Morimoto Shincha, erste Ernte Sencha und Kabusecha 2015

MARIMO_Morimoto_Grüntee

Während der Morimoto Shincha schon auf dem Weg nach Europa ist und dort in wenigen Tagen ankommen wird, ist bei den Morimotos die erste Ernte in vollem Gange. In diesem Jahr ist vor Ort bei den Morimotos von uns allen bei der Ernte besonders viel Durchhaltevermögen verlangt, denn es gab seit Anfang der Ernte bis jetzt keinen einzigen Tag, an dem wir nicht geerntet haben. In den vergangenen beiden Jahren gab es zwischendurch immer wieder Regentage, an denen sich alle ein bisschen erholen konnten. Seit dem Tag der ersten Shincha-Ernte powern wir nun dieses Jahr schon durch.

Zuvor hat es in ganz Japan sehr viel geregnet, so dass im Boden viel Feuchtigkeit gespeichert ist, und die Pflanzen nun bei dem schönen Wetter alles haben um sehr gut zu wachsen. Zusätzlich zum Morimoto Shincha, haben wir bisher schon Yutaka Midori, Saki Midori und Yabukita geerntet. Heute kann man schon fast von zwei Arbeitsschichten sprechen. Als wir heute mit der Verarbeitung von Yabukita Teeblättern aus Teegarten 8 fertig waren, mussten wir die Verarbeitungsanlage sehr schnell sauber machen, denn in der Nacht soll weiter verarbeitet werden. Während Tobias mit Haruyo noch spät abends im Teegarten die frischen Blätter erntet, ruht sich Shigeru etwas aus, damit er dann nachts weiter Tee verarbeiten kann. Teeproduktion ist schon wirklich harte Arbeit. Wenn die beiden Morimotos nicht so viel Humor hätten, würden wir das hier wohl alle nicht so leicht aushalten.

Otsukare-sama desu!

Bio-Grüntee von Familie Hayashi aus der Präfektur Mie

 

Unser heutiges Ziel ist der biologische Teegarten der Familie Hayashi in der Präfektur Mie. Es wird wohl künftig etwas verwirrend, da wir seit dem letzten Jahr ja mit zwei Familien zusammen arbeiten, die beide Hayashi heißen. Allerdings liegen die beiden Gärten mehrere Hundert Kilometer weit auseinander und sind so unterschiedlich, dass es all denjenigen, die Bilder der Teegärten, die Gesichter der Familien und die Tees genauer betrachten, doch leicht fallen dürfte beide Gärten auseinanderzuhalten.

Mie_Hayashi_Sencha_MARIMO

Die Nacht haben wir in der Großstadt Nagoya verbracht, da man von hier aus ganz gut in die sehr entlegene Region in der Präfektur Mie gelangen kann, in der sich der Teegarten der Familie Hayashi befindet. Am Bahnhof werden wir von Iwao Hayashi begrüßt. Der 78-Jährige hat den Teegarten aufgebaut, den nun sein Sohn Kimihiko weiterführt. Natürlich ist Iwao Hayashi auch jetzt aus dem Betrieb nicht wegzudenken. Momentan kümmert er sich vor allem um die Teegärten, während Kimihiko die Verarbeitung und die Organisation des Betriebs neu strukturiert. Vor einigen Jahren haben die beiden nämlich beschlossen gar nicht mehr an Weiterverarbeiter oder Großhändler in Japan zu liefern. Der Preisdruck ist sehr groß, so groß, dass reihenweise Aracha-Betriebe – also Betriebe, die lediglich die Vorverarbeitung machen – schließen müssen. Die Hayashis gehen da einen anderen Weg, sie setzen auf Direktverkauf im Inland vor allem in Ise, wo sich einer der drei wichtigsten Schreine Japans befindet und auf feste, langfristige Partner, die den fertigen Tee der Familie im Ausland anbieten. In Europa haben wir die Ehre, den Tee von Familie Hayashi exklusiv importieren zu dürfen, während die Familie für die USA einen anderen Partner hat, der sich vor allem auf den Pulvertee von Familie Hayashi spezialisiert hat. Für uns ist Familie Hayashi ein sehr wichtiger Partner. Mit ihren Grüntees hat MARIMO vor 8 Jahren den Import von biologisch angebautem Grüntee begonnen.

Hayashi_Sencha_Mie_MARIMO

Im vergangenen Jahr haben wir schon davon berichtet, dass die Hayashis planen ihre Verarbeitungsanlage umzuziehen. Das alte Haus kam während der Verarbeitung immer stark ins Wanken, und da die Region auch immer wieder von Erdbeben betroffen ist, machten sich die Hayashis zunehmend Sorgen, dass das alte Haus unter der Last der Verarbeitungsmaschinen einstürzen könnte. Wir haben es im letzten Jahr noch miterlebt, wie die ganze Halle bebte während der Tee verarbeitet wurde. Das Problem bestand darin, dass das Haus der Familie am Hang steht und die Verarbeitungsanlage damit praktisch im ersten Stock, und nicht wie sonst üblich ebenerdig war. Nun ist das aber kein Problem mehr: Zu Fuß nur wenige Minuten entfernt liegt das neue Gebäude, in dem ab 2015 der Bio-Grüntee verarbeitet werden soll. Alle Geräte sind schon installiert und auch eine Probeproduktion mit dem Winterschnitt [ Fuyu-Bancha ] wurde erfolgreich durchgeführt.

Mie_Sencha_Hayashi_Tee

Seit dem letzten Jahr unterstützt Herr Saiyu Toba die Familie bei der Verarbeitung. Er hat früher bei einem befreundeten Bio-Teegarten gearbeitet, der nach einer Überschwemmung leider Konkurs anmelden musste. Genauer gesagt, er war der Gründer des Betriebs. Herr Toba kennt sich bestens mit der Herstellung von grünem Tee aus, war auch schon in verschiedenen Betrieben für die Tee-Verarbeitung verantwortlich, und bringt viel Expertise mit in den Betrieb von Familie Hayashi.

Das alte Haus, in dem früher verarbeitet wurde, wird nun für die Finalproduktion umgebaut. Hier findet dann die Sortierung, finale Erhitzung und Verpackung statt. Dieser Bereich ist, seit die Familie nur noch fertig produzierten Tee verkauft, natürlich viel wichtiger geworden, und wurde nun weiter perfektioniert.

High End Matcha vom Traditionsbetrieb Nakanishi

Wie gestern bereits erwähnt, ist der heutige Tag einem ganz besonderen Besuch gewidmet, auf den wir jahrelang gehofft haben – ein Besuch, den wir kaum noch für möglich gehalten hätten. Nachdem wir vormittags mit dem Schnellzug von Nagoya aus zur alten Hauptstadt Kyoto gereist sind, steigen wir dort um und fahren noch einige Minuten mit dem Zug in Richtung Uji. Da Kyoto, Uji und Sakai zu den wichtigsten Orten zählen, die gewissermaßen die Schmiede der japanischen Teezeremonie und Herstellung von traditionellem Matcha darstellen, könnte unser Ziel angesichts dieser Umgebung kaum passender sein: Es ist der High End Matcha-Teegarten Nakanishi, der vor mehreren Hundert Jahren gegründet wurde, und über die Jahre hinweg mit zahlreichen renommierten Preisen für Matcha und Tencha ausgezeichnet wurde.

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Der kleine Raum von Nakanishi, in dem wir die höchste Qualität des altehrwürdigen Teegartens dargereicht bekommen, ist über und über geziert von in Rahmen gefassten hochrangigen Preisen für Matcha und Tencha.

Nakanishi_Matcha_Preis_Wettkampftee

Matcha von Nakanishi ist in Kyoto und Uji unter Experten hoch angesehen: Selbst der deutlich größere Betrieb Koyama aus Uji, dessen Name sich auch hierzulande bereits herumgesprochen hat, schätzt den Matcha und Tencha von Nakanishi sehr. Nakanishi und Koyama pflegen schon seit mehr als 50 Jahren eine enge Beziehung zueinander. Während Koyama vor allem für seine „konventionellen“, also mit Pestizideinsatz hergestellten Qualitäten Ruhm erlangt hat, so ist jedoch Nakanishi nach Aussage von japanischen Matcha-Kennern der einzige Teegarten, der solch hohe Matcha-Qualitäten in der Lage ist auf 100% traditionelle und ökologische Weise anzubauen und zu verarbeiten. Alle Schritte vom Anbau bis zur Herstellung von Tencha, und dem Mahlen des Tencha zu Matcha, finden dabei auf den eigenen Anlagen von Nakanishi statt. Da dabei unglaublich viel Handarbeit erforderlich ist, sind die hergestellten Mengen allerdings sehr klein, und machen den Matcha von Nakanishi umso mehr zu einer Rarität.

Matcha_Steinmühle_Nakanishi_ishiusu

Seit 2008 haben wir nach einem solchen Teegarten gesucht, der High End Matcha aus ökologisch angebautem Blattgut herstellt, und können die oben getroffene Aussage durchaus unterstreichen, dass es offensichtlich keinen anderen Teegarten gibt, der sich mit Nakanishi messen kann. Obwohl uns unsere beiden Grüntee-Expertinnen Reina und Yoko, die wiederum mit verschiedenen Teelehrern unter anderem in Kyoto in Verbindung stehen, bei der Suche unterstützt haben, waren wir sechs Jahre lang erfolglos auf der Suche nach solch einem auf High End Matcha spezialisierten Teegarten wie Nakanishi. Ja, selbst im vergangenen Jahr waren wir noch vergebens auf der Suche einen ökologischen Teegarten ausfindig zu machen, der wirklich herausragende Matcha Qualitäten herstellt, die auch den Ansprüchen der japanischen Teeschulen genügen. Doch ganz unverhofft gab es dann Mitte des letzten Jahres eine Überraschung: Nakanishi kam auf uns zu!

Herr Nakanishi hatte über eine Bekannte, die wiederum mit einer Bekannten von uns befreundet ist, über MARIMO gehört, und dass wir darauf spezialisiert sind, mit kleinen Bio-Teegärten zusammenzuarbeiten, und deren Tee unter dem Namen des jeweiligen Teegartens und mit dessen Gesicht in Europa bekannt zu machen. Bisher hatte Nakanishi seinen Tencha nur in seltensten Fällen selbst zu Matcha vermahlen, und stattdessen die ungemahlenen Tencha-Blätter an andere bekannte Matcha-Verarbeiter verkauft, die ihm bis heute die Tencha-Blätter schier aus den Händen reißen. Da Nakanishi zu einigen seiner Tencha-Abnehmer schon seit vielen Jahrzehnten in enger Beziehung steht, ist es zwar nicht die Intention von Herrn Nakanishi diese Art der Kooperation abzubrechen, doch reifte zusehends sein Wunsch heran, dass seine exzellenten Matcha-Qualitäten auch unter dem Namen Nakanishi angeboten werden, und nicht nur als Marke anderer Händler. So kam es dazu, dass er sich an uns wandte.

Wer schon einmal in Kyoto unterwegs war, hat sicherlich bemerkt, dass die alte Hauptstadt zusammen mit dem Ort Uji gewissermaßen auch die „Hauptstadt des Matcha“ ist: An jeder Straßenecke, ja selbst im Bahnhof, kann man unzählige Läden finden, die Matcha und daraus hergestellte Speisen und Getränke verkaufen. In aller Regel stammt der dort vorzufindende Matcha von den großen Marken, die auch im Ausland schon einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt haben. Einen eigenen Teegarten haben diese großen Firmen jedoch oft nur noch zu Anschauungszwecken, und kaufen Tencha von anderen Gärten und Vertragspartnern aus ganz Japan zu, den sie dann vermahlen und geblendet als „Matcha aus Uji“ verkaufen. In vielen Fällen wird dabei die Arbeit zwischen mehreren beteiligten Unternehmen aufgeteilt. So gibt es eine Vielzahl an konventionellen Gärten, die entweder selbst Tencha herstellen, oder manchmal auch nur ernten und die rohen Blätter an eine Tencha-Fabrik liefern. Die Tencha-Hersteller liefern wiederum an ihre Kunden, die dann aus dem Tencha den fertigen Matcha mahlen. Bei manchen Firmen sind allerdings auch beide Schritte internalisiert. Unter welcher Marke der Tee dann am Ende verkauft wird, ist natürlich nochmal eine ganz andere Frage.

Der Familienbetrieb Nakanishi stellt daher eine wirkliche Ausnahme dar: Der komplett beschattete Teegarten besteht lediglich aus vier kleinen Parzellen. Die gesamte Fläche beläuft sich auf gerade einmal 1,2 Hektar, was verschwindend klein im Vegleich zu „normalen“ Teegärten ist. Der auf Matcha spezialisierte Teegarten von Familie Nakanishi ist damit der kleinste Teegarten, den wir je kennengelernt haben.

Nakanishi_Matcha_Beschattung

Sowohl die vier winzigen Teegartenparzellen als auch die Verarbeitung befinden sich bei Nakanishi auf engstem Raum: Die komplett beschatteten Parzellen finden sich zu Fuß nur ein paar Minuten entfernt vom kleinen Gebäude, in dem die Tencha-Verarbeitung stattfindet. Der winzige Raum wiederum, in dem lediglich zwei Steinmühlen stehen, mit denen Nakanishi seinen Tencha zu Matcha vermahlt, sind nur drei Häuser entfernt auf der anderen Straßenseite. Sowohl die Tencha-Verarbeitung, also auch die Matcha-Steinmühlen wiederum sind nur eine Minute zu Fuß vom Wohnhaus entfernt. Das kleine Kühllager, in dem Nakanishi nur den Matcha lagert, der letztlich unter seinem Namen verkauft wird, befindet direkt bei den beiden Steinmühlen. Die Tatsache, dass Herr Nakanishi pro Jahr nur 50kg Matcha selbst mahlt und unter seinem Namen verkauft, veranschaulicht nicht nur wie klein der Familienbetrieb tatsächlich ist, sondern zeigt auch auf, wie rar Matcha von Nakanishi ist, und wie aufwendig es ist handgepflückten Matcha herzustellen und wirklich traditionell zu verarbeiten.

Bio_Matcha_Nakanishi_Yoshinori

Ja, selbst das Separieren der weichen Blattteile von den Blattvenen, findet bei den Top Matcha-Qualitäten von Nakanishi in Handarbeit mit einem alten, aus Bambus geflochtenen Sieb statt. Von solch einer Widmung für jeden Verarbeitungsschritt und den daraus hervorgehenden High End Matcha-Qualitäten können die großen Firmen nur träumen, denn eine größere Menge Matcha lässt sich unmöglich auf diese Weise herstellen. Dass Familie Nakanishi ihren Teegarten zudem ausschließlich biologisch bewirtschaftet, stellt die Vollendung der 100% traditionellen Produktion auf höchstem Niveau dar.

Nakanishi_Matcha_Tencha_Fabrik

Bunyomon gründete den Teegarten vor über 250 Jahren in der Edo-Zeit. Während früher bei Nakanishi sowohl Matcha als auch Gyokuro hergestellt wurde, hat sich der Traditionsbetrieb nach dem zweiten Weltkrieg auf die Herstellung von Tencha für Matcha spezialisiert, der explizit an den hohen Ansprüchen der berühmten Teezeremonie-Strömungen ausgerichtet ist. Gyokuro stellt der Bio-zertifizierte Traditionsbetrieb Nakanishi nur noch in geringer Menge für Freunde und Bekannte her, weshalb der Gyokuro von Nakanishi nur in seltensten Fällen im Handel zu finden ist. Für den Gyokuro verwendet Nakanishi nur eigenes Blattgut der edelsten Strauchsorten, die sonst nur für die eigenen High End Matcha-Sorten verwendet werden. Die Verarbeitung des Gyokuro findet jedoch im Gegensatz zum Matcha nicht auf den eigenen Verarbeitungsanlagen von Nakanishi statt, da diese ausschließlich auf die Herstellung von Tencha und das Mahlen von Tencha zu Matcha ausgelegt sind. Für den Gyokuro weicht Nakanishi daher auf die Verarbeitungsanlage eines befreundeten Gyokuro-Teegartens aus.

Nakanishi_Matcha_Tencha_Ofen_Marimo

Wie oben bereits erwähnt, hat Familie Nakanishi auf engstem Raum alle Anlagen, die man für die professionelle Tencha-Herstellung braucht. Yoshinori Nakanishi führt uns durch das kleine, hölzerne Fabrikgebäude, das noch vor dem zweiten Weltkrieg errichtet wurde. Dabei erklärt uns Yoshinori den gesamten Verarbeitungsprozess vom rohen Teeblatt über den Tencha-Aracha bis zum fertigen Matcha. Für seine feinsten Qualitäten, wie zum Beispiel den Takeno Jôô Matcha, den wir seit letztem Jahr in Deutschland anbieten dürfen, setzt Yoshinori bei allen Schritten, bei denen dies möglich ist und es der Qualität zu Gute kommt, auf Handarbeit. Dies fängt bereits im Teegarten an, denn für die High End Matcha-Qualitäten, die auch von den Teelehrern für die japanische Teezeremonie verwendet werden, erntet Herr Nakanishi zusammen mit 30 Helfern, die zum Teil aus der Gegend stammen und zum Teil auch eigens für die Ernte anreisen, mit der Hand. Die Gärten sind dafür speziell angelegt, so dass mit Maschinen kaum geerntet werden könnte.

Nakanishi_Matcha_Bio_Teestrauch

Etwa vier bis fünf Wochen vor der Ernte wird der Teegarten komplett mit dunklen, grobmaschigen Netzen überdacht und umringt. Etwa zwei Wochen vor der Ernte wird zusätzlich eine zweite Schicht aus dunklen Netzen etwas tiefer über die Büsche gespannt, jedoch nicht direkt an den Büschen angebracht, so dass diese hoch wachsen können. Dies dient natürlich zum einen der Beschattung, zum anderen ergibt sich im Inneren dieser „Häuser“ aus dunklen Netzen ein feucht-warmes Mikroklima, das den Geschmack der Teeblätter maßgeblich mit beeinflusst. Die Teebüsche sind hier zwar auch in Reihen gepflanzt, werden jedoch hoch wachsen gelassen. Da dieses stark beschattete Anbauverfahren zwar Matcha mit wirklich perfekten geschmacklichen Nuancen hervorbringt, aber für die Pflanzen aufgrund des stark reduzierten Lichteinfalls extrem anstrengend ist, wird nur einmal im Jahr geerntet – Anfang Mai. Danach werden die Teesträucher komplett heruntergeschnitten. Übers Jahr können sich die Pflanzen dann unter natürlichen Bedingungen, also ohne Beschattung, erholen. Die Triebe, die nach dem Runterschnitt nachwachsen, verholzen über den Winter. An den Blattansätzen jedoch entwickeln sich im Frühjahr die neuen Triebe, die dann ausschließlich per Hand geerntet werden können. Die jungen, zart grünen Blätter, die für den Matcha gepflückt werden, befinden sich also zwischen den älteren Blättern, und müssen einzeln gepflückt werden. Eine Maschinen-Ernte für High End Matcha-Qualitäten wäre daher bei diesem Anbauverfahren, das ausschließlich für Matcha und Gyokuro gedacht ist, undenkbar.

Wie bereits Erwähnung fand, entwickelt sich in dem hier beschriebenen überdachten Anbauverfahren, bei dem ringsum Netze angebracht werden, ein ganz eigenes feuchtwarmes Mikro-Klima. Dieses hat nicht nur auf die Stärke des Lichteinfalls einen immensen Einfluss, sondern auch einen wichtigen Einfluss auf die Blattstärke und damit auch auf die geschmackliche Qualität der Blätter und des daraus hergestellten Tees. Wer etwas gärtnerische Erfahrung hat, dem wird schnell klar, dass dies zugleich ideale Bedingungen für Insekten sind. Während dies im konventionellen Tee-Betrieb, der auf Pestizide zurückgreift, keine besondere Herausforderung darstellen würde, ist der Einsatz dieser Mittel für Herrn Nakanishi keine Option. Bereits sein Vater setzte sich dafür ein, den Teegarten des Familienbetriebs Nakanishi schrittweise auf ökologischen Anbau umzustellen, und auch sein Sohn, Yoshinori Nakanishi ist 100% vom Bio-Anbau überzeugt.

Da man beim Matcha die zermahlenen Blätter mittrinkt, also nicht wie beim Sencha nur einen Auszug zu sich nimmt, spielt es gesundheitlich für Teetrinker eine viel größere Rolle, ob der Tee ökologisch angebaut wurde, oder konventionell unter Einsatz von Pestiziden hergestellt wurde. Im Jahr 1980 begann der Traditionsbetrieb Nakanishi mit dem ökologischen Teeanbau für die Herstellung von Tencha. Seit einigen Jahren sind nun alle vier Teegartenparzellen von Nakanishi Bio-zertifiziert. Um die Insekten von den zarten Blatttrieben fern zu halten, setzt Yoshinori Nakanishi für seinen ökologischen Anbau Insektenfallen ein, und arbeitet zudem mit Geruchsabschreckung. Dafür stellt er selbst einen Auszug aus Kräutern her, vermengt diesen mit Kokosöl und verbreitet die Mischung im Teegarten. Selbstverständlich kümmert sich Yoshinori darum, dass die selbst hergestellte Mischung nicht auf die Teesträucher gelangt, da dies dem Wohlgeschmack der edlen Matcha-Sorten nicht zuträglich wäre. Die Idee, mit Hilfe des Geruchs der selbst hergestellten Mischung die Insekten zu vertreiben, funktioniert in den meisten Fällen sehr gut. Natürlich gibt es auch von Jahr zu Jahr einige Teesträucher, die von Insekten heimgesucht werden, was dann selbstverständlich eine gewisse Einbuße der Erntemenge mit sich bringt. Dies gehört beim ökologischen Anbau aber dazu, so dass Yoshinori Nakanishi sich dieser Herausforderung jedes Jahr aufs Neue bewusst stellt. Einen anderen High End Matcha-Teegarten, der per Hand pflückt, und 100% biologisch anbaut, gibt es nach Kenntnis von Herrn Nakanishi nicht. Die Methoden des ökologischen Anbaus funktionieren oftmals gut, wenn sie mit einer tiefen Widmung für den Anbau einhergehen, doch bedeuten sie immens viel Arbeit. Eine Herausforderung, die nur wenige bereit sind anzunehmen, besonders dann, wenn es um Spitzen-Qualitäten geht.

Nakanishi_Bambus_Tencha_Sieb

Wie bereits erwähnt, verwendet Yoshinori für die Trennung zwischen den weichen Bestandteilen der Blätter und den Blattrippen ein spezielles Bambussieb, das viel Handarbeit erfordert. Lediglich bei den einfacheren Matcha-Qualitäten, kommt anstelle des Bambussiebs eine kleine Maschine zum Einsatz. Bambussiebe zum Zerkleinern, als Vorbereitung zum anschließenden Separieren der weichen Blattbestandteile von den Blattrippen werden heutzutage so gut wie nicht mehr verwendet – es kann also gut sein, dass dies nur noch im Betrieb der Familie Nakanishi der Fall ist. Zudem existiert auf ganz Honshu keine Werkstatt mehr, die derartige Bambussiebe noch herstellt. Herr Nakanishi vermutet jedoch, dass es möglicherweise auf Kyushu noch jemanden geben könnte, der über das notwendige handwerkliche Wissen verfügt, die exzellent gefertigten und zudem sehr teuren Bambussiebe herzustellen. Yoshinori Nakanishi behandelt die wenigen Bambussiebe, die im Betrieb vorhanden sind, daher wie einen Schatz. Geschmacklich wirkt sich die Sortierung per Hand mit Hilfe der Bambussiebe sehr positiv aus, da die Blätter einem deutlich geringeren Druck und weniger Hitze ausgesetzt sind, als bei maschineller Verarbeitung. Zudem ist es dem Geschmack des Matcha umso zuträglicher, da die Blätter so nicht mit Metall, sondern nur mit dem Bambus in Berührung kommen.

Morimoto Grüntee – Shincha Vorbereitungen 2015

Morimoto_Kabusecha_Kabuse Sencha Shincha

Zusammen mit Werner und Frank besuchen wir heute die Morimotos in der Nachbarpräfektur Miyazaki. Nach unserer Ankunft um die Mittagszeit gehen wir erst einmal in ein schönes Sushi-Restaurant in Tsuno, unweit des dort gelegenen Bio-Teegartens der Morimotos. Nur zu besonderen Anlässen laden die Morimotos zum Sushi essen ein, denn „richtige Suhis“ sind in Japan ganz schön teuer, und werden vor allem bei besonderen Anlässen gegessen, wie eben heute, als unsere Kunden mit uns bei Familie zu Besuch sind. Im Alltag stehen bei den beiden eher Gemüse aus dem eigenen Garten und Farnsprossen (Warabi) aus der Umgebung der Teegärten auf dem Speiseplan. Ein Teil der Bescheidenheit, die sie sich zu einer Zeit zu eigen gemacht haben, als der Teegarten noch deutlich kleiner war als heute – auch wenn es sich selbst heute noch um einen überschaubaren Familienbetrieb handelt – und ein Teil der Bescheidenheit, die sie sich bis zum heutigen Tage bewahrt haben.

Shigeru_Morimoto_Shincha_Teegarten

Gestärkt fahren wir weiter in die Morimoto-Teegärten in Tsuno, wo sich zwei Parzellen befinden. Haruyo und Shigeru Morimoto haben schon begonnen die Yutaka Midori Sträucher für den Morimoto Shincha zu beschatten. In diesem Jahr haben wir darum gebeten die Yutaka Midori etwas länger zu beschatten als bisher.

Morimoto_Shincha_Teegarten

Die Sträucher entwickeln dann ein unglaubliches Umami, gepaart mit blumiger Frische. Geplant ist dieses Jahr die Beschattungszeit von zwei Wochen. In diesem Jahr ist auch die Natur auf unserer Seite. Da es bisher recht kühl war, und die Sträucher damit langsam gewachsen sind, wird 2015 wohl ein gutes Grüntee-Jahr. Wir sind gespannt.

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Kirishima Grüntee

Blattknospe_Kirishima_Teegarten

Natürlich wollen wir mit Werner und Frank auch den Kirishima Teegarten von Familie Hayashi besuchen, der sehr hochwertige Bio-Grünteesorten herstellt, wie unter anderem den Tennen Gyokuro aus der Strauchvarietät Asatsuyu. Gemeinsam mit Shutaro Hayashi, der an der Universität von Kagoshima Grünteeherstellung studiert hat, und nun die Produktion des Kirishima Teegartens leitet, fahren wir auf die Hochebene, wo der Garten und die Verarbeitungsanlage auf etwa 260m über dem Meer liegen. Die Sträucher sind seit unserem letzten Besuch vor einer Woche deutlich gewachsen, und die jungen Triebe ragen schon ein Stück hervor. Wir werden von leuchtendem Shincha-Hellgrün begrüßt.

Miyama_Kirishima_Sencha_Teegarten

Die Ernte wird hier voraussichtlich Ende April beginnnen. Für die Präfektur Kagoshima ist das schon recht spät, was einerseits an der Lage im Kirishima-Gebirge liegt, und andererseits daran, dass Familie Hayashi keine der allerfrühesten Strauchsorten anbaut, da deren Knospen im Kirishima-Gebirge dem Frost im Frühjahr ausgesetzt wären. Ihre früheste Strauchsorte ist die Asatsuyu, die sie für den Kirishima Tennen Gyokuro verwenden – eine Strauchsorte, die sehr sensibel beim Anbau ist, und für ihr frisches, frühlingshaft süßes Aroma bekannt ist. Im Bio-Anbau ist die Asatsuyu recht selten zu finden, da die Pflege der Asatsuyu-Sträucher auf natürlichem Wege außergewöhnlich anspruchsvoll ist, und daher viel Erfahrung erfordert.

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Im Gespräch mit Shutaro berichtet Werner von Fragen seiner Kunden, die darum gehen wie viele Schalen Grüntee pro Tag man denn maximal trinken sollte und ob denn drei bis fünf Tassen noch gut seien. Shutaro berichtet davon, dass in einer japanischen Zeitung die Empfehlung herausgegeben wurde, man solle nicht mehr als 200 Tassen Grüntee pro Tag trinken, was wir genauso wie Shutaro mit einer entsprechenden Prise Humor rezipieren. Obwohl wir beide ja passionierte Grüntee-Trinker sind, schaffen wir es wohl nicht einmal in die Nähe dieser Dimension zu kommen.

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Am Abend treffen wir uns noch einmal mit Shutaro Hayashi zum gemeinsamen Abschiedsessen, und betonen beim Abschied, dass wir uns sehr darüber freuen würden, wenn er auch dieses Jahr im Herbst wieder zu Besuch zu uns kommen würde, und wir gemeinsame Verkostungen bei Kunden planen dürften.

Abschied von der Märcheninsel Yakushima

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Nachdem wir gestern unsere Gäste aus Kiel verabschiedet haben, naht noch auch schon die Zeit, zu der auch wir von dieser Märcheninsel Yakushima Abschied nehmen werden. Da das Wetter heute sehr schön ist, entschließen wir uns erst die letzte Fähre zurück aufs Festland – naja auf die große Insel Kyushu – zu nehmen, und den heutigen Tag noch hoch in den Bergen von Yakushima zu verbringen. Von Miyanoura aus fahren wir mit dem Linienbus hoch hinauf nach Shiratani Unsuikyo, um von dort aus einen der vielen Rundwege zu laufen.

Yakushima_MARIMO_Kundenreise

Vier Stunden dauert unsere Tour vom Bergeinstieg bis auf den Taikoiwa Felsen und zurück. Shiratani Unsuikyo liegt auf etwa 800m über dem Meer – die ersten Höhenmeter haben wir noch mit dem Bus zurückgelegt. Der Taikoiwa Felsen ragt etwa 1300m über dem Meerespiegel über in ein Tal hinein. Der Ausblick vom Felsen auf die anderen Vulkane und ins Tal ist unglaublich. So bietet sich auch ein sagenhafter Blick über die facettenreiche Flora, denn abgesehen vom Augenblick auf dem Felsen sind wir sonst nur unter den Baumkronen gewandert, so dass wir nun erst einen Überblick von oben aus über die Baumkronen genießen können. Nebelschwaden ziehen am heutigen Tag über die Gipfel hinweg und ein frischer Wind weht über den Felsen, auf dem wir uns für einige Minuten niedergelassen haben.

Berglandschaft_Yakushima_Taikoiwa Abschied von der Märcheninsel Yakushima weiterlesen

Bio Kabuse Shincha Ernte im Teegarten von Mankichi Watanabe

Ein schier unendlicher Regen prägt seit einen Tagen unsere Zeit in Yakushima. Die Asatsuyu-Teesträucher warten wahrscheinlich genauso sehrsüchtig darauf geerntet zu werden wir darauf warten die Ernte selbst zu sehen, und darauf, dass der diesjährige Kabuse Shincha von Mankichi Watanabe vollendet werden kann. Dietmar ruft daher seit einigen Tagen schon früh morgen nach dem Aufstehen Mankichi Watanabe an, und erkundigt sich wie die Lage vor Ort im Teegarten ist. Das Wetter auf Yakushima ist an den verschiedenen Orten auf der Insel sehr unterschiedlich, sodass wir an den Vortagen trotz Regen bei uns in Miyanoura hofften, dass das Wetter im Teegarten von Mankichi Watanabe besser ist und geerntet werden kann. Heute stehen die Chancen gut, es regnet selbst in Miyanoura bislang nicht und der Himmel ist auch nicht ganz so dunkel, wie an den Vortagen. Telefonisch erreichen wir Mankichi Watanabe nicht. Das ist ein gutes Zeichen, denn bei der Arbeit hat er sein Mobiltelefon eigentlich nie dabei. Als wir daraufhin die Nummer von Frau Goto wählen, haben wir jedoch Glück sie zu erreichen. Wir freuen uns sehr, denn heute geht die Ernte weiter.

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Für unsere Gäste können wir so auch die MARIMO-Ernte-Garantie bei der Kundenreise einhalten. Für das Verständnis, was eigentlich genau bei der Grünteeherstellung passiert, ist es sicherlich ein Pluspunkt, die Ernte und Verarbeitung einmal selbst miterlebt zu haben, weshalb wir unsere Kunden eigentlich immer zu Zeitpunkten in Japan treffen, zu denen geerntet wird.

Teereise_Yakushima_WatanabeGlückliche Gesichter

Yakushima_Watanabe_Kabuse_Shincha-Ernte
Die leuchtend grünen Asatsuyu Sträucher werden heute geerntet, und wir können mitfühlen, wie sie sich freuen, dass nun die schwarzen Netze abgenommen werden, die zwei Wochen lang dafür gesorgt haben, dass die Sträucher besonders grüne Blätter mit frischen, fein süßlich duftenden Aromen entwickeln. Asatsuyu kennt ihr wahrscheinlich schon vom Watanabe Asatsuyu Tokujou Kabusecha. Doch für unseren neunen Watanabe Yakushima Kabuse Shincha 2015 hat Mankichi Watanabe neben Asatsuyu auch Kuritawase und etwas Sae Midori eingeplant, wodurch sich der Kabuse Shincha von Mankichi Watanabe trotz einer gewissen Ähnlichkeit doch auch eindeutig vom Asatsuyu Tokujou Kabusecha unterscheiden wird.

Watanabe_Grüntee_Kabuse
Im Asatsuyu Teegarten werden zuerst die Netze eingerollt, die etwa zwei Woche lang für die Beschattung der Asatsuyu-Teesträucher gesorgt haben, damit danach geerntet werden kann. Zum Einrollen der Netze haben die Watanabes einen kleinen Wagen in Verwendung, den die Erntehelfer durch die Reihen fahren lassen. Dieser rollt die Netze ein, sodass die beiden Helfer die Netze nur richtig hinrücken und die Klammern von den Sträuchern abmachen müssen. Das ist eine riesen Erleichterung bei der Arbeit. Die Morimotos hingegen rollen die Netze noch mit der Hand ein, was ganz schön auf die Arme geht. Im ersten Jahr hat Shigerus Freund Katsumi sich bei den Morimotos darum gekümmert, alle Kabuse-Netze einzurollen und viel danach für einige Tage aus, da sich seine Unterarmmuskulatur von der Überanstrengung entzündete. Seit dem letzten Jahr wechseln sich Katsumi, Tetsumori (Yukies Ehemann) und Tobias ab. Eine gute Idee also, dass Familie Watanabe den Rollwagen verwendet, der die Arbeit im Teegarten geschickt erleichtert, und dafür sorgt, dass die Helfen nicht überlastet werden.

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Nachdem die Netze von den Sträuchern abgenommen wurden, gehen noch einmal zwei bis drei Erntehelfer durch die Reihen und entfernen Blätter, die von den Bäumen ringsherum in den Teegarten gefallen sind. Mit einem Gebläse werden auch noch in den Büschen sitzende Insekten fortgeblasen, damit sie nicht in die Erntemaschine geraten. Im Teegarten kümmert sich Herr Goto um die Ernte, während Mankichi Watanabe die Verarbeitung durchführt. Die frischen Asatsuyu-Blätter kommen nun schnell in die Verarbeitungsanlage, wo sie unter Kühlung aufbewahrt werden, bis sie dann gedämpft und weiter gelockert, geknetet und gerollt werden.

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Für die Kabuse Shincha Herstellung werden die Blätter beim letzten Verarbeitungsschritt, der finalen Erhitzung (hi-ire), nur sehr kurz und leicht erhitzt, wodurch die die volle Frische des Frühlings behalten. Eben dieses Aroma kann aber nicht für die Ewigkeit erhalten werden, so dass es vorteilhaft ist, den Shincha innerhalb weniger Monate nach der Ernte zu genießen.
Als wir am 30. März dabei waren, als die Kuritawase geerntet und verarbeitet wurde, war Mankichi Watanabe noch recht angespannt. An den ersten Verarbeitungstagen zeichnet sich oftmals schon ab, wie die weitere Ernte ausfallen wird. Da ist dann die Aufregung natürlich groß. Heute wirkt Mankichi deutlich entspannter, und das obwohl wir zu acht in der kleinen Verarbeitungshalle herumlaufen und ihm bei jedem Verarbeitungsschritt über die Schulter schauen.

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In der ganzen Halle, wie auch draußen, riecht es hervorragend nach den frisch gedämpften Kabuse-Asatsuyu-Teeblättern.

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Dieser Geruch ist wirklich einmalig, eindeutig anders als bei anderen Strauchsorten. Da wir nun schon öfter bei der Teeverarbeitung dabei waren, riechen wir schon deutliche Unterschiede, je nach Strauchsorte, die gerade verarbeitet wird. Die Asatsuyu ist sehr leicht und riecht wirklich verzaubernd süßlich, während die Kuritawase, die am 30.März verarbeitet wurde, eher blumige Nuancen verbreitet. Wenn ihr zu Hause in Deutschland einen guten Sencha oder Kabusecha frisch aufgießt, riecht mal nach dem Abgießen an den noch warmen Blättern. Der Geruch ist zwar nicht identisch mit den der Blätter während der Verarbeitung, aber immerhin hat er einige ähnliche Merkmale.
Es fällt uns schwer uns von diesem betörenden Geruch zu trennen, doch nachmittags müssen wir unsere Gäste aus bereits Kiel verabschieden, weshalb wir zum Mittagessen aufbrechen, das daher zugleich unser Abschiedsessen von unseren Kieler Kunden ist. Dafür gehen wir noch einmal in ein sehr schönes japanisches Pasta-Restaurant, das gar nicht so weit entfernt liegt. Hier waren wir schon zur Begrüßung mit Mankichi Watanabe, als wir noch mit Yoko zusammen auf Yakushima unterwegs waren.

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Am Nachmittag kehren wir dann noch einmal zum Teegarten von Mankichi Watanabe zurück. Wir sind gespannt, wie der fertige Aracha wohl schmecken wird, der schon viel darüber verraten wird, dann letztlich auch der fertige Kabuse Shincha schmecken wird. Mmmmmhhhhh, wir sind begeistert. Nun wird Mankichi Watanabe in den nächsten Tagen den fertigen Blend aus Kabuse Sae Midori, Kabuse Kuritawase und Kabuse Asatsuyu entscheiden, und dann noch die hi-ire – die finale Erhitzung – durchführen, sowie die finale Sortierung. Für den Transport nach Deutschland haben Frau Goto und Dietmar schon alles zusammen vorbereitet, sodass der Bio-zertifierte Watanabe Yakushima Kabuse Shincha auch sehr bald bei einigen ausgewählten Tee-Einzelhändlern in Deutschland (auch online), aber sogar auch bei drei, vier fabelhaften Tee-Einzelhändlern in anderen Ländern Europas zu finden sein wird.

Watanabe Kabuse Shincha

Bei allen renommierten Teefachhändlern wird er natürlich nicht zu finden sein, da die gesamte hergestellte Menge sich lediglich auf 25kg beschränkt. Dies liegt auch daran, dass Mankichi Watanabe insgesamt nur 10-15kg Sae Midori ernten kann, da der Sae Midori-Teegarten nur drei oder vier Reihen umfasst. Es handelt sich beim Watanabe Kabuse Shincha also wirklich um einen raren Schatz.

Wie Mankichi Watanabe seinen grünen und schwarzen Tee herstellt

Da es heute wieder in Strömen regnet, nutzen wir die Zeit um uns in Ruhe die Teeverarbeitungsanlagen von Familie Watanabe anzuschauen. Mankichi Watanabe erklärt uns sehr detailliert alle Schritte bei der Herstellung seiner Bio-Grüntees. Nur dann, wenn Mankichi Watanabe die komplette Produktion vom rohen Teeblatt aus seinem eigenen Teegarten bis hin zum fertig sortierten und final erhitzten Tee durchgeführt hat, darf der Tee unter seinem Namen verkauft werden. Einfacheres Blattgut vor allem von der zweiten und dritten Ernte, das Mankichi Watanabe nicht unter seinem Namen verkaufen möchte, wird als Aracha an einen befreundeten Betrieb in Shizuoka geschickt, der daraus Pulvertee mahlt.

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Mankichi hat seinen eigenen Stil bei der Verarbeitung entwickelt – er schafft es die Frische der geernteten Blätter einzufangen und zu bewahren – wahre Kunst. Es gehört aber auch zu seinem Stil, dass er so bescheiden ist, niemals viele Worte darüber zu verlieren. Dies erinnert uns auch etwas an Shigeru Morimoto, der niemals selbst seine Arbeit loben würde, obwohl er besondere Tees erschafft.

Frischer_Tee_Yakushima_Watanabe Wie Mankichi Watanabe seinen grünen und schwarzen Tee herstellt weiterlesen

Der Weg zum Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe

Nach dem Frühstück brechen wir auf: Zusammen mit drei unserer Kunden aus Deutschland, die in Kiel, München und Dresden unsere MARIMO-Tees in ihren Teeläden verkaufen. Sie sind mit uns zusammen unterwegs, um die Bio-Teegärten persönlich kennenzulernen – mehr also als nur „Teehandel“. Vielmehr geht es auch darum vor Ort viel zu sehen und zu lernen, und diese Erfahrungen dann weiterzugeben. Unser Ziel liegt gut 200km südlich von Kirishima, wo eigentlich nur das offene Meer zu finden ist. Erst einmal fahren wir mit dem Zug nach Kagoshima, wo wir in das Tragflächenboot Richtung Süden umsteigen. Nach gut zwei Stunden ist unser Ziel erreicht: Die atemberaubende Insel Yakushima.

Yakushima_Inselblick_Watanabe

Im Vergangenen Jahr, also 2014, fuhren wir nach der Ernte bei den Morimotos nach Yakushima – eigentlich um die schöne Natur dort zu genießen und uns etwas von der Hektik und dem kurzen Schlaf während der ersten Ernte zu erholen. Wie es uns als Teemenschen so geht, können wir es aber nicht sein lassen herausfinden, ob auf der abgelegenen Insel nicht vielleicht auch einen Bio-Teegarten gibt. Kurzerhand finden wir heraus, dass es sogar insgesamt drei relativ kleine Bio-Teegärten gibt, und überlegen, ob wir nicht vielleicht spontan einen davon besuchen könnten. Aber welcher Garten von den dreien könnte uns wohl gefallen und guten Tee haben?

Yakushima_Tal

Ein Teegarten springt uns regelrecht ins Auge, nachdem wir eine Landkarte von Yakushima gefunden haben, in der zum Teil die Gesichter der Betreiber einzelner Gärten zu sehen sind: Es ist der Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe, dessen Gesicht auf dem Foto uns auf Anhieb sympathisch erscheint. Nachdem wir auf der Insel Yakushima ankamen, haben wir uns also als erstes ein Fahrrad geliehen und uns gleich auf den Weg zum Teegarten gemacht – ganz schön leichtsinnig, wie sich auf dem Weg herausstellt. Auf Yakushima regnet es sehr viel, und es zog an dem Tag auch noch sehr starker Wind auf. Zudem waren die Fahrräder nicht besonders gut in Schuss, an der Küste ging es ständig auf und ab, und der Gegenwind wurde immer stärker. Auf etwa der halben Strecke fing es an sehr stark zu regnen, und der Gegenwind lässt und fast auf der Stelle treten. Obwohl wir uns mit Regensachen ausgestattet haben werden wir klatsch nass.

Es ist nur ein Gedanke, der uns dazu bringt überhaupt weiterzufahren: Wenn der Weg zum Teegarten von Mankichi Watanabe so beschwerlich ist, und uns alle Anzeichen zu sagen scheinen „Kehrt um und vergesset den Teegarten“, muss am Ende ein wahrlich einzigartiger Teegarten auf uns warten. Wir halten also durch. Nach zwei Stunden Fahrt und komplett erschöpft kamen wir völlig durchnässt beim Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe an. Nachdem wir ein paar Worte gewechselt haben, und das Staunen über die verregneten Fahrradfahrer aus den Gesichtern der Watanabes verschwunden ist, verstehen wir uns auf Anhieb gut. Die Idee auf der Insel Yakushima Freizeit zu verbringen und zu entspannen schwindet schnell, und wir verbringen letztlich fast unsere kompletten drei Tage zusammen mit Mankichi Watanabe und den Helfern im Teegarten. Einen Nachmittag nehmen wir uns aber doch Zeit, um einmal hoch in der Berge zu fahren, und ein wenig wandern zu gehen, und die seltene Pflanzen und atemberaubende Landschaft zu genießen.

MARIMO_Yakushima_Zeder_Watanabe

Für die wunderschönen mehrere tausend Jahre alten Zedern und unfassbar schönen Wälder kommen schon auch mal Touristen aus dem Ausland auf die Insel. Teebegeisterte zog es bislang selten nach Yakushima. Obwohl die Anbaubedingungen durch die hohe Feuchtigkeit ideal sind, gibt es auf Yakushima vergleichsweise wenige Teegärten, was wohl auch an dem eng begrenzten Gebiet liegt, in dem Teeanbau überhaupt möglich ist. Nur ein schmaler Streifen an der Küste ist an manchen Stellen einigermaßen Eben. Dahinter geht die Landschaft schnell in die steil hinaufstrebenden Berge über. Das Zentrum der Insel besteht aus mehreren Vulkanen, von denen der höchste Krater „Miyanoura-Dake“ mit über 1900m die höchste Erhebung der Region Kyushu darstelt, zu der Yakushima gerade noch dazu gezählt wird. Von der Mitte aus bis zum Schildkrötenstrand von Nagata erstreckt sich ein Nationalpark. Da die Insel Heimat von unglaublich vielen Tier- und Pflanzenarten ist, und zudem hier die wahrscheinlich ältesten Zedern der Welt stehen – die älteste soll 7000 Jahre alt sein – hat die UNESCO die Insel Yakushima im Jahr 1993 zum Weltkulturerbe erklärt.

Watanabe_Yakushima_Wald

Heute, im April 2015, also knapp ein Jahr nachdem wir zum ersten Mal hier her kamen und Mankichi Watanabe und seinen idyllischen Bio-Teegarten kennenlernen durften, gibt es keine großen Wellen, und die Überfahrt von Kagoshima-Stadt nach Yakushima verläuft sehr ruhig. Im Hafen von Miyanoura angekommen laufen wir zu unserem Hotel. Nach dem Einchecken fahren wir gleich weiter zum Teegarten von Mankichi Watanabe. Das Wetter ist sehr unbeständig, sodass wir uns entschließen mit dem Bus zu fahren und dann den letzten Teil der Strecke zu laufen. Es hat tagsüber einfach zu stark geregnet, weshalb heute keine Ernte stattfindet. Wir streunen nach der Begrüßung aber ein wenig durch die nahegelegenen Bio-Teegarten-Parzellen. In der Zwischenzeit, seit unserer Abreise vor etwa einer Woche, nachdem wir mit Mankichi Watanabe unsere Shincha-Vorbestellung besprochen haben, haben die Watanabes neben der Kuritawase noch Sae Midori und Yutaka Midori geerntet.

Watanabe_Yakushima_Teegarten

Wenn ihr den Blog schon längere Zeit verfolgt, wisst ihr ja, dass wir im Teegarten von Mankichi Watanabe dieses Jahr bereits Ende März zusammen geerntet haben. Für unseren neuen Bio-Watanabe-Kabuse-Shincha wurden die Kuritawase- und Sae Midori-Sträucher schon geerntet. Auch Yutaka Midori wurde in der Zwischenzeit schon geerntet, die aber kein Bestandteil unseres Watanabe Kabuse Shincha sein wird. Es fehlt für unseren Watanabe Kabuse Shincha so nur noch eine Strauchsorte, die wir besonders mögen – Asatsuyu. Asatsuyu bedeutet übersetzt Morgentau. Die Strauchsorte ist fantastisch grün und präsentiert sich mit einer unglaublichen Süße – ein wahrer Schatz – aber nicht ganz einfach zu kultivieren im Bio-Anbau. Zum Glück können wir uns auf den Jahrzehntelangen Erfahrungsschatz von Mankichi Watanabe im biologischen Teeanbau verlassen.

Watanabe Kabuse Shincha

In den nächsten Tagen, wenn es dann einmal aufhört zu regnen, wird hier gleich mit der Ernte fortgefahren. Wir sind alle schon ganz gespannt darauf.

Neuanpflanzung von Minami Sayaka Sträuchern bei den Morimotos

Shigeru_Morimoto

Zusammen mit unseren Gästen vom Teekontor Kiel und Teerausch fahren wir heute zu den Morimotos. Diesmal haben wir auch ein bisschen mehr Zeit als bei unserem Besuch vorige Woche, und so gibt es viele Neuigkeiten zu berichten. Bei unserer Ankunft regnet es ganz schön stark. Schon im Auto berichtet Shigeru, dass das Wetter heute sehr wechselhaft ist, und dass wir damit rechnen müssen, dass es immer mal wieder regnen wird. Tatsächlich ist es so wie er sagt. Die ganze Autofahrt vom Bahnhof bis zum Restaurant Kiyosoba über regnet es in Strömen. Dort treffen wir auch Haruyo Morimoto und ihre Tochter Yukie.

Als hätten wir das Wetter beeinflusst, klart es nach dem Mittagessen aber etwas auf. Wir beschließen auf dem Weg zum Teegarten einen kleinen Zwischenstopp am Strand zu machen, um dort noch ein bisschen frische Seeluft zu schnappen und kalten Morimoto Matcha Premium zu trinken. Haruyo Morimoto hat eigens für unser kleines Matcha-Picknick Wasser von einem Tempel aus den Bergen geholt, und eine Packung Morimoto Matcha Premium von zu Hause mitgenommen. Am Strand mixen wir das Pulver einfach in einer Flasche mit dem frischen Quellwasser und schütteln kräftig.

Haruyo_Morimoto_TKK_Pazifikküste

Nach der kurzen Stärkung fahren wir zu den beiden Teegarten-Parzellen, die in Tsuno in den Bergen liegen, die wie der komplette Betrieb der Morimotos biologisch bewirtschaftet werden. Die Yutaka Midori dort ist relativ weit ausgetrieben, so dass es nicht mehr allzu lange dauert, bis geerntet werden kann. In den nächsten Tagen bringen die Morimotos dann bereits die Netze zur Beschattung der Sträucher an. Für den Morimoto Shincha werden die Yutaka Midori Büsche extra beschattet. Einer der beiden Teegarten-Parzellen in Tsuno hat sich seit unserem letzten Besuch stark verändert. Schon im September letzten Jahres berichteten uns die Morimotos von ihrem Vorhaben, im Teegarten Nummer zwei die sehr schwachen Yabukita-Sträucher heraus zu nehmen und neue Büsche zu setzen. Sie haben sie sich bei der Sortenwahl für Minami Sayaka entschieden, da die Srauchsorte einfach wunderbar zum Standort passt, aber auch weil wir jedes Jahr recht viel davon bestellen – im letzten Jahr die komplette Menge. Die Stecklinge für das neue Feld hat Shigeru Morimoto selbst aus den Minami Sayaka Sträuchern, die sie schon länger in Teegarten 4 angepflanzt haben, gezogen. Diese Leidenschaft der beiden Morimotos für den Tee und biologischen Teeanbau ist wirklich einzigartig. Mit 66 Jahren pflanzen sie einen neuen Teegarten an, obwohl in diesem dann erst geerntet werden kann, wenn die beiden über 70 sind. Diese Energie ist zutiefst beeindruckend.

Neuanpflanzung_Morimoto_Minami_Sayaka

Am Abend fahren wir wieder zurück nach Kirishima.