Asatsuyu, Yutaka Midori und Yabukita auf der Insel Kyushu

Gestern zog es uns nun Richtung Süden. Wie verließen unser kleines Holzhäuschen in Kyoto, das wir für eine Woche unser Zuhause nennen durften, und sind nun schon zwei Tage auf der südlichsten Hauptinsel Kyushu unterwegs. Wir haben damit gerechnet, dass es hier schon wärmer sei und auch die Pflanzen bedeutend weiter in ihrer Entwicklung sind, aber so groß sind die Unterschiede nicht. Hier auf Kyushu  schauen wir uns an den ersten Tagen einige neue Bio-Teegärten an.

Berg-Teegarten auf der Insel Kyushu

Jeder Teegarten hat seinen ganz eigenen Geschmacks-Charakter, einmal natürlich durch den Anbau verschiedener Teestrauch-Varietäten, unterschiedliche Düngung, aber natürlich auch aufgrund des unterschiedlichen Terroirs, also dem Boden, der Lage und Ausrichtung des Teegartenstandortes, beziehungsweise der einzelnen Teegarten-Parzellen. Hinzu kommen natürlich die Vorstellungen des Teegartenbesitzers und Verantwortlichen der Vor- und Endverarbeitung. Bei den kleinen Familienbetrieben handelt es sich dabei oft um ein und dieselbe Person, dessen Geschmacksideale den Tee stark prägen. So entstehen Charaktertees.

Lebendiger Boden: Eine wichtige Voraussetzung für guten Tee

An unserem ersten Kyushu-Tag schauen wir uns einen Teegarten an, der für japanische Verhältnisse schon sehr weit oben gelegen ist. Die meisten seiner Parzellen liegen auf über 400 Metern, weitere auf immerhin 300 Metern über dem Meer. Für japanische Verhältnisse spricht man da schon von Bergtee (Yama-cha). Die Tee-Pflanzen treiben hier, aufgrund des kühlen Klimas in den Bergen entsprechend spät aus, obwohl wir uns auf Kyushu, also eigentlich auf der wärmsten Hauptinsel Japans befinden.

Die frühe Teestrauch-Varieträt Asatsuyu auf 400m über dem Meer (Kyushu, 20.04.2017)

Natürlich fragten wir aus Interesse für unseren Shincha-Blog auch nach dem voraussichtlichen Erntezeitpunkt. Dieser liegt bei den auf 400m gelegenen Parzellen voraussichtlich um den 3. bis 4.Mai. Gemeint ist hier natürlich lediglich der erste Erntetag. An diesem Standort wird dann mit der Ernte der frühen Teestrauch-Varietät Asatsuyu begonnen. Der früheste Tee wird in diesem Teegarten jedoch auf der Parzelle bei 300m schon um den 28. April herum geerntet. Beide Strauchsorten liegen von ihrem durchschnittlichen Erntezeitpunkt bzw. Wachstumsbeginn im Frühjahr etwa gleich auf. Allein die Lage der Teegarten-Parzellen ist hier für den Unterschied verantwortlich.

Die frühe Tee-Strauch-Varietät Yutaka Midori auf 300m über dem Meer (Kyushu, 21.04.2017)

Am Freitag besuchten wir einen zwar ebenso idyllisch, aber weniger hoch gelegenen Bio-Teegarten. Er liegt auf etwa 110 bis 150m über dem Meer. Hier ist es heute recht feucht-warm und es fliegen viele Insekten. Was uns aber neben dem phantastischen Ausblick in die üppige Natur besonders beeindruckt, sind die vielen verschiedenen Vogelstimmen, die wir hier von allen Seiten hören dürfen.

Dieser Teegarten ist bisher eher auf neutrale, also weder früh noch spät austreibende und spät austreibende Teestrauch-Varietäten ausgerichtet. Die früheste Sorte ist auch hier die Yutaka Midori, von der es aber nur eine kleine Teegarten-Parzelle gibt. Durch einige Neuanpflanzungen wird sich das Verhältnis aus frühen und späten Sorten hier aber in den nächsten Jahren vermutlich noch ändern.

Yabukita-Teesträucher in der Abendsonne auf etwa 120m über dem Meer (Kyushu, 21.04.2017)

Wir wollen noch nicht zu viel vorweg nehmen, aber vielleicht gibt es ja bald noch ein paar neue sehr spannende Tee-Sorten. Wir halten Euch auf dem Laufenden.

Veganer Sencha aus Steillagen – Nuancen von grünem Apfel und leichte, florale Aromen

Wir stellen abends von Tag zu Tag erneut fest, dass unsere Tage ganz schön vollgepackt sind. In einer derartigen Weise, dass wir seit unserer Ankunft nicht ein einziges Mal die Zeit hatten zu Mittag zu essen. Morgens brechen wir direkt nach dem Frühstück auf, und sobald wir wieder in unser kleines Holzhaus in Kyoto zurückkehren, ist es schon kurz vor Mitternacht, dass man unsere Mahlzeit kaum noch Abendessen nennen kann.

Doch, wir sind von den vielen interessanten und inspirierenden Begegnungen so fasziniert, dass uns das fehlende Mittag- und Abendessen so recht erst abends bewußt wird, wenn der Hunger so richtig groß ist. Wirklich erfreulicherweise, haben wir in diesem Jahr keinerlei Probleme mit dem Schlafen, so als ob es gar keinen Jetlag bei uns geben würde. Wir konnten uns dieses Jahr viel schneller an die japanische Zeit anpassen als die letzten Male.

In diesem Jahr widmen wir uns einer Reihe von Kontakten, die wir schon im letzten Jahr angebahnt haben. Es wird in Japan im Regelfall als unhöflich empfunden, mit der Tür ins Haus zu fallen, weshalb wir unsere Beziehungen in Japan möglichst eher langsam angehen. Geduld und Ausdauer sind ja sehr wichtige Tugenden, nicht nur in Japan.

In diesem Sinn besuchen wir vormittags eine ältere Dame, Frau Sawada, die uns im vergangenen Jahr bei unserem ersten Treffen die Unterschiede verschiedener seltener Hölzer bei der Herstellung japanischer Räucherstäbchen erklärte. Damals entschieden wir für uns zwei verschiedene Sorten, Byaku (Byakudan) und Jin (Jinko), die wir bei ihr kauften, um sie erstmal selbst in der entsprechenden Umgebung ausprobieren zu können. Da wir nach einem Jahr, in dem wir diese besonderen Räucherstäbchen von Zeit zu Zeit selbst verwendeten, so begeistert sind von den feinen und außergewöhnlichen Düften des Räucherwerks, beschlossen wir in diesem Jahr einige Schachteln mit nach Europa zu bringen.

Edle Räucherstäbchen von Frau Sawada

Mittags eilen wir in wenigen Minuten von Frau Sawadas Werkstatt zur Kyoto Station, um unseren Zug zu erreichen, denn nachmittags sind wir noch in einem besonderen Teegarten, der etwas weiter weg, verborgen in den Bergen liegt, verabredet, mit dem wir seit einigen Monaten bereits über die Ferne in Kontakt stehen. In Frankfurt durften wir schon einige Tees des Gartens trinken, die uns sehr begeisterten. Heute treffen wir uns nun zum ersten Mal persönlich.

Vom Bahnhof werden wir abgeholt und fahren nun noch mit dem Auto knapp eine halbe Stunde durch bergiges Land. Am Haus der Familie angekommen, werden wir vom Bio-Teegartenbesitzer begrüßt. Er ist auch derjenige, der sich um die Teegärten, also den landwirtschaftlichen Teil der Arbeit kümmert, und zudem die Sencha-Verarbeitung durchführt. Mit ihm fahren wir zu den vielen kleinen Teegarten-Parzellen. Durch die vielen unglaublich schmalen Wege und steilen Auf- und Abfahrten, engen Kurven und schwindelerregenden Steigungen haben wir das Gefühl in einer Tee-Achterbahn zu fahren. Doch das heutige Wetter in der hiesiger Gegend von starken Regenfällen geprägt ist, können wir nicht so viel Zeit in den Teegärten verbringen.

vegan gedüngte Bio-Zairai Sträucher

Gleich beim ersten Feld werden wir von einem Fuchs begrüßt, der gerade durch das Teefeld streift. Es handelt sich hier natürlich um einen Bio-Teegarten, der nicht nur Füchse, sondern auch anderen Tiere willkommen hießt. Dass der Fuchs hier zu sehen ist, hat aber vor allem mit der üppigen Natur um die Felder herum zu tun. Da es auch in Japan eine sehr starke Landflucht gibt, liegen immer mehr Felder brach und verwildern nach und nach. Innerhalb weniger Monate entwickelt sich ein kleiner Dschungel aufgrund des feucht-warmen Klimas in Japan, das dem Wachstum von wilden Gräsern und Buschwerk immensen Vortrieb verleiht.

Uns wird erklärt, dass die Familie zwei verschiedene Arten von Tee-Parzellen betreibt, zum einen „Teefelder“ und zum anderen „Teeberge“. Teefelder sind in dieser Logik eingeebnete relativ waagerechte, flache Parzellen. Die Teeberge hingegen sind bepflanzte zum Teil sehr steile Hänge, die sehr schwierig zu bewirtschaften sind. In vielen Regionen haben wir solche Steillagen gesehen, die jedoch mehr und mehr verwildern, also nicht mehr genutzt, oder aber abgetragen und eingeebnet werden. Hier, in diesem Teegarten werden sogar neue Gärten in Steillagen angelegt. Es wird dabei viel Wert darauf gelegt die ursprüngliche Bergform zu bewahren. Die Teepflanzen-Reihen passen sich also der Topographie des jeweiligen Berges an. Mehr und mehr verstehen wir, dass dieser Garten das komplette Gegenmodell zur modernen Teeproduktion darstellt, und dies aus vielerlei Gründen. Ein Großteil der Pflanzen ist zudem aus Samen gezogen. Es handelt sich jedoch nicht nur um Zairaishu, sondern auch um Mishou. Mishou sind samengezogene Pflanzen von einer Mutterpflanze. Die aus Samen gezogen Pflanzen sind nicht ganz so unterschiedlich wie bei Zairai, den es handelt sich um die Samen bestimmter Teestrauchvarietäten (Mishou), aber sie haben eine deutlich größere Varietät und ein ganz anderes Wurzelungsverhalten als Stecklings-gezogene, sortenreine Pflanzen. Immer wenn die Teepflanzen im Herbst Samen bilden wurden diese aufgehoben, um daraus neue Pflanzen für ein neues Feld zu ziehen. So finden wir hier Mishou der Yabukita, der Yamato Midori und der Sae Midori. Während stecklingsgezogene Pflanzen flach wurzeln und wenig verzweigt wurzeln, bilden samengezogene Pflanzen eine tiefe Pfahlwurzel, die sich sehr weit verzweigen kann. Die Beschaffenheit und Zusammensetzung des Bodens, nicht nur der oberen Schichten, ist für diese Pflanzen sehr relevant, bei Stecklingen hingegen ist die Düngung in den oberen Bodenschichten der wichtigere Faktor.

Wir sehen auch einen etwa 50 Jahre alten Mishou Yabukita Garten, der uns durch seine geschwungenen Formen beeindruckt. Durch den unterschiedlichen Wuchs der verschiedenartigen samengezogenen Pflanzen, hat sich über die Jahre eine ganz eigene organische Teegartenform entwickelt.

Veganer Sencha Teegarten (etwa 50 Jahre alte Mishou Yabukita)

Mit Besonderheiten geht es bei der Düngung weiter. Während die meisten Gärten organischen Dünger, aus Kuh-, Schweine- oder Hühnermist, Fischgräten und Rapstrester verwenden, verzichtet die Familie hier auf diese Stoffe. Sie möchten ohne tierische Produkte, rein vegan produzieren. Zur Düngung verwenden sie Gräser, die sie zerkleinern und zwischen die Teereihen einbringen. Um diese Gräser zu erzeugen, haben sie eigens etwa 4 ha Fläche dazu gepachtet, die sie ausschließlich zum Anbau dieser Gräser nutzen. Unser erster Gedanke dazu ist, dass diese Art der Düngung sicher eine der aufwendigsten ist, die wir je gesehen haben. Diese Art der Düngung ist erst nicht neu, sie wurde lange Zeit bis zum Aufkommen synthetischer Dünger in den 1960er Jahren angewendet. Jedoch waren zu jener Zeit die Parzellen noch deutlich kleiner. Es gibt neben dem hohen Arbeitsaufwand einen positiven Nebeneffekt, wie man uns berichtet: Durch die Abdeckung des Bodens mit den geschnittenen Gräsern wachsen weniger Beikräuter. So ist die Familie im Arbeitsbereich der Beikrautregulierung etwas entlastet. Diese sehr wenig in den Naturkreislauf eingreifende Art der Bewirtschaftung geht auch mit einem besonderen Geschmacksbild der Tees einher. Wie im Anbau, so wird auch bei der Verarbeitung darauf geachtet, dass der ursprüngliche Geschmack des frischen Blattes so weit wie möglich erhalten bleibt. Dazu gehört hier auch eine sehr schonende Endverarbeitung mit einer Final-Trocknung bei lediglich 75°C bis 80°C. Die Familie erzählt, dass sie normal finalisierten Tee, der mit zum Teil über 100°C bis zu 170°C stark erhitzt wird (hi-ire) gar nicht mehr trinken kann. Durch eine starke hi-ire rücken die sortentypischen Eigenheiten eher in den Hintergrund. Der Tee verliert an Komplexität. Auch der Duft verändert sich stark, weg von grünen und floralen Noten, hin zu eher leichten Röst- oder Nuss-Noten.

Durch die sehr schonende Endverarbeitung kann man sogar die Unterschiede im Terroir wunderbar herausschmecken. Wir probieren das am Beispiel der Oku Midori. Bei einer Parzelle handelt es sich um einen Teeberg, also eine am Hang gelegene Lage. Die andere Parzelle ist eingeebnet. Während die Oku Midori vom Teeberg einen intensiven floralen Duft, jedoch eher einen leichten Geschmack hat, ist die Oku Midori vom flach gelegenen Teefeld geschmacklich sehr tief, duftet aber weniger. Insgesamt spielen die Tees weniger mit den sonst üblichen Attributen Umami und Süße, als vielmehr mit floralen Düften, zarten Vanille-Noten oder Aromen von grünem Apfel.

vegan gedüngte Mishou Sae Midori Sträucher

Und um nun auch hier noch einmal auf den Erntezeitpunkt zu sprechen zu kommen, den wir ja in unserem Shincha-Blog auch immer wieder thematisieren, hier wird es wohl noch eine Weile brauchen, bis die Ernte losgeht. Der erste Ernteteag wird hier um den 20.Mai liegen, also verhältnismäßig spät.

Grüntee-Workshop für Experten, 21 August 2016: Einfluss der geografischen Lage und des Produktionsstils auf die geschmacklichen Charakteristika von Teestrauchvarietäten

Nachdem seit 2013 unser jährliches Marimo-Teeseminar im Juli hinsichtlich der Teilnehmerzahl immer größer geworden ist, haben wir uns dieses Jahr dafür entschieden, erstmal eine Reihe von kleineren Workshops anzubieten, um in kleinerem Kreis inhaltlich noch mehr Tiefe vermitteln zu können. Eine größere Veranstaltung, bei der übrigens auch wieder Grüntee-Produzenten anwesend sein werden, wird dieses Jahr (2016) daher erst Anfang Oktober stattfinden. Beim Workshop, der heute (21. August 2016) stattgefunden hat, haben wir uns wieder einmal dem Thema Teestrauchsorten gewidmet, jedoch mit etwas anderer Ausprägung als bisher. Einige Details dazu sind in folgendem Blogeintrag kurz zusammengefasst.

Nachdem wir in den letzten Jahren bereits recht ausführlich das Thema von Teestrauchsorten im Vergleich zueinander bearbeitet haben, widmen wir uns heute erst einmal dem Thema, wie unterschiedlich ein und dieselbe Teestrauchsorte (gleichbedeutend mit Teestrauch-Varietät oder Teestrauch-Kultivar) hinsichtlich ihrer geschmacklichen Charakteristika ausgeprägt sein kann, in Abhängigkeit davon, wo sie angebaut wurde. In einem ersten Vergleich betrachten wir dazu eine unbeschattete Yabukita der ersten Ernte der Familie von Shutaro Hayashi ( Kirishima-Teegarten ) versus eine unbeschattete Yabukita der ersten Ernte von Familie Morimoto aus Miyazaki ( Morimoto-Teegarten ).

Bereits bei diesem ersten Vergleich stellen wir fest, dass es kaum möglich ist, den Unterschied, der von der geografischen Lage bedingt wird, so leicht herauszuschmecken, da dieser von anderen Einflüssen stark überlagert wird. Dabei ist insbesondere der Einfluss des Produktionsstils des jeweiligen Teegartens zu nennen. Während die Yabukita von Familie Morimoto, die unter anderem einen Bestandteil des Morimoto Tokujou Sencha darstellt, durch ihre Frische und zugleich ihren ansatzweise rohen Charakter einer kurzen finalen Erhitzung ( hi-ire ) geprägt ist, begleitet von einem zarten Umami, so begeistert die Yabukita von Shutaro Hayashis Teegarten, die einen Teil des Kirishima Tokujou Sencha bildet, mehr durch ihre blumige Süße, die sich elegant mit zart nussigen Aromen in den Vordergrund stellt. Diese sind ganz offensichtlich einer etwas intensiveren finalen Erhitzung ( hi-ire ) zuzurechnen, und weniger dem Klima, der Höhenlage oder der Bodenbeschaffenheit der geografischen Lage von Miyazaki versus Kirishima in der Kagoshima Präfektur.

Kirishima Tokujou Sencha versus Morimoto Tokujou Sencha

Für die nächsten Teestrauch-Sorten-Vergleiche haben wir daher Blattgut vorbereitet, bei dem der Einfluss des Produktionsstils keine Rolle spielt, um nun tatsächlich den Einfluss der geografischen Lage sowie des Bodens wahrnehmen zu können. Um den Einfluss des Produktionsstils wirklich ausblenden zu können, ist es natürlich erforderlich, Blattgut für den Vergleich heranzuziehen, das vom gleichen Produzenten hergestellt wurde. Dazu muss das Blattgut zudem recht genau vom selben Erntezeitpunkt stammen, denn sonst ergibt sich ein neuer Einflussfaktor, was wir natürlich vermeiden möchten.

Glücklicherweise haben wir diese seltene Möglichkeit, denn beim Teegarten von Familie Morimoto werden mehrere Strauchsorten nicht nur auf einer Parzelle angebaut, sondern teilweise an mehreren Standorten, die nicht allzuweit auseinander liegen. Produziert werden die Tees natürlich allesamt von Shigeru Morimoto. Doch schmecken diese Tees dann auch wirklich unterschiedlich, wenn der geografische Unterschied nur so gering ist?

Für unseren Vergleich ziehen wir nun beschattete Sencha Blätter der Yabukita von der ersten Ernte ( kurz: Tokujou Kabuse Yabukita Sencha ) der Teegartenparzelle Nummer 6 sowie Tokujou Kabuse Yabukita Sencha der Teegartenparzelle Nummer 9 heran. Bereits die Aufgussfarbe verrät, dass beide Tees sehr unterschiedlich sind, auch wenn das trockene Blattgut noch sehr ähnlich aussah. Als wir die Aufgüsse der beiden Tokujou Kabuse Yabukita Blätter verkosten, ist wirklich niemand in der Runde der Anwesenden, der behaupten würde, beide seien ähnlich. Es stellt sich die Frage, ob die Höhenlage beider Teegartenparzellen unterschiedlich ist. Dies ist in der Tat so. Doch liegt die Vermutung nahe, dass der deutliche geschmackliche Unterschied mehr noch von der unterschiedlichen Bodenbeschaffenheit beider Teegartenparzellen von Familie Morimoto herrührt.

In weiteren Vergleichen betrachten zudem den diesjährigen Fukamushi Sencha, der von Familie Morimoto dieses Jahr erstmalig komplett beschattet hergestellt wurde, was einen deutlichen Effekt auf den Einfluss der Dämpfung mit sich gezogen hat. Da die durch die Beschattung weicheren und kleineren Blättern wesentlich zugänglicher für den Dampf sind, ist die Tassenfarbe des Morimoto Fukamushi Sencha von 2016 deutlich intensiver als im Vorjahr, und zudem durch die gänzliche Beschattung deutlich grüner. Die Strauchsorte Oku Yutaka, aus der der Fukamushi Sencha der Morimotos ausschließlich besteht, ist nun kaum wiederzuerkennen. Warum? Je intensiver die Beschattung und je tiefer der Dampf in das Innere der Blätter eindringt – Zweiteres wird dabei von Ersterem wie gesagt beschleunigt – desto weniger deutlich sind die Teestrauchvarietäten voneinander unterscheidbar. Wir wagen dennoch den Vergleich mit dem Tennen Gyokuro Oku Yutaka aus Kirishima, der ebenso beschattet, und zudem vergleichsweise tief gedämpft wurde.

Tennen Gyokuro Oku Yutaka versus Morimoto Fukamushi Sencha

 

Erster Erntetag im Bio-Teegarten von Familie Hayashi in Kirishima

Noch am Vortag telefonieren wir mit Shutaro Hayashi, um uns zu erkundigen, was für Arbeiten denn für den nächsten Tag (25. April) geplant seien. Als wir erfahren, dass Familie Hayashi damit rechnet, dass dies der erste Tag der ersten Ernte 2016 werden wird, planen wir gleich früh am Morgen nach Kirishima zu fahren. In diesem Jahr beginnt die Ernte vergleichsweise spät. Seit mehreren Wochen ist es vergleichsweise kalt und regnerisch. Die Teesträucher wachsen sehr langsam, und durch den bewölkten Himmel ergibt sich eine Art natürliche Beschattung.

Im Wohnhaus der Familie Hayashi angekommen, empfängt uns Shutaros ältere Schwester Momoko. Sie entschuldigt sich sogleich dafür, dass es im Haus etwas unordentlich sei, obwohl eigentlich alles perfekt geordnet aussieht, wie es für die Familie charakteristisch ist. Zurzeit ist auch Shutaros zweite Schwester im Haus. Sie wohnt eigentlich in Kumamoto. Aufgrund des schweren Erdbebens und der andauernden Nachbeben ist sie jedoch vorübergehend ins Elternhaus nach Kirishima zurückgekehrt. So ist momentan viel los im Haus der Hayashis.

Shutaro, Kenji und ihr Vater Osamu sind bereits im Bio-Teegarten, der etwas abgelegen liegt. Wir fahren durch eine märchenhafte Landschaft bis wir die kleine Hochebene am Fuße des Kirishima-Gebirges erreichen. Durch den Regen der letzten Tage und bleibende Feuchtigkeit in den Wäldern leuchten dort die Grüntöne wunderschön.

Die früheste Strauchvarietät von Familie Hayashi in Kirishima ist die Asatsuyu, die nun heute geerntet wird. Für uns ist es das erste Mal, dass wir bei der Ernte in Kirishima mit dabei sind. Als wir zum ersten Mal mit Shutaro und seinem  Vater Osamu den Bio-Teegarten besucht haben, waren die Asatsuyu-Sträucher, die heute geerntet werden, noch sehr klein. Daher waren die damals noch sehr jungen Sträucher der Asatsuyu noch nicht bereit geerntet zu werden. Nun ist es endlich soweit!

Asatsuyu im Teegarten von Familie Hayashi in Kirishima im Jahr 2014
Asatsuyu im Teegarten von Familie Hayashi in Kirishima im Jahr 2016

In diesem Jahr ist die Menge noch sehr klein. Es dauert ein paar Jahre bis die Büsche viele Verzweigungen gebildet haben, die die Grundlage dafür sind, um im folgenden Frühjahr viele neue Blatttriebe hervorzubringen, die dann geerntet werden können. Zunächst sind Shutaro, Kenji und ihr Vater Osamu Hayashi damit beschäftigt, die Netze von der gut zehn Tage langen Beschattung wieder abzunehmen und einzurollen. Da die Familie bisher nur die Sträucher der Varietäten Asatsuyu und Oku Yutaka als beschatteten Tee anbietet, ist die hergestellte Menge an Kabusecha im Vergleich zu anderen Betrieben, die viele ihrer Strauchsorten beschatten, recht klein. Da viele Familienmitglieder auch bei den für die Beschattung notwendigen Tätigkeiten mithelfen, benutzen sie bisher keine Geräte zum Aus- und Einrollen der Netze, sondern machen dies gänzlich per Handarbeit.

Die Ernte übernimmt der jüngere Bruder Kenji, während sich Shutaro um die Verarbeitung kümmert. Für Shutaro ist daher natürlich die ständige Adjustierung der Dämpfungsmaschine ein wichtiges Thema. Beide kommunizieren sehr viel, auch hinsichtlich der Einstellung der Erntemaschine. Die Atmosphäre ist sehr konzentriert: Jeder hat seine Aufgaben und widmet sich diesen mit voller Aufmerksamkeit, um einen wirklich perfekten Sencha herzustellen.

Nach seinem Studium mit dem Schwerpunkt Teeanbau und Teeverarbeitung hat Shutaro an verschiedenen Standorten gearbeitet, um auch praktische Erfahrungen zu sammeln. Nun obliegt ihm die Entscheidung, wann und wieviel geerntet wird und auch wie die Verarbeitung im Detail durchgeführt werden soll. Sein Vater Osamu Hayashi begleitet alle Schritte. Vater und Sohn tauschen sich auch während des gesamten Prozesses aus. Die letztliche Entscheidung, wann welches Blattgut in welcher Größe geerntet wird, sowie alle expliziten Einstellungen der Maschinen obliegen jedoch aber am Ende Shutaro.

Während Shutaro die Teeverarbeitung durchführt, nutzen wir die Gelegenheit Osamu zu interviewen. Wir wollen wissen, wie sich seine Vorstellungen von einem perfekten Sencha von Shutaros Idealbild unterscheiden. Osamu sagt uns, dass er noch ein-zwei Tage mit der Ernte gewartet hätte, bis die Blätter ein bisschen größer wären. Auch die Dämpfung hätte er ein bisschen weniger stark gemacht. Diese Unterschiede in der Auffassung, wie der perfekte Tee gemacht werden sollte, gehen sicherlich unter anderem darauf zurück, dass sich die Teekultur sowie die Kultur der Teeproduktion in den letzten Jahrzehnten einen starken Wandel durchlaufen haben. Zudem haben Vater und Sohn auf ganz unterschiedliche Art die Teeverarbeitung erlernt. Während Shutaro an der Universität studierte, und dann in vielen verschiedenen Betrieben praktische Erfahrungen gesammelt hat, war es zu Osamus Zeiten üblich, eher ausschließlich im praktischen Umgang Stück für Stück die Teeverarbeitung zu erlernen. Nachdem Osamus Vater Haruo aus dem Krieg zurückgekehrt war, übernahm er die Verantwortung für den Familienbetrieb. Haruo Hayashi brachte später seinem Sohn Osamu alles über Teeverarbeitung bei, was er selbst erlernt hatte. Osamu beschreibt jedoch, dass dies wohl nicht sehr viel gewesen sei. Da die Arbeit in der Teeverarbeitung zu diesem Zeitpunkt noch nicht so technisiert war, gab es für jeden Verarbeitungsschritt einen Verantwortlichen und zusätzlich eine höher gestellte Person, die die Verantwortung für die gesamte Produktion innehatte. Diese war wirklich mit Leib und Seele bei der Teeherstellung. Von ihr hat Osamu am meisten gelernt.

Osamu Hayashi bei unserem ersten Treffen im Frühjahr 2014

Wie bereits erwähnt, haben sich aber auch die Idealvorstellungen von einem perfekten Sencha mit der Zeit verändert. So erinnert sich Osamu daran, wie er als Kind mit seinem Großvater Tee getrunken hat. Damals war die ideale Farbe vom japanischen Sencha Yamabuki, ein intensives Gelb. Erst zum zweiten Drittel des 20. Jahrhunderts änderte sich diese Vorstellung langsam. So wird heutzutage ein Grün, das auf der Farbskala eher in Richtung Türkis tendiert, als Ideal angesehen, während früher das Grün mit einer Tendenz zu Gelb als ideale Aufgussfarbe propagiert wurde.

Nach unserem Gespräch machen wir noch einen kleinen Teegarten-Rundgang und sehen dort einen alten Bekannten: Yagi-O, den wilden Ziegenbock, der im letzten Jahr durch die Teefelder gesprungen ist. Es gibt Nachwuchs: Familie Hayashi hat sich zusätzlich eine Ziege angeschafft, und seit einem halben Jahr laufen nun auch zwei junge Zicklein durch die Teefelder und fressen dort Beikräuter, die zwischen den Teesträuchern wachsen. Im ersten Jahr war die Anschaffung von Yagi-O nur ein Test, um Erfahrungen zu sammeln, ob sich Ziegen für die Beikrautregulierung im Bio-Teegarten eignen. Dieser Versuch ist geglückt, sodass die kleine Ziegenherde nun fester Bestandteil des Teegartens ist. In wenigen Wochen wird es wohl auch wieder Nachwuchs geben.

Besuch bei Iwao Hayashis Bio-Teegarten in Mie

Seit gestern sind wir nun nicht mehr allein unterwegs. Valérie und Francoise begleiten uns für etwa zehn Tage. Unser erster Teegarten-Ausflug führt uns nach Mie zu Iwao Hayashi. Diesmal holt uns Iwao zusammen mit seinem Enkel Shuhei vom Bahnhof ab. So arbeiten jetzt schon drei Generationen gleichzeitig in dem etwa 8 ha großen Bio-Teegarten. Zusammen fahren wir etwa eine halbe Stunde bis in das kleine Dorf, in dem der Teegarten umringt von kleinen so um die 300 bis 400m hohen Hügeln liegt.

Yabukita Teesträucher im Bio-Teegarten von Iwao Hayashi, geerntet wird hier voraussichtlich in der ersten Mai-Woche

Im Haus angekommen zeigt uns Iwao, wie der Umbau ihres Hauses weiter vorangekommen ist. Im letzten Jahr zog bereits die Teeverarbeitung in ein neues Gebäude um. Die Hayashis hatten etwas Sorge, dass bei einem Erdbeben das Haus die schweren Maschinen nicht mehr tragen könnte. Die alte Verarbeitungsanlage lag nämlich in einem Gebäude am Hang und damit zum Großteil im ersten Stock. Bei einem Erdbeben hätte die kleine Halle ganz schön geschwankt. Die neue Verarbeitungshalle ist daher nun ebenerdig und es gibt nur ein Stockwerk. In der alten Halle, die durch den Umzug der Tee-Verarbeitungsmaschinen nun umgebaut werden konnte, wurde ein Büro abgeteilt und im restlichen Teil befindet sich nun die Endverarbeitung, die hier auf 100% professionellem Niveau durchgeführt wird. Die Hayashis können mit der neuen Endverarbeitungsanlage von der Sortierung bis zum final erhitzen Tee alle Schritte selbst durchführen.

Bio-Pionier Iwao Hayashi in seinem Teegarten in der Präfektur Mie

Wir alle sind ganz beeindruckt von Iwaos Ausstrahlung und jugendlicher Beweglichkeit. Der fast 80-jährige mehrfache Großvater – in diesem Jahr wird er 80 – ist unterwegs wie eh und je und arbeitet auch weiterhin in seinem biologischen Teegarten. Er verrät uns im Gespräch sein Geheimnis, wie er schafft in hohem Alter mit so viel jugendlicher Energie aufzuwarten. Eines war uns ja schon klar – der Bio-Grüntee. Er zeigt uns dann aber noch etwas anderes, nämlich eine spezielle Wasseraufbereitung, die er installiert hat. Familie Hayashi verwendet zum Kochen, sowie zur Teezubereitung, als auch als pures Trinkwasser nur dieses gefilterte Wasser, das aus den nahe gelegenen Bergen stammt. Sie holen zunächst Wasser von einer Quelle und füllen es in einen Wassertank. In die Mitte von dem Wassertank wird Aktivkohle hereingelegt und anschließend elektrische Spannung angelegt. Von der Idee her, sollen sich hierdurch unerwünschte Stoffe an die Aktivkohle binden. Iwao scherzt, dass er nicht sagen kann, ob und was das wirklich bringt, aber es scheint ihm gut tun. Er beobachtet auch, dass das Wasser so anders schmeckt, wie er sagt „weicher“, und besser zum Tee passt als gewöhnliches Leitungswasser.

Im Gespräch stellen wir fest, dass es nun schon 10 Jahre her ist, dass wir uns das erste Mal getroffen haben. 2006 besuchten wir Iwao zum ersten Mal. Damals waren wir noch als wissbegierige Studenten in Japan unterwegs, die herausfinden wollten warum er sich entschlossen hat biologischen Tee zu anzubauen. Heute sind wir nun als Tee-durstige Importeure zu Besuch, die sich zur Aufgabe gemacht haben seinen Tee in Europa bekannt zu machen, ganz so wie Iwao es sich vor 10 Jahren gewünscht hat, als wir selbst noch nicht auf diese Idee gekommen waren.

High End Matcha vom Traditionsbetrieb Nakanishi

Wie gestern bereits erwähnt, ist der heutige Tag einem ganz besonderen Besuch gewidmet, auf den wir jahrelang gehofft haben – ein Besuch, den wir kaum noch für möglich gehalten hätten. Nachdem wir vormittags mit dem Schnellzug von Nagoya aus zur alten Hauptstadt Kyoto gereist sind, steigen wir dort um und fahren noch einige Minuten mit dem Zug in Richtung Uji. Da Kyoto, Uji und Sakai zu den wichtigsten Orten zählen, die gewissermaßen die Schmiede der japanischen Teezeremonie und Herstellung von traditionellem Matcha darstellen, könnte unser Ziel angesichts dieser Umgebung kaum passender sein: Es ist der High End Matcha-Teegarten Nakanishi, der vor mehreren Hundert Jahren gegründet wurde, und über die Jahre hinweg mit zahlreichen renommierten Preisen für Matcha und Tencha ausgezeichnet wurde.

Nakanishi_Matcha_Preis_Wettkampftee_Auszeichnung

Der kleine Raum von Nakanishi, in dem wir die höchste Qualität des altehrwürdigen Teegartens dargereicht bekommen, ist über und über geziert von in Rahmen gefassten hochrangigen Preisen für Matcha und Tencha.

Nakanishi_Matcha_Preis_Wettkampftee

Matcha von Nakanishi ist in Kyoto und Uji unter Experten hoch angesehen: Selbst der deutlich größere Betrieb Koyama aus Uji, dessen Name sich auch hierzulande bereits herumgesprochen hat, schätzt den Matcha und Tencha von Nakanishi sehr. Nakanishi und Koyama pflegen schon seit mehr als 50 Jahren eine enge Beziehung zueinander. Während Koyama vor allem für seine „konventionellen“, also mit Pestizideinsatz hergestellten Qualitäten Ruhm erlangt hat, so ist jedoch Nakanishi nach Aussage von japanischen Matcha-Kennern der einzige Teegarten, der solch hohe Matcha-Qualitäten in der Lage ist auf 100% traditionelle und ökologische Weise anzubauen und zu verarbeiten. Alle Schritte vom Anbau bis zur Herstellung von Tencha, und dem Mahlen des Tencha zu Matcha, finden dabei auf den eigenen Anlagen von Nakanishi statt. Da dabei unglaublich viel Handarbeit erforderlich ist, sind die hergestellten Mengen allerdings sehr klein, und machen den Matcha von Nakanishi umso mehr zu einer Rarität.

Matcha_Steinmühle_Nakanishi_ishiusu

Seit 2008 haben wir nach einem solchen Teegarten gesucht, der High End Matcha aus ökologisch angebautem Blattgut herstellt, und können die oben getroffene Aussage durchaus unterstreichen, dass es offensichtlich keinen anderen Teegarten gibt, der sich mit Nakanishi messen kann. Obwohl uns unsere beiden Grüntee-Expertinnen Reina und Yoko, die wiederum mit verschiedenen Teelehrern unter anderem in Kyoto in Verbindung stehen, bei der Suche unterstützt haben, waren wir sechs Jahre lang erfolglos auf der Suche nach solch einem auf High End Matcha spezialisierten Teegarten wie Nakanishi. Ja, selbst im vergangenen Jahr waren wir noch vergebens auf der Suche einen ökologischen Teegarten ausfindig zu machen, der wirklich herausragende Matcha Qualitäten herstellt, die auch den Ansprüchen der japanischen Teeschulen genügen. Doch ganz unverhofft gab es dann Mitte des letzten Jahres eine Überraschung: Nakanishi kam auf uns zu!

Herr Nakanishi hatte über eine Bekannte, die wiederum mit einer Bekannten von uns befreundet ist, über MARIMO gehört, und dass wir darauf spezialisiert sind, mit kleinen Bio-Teegärten zusammenzuarbeiten, und deren Tee unter dem Namen des jeweiligen Teegartens und mit dessen Gesicht in Europa bekannt zu machen. Bisher hatte Nakanishi seinen Tencha nur in seltensten Fällen selbst zu Matcha vermahlen, und stattdessen die ungemahlenen Tencha-Blätter an andere bekannte Matcha-Verarbeiter verkauft, die ihm bis heute die Tencha-Blätter schier aus den Händen reißen. Da Nakanishi zu einigen seiner Tencha-Abnehmer schon seit vielen Jahrzehnten in enger Beziehung steht, ist es zwar nicht die Intention von Herrn Nakanishi diese Art der Kooperation abzubrechen, doch reifte zusehends sein Wunsch heran, dass seine exzellenten Matcha-Qualitäten auch unter dem Namen Nakanishi angeboten werden, und nicht nur als Marke anderer Händler. So kam es dazu, dass er sich an uns wandte.

Wer schon einmal in Kyoto unterwegs war, hat sicherlich bemerkt, dass die alte Hauptstadt zusammen mit dem Ort Uji gewissermaßen auch die „Hauptstadt des Matcha“ ist: An jeder Straßenecke, ja selbst im Bahnhof, kann man unzählige Läden finden, die Matcha und daraus hergestellte Speisen und Getränke verkaufen. In aller Regel stammt der dort vorzufindende Matcha von den großen Marken, die auch im Ausland schon einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt haben. Einen eigenen Teegarten haben diese großen Firmen jedoch oft nur noch zu Anschauungszwecken, und kaufen Tencha von anderen Gärten und Vertragspartnern aus ganz Japan zu, den sie dann vermahlen und geblendet als „Matcha aus Uji“ verkaufen. In vielen Fällen wird dabei die Arbeit zwischen mehreren beteiligten Unternehmen aufgeteilt. So gibt es eine Vielzahl an konventionellen Gärten, die entweder selbst Tencha herstellen, oder manchmal auch nur ernten und die rohen Blätter an eine Tencha-Fabrik liefern. Die Tencha-Hersteller liefern wiederum an ihre Kunden, die dann aus dem Tencha den fertigen Matcha mahlen. Bei manchen Firmen sind allerdings auch beide Schritte internalisiert. Unter welcher Marke der Tee dann am Ende verkauft wird, ist natürlich nochmal eine ganz andere Frage.

Der Familienbetrieb Nakanishi stellt daher eine wirkliche Ausnahme dar: Der komplett beschattete Teegarten besteht lediglich aus vier kleinen Parzellen. Die gesamte Fläche beläuft sich auf gerade einmal 1,2 Hektar, was verschwindend klein im Vegleich zu „normalen“ Teegärten ist. Der auf Matcha spezialisierte Teegarten von Familie Nakanishi ist damit der kleinste Teegarten, den wir je kennengelernt haben.

Nakanishi_Matcha_Beschattung

Sowohl die vier winzigen Teegartenparzellen als auch die Verarbeitung befinden sich bei Nakanishi auf engstem Raum: Die komplett beschatteten Parzellen finden sich zu Fuß nur ein paar Minuten entfernt vom kleinen Gebäude, in dem die Tencha-Verarbeitung stattfindet. Der winzige Raum wiederum, in dem lediglich zwei Steinmühlen stehen, mit denen Nakanishi seinen Tencha zu Matcha vermahlt, sind nur drei Häuser entfernt auf der anderen Straßenseite. Sowohl die Tencha-Verarbeitung, also auch die Matcha-Steinmühlen wiederum sind nur eine Minute zu Fuß vom Wohnhaus entfernt. Das kleine Kühllager, in dem Nakanishi nur den Matcha lagert, der letztlich unter seinem Namen verkauft wird, befindet direkt bei den beiden Steinmühlen. Die Tatsache, dass Herr Nakanishi pro Jahr nur 50kg Matcha selbst mahlt und unter seinem Namen verkauft, veranschaulicht nicht nur wie klein der Familienbetrieb tatsächlich ist, sondern zeigt auch auf, wie rar Matcha von Nakanishi ist, und wie aufwendig es ist handgepflückten Matcha herzustellen und wirklich traditionell zu verarbeiten.

Bio_Matcha_Nakanishi_Yoshinori

Ja, selbst das Separieren der weichen Blattteile von den Blattvenen, findet bei den Top Matcha-Qualitäten von Nakanishi in Handarbeit mit einem alten, aus Bambus geflochtenen Sieb statt. Von solch einer Widmung für jeden Verarbeitungsschritt und den daraus hervorgehenden High End Matcha-Qualitäten können die großen Firmen nur träumen, denn eine größere Menge Matcha lässt sich unmöglich auf diese Weise herstellen. Dass Familie Nakanishi ihren Teegarten zudem ausschließlich biologisch bewirtschaftet, stellt die Vollendung der 100% traditionellen Produktion auf höchstem Niveau dar.

Nakanishi_Matcha_Tencha_Fabrik

Bunyomon gründete den Teegarten vor über 250 Jahren in der Edo-Zeit. Während früher bei Nakanishi sowohl Matcha als auch Gyokuro hergestellt wurde, hat sich der Traditionsbetrieb nach dem zweiten Weltkrieg auf die Herstellung von Tencha für Matcha spezialisiert, der explizit an den hohen Ansprüchen der berühmten Teezeremonie-Strömungen ausgerichtet ist. Gyokuro stellt der Bio-zertifizierte Traditionsbetrieb Nakanishi nur noch in geringer Menge für Freunde und Bekannte her, weshalb der Gyokuro von Nakanishi nur in seltensten Fällen im Handel zu finden ist. Für den Gyokuro verwendet Nakanishi nur eigenes Blattgut der edelsten Strauchsorten, die sonst nur für die eigenen High End Matcha-Sorten verwendet werden. Die Verarbeitung des Gyokuro findet jedoch im Gegensatz zum Matcha nicht auf den eigenen Verarbeitungsanlagen von Nakanishi statt, da diese ausschließlich auf die Herstellung von Tencha und das Mahlen von Tencha zu Matcha ausgelegt sind. Für den Gyokuro weicht Nakanishi daher auf die Verarbeitungsanlage eines befreundeten Gyokuro-Teegartens aus.

Nakanishi_Matcha_Tencha_Ofen_Marimo

Wie oben bereits erwähnt, hat Familie Nakanishi auf engstem Raum alle Anlagen, die man für die professionelle Tencha-Herstellung braucht. Yoshinori Nakanishi führt uns durch das kleine, hölzerne Fabrikgebäude, das noch vor dem zweiten Weltkrieg errichtet wurde. Dabei erklärt uns Yoshinori den gesamten Verarbeitungsprozess vom rohen Teeblatt über den Tencha-Aracha bis zum fertigen Matcha. Für seine feinsten Qualitäten, wie zum Beispiel den Takeno Jôô Matcha, den wir seit letztem Jahr in Deutschland anbieten dürfen, setzt Yoshinori bei allen Schritten, bei denen dies möglich ist und es der Qualität zu Gute kommt, auf Handarbeit. Dies fängt bereits im Teegarten an, denn für die High End Matcha-Qualitäten, die auch von den Teelehrern für die japanische Teezeremonie verwendet werden, erntet Herr Nakanishi zusammen mit 30 Helfern, die zum Teil aus der Gegend stammen und zum Teil auch eigens für die Ernte anreisen, mit der Hand. Die Gärten sind dafür speziell angelegt, so dass mit Maschinen kaum geerntet werden könnte.

Nakanishi_Matcha_Bio_Teestrauch

Etwa vier bis fünf Wochen vor der Ernte wird der Teegarten komplett mit dunklen, grobmaschigen Netzen überdacht und umringt. Etwa zwei Wochen vor der Ernte wird zusätzlich eine zweite Schicht aus dunklen Netzen etwas tiefer über die Büsche gespannt, jedoch nicht direkt an den Büschen angebracht, so dass diese hoch wachsen können. Dies dient natürlich zum einen der Beschattung, zum anderen ergibt sich im Inneren dieser „Häuser“ aus dunklen Netzen ein feucht-warmes Mikroklima, das den Geschmack der Teeblätter maßgeblich mit beeinflusst. Die Teebüsche sind hier zwar auch in Reihen gepflanzt, werden jedoch hoch wachsen gelassen. Da dieses stark beschattete Anbauverfahren zwar Matcha mit wirklich perfekten geschmacklichen Nuancen hervorbringt, aber für die Pflanzen aufgrund des stark reduzierten Lichteinfalls extrem anstrengend ist, wird nur einmal im Jahr geerntet – Anfang Mai. Danach werden die Teesträucher komplett heruntergeschnitten. Übers Jahr können sich die Pflanzen dann unter natürlichen Bedingungen, also ohne Beschattung, erholen. Die Triebe, die nach dem Runterschnitt nachwachsen, verholzen über den Winter. An den Blattansätzen jedoch entwickeln sich im Frühjahr die neuen Triebe, die dann ausschließlich per Hand geerntet werden können. Die jungen, zart grünen Blätter, die für den Matcha gepflückt werden, befinden sich also zwischen den älteren Blättern, und müssen einzeln gepflückt werden. Eine Maschinen-Ernte für High End Matcha-Qualitäten wäre daher bei diesem Anbauverfahren, das ausschließlich für Matcha und Gyokuro gedacht ist, undenkbar.

Wie bereits Erwähnung fand, entwickelt sich in dem hier beschriebenen überdachten Anbauverfahren, bei dem ringsum Netze angebracht werden, ein ganz eigenes feuchtwarmes Mikro-Klima. Dieses hat nicht nur auf die Stärke des Lichteinfalls einen immensen Einfluss, sondern auch einen wichtigen Einfluss auf die Blattstärke und damit auch auf die geschmackliche Qualität der Blätter und des daraus hergestellten Tees. Wer etwas gärtnerische Erfahrung hat, dem wird schnell klar, dass dies zugleich ideale Bedingungen für Insekten sind. Während dies im konventionellen Tee-Betrieb, der auf Pestizide zurückgreift, keine besondere Herausforderung darstellen würde, ist der Einsatz dieser Mittel für Herrn Nakanishi keine Option. Bereits sein Vater setzte sich dafür ein, den Teegarten des Familienbetriebs Nakanishi schrittweise auf ökologischen Anbau umzustellen, und auch sein Sohn, Yoshinori Nakanishi ist 100% vom Bio-Anbau überzeugt.

Da man beim Matcha die zermahlenen Blätter mittrinkt, also nicht wie beim Sencha nur einen Auszug zu sich nimmt, spielt es gesundheitlich für Teetrinker eine viel größere Rolle, ob der Tee ökologisch angebaut wurde, oder konventionell unter Einsatz von Pestiziden hergestellt wurde. Im Jahr 1980 begann der Traditionsbetrieb Nakanishi mit dem ökologischen Teeanbau für die Herstellung von Tencha. Seit einigen Jahren sind nun alle vier Teegartenparzellen von Nakanishi Bio-zertifiziert. Um die Insekten von den zarten Blatttrieben fern zu halten, setzt Yoshinori Nakanishi für seinen ökologischen Anbau Insektenfallen ein, und arbeitet zudem mit Geruchsabschreckung. Dafür stellt er selbst einen Auszug aus Kräutern her, vermengt diesen mit Kokosöl und verbreitet die Mischung im Teegarten. Selbstverständlich kümmert sich Yoshinori darum, dass die selbst hergestellte Mischung nicht auf die Teesträucher gelangt, da dies dem Wohlgeschmack der edlen Matcha-Sorten nicht zuträglich wäre. Die Idee, mit Hilfe des Geruchs der selbst hergestellten Mischung die Insekten zu vertreiben, funktioniert in den meisten Fällen sehr gut. Natürlich gibt es auch von Jahr zu Jahr einige Teesträucher, die von Insekten heimgesucht werden, was dann selbstverständlich eine gewisse Einbuße der Erntemenge mit sich bringt. Dies gehört beim ökologischen Anbau aber dazu, so dass Yoshinori Nakanishi sich dieser Herausforderung jedes Jahr aufs Neue bewusst stellt. Einen anderen High End Matcha-Teegarten, der per Hand pflückt, und 100% biologisch anbaut, gibt es nach Kenntnis von Herrn Nakanishi nicht. Die Methoden des ökologischen Anbaus funktionieren oftmals gut, wenn sie mit einer tiefen Widmung für den Anbau einhergehen, doch bedeuten sie immens viel Arbeit. Eine Herausforderung, die nur wenige bereit sind anzunehmen, besonders dann, wenn es um Spitzen-Qualitäten geht.

Nakanishi_Bambus_Tencha_Sieb

Wie bereits erwähnt, verwendet Yoshinori für die Trennung zwischen den weichen Bestandteilen der Blätter und den Blattrippen ein spezielles Bambussieb, das viel Handarbeit erfordert. Lediglich bei den einfacheren Matcha-Qualitäten, kommt anstelle des Bambussiebs eine kleine Maschine zum Einsatz. Bambussiebe zum Zerkleinern, als Vorbereitung zum anschließenden Separieren der weichen Blattbestandteile von den Blattrippen werden heutzutage so gut wie nicht mehr verwendet – es kann also gut sein, dass dies nur noch im Betrieb der Familie Nakanishi der Fall ist. Zudem existiert auf ganz Honshu keine Werkstatt mehr, die derartige Bambussiebe noch herstellt. Herr Nakanishi vermutet jedoch, dass es möglicherweise auf Kyushu noch jemanden geben könnte, der über das notwendige handwerkliche Wissen verfügt, die exzellent gefertigten und zudem sehr teuren Bambussiebe herzustellen. Yoshinori Nakanishi behandelt die wenigen Bambussiebe, die im Betrieb vorhanden sind, daher wie einen Schatz. Geschmacklich wirkt sich die Sortierung per Hand mit Hilfe der Bambussiebe sehr positiv aus, da die Blätter einem deutlich geringeren Druck und weniger Hitze ausgesetzt sind, als bei maschineller Verarbeitung. Zudem ist es dem Geschmack des Matcha umso zuträglicher, da die Blätter so nicht mit Metall, sondern nur mit dem Bambus in Berührung kommen.

Der Weg zum Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe

Nach dem Frühstück brechen wir auf: Zusammen mit drei unserer Kunden aus Deutschland, die in Kiel, München und Dresden unsere MARIMO-Tees in ihren Teeläden verkaufen. Sie sind mit uns zusammen unterwegs, um die Bio-Teegärten persönlich kennenzulernen – mehr also als nur „Teehandel“. Vielmehr geht es auch darum vor Ort viel zu sehen und zu lernen, und diese Erfahrungen dann weiterzugeben. Unser Ziel liegt gut 200km südlich von Kirishima, wo eigentlich nur das offene Meer zu finden ist. Erst einmal fahren wir mit dem Zug nach Kagoshima, wo wir in das Tragflächenboot Richtung Süden umsteigen. Nach gut zwei Stunden ist unser Ziel erreicht: Die atemberaubende Insel Yakushima.

Yakushima_Inselblick_Watanabe

Im Vergangenen Jahr, also 2014, fuhren wir nach der Ernte bei den Morimotos nach Yakushima – eigentlich um die schöne Natur dort zu genießen und uns etwas von der Hektik und dem kurzen Schlaf während der ersten Ernte zu erholen. Wie es uns als Teemenschen so geht, können wir es aber nicht sein lassen herausfinden, ob auf der abgelegenen Insel nicht vielleicht auch einen Bio-Teegarten gibt. Kurzerhand finden wir heraus, dass es sogar insgesamt drei relativ kleine Bio-Teegärten gibt, und überlegen, ob wir nicht vielleicht spontan einen davon besuchen könnten. Aber welcher Garten von den dreien könnte uns wohl gefallen und guten Tee haben?

Yakushima_Tal

Ein Teegarten springt uns regelrecht ins Auge, nachdem wir eine Landkarte von Yakushima gefunden haben, in der zum Teil die Gesichter der Betreiber einzelner Gärten zu sehen sind: Es ist der Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe, dessen Gesicht auf dem Foto uns auf Anhieb sympathisch erscheint. Nachdem wir auf der Insel Yakushima ankamen, haben wir uns also als erstes ein Fahrrad geliehen und uns gleich auf den Weg zum Teegarten gemacht – ganz schön leichtsinnig, wie sich auf dem Weg herausstellt. Auf Yakushima regnet es sehr viel, und es zog an dem Tag auch noch sehr starker Wind auf. Zudem waren die Fahrräder nicht besonders gut in Schuss, an der Küste ging es ständig auf und ab, und der Gegenwind wurde immer stärker. Auf etwa der halben Strecke fing es an sehr stark zu regnen, und der Gegenwind lässt und fast auf der Stelle treten. Obwohl wir uns mit Regensachen ausgestattet haben werden wir klatsch nass.

Es ist nur ein Gedanke, der uns dazu bringt überhaupt weiterzufahren: Wenn der Weg zum Teegarten von Mankichi Watanabe so beschwerlich ist, und uns alle Anzeichen zu sagen scheinen „Kehrt um und vergesset den Teegarten“, muss am Ende ein wahrlich einzigartiger Teegarten auf uns warten. Wir halten also durch. Nach zwei Stunden Fahrt und komplett erschöpft kamen wir völlig durchnässt beim Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe an. Nachdem wir ein paar Worte gewechselt haben, und das Staunen über die verregneten Fahrradfahrer aus den Gesichtern der Watanabes verschwunden ist, verstehen wir uns auf Anhieb gut. Die Idee auf der Insel Yakushima Freizeit zu verbringen und zu entspannen schwindet schnell, und wir verbringen letztlich fast unsere kompletten drei Tage zusammen mit Mankichi Watanabe und den Helfern im Teegarten. Einen Nachmittag nehmen wir uns aber doch Zeit, um einmal hoch in der Berge zu fahren, und ein wenig wandern zu gehen, und die seltene Pflanzen und atemberaubende Landschaft zu genießen.

MARIMO_Yakushima_Zeder_Watanabe

Für die wunderschönen mehrere tausend Jahre alten Zedern und unfassbar schönen Wälder kommen schon auch mal Touristen aus dem Ausland auf die Insel. Teebegeisterte zog es bislang selten nach Yakushima. Obwohl die Anbaubedingungen durch die hohe Feuchtigkeit ideal sind, gibt es auf Yakushima vergleichsweise wenige Teegärten, was wohl auch an dem eng begrenzten Gebiet liegt, in dem Teeanbau überhaupt möglich ist. Nur ein schmaler Streifen an der Küste ist an manchen Stellen einigermaßen Eben. Dahinter geht die Landschaft schnell in die steil hinaufstrebenden Berge über. Das Zentrum der Insel besteht aus mehreren Vulkanen, von denen der höchste Krater „Miyanoura-Dake“ mit über 1900m die höchste Erhebung der Region Kyushu darstelt, zu der Yakushima gerade noch dazu gezählt wird. Von der Mitte aus bis zum Schildkrötenstrand von Nagata erstreckt sich ein Nationalpark. Da die Insel Heimat von unglaublich vielen Tier- und Pflanzenarten ist, und zudem hier die wahrscheinlich ältesten Zedern der Welt stehen – die älteste soll 7000 Jahre alt sein – hat die UNESCO die Insel Yakushima im Jahr 1993 zum Weltkulturerbe erklärt.

Watanabe_Yakushima_Wald

Heute, im April 2015, also knapp ein Jahr nachdem wir zum ersten Mal hier her kamen und Mankichi Watanabe und seinen idyllischen Bio-Teegarten kennenlernen durften, gibt es keine großen Wellen, und die Überfahrt von Kagoshima-Stadt nach Yakushima verläuft sehr ruhig. Im Hafen von Miyanoura angekommen laufen wir zu unserem Hotel. Nach dem Einchecken fahren wir gleich weiter zum Teegarten von Mankichi Watanabe. Das Wetter ist sehr unbeständig, sodass wir uns entschließen mit dem Bus zu fahren und dann den letzten Teil der Strecke zu laufen. Es hat tagsüber einfach zu stark geregnet, weshalb heute keine Ernte stattfindet. Wir streunen nach der Begrüßung aber ein wenig durch die nahegelegenen Bio-Teegarten-Parzellen. In der Zwischenzeit, seit unserer Abreise vor etwa einer Woche, nachdem wir mit Mankichi Watanabe unsere Shincha-Vorbestellung besprochen haben, haben die Watanabes neben der Kuritawase noch Sae Midori und Yutaka Midori geerntet.

Watanabe_Yakushima_Teegarten

Wenn ihr den Blog schon längere Zeit verfolgt, wisst ihr ja, dass wir im Teegarten von Mankichi Watanabe dieses Jahr bereits Ende März zusammen geerntet haben. Für unseren neuen Bio-Watanabe-Kabuse-Shincha wurden die Kuritawase- und Sae Midori-Sträucher schon geerntet. Auch Yutaka Midori wurde in der Zwischenzeit schon geerntet, die aber kein Bestandteil unseres Watanabe Kabuse Shincha sein wird. Es fehlt für unseren Watanabe Kabuse Shincha so nur noch eine Strauchsorte, die wir besonders mögen – Asatsuyu. Asatsuyu bedeutet übersetzt Morgentau. Die Strauchsorte ist fantastisch grün und präsentiert sich mit einer unglaublichen Süße – ein wahrer Schatz – aber nicht ganz einfach zu kultivieren im Bio-Anbau. Zum Glück können wir uns auf den Jahrzehntelangen Erfahrungsschatz von Mankichi Watanabe im biologischen Teeanbau verlassen.

Watanabe Kabuse Shincha

In den nächsten Tagen, wenn es dann einmal aufhört zu regnen, wird hier gleich mit der Ernte fortgefahren. Wir sind alle schon ganz gespannt darauf.

Neuanpflanzung von Minami Sayaka Sträuchern bei den Morimotos

Shigeru_Morimoto

Zusammen mit unseren Gästen vom Teekontor Kiel und Teerausch fahren wir heute zu den Morimotos. Diesmal haben wir auch ein bisschen mehr Zeit als bei unserem Besuch vorige Woche, und so gibt es viele Neuigkeiten zu berichten. Bei unserer Ankunft regnet es ganz schön stark. Schon im Auto berichtet Shigeru, dass das Wetter heute sehr wechselhaft ist, und dass wir damit rechnen müssen, dass es immer mal wieder regnen wird. Tatsächlich ist es so wie er sagt. Die ganze Autofahrt vom Bahnhof bis zum Restaurant Kiyosoba über regnet es in Strömen. Dort treffen wir auch Haruyo Morimoto und ihre Tochter Yukie.

Als hätten wir das Wetter beeinflusst, klart es nach dem Mittagessen aber etwas auf. Wir beschließen auf dem Weg zum Teegarten einen kleinen Zwischenstopp am Strand zu machen, um dort noch ein bisschen frische Seeluft zu schnappen und kalten Morimoto Matcha Premium zu trinken. Haruyo Morimoto hat eigens für unser kleines Matcha-Picknick Wasser von einem Tempel aus den Bergen geholt, und eine Packung Morimoto Matcha Premium von zu Hause mitgenommen. Am Strand mixen wir das Pulver einfach in einer Flasche mit dem frischen Quellwasser und schütteln kräftig.

Haruyo_Morimoto_TKK_Pazifikküste

Nach der kurzen Stärkung fahren wir zu den beiden Teegarten-Parzellen, die in Tsuno in den Bergen liegen, die wie der komplette Betrieb der Morimotos biologisch bewirtschaftet werden. Die Yutaka Midori dort ist relativ weit ausgetrieben, so dass es nicht mehr allzu lange dauert, bis geerntet werden kann. In den nächsten Tagen bringen die Morimotos dann bereits die Netze zur Beschattung der Sträucher an. Für den Morimoto Shincha werden die Yutaka Midori Büsche extra beschattet. Einer der beiden Teegarten-Parzellen in Tsuno hat sich seit unserem letzten Besuch stark verändert. Schon im September letzten Jahres berichteten uns die Morimotos von ihrem Vorhaben, im Teegarten Nummer zwei die sehr schwachen Yabukita-Sträucher heraus zu nehmen und neue Büsche zu setzen. Sie haben sie sich bei der Sortenwahl für Minami Sayaka entschieden, da die Srauchsorte einfach wunderbar zum Standort passt, aber auch weil wir jedes Jahr recht viel davon bestellen – im letzten Jahr die komplette Menge. Die Stecklinge für das neue Feld hat Shigeru Morimoto selbst aus den Minami Sayaka Sträuchern, die sie schon länger in Teegarten 4 angepflanzt haben, gezogen. Diese Leidenschaft der beiden Morimotos für den Tee und biologischen Teeanbau ist wirklich einzigartig. Mit 66 Jahren pflanzen sie einen neuen Teegarten an, obwohl in diesem dann erst geerntet werden kann, wenn die beiden über 70 sind. Diese Energie ist zutiefst beeindruckend.

Neuanpflanzung_Morimoto_Minami_Sayaka

Am Abend fahren wir wieder zurück nach Kirishima.

Besuch bei Familie Morimoto gemeinsam mit Shutaro Hayashi

Marimo_Morimoto_Garten

Heute fahren wir zusammen mit Shutaro Hayashi von unserem Kirishima-Bio-Teegarten zum Teegarten von Familie Morimoto ins etwa zweieinhalb Autostunden entfernte Miyazaki. Dabei kam uns die Idee in den Sinn, dass sich beide Familien einmal kennenlernen, da wir ja mit beiden einen sehr engen Kontakt pflegen. Als Shutaro Hayashi und Shigeru Morimoto sich treffen und gerade erst ins Gespräch eingestiegen sind, stellen beide fest, dass sich die Familien eigentlich bereits kennen. Shigeru Morimoto war schon einmal vor einigen Jahren in der Teefabrik von Shutaro Hayashis Familie „Kirishima Seicha“ zu Besuch, und traf die Eltern von Shutaro Hayashi. Damals ging Shutaro Hayashi noch zur Schule und war daher noch nicht in die Teeherstellung involviert. Shutaro Hayashi und Shigeru Morimoto verstehen sich auf Anhieb gut, teilen ihre tiefe Leidenschaft für die Tee-Herstellung, und beginnen gleich sich über Teestrauchsorten und Tee-Verarbeitung zu unterhalten.

MARIMO Morimoto Shigeru und Shutaro

Als die Morimotos im September mit uns zusammen auf Verkostungs-Tour in Portugal waren, trafen die beiden auch Rita und Isabel von den beiden Kräutergärten, mit denen wir seit 2014 zusammenarbeiten. Gemeinsam mit den Morimotos, Isabel und Rita haben wir im September 2014 vor Ort in Portugal den Sencha Limao komponiert. Nachdem Haruyo und Shigeru Morimoto auch den Duft und feinen Geschmack der Rosen von Isabel (eine von Isabel selbst gezüchtete Varietät) kennengelernt haben, entstand damals die Idee, auch gemeinsam eine Mischung mit Isabels besonderen Rosenblütenblättern herzustellen.

MORIMOTO_Sencha Rosa Teefeld

Der Duft von Isabels Rosen ist wirklich phantastisch, aber eine harmonische Komposition zu kreieren erfordert natürlich etwas Geduld und Feingefühl. Dafür möchten wir verschiedene Teestrauchsorten von den Morimoto durchprobieren, und auch die Überlegung steht im Raum, ob wir Kabusecha oder unbeschatteten Tee verwenden. Inzwischen haben wir in Frankfurt Zeit gefunden am Sencha Rosa weiterzuarbeiten und haben eigens dafür Zitronenmelisse von Rita Bastos bekommen. Es zeigt sich, dass zu den edlen Rosen tatsächlich auch ein edler Tee am besten passt, und so haben wir uns tatsächlich dafür entschieden einen feinen Kabuse Sencha von Familie Morimoto für den Sencha Rosa zu verwenden. Beides harmoniert ganz wunderbar. Die fertig gestellte Komposition stellen wir nun bei unserem heutigen Besuch den beiden Morimotos vor, damit diese dem neuen Tee ihren Segen geben, bevor wir mit dem Verkauf beginnen.

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