Erster Teegartenbesuch 2017: Ujitawara

Heute steht schon unser erster Teegartenbesuch auf dem Programm. Wir bleiben in der Präfektur Kyoto und fahren ins südöstlich gelegene Ujitawara. Hier sind wir in einem Teegarten verabredet, den wir schon seit über 11 Jahren kennen. Damals führten wir mit dem Besitzer des Teegartens ein Interview, in dem es hauptsächlich um die Einstellung zur Bio-Produktion und zur Bio-Zertifizierung ging.

Heute kommen wir als Tee-Importeure zurück dorthin. Man erinnerte sich noch ganz gut an die beiden großen schlanken Männer aus Frankreich… Naja, eigentlich aus Frankfurt, aber zu dieser Verwechslung kam es damals auch schon, da wir „viel zu schlank sind, als dass wir aus Deutschland kommen könnten“, wie wir hören.

Als erstes gibt es natürlich sehr viel zu erzählen. In der Zwischenzeit hatten wir ja unsere Abschlüsse gemacht, für die wir damals das Interview geführt hatten. Natürlich kommt es auch zur Frage, ob denn die Abschlussarbeit, für die Interviews gemacht wurden, denn auch gut gelaufen sei. Zum Glück war sie das. Auch im Teegarten hat sich einiges gewandelt, wurden noch bis vor ein paar Jahren fast ausschließlich Teesträucher der Varietäten Yabukita und Komakage angebaut, so wurde vor kurzem ein neues Feld mit Oku Midori und Sae Midori angelegt.

Oku Midori kennen wir als süße Strauchsorte, die zwar eine schöne Farbe hat, diese aber nicht so leicht in den Teeaufguss übergehen lässt. Aufgrund der leicht ins bläulich-grün tendierenden Farbe der Teeblätter eignet sie sich auch gut zum Herstellen Matcha: Der Miumori Matcha und der Morimoto Matcha Gyokujou sind beide aus 100% Oku Midori. Sae Midori ist in der ersten Ernte ebefalls sehr grün, viel interessanter ist jedoch das intensive umami, auch schon bei kürzer Beschattung. Wir kennen die Strauchsorte schon vom Kirishima Gyokuro und auch hier in Ujitawara ist geplant, daraus später Gyokuro zu produzieren. Wenn man den künftigen Erntezeitpunkt betrachtet, sind beide neu angepflanzten Strauchsorten komplementär: Sae Midori gehört zu den frühen Varietäten, die bis zu einer Woche früher austreibt, im Vergleich zu Yabukita-Sträuchern am selben Standort, während Oku Midori zu den späten Varietäten zählt, die etwa 4Tage bis zu einer Woche später austreibt, als Yabukita. Durch die neuen Sorten entzerrt sich dann auch der Erntepeak, der während der Ernteperiode immer wieder eine Herausforderung darstellt. Wenn alle Sträucher zur gleichen Zeit reif, im Sinne von optimaler Blattgröße und Blattdicke für die Verarbeitung sind, reichen oft die Kapazitäten der Verarbeitungsanlage nicht aus. Andererseits macht es auch keinen Sinn eine größere und damit auch teurere Anlage anzuschaffen, nur um diese dann an ein-zwei Tagen im Jahr wirklich auszulasten, um von der Erntearbeit einmal ganz zu schweigen.

Yabukita kennt sicher jeder Sencha-Trinker. Die Strauchsorte galt lange Zeit als guter Standard und hat seit den 1960er Jahren die damals noch üblichen Zairai-Pflanzen (samengezogene, nicht-sortenreine Teepflanzen) abgelöst. Etwa 70 bis 80% der Teesträucher in Japan sind Yabukita-Sträucher. Die Tendenz ist jedoch eher fallend. Immer mehr Gärten legen mehr Wert auf eine größere Vielfalt und tauschen die eher schädlingsanfällige Yabukita gegen spannendere Strauchsorten aus. Von der Komakage haben wir hier zum ersten Mal gehört. Sicherlich wurde das auch beim Interview erwähnt, aber damals waren unsere Japanisch-Kenntnisse noch nicht so gut, sodass wir leider nicht alles verstanden haben. Die Komakage ist eine sehr alte Strauchsorte, die durch große eher breitere, hell-grüne Blätter gekennzeichnet ist. Sie treibt sehr spät aus. Wir sehen auch den direkten Vergleich zwischen Yabukita und Komakage. Während wir bei der Yabukita schon ganz kleine Knöspchen sehen, ist bei der Komakage noch gar nichts zu sehen. Leider ist sie im Anbau etwas unpraktisch, weil sie sehr dicke Stämme bildet, die man nur schwer zur Verjüngung zurückschneiden kann, weshalb sie nach und nach aus dem Anbau verschwindet.

Auf dem Bild seht ihr wie weit die neuen Triebe, hier handelt es sich um Yabukita-Sträucher, in Ujitawara sind. Es dauert also noch eine ganze Weile bis hier der neue Tee geerntet werden kann. Auf unserem Shincha-Blog seht ihr, wie es hingegen schon in Kumamoto aussieht. Auch aus Yakushima gibt es Neuigkeiten. Der erste Erntetag war tatsächlich der 13.April, an dem Mankichi Watanabe die Kuritawase für den Watanabe Kabuse Shincha geerntet und verarbeitet hat.

Kirishima Grüntee

Blattknospe_Kirishima_Teegarten

Natürlich wollen wir mit Werner und Frank auch den Kirishima Teegarten von Familie Hayashi besuchen, der sehr hochwertige Bio-Grünteesorten herstellt, wie unter anderem den Tennen Gyokuro aus der Strauchvarietät Asatsuyu. Gemeinsam mit Shutaro Hayashi, der an der Universität von Kagoshima Grünteeherstellung studiert hat, und nun die Produktion des Kirishima Teegartens leitet, fahren wir auf die Hochebene, wo der Garten und die Verarbeitungsanlage auf etwa 260m über dem Meer liegen. Die Sträucher sind seit unserem letzten Besuch vor einer Woche deutlich gewachsen, und die jungen Triebe ragen schon ein Stück hervor. Wir werden von leuchtendem Shincha-Hellgrün begrüßt.

Miyama_Kirishima_Sencha_Teegarten

Die Ernte wird hier voraussichtlich Ende April beginnnen. Für die Präfektur Kagoshima ist das schon recht spät, was einerseits an der Lage im Kirishima-Gebirge liegt, und andererseits daran, dass Familie Hayashi keine der allerfrühesten Strauchsorten anbaut, da deren Knospen im Kirishima-Gebirge dem Frost im Frühjahr ausgesetzt wären. Ihre früheste Strauchsorte ist die Asatsuyu, die sie für den Kirishima Tennen Gyokuro verwenden – eine Strauchsorte, die sehr sensibel beim Anbau ist, und für ihr frisches, frühlingshaft süßes Aroma bekannt ist. Im Bio-Anbau ist die Asatsuyu recht selten zu finden, da die Pflege der Asatsuyu-Sträucher auf natürlichem Wege außergewöhnlich anspruchsvoll ist, und daher viel Erfahrung erfordert.

Shutaro_Kirishima_Zairai

Im Gespräch mit Shutaro berichtet Werner von Fragen seiner Kunden, die darum gehen wie viele Schalen Grüntee pro Tag man denn maximal trinken sollte und ob denn drei bis fünf Tassen noch gut seien. Shutaro berichtet davon, dass in einer japanischen Zeitung die Empfehlung herausgegeben wurde, man solle nicht mehr als 200 Tassen Grüntee pro Tag trinken, was wir genauso wie Shutaro mit einer entsprechenden Prise Humor rezipieren. Obwohl wir beide ja passionierte Grüntee-Trinker sind, schaffen wir es wohl nicht einmal in die Nähe dieser Dimension zu kommen.

Abendessen_Shutaro_Dietmar_MARIMO

Am Abend treffen wir uns noch einmal mit Shutaro Hayashi zum gemeinsamen Abschiedsessen, und betonen beim Abschied, dass wir uns sehr darüber freuen würden, wenn er auch dieses Jahr im Herbst wieder zu Besuch zu uns kommen würde, und wir gemeinsame Verkostungen bei Kunden planen dürften.

Kirishima Teegarten und Besuch bei Narieda Shinichiro

Heute ist der erste April und auch in Japan ist „Scherztag“. Es wird heute also lustig!

Am Vormittag haben wir einen Fototermin vereinbart. Auch von Familie Hayashi wollen wir ein Familienfoto machen, damit wir von nun an die Tees aus Kirishima mit dem „Gesicht des Gartens“ zeigen können. Im vergangenen Jahr haben wir uns erst einmal kennen gelernt, über Teestrauchsorten, Handel und Bio-Philosophie diskutiert. Für ein Foto der Familie war am Ende dann keine Zeit mehr.

Eigentlich hatten die Hayashis sich gewünscht, dass wir mit dem Familienfoto noch warten bis die neunen Blattriebe weiter gewachsen sind. In Kirishima ist es im Vergleich zu dem Teil südlichen Teil von Kagoshima, in dem der Teegarten von Familie Watanabe liegt, sehr kühl, auch deshalb, da der Garten von Familie Hayashi höher gelegen ist. Hier in Kirishima zeigen sich erst die ersten sehr kleinen Blatttriebe, während bei Familie Watanabe schon geerntet wird. Da wir leider nicht bis zur Ernte Ende April hier bleiben können, starten wir heute Vormittag nun doch einen Versuch die Familie mit ihrem Bio-Teegarten auf einem Foto festzuhalten.

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Besuch bei Kirishima Seicha – Teegarten von Familie Hayashi

MARIMO_Sakura_Vollblüte_KagoshimaIn Kirishima stehen die Zierkirschen in voller Blüte!

Nach dem Frühstück holt uns Shutaro Hayashi in der Hotel-Lobby ab. Bis zum Teegarten in Kirishima ist es nicht weit. Man kann entweder über den Landweg entlang der Kagoshima Bucht oder mit der Fähre zum Sakurajima übersetzen, und dann auf der anderen Seite entlang bis nach Kirishima fahren. Shutaro fährt mit uns den etwas längeren Weg über den Sakurajima. Dieser immer noch aktive Vulkan ist ein Wahrzeichen der Präfektur Kagoshima. Im vergangenen Jahr hat er über 400-mal Asche in die Luft geschleudert. In diesem Jahr schon über 300 mal, obwohl gerade einmal März ist. Als wir gerade einen Aussichtspunkt erreichen stößt der Sakurajima wieder eine riesige Aschewolke aus.

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