Neuigkeiten aus Mie: Iwao und Kimihiko Hayashi

Unsere heutige Verabredung führt uns in die etwa 100km östlich von Kyoto gelegene Präfektur Mie. In Mie wird seit über 800 Jahren Tee angebaut. Die ersten Teesamen, die hier in die Erde gebracht wurden, kamen aus Kyoto, nachdem diese aus China nach Japan gekommen waren.

Wir treffen heute Iwao Hayashi und seinen Sohn Kimihiko. Dieses Jahr holt uns Kimihiko mit dem Auto vom Bahnhof ab. Noch während der Fahrt fragen wir, wie weit denn seine Teesträucher schon ausgetrieben sind, und erzählen von anderen Teegärten, bei denen dieses Jahr die Teesträucher recht spät oder noch gar nicht begonnen haben auszutreiben, selbst in weiter südliche gelegenen, wärmeren Regionen. Auch Kimihiko Hayashi berichtet, dass seine Teebüsche ebenfalls um die sieben bis zehn Tage später dran sind, als im Durchschnitt der letzten Jahre. Es ist also auch für Mie ein recht spätes Jahr. 2016 war, was den Erntezeitpunkt in Mie angeht, ein durchschnittliches Jahr mit Erntebeginn am 5. Mai.

frische Triebe im Bio-Teegarten von Iwao Hayashi

Für 2017 ist der Erntetermin noch nicht abzusehen, doch Kimihiko rechnet mit einem Tag um dem 10. Mai, sein Vater Iwao mit einem noch späteren ersten Erntetag, je nachdem wie sich das Wetter in den nächsten Wochen entwickeln wird.

Mehr zum Thema Shincha auch in unserem Shincha-Blog 2017.

Weil wir nach dem Austreiben der jungen Sprosse gefragt haben, bietet uns Kimihiko an, einen experimentellen Teegarten von einem benachbarten Betrieb zu besuchen, der von einem Gewächshaus umgeben wird. Die Betreiber des Anbauprojekts bauen hier unter weitgehend kontrollierten Bedingungen Tee an. Diese Art der Kontrolle über Anbaufaktoren ermöglicht verschiedene Düngemittel in ihrer Wirkung direkt miteinander vergleichen zu können, ohne störende Nebeneffekte durch unterschiedliche Standorte, verschiedenartige Bodenbeschaffenheit oder unterschiedliche Mengen an Niederschlag. Tobias erinnert das sehr an seine Uni-Zeit am Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung. Natürlich handelt es sich bei dem vorliegenden Projekt nicht um einen Bio-Teegarten, da das Betreiben eines Gewächshauses und der damit einhergehende hohe Energieverbrauch nicht mit der Idee einer ökologischen Anbauweise von Tee zusammenkommen kann. Hier sehen wir schon deutlich größere Triebe, die in der nächsten Woche zur Ernte bereit sind.

frische Triebe im Tee-Gewächshaus (Kabuse Yabukita) in einem experimentellen Teeanbau-Projekt
frische Triebe im selben Anbau-Projekt im Freiland (Yabukita) zum Vergleich

Möglich ist das frühe und schnelle Wachstum in der Region Mie aber nur durch den Anbau im Gewächshaus. Innen herrschen Temperaturen um die 28°C bis 30°C und nachts wird das Gewächshaus zum Teil beheizt, damit die jungen Triebe nicht durch Nachtfröste wieder absterben.

Heizung im Gewächshaus

Um den Faktor Wasserverfügbarkeit kontrollieren zu können, muss künstlich bewässert werden. Für das etwa einen Viertel Hektar große Feld werden 3000 Liter Wasser pro Tag benötigt. Auch obwohl diese Menge recht groß erscheint, so ist das im Vergleich zum natürlichen Regen nicht viel, weshalb der Tee aus dem Gewächshaus wenig intensiv schmeckt. Um eine schöne Farbe zu erreichen, werden hier die Pflanzen für etwa eine Woche beschattet. Dass der Tee nun nicht so außergewöhnlich intensiv schmeckt, erscheint jedoch nicht so schlimm, denn er wird gar nicht getrunken, sondern am Ise Schrein, einem der wichtigsten japanischen Nationalschreine, als Opfer den Göttern dargebracht. Dass es der allererste Shincha aus der Region ist, macht ihn besonders und damit würdig dort geopfert zu werden. Leider ist das aber kein Bio-Tee, aber die japanischen Götter trinken ihn ja auch nicht.

Am Haus der Familie Hayashi angekommen, treffen wir nun auch Iwao Hayashi und seine Frau. Auch wenn es dem 80-jährigen Iwao gesundheitlich gerade nicht ganz so gut geht, ist er zu Scherzen aufgelegt. Er ist im Moment etwas schlecht zu Fuß, jeder Schritt fühlt sich unangenehm an. Es wird aber seit ein paar Tagen wieder besser, sodass er damit rechnet zur Ernte wieder ganz in Form zu sein. Er räumt auch ein, dass er ja schon 80 Jahre alt ist, und im Verhältnis dazu durchaus noch sehr vital. Bei der Frage, wie es seiner Frau geht, antwortet er nur scherzhaft, sehr gut, aber sie sei ja auch noch jung: 6 Jahre jünger als er. Auf uns wirken beide sehr fidel.

Kimihiko und Iwao Hayashi in ihrem Bio-Teegarten in der Präfektur Mie

Im vergangenen Jahr haben wir Iwaos Enkel Shuhei kennengelernt, der seit mittlerweile zwei Jahren im Familienbetrieb arbeitet. Bei unserem letzten Besuch war er gerade mit der Tee-Ernte beschäftigt. Der Großvater berichtet voller Stolz, dass der Enkel seine Arbeit sehr gut macht.  Auch erfahren wir, dass der 23-jährige Shuhei im vergangenen Jahr geheiratet und eine Tochter bekommen hat. Darüber ist der Urgroßvater Iwao Hayashi natürlich auch sehr stolz.

Iwao berichtet davon, dass es seit Februar sehr viel geregnet hat und fügt noch an, dass viel Regen im Februar und März sehr gut für den Geschmack des Tees der ersten Ernte ist. Die Pflanzen sammeln in dieser Zeit die Energie für die neuen Triebe – den Shincha und Tokujou Sencha. Er rechnet also mit einem guten Teejahr 2017. Obwohl es noch ein bisschen dauert bis die neuen Tees geerntet werden können und wir die ersten Muster verkosten dürfen, freuen wir uns aber jetzt schon sehr darauf.

Grüntee-Workshop für Experten, 21 August 2016: Einfluss der geografischen Lage und des Produktionsstils auf die geschmacklichen Charakteristika von Teestrauchvarietäten

Nachdem seit 2013 unser jährliches Marimo-Teeseminar im Juli hinsichtlich der Teilnehmerzahl immer größer geworden ist, haben wir uns dieses Jahr dafür entschieden, erstmal eine Reihe von kleineren Workshops anzubieten, um in kleinerem Kreis inhaltlich noch mehr Tiefe vermitteln zu können. Eine größere Veranstaltung, bei der übrigens auch wieder Grüntee-Produzenten anwesend sein werden, wird dieses Jahr (2016) daher erst Anfang Oktober stattfinden. Beim Workshop, der heute (21. August 2016) stattgefunden hat, haben wir uns wieder einmal dem Thema Teestrauchsorten gewidmet, jedoch mit etwas anderer Ausprägung als bisher. Einige Details dazu sind in folgendem Blogeintrag kurz zusammengefasst.

Nachdem wir in den letzten Jahren bereits recht ausführlich das Thema von Teestrauchsorten im Vergleich zueinander bearbeitet haben, widmen wir uns heute erst einmal dem Thema, wie unterschiedlich ein und dieselbe Teestrauchsorte (gleichbedeutend mit Teestrauch-Varietät oder Teestrauch-Kultivar) hinsichtlich ihrer geschmacklichen Charakteristika ausgeprägt sein kann, in Abhängigkeit davon, wo sie angebaut wurde. In einem ersten Vergleich betrachten wir dazu eine unbeschattete Yabukita der ersten Ernte der Familie von Shutaro Hayashi ( Kirishima-Teegarten ) versus eine unbeschattete Yabukita der ersten Ernte von Familie Morimoto aus Miyazaki ( Morimoto-Teegarten ).

Bereits bei diesem ersten Vergleich stellen wir fest, dass es kaum möglich ist, den Unterschied, der von der geografischen Lage bedingt wird, so leicht herauszuschmecken, da dieser von anderen Einflüssen stark überlagert wird. Dabei ist insbesondere der Einfluss des Produktionsstils des jeweiligen Teegartens zu nennen. Während die Yabukita von Familie Morimoto, die unter anderem einen Bestandteil des Morimoto Tokujou Sencha darstellt, durch ihre Frische und zugleich ihren ansatzweise rohen Charakter einer kurzen finalen Erhitzung ( hi-ire ) geprägt ist, begleitet von einem zarten Umami, so begeistert die Yabukita von Shutaro Hayashis Teegarten, die einen Teil des Kirishima Tokujou Sencha bildet, mehr durch ihre blumige Süße, die sich elegant mit zart nussigen Aromen in den Vordergrund stellt. Diese sind ganz offensichtlich einer etwas intensiveren finalen Erhitzung ( hi-ire ) zuzurechnen, und weniger dem Klima, der Höhenlage oder der Bodenbeschaffenheit der geografischen Lage von Miyazaki versus Kirishima in der Kagoshima Präfektur.

Kirishima Tokujou Sencha versus Morimoto Tokujou Sencha

Für die nächsten Teestrauch-Sorten-Vergleiche haben wir daher Blattgut vorbereitet, bei dem der Einfluss des Produktionsstils keine Rolle spielt, um nun tatsächlich den Einfluss der geografischen Lage sowie des Bodens wahrnehmen zu können. Um den Einfluss des Produktionsstils wirklich ausblenden zu können, ist es natürlich erforderlich, Blattgut für den Vergleich heranzuziehen, das vom gleichen Produzenten hergestellt wurde. Dazu muss das Blattgut zudem recht genau vom selben Erntezeitpunkt stammen, denn sonst ergibt sich ein neuer Einflussfaktor, was wir natürlich vermeiden möchten.

Glücklicherweise haben wir diese seltene Möglichkeit, denn beim Teegarten von Familie Morimoto werden mehrere Strauchsorten nicht nur auf einer Parzelle angebaut, sondern teilweise an mehreren Standorten, die nicht allzuweit auseinander liegen. Produziert werden die Tees natürlich allesamt von Shigeru Morimoto. Doch schmecken diese Tees dann auch wirklich unterschiedlich, wenn der geografische Unterschied nur so gering ist?

Für unseren Vergleich ziehen wir nun beschattete Sencha Blätter der Yabukita von der ersten Ernte ( kurz: Tokujou Kabuse Yabukita Sencha ) der Teegartenparzelle Nummer 6 sowie Tokujou Kabuse Yabukita Sencha der Teegartenparzelle Nummer 9 heran. Bereits die Aufgussfarbe verrät, dass beide Tees sehr unterschiedlich sind, auch wenn das trockene Blattgut noch sehr ähnlich aussah. Als wir die Aufgüsse der beiden Tokujou Kabuse Yabukita Blätter verkosten, ist wirklich niemand in der Runde der Anwesenden, der behaupten würde, beide seien ähnlich. Es stellt sich die Frage, ob die Höhenlage beider Teegartenparzellen unterschiedlich ist. Dies ist in der Tat so. Doch liegt die Vermutung nahe, dass der deutliche geschmackliche Unterschied mehr noch von der unterschiedlichen Bodenbeschaffenheit beider Teegartenparzellen von Familie Morimoto herrührt.

In weiteren Vergleichen betrachten zudem den diesjährigen Fukamushi Sencha, der von Familie Morimoto dieses Jahr erstmalig komplett beschattet hergestellt wurde, was einen deutlichen Effekt auf den Einfluss der Dämpfung mit sich gezogen hat. Da die durch die Beschattung weicheren und kleineren Blättern wesentlich zugänglicher für den Dampf sind, ist die Tassenfarbe des Morimoto Fukamushi Sencha von 2016 deutlich intensiver als im Vorjahr, und zudem durch die gänzliche Beschattung deutlich grüner. Die Strauchsorte Oku Yutaka, aus der der Fukamushi Sencha der Morimotos ausschließlich besteht, ist nun kaum wiederzuerkennen. Warum? Je intensiver die Beschattung und je tiefer der Dampf in das Innere der Blätter eindringt – Zweiteres wird dabei von Ersterem wie gesagt beschleunigt – desto weniger deutlich sind die Teestrauchvarietäten voneinander unterscheidbar. Wir wagen dennoch den Vergleich mit dem Tennen Gyokuro Oku Yutaka aus Kirishima, der ebenso beschattet, und zudem vergleichsweise tief gedämpft wurde.

Tennen Gyokuro Oku Yutaka versus Morimoto Fukamushi Sencha

 

Sencha Herstellung im Teegarten von Haruyo und Shigeru Morimoto

Gestern empfingen wir zwei Gäste aus Deutschland, Olli und Geli, die gemeinsam einen Teeladen in Kiel betreiben, bei dem unter anderem auch besonderer Wert auf japanischen Tee und Keramik gelegt wird. Die beiden haben großes Glück, denn heute ist der letzte Honcha-Erntetag der ersten Ernte im Teegarten von Haruyo und Shigeru Morimoto. Es ist immer schwer vorauszusagen, ob sich die Gelegenheit ergibt während eines kurzen Besuches auch die Teeernte und Grüntee-Verarbeitung sehen zu können. Denn um dies zu ermöglichen, muss schließlich das Wetter mitspielen.

Zudem ist es für die Tee-Gärten meist sehr anstrengend, wenn ausgerechnet während der ersten Ernte – dem wichtigsten Zeitpunkt im Zyklus eines Jahres der allermeisten Teegärten – dann gerade bei all dem Stress mit der Ernte und Verarbeitung auch noch Gäste zu Besuch kommen. Auch Haruyo und Shigeru Morimoto würden sich lieber den Gästen während einer ruhigeren Saison in Ruhe, wirklich intensiv widmen können. Andererseits verstehen sie aber auch, dass es natürlich für unsere Gäste und uns spannend und sehr lehrreich ist, bei der Sencha-Produktion mit dabei zu sein und so jeden Schritt vom frischen Teeblatt bis zum fertigen Sencha mitzuverfolgen.

Es stehen heute zwei sehr wichtige Teesorten auf dem Programm: Sencha aus unbeschatteten Sträuchern der Varietät Oku Midori, sowie Fukamushi-Sencha aus beschatteten Oku Yutaka. Die unbeschattete Oku Midori-Strauchsorte ist ein wichtiger Bestandteil des Morimoto Tokujou Sencha, während die Kabuse Oku Yutaka etwas tiefer gedämpft wird, um dann für den Morimoto Fukamushi Sencha die geeignete Verwendung zu finden.

Mit der Oku Midori beginnt Shigeru schon ganz früh morgens. Als wir vormittags ankommen, sind die beiden Töchter Yukie und Tae Morimoto gerade damit beschäftigt die schwarzen Netze von den Oku Yutaka Sträuchern zu nehmen.  Da das Hilfsmittel für das Einrollen der schwarzen Netze – eine einfach konstruierte Maschine – leider immer noch beschädigt, und daher noch nicht einsatzbereit ist, müssen die Netze von Hand abgenommen und zusammengefaltet werden, was viel körperliche Arbeit und Zeiteinsatz erfordert. Da es am Vortag geregnet hat, und die Netze dadurch entsprechend schwer sind, ist das eine ganz schön anstrengende Arbeit – wir erinnern uns noch gut an die vergangenen Jahre, als es unsere Aufgabe war, die Netze von einigen Teegärten einzurollen.

In diesem Jahr wurden die Sträucher der Oku Yutaka besonders lang beschattet, und haben auch in der Zeit vor Anbringung der schwarzen Netze nicht viel Sonne bekommen, da es so viel regnete. Die Blätter dieser Tennen Gyokuro-Strauchsorte sind daher in diesem Jahr sehr klein und weich, weshalb Shigeru bei der Dämpfung sehr große Sorgfalt walten lässt. Nachdem er die Dämpfung eingestellt hat, zeigt er uns die frisch gedämpften Blätter. Er erklärt uns, dass er die Einstellung so perfekt findet, weil der Tee zwar tief gedämpft ist, aber das Blatt während der Verarbeitung nicht gänzlich zu Staub zerfallen wird, wenn er es so dämpft. Würde er noch tiefer dämpfen, würde die Farbe eher Richtung gelb tendieren und das Blatt zu sehr zerbröseln. Wir sind von der intensiven Farbe der Blätter jetzt schon begeistert. Da Shigeru Morimoto den Fukamushi Sencha exklusiv für uns herstellt, sprechen wir uns gegenseitig ab, wie die Dämpfung erfolgen soll, und wie der Tee am Ende werden soll – eine wirklich sehr fruchtbare Zusammenarbeit.

In diesem Jahr konzentrieren wir uns, unter fachkundiger Anleitung durch Shigeru Morimoto, mehr auf die Endverarbeitung (shi-age). Schon im vergangenen Jahr begannen bei den Morimotos die Planungen für einen festen Ort für die Endverarbeitung, die selbstverständlich auch die finale Sortierung umfasst. Im letzten Jahr (2015) konnten wir einige Tees schon sehr präzise sortieren, mit Hilfe einer zwar gebrauchten, aber technisch auf einem recht hohen Niveau befindlichen Maschine – allerdings erstmal nur als Testproduktion. Es gab auch noch keinen festen Ort für die Endverarbeitung, vielmehr waren die verschiedenen Endverarbeitungsschritte an verschiedenen Stellen, sodass man die 30kg-schweren Tee-Säcke mit Aracha immer von einem Ende des Produktionsraums ans andere Ende tragen musste.

Das ist nun endlich einfacher: Alles ist an einem Ort und auch der Weg zu Vakuummaschine und Kühlschrank ist nicht weit, sodass der Tee optimal gelagert werden kann, bis er dann den langen Weg nach Europa antritt. Natürlich ist die Endverarbeitung gleichzeitig auch dafür da, den Tee in einen Zustand zu bringen, indem er optimal transportiert werden kann, ohne auf dem Weg nach Europa an Qualität zu verlieren. Seit April gibt es nun diesen eigenen gekühlten Raum, in dem die Sortierung (senbetsu) und finale Erhitzung (hi-ire) stattfindet.

Die Endverarbeitung wird bei den meisten japanischen Tees von großen Konzernen übernommen, die den Aracha von vielen verschiedenen Betrieben aufkaufen und dann zu fertigen Sencha-Blends verarbeiten. Bei den Morimotos findet die Endverarbeitung (shi-age) natürlich in einem sehr viel kleineren Maßstab statt, verglichen mit den Großbetrieben in Shizuoka. Wir merken auch, dass die Endverarbeitung des Aracha auch noch einmal richtig viel Zeit in Anspruch nimmt, da sie mehrere Produktionsschritte umfasst, die alle eine ganze Menge Zeit brauchen.

Am Abend probieren wir den Fukamushi Sencha aus Oku Yutaka und sind wahnsinnig begeistert. Die tiefgrüne Farbe und das intensive umami dieses Tees sind einfach überwältigend.

Besuch bei Iwao Hayashis Bio-Teegarten in Mie

Seit gestern sind wir nun nicht mehr allein unterwegs. Valérie und Francoise begleiten uns für etwa zehn Tage. Unser erster Teegarten-Ausflug führt uns nach Mie zu Iwao Hayashi. Diesmal holt uns Iwao zusammen mit seinem Enkel Shuhei vom Bahnhof ab. So arbeiten jetzt schon drei Generationen gleichzeitig in dem etwa 8 ha großen Bio-Teegarten. Zusammen fahren wir etwa eine halbe Stunde bis in das kleine Dorf, in dem der Teegarten umringt von kleinen so um die 300 bis 400m hohen Hügeln liegt.

Yabukita Teesträucher im Bio-Teegarten von Iwao Hayashi, geerntet wird hier voraussichtlich in der ersten Mai-Woche

Im Haus angekommen zeigt uns Iwao, wie der Umbau ihres Hauses weiter vorangekommen ist. Im letzten Jahr zog bereits die Teeverarbeitung in ein neues Gebäude um. Die Hayashis hatten etwas Sorge, dass bei einem Erdbeben das Haus die schweren Maschinen nicht mehr tragen könnte. Die alte Verarbeitungsanlage lag nämlich in einem Gebäude am Hang und damit zum Großteil im ersten Stock. Bei einem Erdbeben hätte die kleine Halle ganz schön geschwankt. Die neue Verarbeitungshalle ist daher nun ebenerdig und es gibt nur ein Stockwerk. In der alten Halle, die durch den Umzug der Tee-Verarbeitungsmaschinen nun umgebaut werden konnte, wurde ein Büro abgeteilt und im restlichen Teil befindet sich nun die Endverarbeitung, die hier auf 100% professionellem Niveau durchgeführt wird. Die Hayashis können mit der neuen Endverarbeitungsanlage von der Sortierung bis zum final erhitzen Tee alle Schritte selbst durchführen.

Bio-Pionier Iwao Hayashi in seinem Teegarten in der Präfektur Mie

Wir alle sind ganz beeindruckt von Iwaos Ausstrahlung und jugendlicher Beweglichkeit. Der fast 80-jährige mehrfache Großvater – in diesem Jahr wird er 80 – ist unterwegs wie eh und je und arbeitet auch weiterhin in seinem biologischen Teegarten. Er verrät uns im Gespräch sein Geheimnis, wie er schafft in hohem Alter mit so viel jugendlicher Energie aufzuwarten. Eines war uns ja schon klar – der Bio-Grüntee. Er zeigt uns dann aber noch etwas anderes, nämlich eine spezielle Wasseraufbereitung, die er installiert hat. Familie Hayashi verwendet zum Kochen, sowie zur Teezubereitung, als auch als pures Trinkwasser nur dieses gefilterte Wasser, das aus den nahe gelegenen Bergen stammt. Sie holen zunächst Wasser von einer Quelle und füllen es in einen Wassertank. In die Mitte von dem Wassertank wird Aktivkohle hereingelegt und anschließend elektrische Spannung angelegt. Von der Idee her, sollen sich hierdurch unerwünschte Stoffe an die Aktivkohle binden. Iwao scherzt, dass er nicht sagen kann, ob und was das wirklich bringt, aber es scheint ihm gut tun. Er beobachtet auch, dass das Wasser so anders schmeckt, wie er sagt „weicher“, und besser zum Tee passt als gewöhnliches Leitungswasser.

Im Gespräch stellen wir fest, dass es nun schon 10 Jahre her ist, dass wir uns das erste Mal getroffen haben. 2006 besuchten wir Iwao zum ersten Mal. Damals waren wir noch als wissbegierige Studenten in Japan unterwegs, die herausfinden wollten warum er sich entschlossen hat biologischen Tee zu anzubauen. Heute sind wir nun als Tee-durstige Importeure zu Besuch, die sich zur Aufgabe gemacht haben seinen Tee in Europa bekannt zu machen, ganz so wie Iwao es sich vor 10 Jahren gewünscht hat, als wir selbst noch nicht auf diese Idee gekommen waren.

Morimoto Shincha, erste Ernte Sencha und Kabusecha 2015

MARIMO_Morimoto_Grüntee

Während der Morimoto Shincha schon auf dem Weg nach Europa ist und dort in wenigen Tagen ankommen wird, ist bei den Morimotos die erste Ernte in vollem Gange. In diesem Jahr ist vor Ort bei den Morimotos von uns allen bei der Ernte besonders viel Durchhaltevermögen verlangt, denn es gab seit Anfang der Ernte bis jetzt keinen einzigen Tag, an dem wir nicht geerntet haben. In den vergangenen beiden Jahren gab es zwischendurch immer wieder Regentage, an denen sich alle ein bisschen erholen konnten. Seit dem Tag der ersten Shincha-Ernte powern wir nun dieses Jahr schon durch.

Zuvor hat es in ganz Japan sehr viel geregnet, so dass im Boden viel Feuchtigkeit gespeichert ist, und die Pflanzen nun bei dem schönen Wetter alles haben um sehr gut zu wachsen. Zusätzlich zum Morimoto Shincha, haben wir bisher schon Yutaka Midori, Saki Midori und Yabukita geerntet. Heute kann man schon fast von zwei Arbeitsschichten sprechen. Als wir heute mit der Verarbeitung von Yabukita Teeblättern aus Teegarten 8 fertig waren, mussten wir die Verarbeitungsanlage sehr schnell sauber machen, denn in der Nacht soll weiter verarbeitet werden. Während Tobias mit Haruyo noch spät abends im Teegarten die frischen Blätter erntet, ruht sich Shigeru etwas aus, damit er dann nachts weiter Tee verarbeiten kann. Teeproduktion ist schon wirklich harte Arbeit. Wenn die beiden Morimotos nicht so viel Humor hätten, würden wir das hier wohl alle nicht so leicht aushalten.

Otsukare-sama desu!

Bio-Grüntee von Familie Hayashi aus der Präfektur Mie

 

Unser heutiges Ziel ist der biologische Teegarten der Familie Hayashi in der Präfektur Mie. Es wird wohl künftig etwas verwirrend, da wir seit dem letzten Jahr ja mit zwei Familien zusammen arbeiten, die beide Hayashi heißen. Allerdings liegen die beiden Gärten mehrere Hundert Kilometer weit auseinander und sind so unterschiedlich, dass es all denjenigen, die Bilder der Teegärten, die Gesichter der Familien und die Tees genauer betrachten, doch leicht fallen dürfte beide Gärten auseinanderzuhalten.

Mie_Hayashi_Sencha_MARIMO

Die Nacht haben wir in der Großstadt Nagoya verbracht, da man von hier aus ganz gut in die sehr entlegene Region in der Präfektur Mie gelangen kann, in der sich der Teegarten der Familie Hayashi befindet. Am Bahnhof werden wir von Iwao Hayashi begrüßt. Der 78-Jährige hat den Teegarten aufgebaut, den nun sein Sohn Kimihiko weiterführt. Natürlich ist Iwao Hayashi auch jetzt aus dem Betrieb nicht wegzudenken. Momentan kümmert er sich vor allem um die Teegärten, während Kimihiko die Verarbeitung und die Organisation des Betriebs neu strukturiert. Vor einigen Jahren haben die beiden nämlich beschlossen gar nicht mehr an Weiterverarbeiter oder Großhändler in Japan zu liefern. Der Preisdruck ist sehr groß, so groß, dass reihenweise Aracha-Betriebe – also Betriebe, die lediglich die Vorverarbeitung machen – schließen müssen. Die Hayashis gehen da einen anderen Weg, sie setzen auf Direktverkauf im Inland vor allem in Ise, wo sich einer der drei wichtigsten Schreine Japans befindet und auf feste, langfristige Partner, die den fertigen Tee der Familie im Ausland anbieten. In Europa haben wir die Ehre, den Tee von Familie Hayashi exklusiv importieren zu dürfen, während die Familie für die USA einen anderen Partner hat, der sich vor allem auf den Pulvertee von Familie Hayashi spezialisiert hat. Für uns ist Familie Hayashi ein sehr wichtiger Partner. Mit ihren Grüntees hat MARIMO vor 8 Jahren den Import von biologisch angebautem Grüntee begonnen.

Hayashi_Sencha_Mie_MARIMO

Im vergangenen Jahr haben wir schon davon berichtet, dass die Hayashis planen ihre Verarbeitungsanlage umzuziehen. Das alte Haus kam während der Verarbeitung immer stark ins Wanken, und da die Region auch immer wieder von Erdbeben betroffen ist, machten sich die Hayashis zunehmend Sorgen, dass das alte Haus unter der Last der Verarbeitungsmaschinen einstürzen könnte. Wir haben es im letzten Jahr noch miterlebt, wie die ganze Halle bebte während der Tee verarbeitet wurde. Das Problem bestand darin, dass das Haus der Familie am Hang steht und die Verarbeitungsanlage damit praktisch im ersten Stock, und nicht wie sonst üblich ebenerdig war. Nun ist das aber kein Problem mehr: Zu Fuß nur wenige Minuten entfernt liegt das neue Gebäude, in dem ab 2015 der Bio-Grüntee verarbeitet werden soll. Alle Geräte sind schon installiert und auch eine Probeproduktion mit dem Winterschnitt [ Fuyu-Bancha ] wurde erfolgreich durchgeführt.

Mie_Sencha_Hayashi_Tee

Seit dem letzten Jahr unterstützt Herr Saiyu Toba die Familie bei der Verarbeitung. Er hat früher bei einem befreundeten Bio-Teegarten gearbeitet, der nach einer Überschwemmung leider Konkurs anmelden musste. Genauer gesagt, er war der Gründer des Betriebs. Herr Toba kennt sich bestens mit der Herstellung von grünem Tee aus, war auch schon in verschiedenen Betrieben für die Tee-Verarbeitung verantwortlich, und bringt viel Expertise mit in den Betrieb von Familie Hayashi.

Das alte Haus, in dem früher verarbeitet wurde, wird nun für die Finalproduktion umgebaut. Hier findet dann die Sortierung, finale Erhitzung und Verpackung statt. Dieser Bereich ist, seit die Familie nur noch fertig produzierten Tee verkauft, natürlich viel wichtiger geworden, und wurde nun weiter perfektioniert.