MARIMO_Sakura_Vollblüte_KagoshimaIn Kirishima stehen die Zierkirschen in voller Blüte!

Nach dem Frühstück holt uns Shutaro Hayashi in der Hotel-Lobby ab. Bis zum Teegarten in Kirishima ist es nicht weit. Man kann entweder über den Landweg entlang der Kagoshima Bucht oder mit der Fähre zum Sakurajima übersetzen, und dann auf der anderen Seite entlang bis nach Kirishima fahren. Shutaro fährt mit uns den etwas längeren Weg über den Sakurajima. Dieser immer noch aktive Vulkan ist ein Wahrzeichen der Präfektur Kagoshima. Im vergangenen Jahr hat er über 400-mal Asche in die Luft geschleudert. In diesem Jahr schon über 300 mal, obwohl gerade einmal März ist. Als wir gerade einen Aussichtspunkt erreichen stößt der Sakurajima wieder eine riesige Aschewolke aus.

MARIMO_Sakurajima-Asche

Nach einem gemeinsamen Mittagessen machen wir uns auf den Weg in den Teegarten. Als wir im vergangenen Jahr dort waren, liefen zwischen den Teebuschreihen Enten entlang, die die Beikräuter gegessen haben. Familie Hayashi probiert verschiedene natürliche Wege aus, um den vielen Beikräutern Herr zu werden. Aus deutscher Perspektive kann man sich kaum vorstellen, dass Beikrautregulierung bei einer Dauerkultur wie Tee es ist, eine so wichtige Rolle spielen würde. Berücksichtigt man aber, dass es in Japan nicht nur wärmer, sondern auch deutlich feuchter ist, als in Deutschland, und damit die Beikräuter unglaublich schnell wachsen, bekommt dieses Thema einen deutlich höheren Stellenwert. Die Enten haben sich leider nicht bewährt, was unter anderem daran lag, dass in den Wäldern ringsum Greifvögel leben, die einige der noch kleinen Enten angefallen haben. Seit Mitte des letzten Jahres hält Familie Hayashi nun eine Ziege, die die Beikräuter fressen soll.

MARIMO_Kirishima_Ziege

Es ist ein ganz schön wildes Tier. Kaum wird der Käfig geöffnet stürmt die Ziege in Richtung Teefeld und fängt an unaufhörlich zu fressen. Auch wenn eine Ziege es nicht schaffen kann, alle Beikräuter im etwa 6ha großen Teegarten zu fressen, hat sich die Ziege doch besser bewährt, sodass die Familie nun überlegt noch mindestens eine zweite Ziege anzuschaffen. Ein Problem gibt es jedoch: Bei den noch jungen Sträuchern, die noch nicht so hoch gewachsen sind, kommt die Ziege auch an die frischen, jungen Blatttriebe heran. Diese schmecken natürlich auch der Ziege besonders gut, weshalb sie nur in den Feldern mit älteren Sträuchern grasen darf, sobald die Teebüsche austreiben.

MARIMO_Kirishima_Hayashi_Ziege

Beim Spaziergang lernen wir auch wieder einiges über die Handelsstrukturen und warum nicht nur der Geschmack, sondern auch das Timing der Teestrauchsorten für den japanischen Markt entscheidend sind. Beim Verkauf an Großhändler oder auch an der Börse ist es günstig frühe Strauchsorten anzubauen. Die Großhändler und Weiterverarbeiter sind zum Anfang der Saison bereit einen hohen Preis zu zahlen, auch wenn der Geschmack nicht so besonders sein muss. Je länger die Erntesaison läuft und je voller damit auch ihre Läger sind, desto geringer ist der Preis den sie noch bereit sind zu zahlen. Die Hayashis haben bis auf die Asatsuyu und Asanoka eher späte Strauchsorten, weshalb sich deshalb der Verkauf an Großhändler nicht so recht lohnt. Auch gibt es Strauchsorten die besonders gut schmecken, aber erst spät wachsen: Okumidori und Minami Sayaka zum Beispiel sind eher späte Sorten, die aber geschmacklich hervorragend sind.MARIMO_Zairaishu_Feld_Kirishima

Familie Hayashi baut neben der Asatsuyu Varietät, die sie für den Kirishima Tennen Gyokuro verwenden, unter anderem auch noch Yabukita, Yamanoka und samengezogene Sträucher (Zairaishu) an. Die Zairaishu-Sträucher sind schon über 100 Jahre alt. Eine Teesorte haben wir im vergangenen Jahr mit in unser MARIMO-Sortiment genommen, den Miyama Kirishima Sencha. Es handelt sich dabei um einen Matcha-iri-Sencha: Die Blätter stammen von den 100jährigen Zairai-Sträuchern, und der Matcha wird aus Blättern der Strauchsorten Kanayamidori und Yamanoka hergestellt. Die Zairai-Felder erkennt man immer sofort. Sie sind farblich in verschiedenen Grüntönen „gescheckert“. Einige Pflanzen treiben früh aus, andere später. Die samengezogenen Pflanzen sind nicht sortenrein. Ein Zairai-Feld kann also aus sehr vielen verschiedenen Pflanzenvarietäten bestehen, die alle unterschiedliche Eigenschaften haben. Heute ist es üblich Pflanzen über Stecklinge zu vermehren. Bei dieser Art der Vermehrung haben alle Pflanzen identisches Erbgut und somit auch dieselben Eigenschaften.

MARIMO_Shutaro

Der Teegarten von Familie Hayashi in Kirishima – Achtung nicht mit den Hayashis aus Mie verwechseln – wird mittlerweile in der 5. Generation betrieben. Der gerade einmal 31jährige Shutaro Hayashi übernimmt immer mehr Verantwortung im Traditionsbetrieb. Er hat nach der Schule Teewissenschaften an der Teefakultät der Universität von Kagoshima studiert. Bei diesem Studiengang lernt man sowohl über den Anbau, die verschiedenen Strauchsorten, als auch die Verarbeitung. Über ökologische Teeproduktion lernt man leider nichts. Dieses Wissen hat er vor allem von seinem Vater, der auch noch im Betrieb arbeitet. Seine jüngere Schwester und sein jüngerer Bruder arbeiten auch im Familienbetrieb.

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