sodass es durchaus auch noch einmal einen Nachtfrost geben kann. Übermorgen ist Neumond, erklärt uns Haruyo Morimoto, und zu dem Zeitpunkt kommt oftmals kalte Luft aus den Bergen, wodurch die Nächte sehr kalt werden. Auch der Wetterbericht sagt noch einmal ein paar kalte Nächte voraus, bevor es dann zum Wochenende hin sehr warm werden soll.

Morimoto Teegarten-Parzelle 4: Yabukita und im Vordergrund zwei Reihen Benifuuki

Am 29. April sind wir nun zum zweiten Mal zu Besuch. In der Zwischenzeit hat es glücklicherweise keinen Nachtfrost gegeben. Alle Teegärten, mit denen wir zusammenarbeiten, haben in diesem Jahr keinerlei Frostschäden. Sicher hat das auch mit dem späten Austreiben der Pflanzen zu tun. Ohne dass wir es vorher wussten, war heute nun der erste Ernte- und Verarbeitungstag. Haruyo Morimoto – sie ist ja für die Ernte zuständig – hat 29 Reihen der Kabuse Yutaka Midori im Teegarten 12 geerntet, als erste Testproduktion. Der erste Erntetag dient bei Shigeru Morimoto immer dazu die Maschinen nach der langen Verarbeitungspause über den Winter wieder in Gang zu setzen und an die Besonderheiten des Jahres anzupassen. Der heute produzierte Tee kommt also nicht in den Handel. Oftmals verschenken die Morimotos diesen Tee an Freunde und Bekannte in der Umgebung. In den nächsten Tagen, die sehr warm werden sollen, wird dann das ganze Feld 12 geerntet und verarbeitet. Erst danach geht es mit unserem Morimoto Shincha weiter, der zwar auch aus der früh austreibenden Yutaka Midori hergestellt wird, die jedoch vom Feld 1, dem höchstgelegenen, nämlich unserem Lieblingsfeld stammt, also nicht von heute geernteten Feld 12. Für den Morimoto Shincha werden die Yutaka Midori Büsche etwa zwei Wochen beschattet. Die Blätter der Kabuse Yutaka Midori werden bei der Verarbeitung dann etwas tiefer gedämpft. Man kann fast schon von einem Fukamushi-Sencha sprechen. Als zweite Strauchsorte kommt noch die Saki Midori hinzu. Nach der Besichtigung aller Teegärten haben wir uns entschlossen die Saki Midori vom Teegarten 10 zu nehmen, da die jungen Blätter dort am besten aussehen.

Morimoto Shincha Teegarten: Teegarten-Parzelle 1: Kabuse Yutaka Midori

In diesem Jahr liegen die Erntezeitpunkte der verschiedenen Varietäten sehr eng beieinander, sodass es sein kann, dass vielleicht die Yabukita in der Nähe des Hauses noch vor der Yutaka Midori auf dem Berg und der Saki Midori, geerntet wird. Normalerweise liegen etwa drei bis fünf Tage zwischen den frühen Sorten Yutaka und Saki Midori und der als Referenz herangezogenen Yabukita. Alle Betriebe mit denen wir in Kontakt stehen melden dieses Phänomen, dass die frühen Sorten sehr spät dran sind, während die mittleren und späten eher im Normalbereich bezüglich des Erntezeitpunktes liegen. Die kommenden Tage werden also noch sehr spannend.

Tanoki zwischen den Teestrauch-Reihen: Morimoto Teegarten-Parzelle 1: Kabuse Yutaka Midori

Morimoto Shincha, erste Ernte Sencha und Kabusecha 2015

MARIMO_Morimoto_Grüntee

Während der Morimoto Shincha schon auf dem Weg nach Europa ist und dort in wenigen Tagen ankommen wird, ist bei den Morimotos die erste Ernte in vollem Gange. In diesem Jahr ist vor Ort bei den Morimotos von uns allen bei der Ernte besonders viel Durchhaltevermögen verlangt, denn es gab seit Anfang der Ernte bis jetzt keinen einzigen Tag, an dem wir nicht geerntet haben. In den vergangenen beiden Jahren gab es zwischendurch immer wieder Regentage, an denen sich alle ein bisschen erholen konnten. Seit dem Tag der ersten Shincha-Ernte powern wir nun dieses Jahr schon durch.

Zuvor hat es in ganz Japan sehr viel geregnet, so dass im Boden viel Feuchtigkeit gespeichert ist, und die Pflanzen nun bei dem schönen Wetter alles haben um sehr gut zu wachsen. Zusätzlich zum Morimoto Shincha, haben wir bisher schon Yutaka Midori, Saki Midori und Yabukita geerntet. Heute kann man schon fast von zwei Arbeitsschichten sprechen. Als wir heute mit der Verarbeitung von Yabukita Teeblättern aus Teegarten 8 fertig waren, mussten wir die Verarbeitungsanlage sehr schnell sauber machen, denn in der Nacht soll weiter verarbeitet werden. Während Tobias mit Haruyo noch spät abends im Teegarten die frischen Blätter erntet, ruht sich Shigeru etwas aus, damit er dann nachts weiter Tee verarbeiten kann. Teeproduktion ist schon wirklich harte Arbeit. Wenn die beiden Morimotos nicht so viel Humor hätten, würden wir das hier wohl alle nicht so leicht aushalten.

Otsukare-sama desu!