Mankichi und Keita Watanabe – Bio-Tee aus Yakushima

Nachdem wir nun seit unserer Ankunft in Japan in regelmäßigem Kontakt mit Frau Goto vom Teegarten von Mankichi Watanabe stehen, um den Import der beiden Watanabe Shincha-Sorten bestmöglich zu koordinieren, hatten wir diesmal bisher jedoch noch keine die Zeit nach Yakushima zu reisen. Heute schaffen wir es nun endlich uns auf den Weg auf die entlegene Insel zu machen, die ganz im Süden von Kyushu liegt, und noch zur Präfektur Kagoshima zählt, auch wenn zwischen der Stand Kagoshima und Yakushima etwa 150 Kilometer Meer gelegen sind.

Die märchenhafte Insel Yakushima – Blick von der Küste hinauf zu den Bergen

Die Ernte begann dieses Jahr hier bei Mankichi Watanabe auf Yakushima am 13. April. Die früheste Strauchsorte im Teegarten von Mankichi Watanabe ist die Kuritawase. Der Wortbestandteil „wase“ in Namen der Strauchsorte „Kuritawase“ bedeutet nebenbei bemerkt „früh“, da der außergewöhnlich frühe Erntezeitpunkt im Vergleich zu anderen Teestrauchvarietäten ein wesentliches Merkmal des Strauchsorte darstellt. Normalerweise folgt im Teegarten von Mankichi Watanabe auf Yakushima darauf als nächste Teestrauchsorte die Ernte der Varietät Sae Midori, und anschließend die Varieät Yutaka Midori, bevor die Asatsuyu ihren optimalen Zeitpunkt für die Ernte erreicht hat. Interessanterweise muss angemerkt werden, dass die Asatsuyu eigentlich als frühe Sorte gilt. Natürlich ist die Asatsuyu auch im Teegarten von Mankichi Watanabe früh, doch seine anderen, außergewöhnlich frühen Sorten, sind eben noch früher als die Asatsuyu.

Herr und Frau Watanabe, Frau und Herr Goto und die vielen jungen Helfer im Teegarten

In diesem Jahr ist die Reihenfolge allerdings etwas anders, denn das Klima ist dieses Jahr kühl. So kommt es dazu, dass sich nicht nur die Erntezeitpunkte der jeweiligen Sorten nach hinten verschieben, sondern es kommt auch zu Verschiebungen in der Reihenfolge, denn auch der Temperaturverlauf, die Niederschlagsmenge und Sonneneinstrahlung haben unterschiedliche Effekte aus die verschiedenen Strauchvarietäten. Aber die sich dieses Jahr so ergebende Erntereihenfolge passt zufällig genau für unseren Watanabe Kabuse Shincha, den Mankichi Watanabe speziell für MARIMO herstellt, obwohl es sich dabei nur um eine kleine Menge handelt, da die Erntemengen mancher seiner Varietäten extrem begrenzt sind. Der Watanabe Kabuse Shincha setzt sich aus drei Teestrauch-Varietäten zusammen: Kuritawase, Sae Midori und Asatsuyu. Alle Bestandteile werden etwa 10 Tage vor der Ernte beschattet. Limitierender Faktor für unseren Shincha ist die edle Teestrauch-Varietät Sae Midori. Im Teegarten gibt es nur ein paar wenige Reihen Sae Midori, so dass Mankichi Watanabe nur etwa 15kg pro Jahr bei der ersten Ernte davon ernten kann. In den vergangenen Jahren hat Mankichi auch noch Sae Midori für einen anderen Shincha verwendet, den er in Japan anbietet. In diesem Jahr hat er sich nun aber entschlossen die Sae Midori vollständig nur für unseren Watanabe Kabuse Shincha zu verwenden, wovon wir uns sehr geehrt fühlen, denn ohne dass dies abgesprochen wurde, räumt er dem Tee für unsere Kunden einen so wichtigen Platz ein, dass er dafür sogar die Tees für seine anderen Kunden hinsichtlich ihrer Zusammensetzung verändert. Es sind nun nur noch 3kg Kabuse Sae Midori als Rückstellmuster übrig, also hat er uns offensichtlich etwa 12kg der Kabuse Sae Midori für unseren Watanabe Kabuse Shincha gegeben. Wir sind sehr dankbar dafür, und wirklich angetan, von seinem Entgegenkommen.

Seit ein paar Tagen ist der fertig verarbeitete Watanabe Kabuse Shincha 2017 nun auf dem Weg nach Deutschland, wo Kirill und Masato bereits in den Startlöchern auf die Ankunft warten, um ihn dann schnellstmöglich versandbereit an unsere Kunden zu machen. Auch wenn wir natürlich immer so schnell wie möglich den neuen Tee in Europa anbieten möchten, dauert es dennoch zumindest noch einige Tage, denn selbst wenn der Shincha hier in Japan schon fertig verarbeitet vorliegt, folgt ja noch das Procedere für den Export, Transport, und Import. Dies ist nicht nur eine Frage der Entfernung von Japan bis nach Deutschland, sondern letztlich immer auch eine Frage wie schnell die entsprechenden Dokumente vorbereitet werden können, und wie schnell der Zoll bei der Importabwicklung arbeitet.

Davor, also bevor der Tee versendet werden kann, liegen natürlich auch noch einige Tage zwischen der Ernte und der finalen Verarbeitung. Der Tee liegt nach der primären Verarbeitung erstmal in Form von Aracha (vorverarbeitetem Tee) vor. Möchte man verschiedene Teestrauch-Varietäten kombinieren, folgt darauf das Blenden. Da der Tee möglichst schön, also ohne Blattstiele und kleine Ästchen vorliegen soll, folgt darauf die finale Sortierung. Darauf wiederum folgt ein für den Geschmack sehr wichtiger Schritt, die finale Erhitzung (hi-ire). Hier entscheidet Mankichi Watanabe wie stark er die Temperatur und Durchlaufzeit bei der Erhitzung einstellt, um einerseits die Shincha-Frische und den frisch-blumigen Duft des Tees zu erhalten, ihn aber gleichzeitig auf etwa 2% Feuchtigkeit herunter zu trocknen, wie das für Sencha und andere japanische Tees üblich ist. Wird die Temperatur zu hoch gewählt, so entstehen ansatzweise Röstnoten, die in einem Shincha üblicherweise nichts zu suchen haben, denn Röstnoten gehören eher zu einem Tee, der lagerfähig sein soll, und nicht zu einem Tee, der zum Ziel hat beim Trinken den Frühling zu feiern.

Da Mankichi Watanabe Bio-Tee erzeugt, und wir das auch in Europa zeigen möchten, folgt darauf noch die Bio-Export-Bürokratie. Für diesem Schritt ist Frau Goto zuständig, die sich um alle Belange bei der Zertifizierung kümmert. Sie arbeitet schon seit über 25 Jahren mit Mankichi Watanabe zusammen und hat sich damals, in den 1990ern auch dafür eingesetzt, dass der Teegarten biologisch betrieben wird. Vor zwei Jahren haben wir in unserem Reiseblog davon berichtet. Da die Mitarbeiter der japanischen Bio-Kontrollstellen oftmals einige Schwierigkeiten mit der englischen Sprache haben, das Export-Zertifikat aber auf Englisch ausgestellt werden muss, dauert es selbst bei einer erfahrenen Kontrollstelle oftmals bis zu 10 Tage bis das Zertifikat ausgestellt ist. Davor darf der Tee nicht abgeschickt werden. Der Transport nach Deutschland dauert von Japan auch noch einmal etwa ein bis zwei Wochen, manchmal sogar länger. Je nachdem wie viel am Zoll in Deutschland gerade los ist, kann es auch hier nochmal ein paar Tage dauern. Auch wenn wir alles nur Mögliche tun um den neuen Tee so schnell wie irgend möglich den Shincha-Durstigen anzubieten, dauert es doch immer mindestens 3 Wochen ab der Ernte, bis der Tee dann in Europa in den Läden steht. Die einzige Ausnahme ist, wenn wir einen kleinen Teil des Shincha direkt im Koffer mitnehmen, aber wie sich vermuten lässt, geht das nur mit wenigen Kilos, denn wir haben für unsere vierwöchige Reise ja noch allerhand andere Dinge und Arbeitsutensilien mit dabei, die wir auch gerne wieder mit nach Hause nehmen möchten.

Keita und Mankichi Watanabe

Während die erste Ernte in Miyazaki und Kirishima nun gerade erst beginnt, sind die Watanabes in den letzten Zügen der ersten Ernte: Yabukita und Kanaya Midori (letztere für den Watanabe Kanaya Midori Schwarztee) stehen noch auf dem Plan. Heute wird Yabukita geerntet und zu Sencha verarbeitet – der letzte Grüntee der diesjährigen ersten Ernte bei Mankichi Watanabe auf Yakushima. Während Mankichi Watanabe mit der Verarbeitung beschäftigt ist, holt uns sein Sohn Keita vom Hafen ab. Keita ist etwa in unserem Alter und lebt derzeit noch in Tokyo. Als Kind wuchs er zwar bei seiner Familie auf Yakushima auf, doch da es auf Yakushima zu jener Zeit bereits keine Oberschule mehr gab, zog er für den Besuch der Oberschule nach Kagoshima um. Letztlich zog er dann für sein Studium nach Tokyo, wo er seither blieb. Im Jahr 2016 war er schon für einige Wochen im Teegarten des Vaters um Stück für Stück die Abläufe und Tätigkeiten im Teegarten zu lernen. In diesem Jahr ist er über die ganze Zeit der ersten Ernte im Teegarten von Mankichi Watanabe und hilft wo er nur kann. Er hat vor einiger Zeit entschieden den Betrieb des mittlerweile 68-jährigen Vaters Mankichi Watanabe weiterzuführen. Im nächsten Jahr steht dann ein großer Umzug an. Mit seiner Frau und seinen beiden Kindern zieht Mankichis Sohn Keita Watanabe dann von Tokyo nach Yakushima. Größer könnte die Entfernung und auch der Kontrast zwischen moderner Großstadthektik im Norden und abgeschiedener Naturidylle auf einer abgelegenen, tropischen Insel ganz im Süden Japans kaum sein.

Keita Watanabe mit seinem zwei-jährigen Sohn

Sencha Herstellung im Teegarten von Haruyo und Shigeru Morimoto

Gestern empfingen wir zwei Gäste aus Deutschland, Olli und Geli, die gemeinsam einen Teeladen in Kiel betreiben, bei dem unter anderem auch besonderer Wert auf japanischen Tee und Keramik gelegt wird. Die beiden haben großes Glück, denn heute ist der letzte Honcha-Erntetag der ersten Ernte im Teegarten von Haruyo und Shigeru Morimoto. Es ist immer schwer vorauszusagen, ob sich die Gelegenheit ergibt während eines kurzen Besuches auch die Teeernte und Grüntee-Verarbeitung sehen zu können. Denn um dies zu ermöglichen, muss schließlich das Wetter mitspielen.

Zudem ist es für die Tee-Gärten meist sehr anstrengend, wenn ausgerechnet während der ersten Ernte – dem wichtigsten Zeitpunkt im Zyklus eines Jahres der allermeisten Teegärten – dann gerade bei all dem Stress mit der Ernte und Verarbeitung auch noch Gäste zu Besuch kommen. Auch Haruyo und Shigeru Morimoto würden sich lieber den Gästen während einer ruhigeren Saison in Ruhe, wirklich intensiv widmen können. Andererseits verstehen sie aber auch, dass es natürlich für unsere Gäste und uns spannend und sehr lehrreich ist, bei der Sencha-Produktion mit dabei zu sein und so jeden Schritt vom frischen Teeblatt bis zum fertigen Sencha mitzuverfolgen.

Es stehen heute zwei sehr wichtige Teesorten auf dem Programm: Sencha aus unbeschatteten Sträuchern der Varietät Oku Midori, sowie Fukamushi-Sencha aus beschatteten Oku Yutaka. Die unbeschattete Oku Midori-Strauchsorte ist ein wichtiger Bestandteil des Morimoto Tokujou Sencha, während die Kabuse Oku Yutaka etwas tiefer gedämpft wird, um dann für den Morimoto Fukamushi Sencha die geeignete Verwendung zu finden.

Mit der Oku Midori beginnt Shigeru schon ganz früh morgens. Als wir vormittags ankommen, sind die beiden Töchter Yukie und Tae Morimoto gerade damit beschäftigt die schwarzen Netze von den Oku Yutaka Sträuchern zu nehmen.  Da das Hilfsmittel für das Einrollen der schwarzen Netze – eine einfach konstruierte Maschine – leider immer noch beschädigt, und daher noch nicht einsatzbereit ist, müssen die Netze von Hand abgenommen und zusammengefaltet werden, was viel körperliche Arbeit und Zeiteinsatz erfordert. Da es am Vortag geregnet hat, und die Netze dadurch entsprechend schwer sind, ist das eine ganz schön anstrengende Arbeit – wir erinnern uns noch gut an die vergangenen Jahre, als es unsere Aufgabe war, die Netze von einigen Teegärten einzurollen.

In diesem Jahr wurden die Sträucher der Oku Yutaka besonders lang beschattet, und haben auch in der Zeit vor Anbringung der schwarzen Netze nicht viel Sonne bekommen, da es so viel regnete. Die Blätter dieser Tennen Gyokuro-Strauchsorte sind daher in diesem Jahr sehr klein und weich, weshalb Shigeru bei der Dämpfung sehr große Sorgfalt walten lässt. Nachdem er die Dämpfung eingestellt hat, zeigt er uns die frisch gedämpften Blätter. Er erklärt uns, dass er die Einstellung so perfekt findet, weil der Tee zwar tief gedämpft ist, aber das Blatt während der Verarbeitung nicht gänzlich zu Staub zerfallen wird, wenn er es so dämpft. Würde er noch tiefer dämpfen, würde die Farbe eher Richtung gelb tendieren und das Blatt zu sehr zerbröseln. Wir sind von der intensiven Farbe der Blätter jetzt schon begeistert. Da Shigeru Morimoto den Fukamushi Sencha exklusiv für uns herstellt, sprechen wir uns gegenseitig ab, wie die Dämpfung erfolgen soll, und wie der Tee am Ende werden soll – eine wirklich sehr fruchtbare Zusammenarbeit.

In diesem Jahr konzentrieren wir uns, unter fachkundiger Anleitung durch Shigeru Morimoto, mehr auf die Endverarbeitung (shi-age). Schon im vergangenen Jahr begannen bei den Morimotos die Planungen für einen festen Ort für die Endverarbeitung, die selbstverständlich auch die finale Sortierung umfasst. Im letzten Jahr (2015) konnten wir einige Tees schon sehr präzise sortieren, mit Hilfe einer zwar gebrauchten, aber technisch auf einem recht hohen Niveau befindlichen Maschine – allerdings erstmal nur als Testproduktion. Es gab auch noch keinen festen Ort für die Endverarbeitung, vielmehr waren die verschiedenen Endverarbeitungsschritte an verschiedenen Stellen, sodass man die 30kg-schweren Tee-Säcke mit Aracha immer von einem Ende des Produktionsraums ans andere Ende tragen musste.

Das ist nun endlich einfacher: Alles ist an einem Ort und auch der Weg zu Vakuummaschine und Kühlschrank ist nicht weit, sodass der Tee optimal gelagert werden kann, bis er dann den langen Weg nach Europa antritt. Natürlich ist die Endverarbeitung gleichzeitig auch dafür da, den Tee in einen Zustand zu bringen, indem er optimal transportiert werden kann, ohne auf dem Weg nach Europa an Qualität zu verlieren. Seit April gibt es nun diesen eigenen gekühlten Raum, in dem die Sortierung (senbetsu) und finale Erhitzung (hi-ire) stattfindet.

Die Endverarbeitung wird bei den meisten japanischen Tees von großen Konzernen übernommen, die den Aracha von vielen verschiedenen Betrieben aufkaufen und dann zu fertigen Sencha-Blends verarbeiten. Bei den Morimotos findet die Endverarbeitung (shi-age) natürlich in einem sehr viel kleineren Maßstab statt, verglichen mit den Großbetrieben in Shizuoka. Wir merken auch, dass die Endverarbeitung des Aracha auch noch einmal richtig viel Zeit in Anspruch nimmt, da sie mehrere Produktionsschritte umfasst, die alle eine ganze Menge Zeit brauchen.

Am Abend probieren wir den Fukamushi Sencha aus Oku Yutaka und sind wahnsinnig begeistert. Die tiefgrüne Farbe und das intensive umami dieses Tees sind einfach überwältigend.

Erster Erntetag im Bio-Teegarten von Familie Hayashi in Kirishima

Noch am Vortag telefonieren wir mit Shutaro Hayashi, um uns zu erkundigen, was für Arbeiten denn für den nächsten Tag (25. April) geplant seien. Als wir erfahren, dass Familie Hayashi damit rechnet, dass dies der erste Tag der ersten Ernte 2016 werden wird, planen wir gleich früh am Morgen nach Kirishima zu fahren. In diesem Jahr beginnt die Ernte vergleichsweise spät. Seit mehreren Wochen ist es vergleichsweise kalt und regnerisch. Die Teesträucher wachsen sehr langsam, und durch den bewölkten Himmel ergibt sich eine Art natürliche Beschattung.

Im Wohnhaus der Familie Hayashi angekommen, empfängt uns Shutaros ältere Schwester Momoko. Sie entschuldigt sich sogleich dafür, dass es im Haus etwas unordentlich sei, obwohl eigentlich alles perfekt geordnet aussieht, wie es für die Familie charakteristisch ist. Zurzeit ist auch Shutaros zweite Schwester im Haus. Sie wohnt eigentlich in Kumamoto. Aufgrund des schweren Erdbebens und der andauernden Nachbeben ist sie jedoch vorübergehend ins Elternhaus nach Kirishima zurückgekehrt. So ist momentan viel los im Haus der Hayashis.

Shutaro, Kenji und ihr Vater Osamu sind bereits im Bio-Teegarten, der etwas abgelegen liegt. Wir fahren durch eine märchenhafte Landschaft bis wir die kleine Hochebene am Fuße des Kirishima-Gebirges erreichen. Durch den Regen der letzten Tage und bleibende Feuchtigkeit in den Wäldern leuchten dort die Grüntöne wunderschön.

Die früheste Strauchvarietät von Familie Hayashi in Kirishima ist die Asatsuyu, die nun heute geerntet wird. Für uns ist es das erste Mal, dass wir bei der Ernte in Kirishima mit dabei sind. Als wir zum ersten Mal mit Shutaro und seinem  Vater Osamu den Bio-Teegarten besucht haben, waren die Asatsuyu-Sträucher, die heute geerntet werden, noch sehr klein. Daher waren die damals noch sehr jungen Sträucher der Asatsuyu noch nicht bereit geerntet zu werden. Nun ist es endlich soweit!

Asatsuyu im Teegarten von Familie Hayashi in Kirishima im Jahr 2014
Asatsuyu im Teegarten von Familie Hayashi in Kirishima im Jahr 2016

In diesem Jahr ist die Menge noch sehr klein. Es dauert ein paar Jahre bis die Büsche viele Verzweigungen gebildet haben, die die Grundlage dafür sind, um im folgenden Frühjahr viele neue Blatttriebe hervorzubringen, die dann geerntet werden können. Zunächst sind Shutaro, Kenji und ihr Vater Osamu Hayashi damit beschäftigt, die Netze von der gut zehn Tage langen Beschattung wieder abzunehmen und einzurollen. Da die Familie bisher nur die Sträucher der Varietäten Asatsuyu und Oku Yutaka als beschatteten Tee anbietet, ist die hergestellte Menge an Kabusecha im Vergleich zu anderen Betrieben, die viele ihrer Strauchsorten beschatten, recht klein. Da viele Familienmitglieder auch bei den für die Beschattung notwendigen Tätigkeiten mithelfen, benutzen sie bisher keine Geräte zum Aus- und Einrollen der Netze, sondern machen dies gänzlich per Handarbeit.

Die Ernte übernimmt der jüngere Bruder Kenji, während sich Shutaro um die Verarbeitung kümmert. Für Shutaro ist daher natürlich die ständige Adjustierung der Dämpfungsmaschine ein wichtiges Thema. Beide kommunizieren sehr viel, auch hinsichtlich der Einstellung der Erntemaschine. Die Atmosphäre ist sehr konzentriert: Jeder hat seine Aufgaben und widmet sich diesen mit voller Aufmerksamkeit, um einen wirklich perfekten Sencha herzustellen.

Nach seinem Studium mit dem Schwerpunkt Teeanbau und Teeverarbeitung hat Shutaro an verschiedenen Standorten gearbeitet, um auch praktische Erfahrungen zu sammeln. Nun obliegt ihm die Entscheidung, wann und wieviel geerntet wird und auch wie die Verarbeitung im Detail durchgeführt werden soll. Sein Vater Osamu Hayashi begleitet alle Schritte. Vater und Sohn tauschen sich auch während des gesamten Prozesses aus. Die letztliche Entscheidung, wann welches Blattgut in welcher Größe geerntet wird, sowie alle expliziten Einstellungen der Maschinen obliegen jedoch aber am Ende Shutaro.

Während Shutaro die Teeverarbeitung durchführt, nutzen wir die Gelegenheit Osamu zu interviewen. Wir wollen wissen, wie sich seine Vorstellungen von einem perfekten Sencha von Shutaros Idealbild unterscheiden. Osamu sagt uns, dass er noch ein-zwei Tage mit der Ernte gewartet hätte, bis die Blätter ein bisschen größer wären. Auch die Dämpfung hätte er ein bisschen weniger stark gemacht. Diese Unterschiede in der Auffassung, wie der perfekte Tee gemacht werden sollte, gehen sicherlich unter anderem darauf zurück, dass sich die Teekultur sowie die Kultur der Teeproduktion in den letzten Jahrzehnten einen starken Wandel durchlaufen haben. Zudem haben Vater und Sohn auf ganz unterschiedliche Art die Teeverarbeitung erlernt. Während Shutaro an der Universität studierte, und dann in vielen verschiedenen Betrieben praktische Erfahrungen gesammelt hat, war es zu Osamus Zeiten üblich, eher ausschließlich im praktischen Umgang Stück für Stück die Teeverarbeitung zu erlernen. Nachdem Osamus Vater Haruo aus dem Krieg zurückgekehrt war, übernahm er die Verantwortung für den Familienbetrieb. Haruo Hayashi brachte später seinem Sohn Osamu alles über Teeverarbeitung bei, was er selbst erlernt hatte. Osamu beschreibt jedoch, dass dies wohl nicht sehr viel gewesen sei. Da die Arbeit in der Teeverarbeitung zu diesem Zeitpunkt noch nicht so technisiert war, gab es für jeden Verarbeitungsschritt einen Verantwortlichen und zusätzlich eine höher gestellte Person, die die Verantwortung für die gesamte Produktion innehatte. Diese war wirklich mit Leib und Seele bei der Teeherstellung. Von ihr hat Osamu am meisten gelernt.

Osamu Hayashi bei unserem ersten Treffen im Frühjahr 2014

Wie bereits erwähnt, haben sich aber auch die Idealvorstellungen von einem perfekten Sencha mit der Zeit verändert. So erinnert sich Osamu daran, wie er als Kind mit seinem Großvater Tee getrunken hat. Damals war die ideale Farbe vom japanischen Sencha Yamabuki, ein intensives Gelb. Erst zum zweiten Drittel des 20. Jahrhunderts änderte sich diese Vorstellung langsam. So wird heutzutage ein Grün, das auf der Farbskala eher in Richtung Türkis tendiert, als Ideal angesehen, während früher das Grün mit einer Tendenz zu Gelb als ideale Aufgussfarbe propagiert wurde.

Nach unserem Gespräch machen wir noch einen kleinen Teegarten-Rundgang und sehen dort einen alten Bekannten: Yagi-O, den wilden Ziegenbock, der im letzten Jahr durch die Teefelder gesprungen ist. Es gibt Nachwuchs: Familie Hayashi hat sich zusätzlich eine Ziege angeschafft, und seit einem halben Jahr laufen nun auch zwei junge Zicklein durch die Teefelder und fressen dort Beikräuter, die zwischen den Teesträuchern wachsen. Im ersten Jahr war die Anschaffung von Yagi-O nur ein Test, um Erfahrungen zu sammeln, ob sich Ziegen für die Beikrautregulierung im Bio-Teegarten eignen. Dieser Versuch ist geglückt, sodass die kleine Ziegenherde nun fester Bestandteil des Teegartens ist. In wenigen Wochen wird es wohl auch wieder Nachwuchs geben.

Zugfahrt von Nagoya nach Kagoshima

Heute ist bereits die Zeit gekommen, unsere Reise in den Süden anzutreten. Durch das schwere Erdbeben in der Region um die Stadt Kumamoto herum, die in der gleichnamigen Präfektur liegt, ist die Shinkansen-Strecke bis auf weiteres gesperrt, und ebenso die Expressstrecken, die durch Kumamoto hindurchführen. Um nach Kagoshima zu kommen, müssen wir daher einmal um die ganze Insel Kyushu herumfahren. Ursprünglich hatten wir geplant, noch am selben Tag von Nagoya, wo wir bisher unsere Unterkunft hatten, bis zu Insel Yakushima zu kommen. Durch die Zugstreckensperrung schaffen wir es so nur bis zur Stadt Kagoshima, wo wir also übernachten werden. 12 Stunden sind wir im Zug unterwegs, legen über 1.200 km zurück und hoffen bei jeder Etappe, dass nicht das nächste Nachbeben oder die heftigen Regenfälle auch die Gleise in der Gegend um Oita oder Beppu herum beschädigen.

Natürlich haben wir uns schon bei unserer Ankunft in Japan so schnell wie möglich bei all unseren Teegärten und anderen Partnern in Kyushu gemeldet, um nachzufragen, ob dort alle die Erdbeben soweit gut überstanden haben. Wie leicht nachzuvollziehen ist, sind alle etwas aufgeregt, da die Beben zum Teil sehr stark waren und bekanntlicherweise großen Schaden angerichtet haben, ja sogar viele Menschleben gefordert haben. Von mehreren unserer Teegartenfamilien, die sich auch um uns gleich ziemlich Sorgen machten, erhielten wir sofort das Angebot, dass sie uns helfen möchten, einen Weg nach Kyushu zu finden, falls die Züge komplett ausfallen würden, und Narieda Shinichiro bot uns sogar gleich an, uns mit seinem Auto zu fahren. Natürlich baten uns alle auch so vorsichtig wie möglich zu sein. Am Bahnhof riet man uns an, vielleicht besser nicht nach Kyushu zu fahren, doch unsere Partner in Kyushu nicht zu besuchen, kommt für uns nicht in Frage. Schließlich arbeiten wir schon so viele Jahre mit ihnen zusammen, und wir sind uns sicher, dass sie die letzten Nachbeben noch genauso gut überstehen werden wie wir, während wir bei ihnen in den kommenden Tagen zu Besuch sein werden.

Besuch bei Iwao Hayashis Bio-Teegarten in Mie

Seit gestern sind wir nun nicht mehr allein unterwegs. Valérie und Francoise begleiten uns für etwa zehn Tage. Unser erster Teegarten-Ausflug führt uns nach Mie zu Iwao Hayashi. Diesmal holt uns Iwao zusammen mit seinem Enkel Shuhei vom Bahnhof ab. So arbeiten jetzt schon drei Generationen gleichzeitig in dem etwa 8 ha großen Bio-Teegarten. Zusammen fahren wir etwa eine halbe Stunde bis in das kleine Dorf, in dem der Teegarten umringt von kleinen so um die 300 bis 400m hohen Hügeln liegt.

Yabukita Teesträucher im Bio-Teegarten von Iwao Hayashi, geerntet wird hier voraussichtlich in der ersten Mai-Woche

Im Haus angekommen zeigt uns Iwao, wie der Umbau ihres Hauses weiter vorangekommen ist. Im letzten Jahr zog bereits die Teeverarbeitung in ein neues Gebäude um. Die Hayashis hatten etwas Sorge, dass bei einem Erdbeben das Haus die schweren Maschinen nicht mehr tragen könnte. Die alte Verarbeitungsanlage lag nämlich in einem Gebäude am Hang und damit zum Großteil im ersten Stock. Bei einem Erdbeben hätte die kleine Halle ganz schön geschwankt. Die neue Verarbeitungshalle ist daher nun ebenerdig und es gibt nur ein Stockwerk. In der alten Halle, die durch den Umzug der Tee-Verarbeitungsmaschinen nun umgebaut werden konnte, wurde ein Büro abgeteilt und im restlichen Teil befindet sich nun die Endverarbeitung, die hier auf 100% professionellem Niveau durchgeführt wird. Die Hayashis können mit der neuen Endverarbeitungsanlage von der Sortierung bis zum final erhitzen Tee alle Schritte selbst durchführen.

Bio-Pionier Iwao Hayashi in seinem Teegarten in der Präfektur Mie

Wir alle sind ganz beeindruckt von Iwaos Ausstrahlung und jugendlicher Beweglichkeit. Der fast 80-jährige mehrfache Großvater – in diesem Jahr wird er 80 – ist unterwegs wie eh und je und arbeitet auch weiterhin in seinem biologischen Teegarten. Er verrät uns im Gespräch sein Geheimnis, wie er schafft in hohem Alter mit so viel jugendlicher Energie aufzuwarten. Eines war uns ja schon klar – der Bio-Grüntee. Er zeigt uns dann aber noch etwas anderes, nämlich eine spezielle Wasseraufbereitung, die er installiert hat. Familie Hayashi verwendet zum Kochen, sowie zur Teezubereitung, als auch als pures Trinkwasser nur dieses gefilterte Wasser, das aus den nahe gelegenen Bergen stammt. Sie holen zunächst Wasser von einer Quelle und füllen es in einen Wassertank. In die Mitte von dem Wassertank wird Aktivkohle hereingelegt und anschließend elektrische Spannung angelegt. Von der Idee her, sollen sich hierdurch unerwünschte Stoffe an die Aktivkohle binden. Iwao scherzt, dass er nicht sagen kann, ob und was das wirklich bringt, aber es scheint ihm gut tun. Er beobachtet auch, dass das Wasser so anders schmeckt, wie er sagt „weicher“, und besser zum Tee passt als gewöhnliches Leitungswasser.

Im Gespräch stellen wir fest, dass es nun schon 10 Jahre her ist, dass wir uns das erste Mal getroffen haben. 2006 besuchten wir Iwao zum ersten Mal. Damals waren wir noch als wissbegierige Studenten in Japan unterwegs, die herausfinden wollten warum er sich entschlossen hat biologischen Tee zu anzubauen. Heute sind wir nun als Tee-durstige Importeure zu Besuch, die sich zur Aufgabe gemacht haben seinen Tee in Europa bekannt zu machen, ganz so wie Iwao es sich vor 10 Jahren gewünscht hat, als wir selbst noch nicht auf diese Idee gekommen waren.

Morimoto Grüntee – Shincha Vorbereitungen 2015

Morimoto_Kabusecha_Kabuse Sencha Shincha

Zusammen mit Werner und Frank besuchen wir heute die Morimotos in der Nachbarpräfektur Miyazaki. Nach unserer Ankunft um die Mittagszeit gehen wir erst einmal in ein schönes Sushi-Restaurant in Tsuno, unweit des dort gelegenen Bio-Teegartens der Morimotos. Nur zu besonderen Anlässen laden die Morimotos zum Sushi essen ein, denn „richtige Suhis“ sind in Japan ganz schön teuer, und werden vor allem bei besonderen Anlässen gegessen, wie eben heute, als unsere Kunden mit uns bei Familie zu Besuch sind. Im Alltag stehen bei den beiden eher Gemüse aus dem eigenen Garten und Farnsprossen (Warabi) aus der Umgebung der Teegärten auf dem Speiseplan. Ein Teil der Bescheidenheit, die sie sich zu einer Zeit zu eigen gemacht haben, als der Teegarten noch deutlich kleiner war als heute – auch wenn es sich selbst heute noch um einen überschaubaren Familienbetrieb handelt – und ein Teil der Bescheidenheit, die sie sich bis zum heutigen Tage bewahrt haben.

Shigeru_Morimoto_Shincha_Teegarten

Gestärkt fahren wir weiter in die Morimoto-Teegärten in Tsuno, wo sich zwei Parzellen befinden. Haruyo und Shigeru Morimoto haben schon begonnen die Yutaka Midori Sträucher für den Morimoto Shincha zu beschatten. In diesem Jahr haben wir darum gebeten die Yutaka Midori etwas länger zu beschatten als bisher.

Morimoto_Shincha_Teegarten

Die Sträucher entwickeln dann ein unglaubliches Umami, gepaart mit blumiger Frische. Geplant ist dieses Jahr die Beschattungszeit von zwei Wochen. In diesem Jahr ist auch die Natur auf unserer Seite. Da es bisher recht kühl war, und die Sträucher damit langsam gewachsen sind, wird 2015 wohl ein gutes Grüntee-Jahr. Wir sind gespannt.

Morimoto_Matcha_MARIMO Morimoto Grüntee – Shincha Vorbereitungen 2015 weiterlesen

Abschied von der Märcheninsel Yakushima

Shiratani_Yakushima_MARIMO

Nachdem wir gestern unsere Gäste aus Kiel verabschiedet haben, naht noch auch schon die Zeit, zu der auch wir von dieser Märcheninsel Yakushima Abschied nehmen werden. Da das Wetter heute sehr schön ist, entschließen wir uns erst die letzte Fähre zurück aufs Festland – naja auf die große Insel Kyushu – zu nehmen, und den heutigen Tag noch hoch in den Bergen von Yakushima zu verbringen. Von Miyanoura aus fahren wir mit dem Linienbus hoch hinauf nach Shiratani Unsuikyo, um von dort aus einen der vielen Rundwege zu laufen.

Yakushima_MARIMO_Kundenreise

Vier Stunden dauert unsere Tour vom Bergeinstieg bis auf den Taikoiwa Felsen und zurück. Shiratani Unsuikyo liegt auf etwa 800m über dem Meer – die ersten Höhenmeter haben wir noch mit dem Bus zurückgelegt. Der Taikoiwa Felsen ragt etwa 1300m über dem Meerespiegel über in ein Tal hinein. Der Ausblick vom Felsen auf die anderen Vulkane und ins Tal ist unglaublich. So bietet sich auch ein sagenhafter Blick über die facettenreiche Flora, denn abgesehen vom Augenblick auf dem Felsen sind wir sonst nur unter den Baumkronen gewandert, so dass wir nun erst einen Überblick von oben aus über die Baumkronen genießen können. Nebelschwaden ziehen am heutigen Tag über die Gipfel hinweg und ein frischer Wind weht über den Felsen, auf dem wir uns für einige Minuten niedergelassen haben.

Berglandschaft_Yakushima_Taikoiwa Abschied von der Märcheninsel Yakushima weiterlesen

Bio Kabuse Shincha Ernte im Teegarten von Mankichi Watanabe

Ein schier unendlicher Regen prägt seit einen Tagen unsere Zeit in Yakushima. Die Asatsuyu-Teesträucher warten wahrscheinlich genauso sehrsüchtig darauf geerntet zu werden wir darauf warten die Ernte selbst zu sehen, und darauf, dass der diesjährige Kabuse Shincha von Mankichi Watanabe vollendet werden kann. Dietmar ruft daher seit einigen Tagen schon früh morgen nach dem Aufstehen Mankichi Watanabe an, und erkundigt sich wie die Lage vor Ort im Teegarten ist. Das Wetter auf Yakushima ist an den verschiedenen Orten auf der Insel sehr unterschiedlich, sodass wir an den Vortagen trotz Regen bei uns in Miyanoura hofften, dass das Wetter im Teegarten von Mankichi Watanabe besser ist und geerntet werden kann. Heute stehen die Chancen gut, es regnet selbst in Miyanoura bislang nicht und der Himmel ist auch nicht ganz so dunkel, wie an den Vortagen. Telefonisch erreichen wir Mankichi Watanabe nicht. Das ist ein gutes Zeichen, denn bei der Arbeit hat er sein Mobiltelefon eigentlich nie dabei. Als wir daraufhin die Nummer von Frau Goto wählen, haben wir jedoch Glück sie zu erreichen. Wir freuen uns sehr, denn heute geht die Ernte weiter.

MARIMO_Dietmar_Watanabe_Shincha_Grüntee

Für unsere Gäste können wir so auch die MARIMO-Ernte-Garantie bei der Kundenreise einhalten. Für das Verständnis, was eigentlich genau bei der Grünteeherstellung passiert, ist es sicherlich ein Pluspunkt, die Ernte und Verarbeitung einmal selbst miterlebt zu haben, weshalb wir unsere Kunden eigentlich immer zu Zeitpunkten in Japan treffen, zu denen geerntet wird.

Teereise_Yakushima_WatanabeGlückliche Gesichter

Yakushima_Watanabe_Kabuse_Shincha-Ernte
Die leuchtend grünen Asatsuyu Sträucher werden heute geerntet, und wir können mitfühlen, wie sie sich freuen, dass nun die schwarzen Netze abgenommen werden, die zwei Wochen lang dafür gesorgt haben, dass die Sträucher besonders grüne Blätter mit frischen, fein süßlich duftenden Aromen entwickeln. Asatsuyu kennt ihr wahrscheinlich schon vom Watanabe Asatsuyu Tokujou Kabusecha. Doch für unseren neunen Watanabe Yakushima Kabuse Shincha 2015 hat Mankichi Watanabe neben Asatsuyu auch Kuritawase und etwas Sae Midori eingeplant, wodurch sich der Kabuse Shincha von Mankichi Watanabe trotz einer gewissen Ähnlichkeit doch auch eindeutig vom Asatsuyu Tokujou Kabusecha unterscheiden wird.

Watanabe_Grüntee_Kabuse
Im Asatsuyu Teegarten werden zuerst die Netze eingerollt, die etwa zwei Woche lang für die Beschattung der Asatsuyu-Teesträucher gesorgt haben, damit danach geerntet werden kann. Zum Einrollen der Netze haben die Watanabes einen kleinen Wagen in Verwendung, den die Erntehelfer durch die Reihen fahren lassen. Dieser rollt die Netze ein, sodass die beiden Helfer die Netze nur richtig hinrücken und die Klammern von den Sträuchern abmachen müssen. Das ist eine riesen Erleichterung bei der Arbeit. Die Morimotos hingegen rollen die Netze noch mit der Hand ein, was ganz schön auf die Arme geht. Im ersten Jahr hat Shigerus Freund Katsumi sich bei den Morimotos darum gekümmert, alle Kabuse-Netze einzurollen und viel danach für einige Tage aus, da sich seine Unterarmmuskulatur von der Überanstrengung entzündete. Seit dem letzten Jahr wechseln sich Katsumi, Tetsumori (Yukies Ehemann) und Tobias ab. Eine gute Idee also, dass Familie Watanabe den Rollwagen verwendet, der die Arbeit im Teegarten geschickt erleichtert, und dafür sorgt, dass die Helfen nicht überlastet werden.

Watanabe_Kabuse_Shincha-Gruentee
Nachdem die Netze von den Sträuchern abgenommen wurden, gehen noch einmal zwei bis drei Erntehelfer durch die Reihen und entfernen Blätter, die von den Bäumen ringsherum in den Teegarten gefallen sind. Mit einem Gebläse werden auch noch in den Büschen sitzende Insekten fortgeblasen, damit sie nicht in die Erntemaschine geraten. Im Teegarten kümmert sich Herr Goto um die Ernte, während Mankichi Watanabe die Verarbeitung durchführt. Die frischen Asatsuyu-Blätter kommen nun schnell in die Verarbeitungsanlage, wo sie unter Kühlung aufbewahrt werden, bis sie dann gedämpft und weiter gelockert, geknetet und gerollt werden.

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Für die Kabuse Shincha Herstellung werden die Blätter beim letzten Verarbeitungsschritt, der finalen Erhitzung (hi-ire), nur sehr kurz und leicht erhitzt, wodurch die die volle Frische des Frühlings behalten. Eben dieses Aroma kann aber nicht für die Ewigkeit erhalten werden, so dass es vorteilhaft ist, den Shincha innerhalb weniger Monate nach der Ernte zu genießen.
Als wir am 30. März dabei waren, als die Kuritawase geerntet und verarbeitet wurde, war Mankichi Watanabe noch recht angespannt. An den ersten Verarbeitungstagen zeichnet sich oftmals schon ab, wie die weitere Ernte ausfallen wird. Da ist dann die Aufregung natürlich groß. Heute wirkt Mankichi deutlich entspannter, und das obwohl wir zu acht in der kleinen Verarbeitungshalle herumlaufen und ihm bei jedem Verarbeitungsschritt über die Schulter schauen.

Mankichi_Watanabe_Yakushima_Gruentee
In der ganzen Halle, wie auch draußen, riecht es hervorragend nach den frisch gedämpften Kabuse-Asatsuyu-Teeblättern.

Watanabe_Temperatur_Teeverarbeitung

Dieser Geruch ist wirklich einmalig, eindeutig anders als bei anderen Strauchsorten. Da wir nun schon öfter bei der Teeverarbeitung dabei waren, riechen wir schon deutliche Unterschiede, je nach Strauchsorte, die gerade verarbeitet wird. Die Asatsuyu ist sehr leicht und riecht wirklich verzaubernd süßlich, während die Kuritawase, die am 30.März verarbeitet wurde, eher blumige Nuancen verbreitet. Wenn ihr zu Hause in Deutschland einen guten Sencha oder Kabusecha frisch aufgießt, riecht mal nach dem Abgießen an den noch warmen Blättern. Der Geruch ist zwar nicht identisch mit den der Blätter während der Verarbeitung, aber immerhin hat er einige ähnliche Merkmale.
Es fällt uns schwer uns von diesem betörenden Geruch zu trennen, doch nachmittags müssen wir unsere Gäste aus bereits Kiel verabschieden, weshalb wir zum Mittagessen aufbrechen, das daher zugleich unser Abschiedsessen von unseren Kieler Kunden ist. Dafür gehen wir noch einmal in ein sehr schönes japanisches Pasta-Restaurant, das gar nicht so weit entfernt liegt. Hier waren wir schon zur Begrüßung mit Mankichi Watanabe, als wir noch mit Yoko zusammen auf Yakushima unterwegs waren.

MARIMO_Yakushima_Watanabe_Teereise
Am Nachmittag kehren wir dann noch einmal zum Teegarten von Mankichi Watanabe zurück. Wir sind gespannt, wie der fertige Aracha wohl schmecken wird, der schon viel darüber verraten wird, dann letztlich auch der fertige Kabuse Shincha schmecken wird. Mmmmmhhhhh, wir sind begeistert. Nun wird Mankichi Watanabe in den nächsten Tagen den fertigen Blend aus Kabuse Sae Midori, Kabuse Kuritawase und Kabuse Asatsuyu entscheiden, und dann noch die hi-ire – die finale Erhitzung – durchführen, sowie die finale Sortierung. Für den Transport nach Deutschland haben Frau Goto und Dietmar schon alles zusammen vorbereitet, sodass der Bio-zertifierte Watanabe Yakushima Kabuse Shincha auch sehr bald bei einigen ausgewählten Tee-Einzelhändlern in Deutschland (auch online), aber sogar auch bei drei, vier fabelhaften Tee-Einzelhändlern in anderen Ländern Europas zu finden sein wird.

Watanabe Kabuse Shincha

Bei allen renommierten Teefachhändlern wird er natürlich nicht zu finden sein, da die gesamte hergestellte Menge sich lediglich auf 25kg beschränkt. Dies liegt auch daran, dass Mankichi Watanabe insgesamt nur 10-15kg Sae Midori ernten kann, da der Sae Midori-Teegarten nur drei oder vier Reihen umfasst. Es handelt sich beim Watanabe Kabuse Shincha also wirklich um einen raren Schatz.

Kirishima Teegarten und Besuch bei Narieda Shinichiro

Heute ist der erste April und auch in Japan ist „Scherztag“. Es wird heute also lustig!

Am Vormittag haben wir einen Fototermin vereinbart. Auch von Familie Hayashi wollen wir ein Familienfoto machen, damit wir von nun an die Tees aus Kirishima mit dem „Gesicht des Gartens“ zeigen können. Im vergangenen Jahr haben wir uns erst einmal kennen gelernt, über Teestrauchsorten, Handel und Bio-Philosophie diskutiert. Für ein Foto der Familie war am Ende dann keine Zeit mehr.

Eigentlich hatten die Hayashis sich gewünscht, dass wir mit dem Familienfoto noch warten bis die neunen Blattriebe weiter gewachsen sind. In Kirishima ist es im Vergleich zu dem Teil südlichen Teil von Kagoshima, in dem der Teegarten von Familie Watanabe liegt, sehr kühl, auch deshalb, da der Garten von Familie Hayashi höher gelegen ist. Hier in Kirishima zeigen sich erst die ersten sehr kleinen Blatttriebe, während bei Familie Watanabe schon geerntet wird. Da wir leider nicht bis zur Ernte Ende April hier bleiben können, starten wir heute Vormittag nun doch einen Versuch die Familie mit ihrem Bio-Teegarten auf einem Foto festzuhalten.

MARIMO_Kirishima Familienfoto mit Ziege Kirishima Teegarten und Besuch bei Narieda Shinichiro weiterlesen

Erster Erntetag bei Familie Watanabe und Aufbruch in Richtung Kirishima

Heute sind wir etwas später dran, da wir uns am Nachmittag auf den Weg Richtung Kirishima machen werden, und daher schnell noch die Koffer packen müssen. Es fällt uns schwer die traumhaft schöne Gegend um Familie Watanabes Teegarten zu verlassen. Nachdem wir fertig gepackt haben fahren wir aber noch einmal zum Teegarten – aus einem sehr guten Grund: Heute ist bei Familie Watanabe bereits der erste Tag der ersten Ernte!

So früh haben wir noch nie eine erste Ernte in Japan miterlebt, und das ist auch wirklich eine ganz schöne Besonderheit bei Familie Watanabe. Bei strahlendem Sonnenschein und über 25 Grad erreichen wir die Teefelder. Die ersten Büsche der sehr frühen Varietät Kuritawase sind schon geerntet. Uns fällt sofort auf, dass Familie Watanabe extrem fein erntet. Der Anspruch von Mankichi Watanabe an seine Tees ist sehr hoch, und seit er mit uns und unseren Kunden miterlebt – auch er kennt die Fotos vom Watanabe-Genmaicha-Event in Paris – auf welche Begeisterung seine Tees in Deutschland und Frankreich stoßen, hat er dieses Jahr noch länger als üblich beschattet, und noch feiner geerntet.

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