Watanabe Shincha 2017: Kuritawase & Asatsuyu Update

Nachdem wir gestern ein neues Foto von Herr Matsumoto aus der Präfektur Kumamoto erhielten, auf dem die Fortschritte der neuen Triebe der Teegartenparzelle zu sehen sind, von deren Teesträuchern er die Blätter für den sagenhaften Shincha MOE erntet, widmen wir uns heute kurz den neuesten Shincha-Geschehnissen auf Yakushima.

Frau Goto, die Mitarbeiterin des Teegartens von Mankichi Watanabe und seinem Sohn Keita Watanabe, ließ uns kürzlich wissen, da am 13. April 2017 der erste Teil der Kuritawase Sträucher geerntet wurde. Vor zwei Jahren erlebten wir bereits Ende März, wie im Teegarten von Herrn Watanabe die Blätter von der Strauchvarietät Kuritawase geerntet wurde – ein außergewöhnlich frühes Jahr 2015. Nun, 2017, handelt es sich um ein recht spätes Jahr, und tatsächlich wurde die Strauchvarietät Kuritawase nun erst am 13. April 2017 geerntet, obwohl es die frühest austreibende Teestrauchvarietät im Teegarten von Mankichi Watanabe ist, die er für die Hertellung unsere „Watanabe Kabuse Shincha“ verwendet.

Umso interessanter ist aber, dass die zeitlichen Verhältnisse im Vergleich der unterschiedlichen Teestrauchvarietäten sich ebenfalls ändert. Während im Jahr 2015 die Ernte der Kuritawase-Sträucher bereits Ende März stattfand, so wurden die Sträucher der Varietät Asatsuyu jedoch erst knapp zwei Wochen später fast schon Mitte April 2015 geerntet. Der zeitliche Abstand zwischen Kuritawase und Asatsuyu betrug also fast zwei Wochen. Dieses Jahr jedoch, also 2017, wurden die ersten Blätter für die Watanabe Kabuse Shincha von der Teestrauchvarietät Kuritawase erst am 13. April geerntet, doch erklärte uns Frau Goto, dass der zweite Erntetag der 15. April 2017 sei, also heute, und dass nun der zweite Teil der Kuritawase-Sträucher und zudem bereits der erste Teil der Strauchvarietät Asatsuyu geerntet wird.

Während der zeitliche Unterschied des Erntezeitpunkt bei Mankichi Watanabe’s Teegarten auf der Insel Yakushima ganz im Süden Japans also 2015 fast zwei Wochen betrug, so sind es nun im Jahr 2017 nur zwei Tage. Uns erwartet demnach nun dieses Jahr auch wieder ein spannender Watanabe Kabuse Shincha, dessen Charakter aufgrund des Cuvées aus Kabuse Kuritawase, Kabuse Sae Midori und Kabuse Asatsuyu zwar eine deutliche geschmackliche Stabilität aufweist, aber durch die jedes Jahr wirklich unterschiedliche klimatische Situtation auch immer wieder überraschende Noten zeigen wird.

Teegarten von Iwao Hayashi in der Präfektur Mie
Teegarten von Iwao Hayashi in der Präfektur Mie

Als Vergleich noch ein Foto, das wir heute im Bio-Teegarten von Iwao und Kimihiko Hayashi in der Präfektur Mie aufgenommen haben. Die Mie-Präfektur liegt grob gesagt etwa in der Höhe von Nagoya, alsa nur etwas mehr als einhundert Kilometer entfernt von der Kyoto-Präfektur. Somit liegt die Präfektur Mie etwa 600 bis 700 Kilometer nördlich von Yakushima, wo ja bereits vor zwei Tagen der erste Shincha geerntet wurde. Hier, in Mie, sieht man aber wirklich nur die allererstes, extrem kleinen Blattknospen. Während der Sohn Kimihiko Hayashi den ersten Erntetag auf den 10. Mai schätzte, belief sich die Schätzung des Vaters Iwao Hayashi auf den 20. Mai, denn es ist wirklich noch recht kühl in Mie dieses Jahr.

Shincha 2017 – Die Einflussfaktoren Lage, Teestrauchvarietät und Produktionsstil

Während im Teegarten von Mankichi Watanabe auf der Insel Yakushima, dem frühesten Shincha-Anbaugebiet Japans abgesehen vom noch weiter südlich gelegenen Okinawa, bereits die jungen Blatttriebe mehrere Zentimeter weit ausgetrieben sind, sind in nördlicheren Teeanbaugebieten Japans, wie Shizuoka oder Saitama, noch gar keine neuen Blatttriebe des Jahres 2017 zu sehen. Nachfolgend haben wir einen ersten Versuch gewagt, die zeitliche Dimension der unterschiedlichen Orte, an denen Shincha hergestellt wird, in einer Tabelle zusammen zu tragen. Natürlich ist die Liste nicht vollständig, da wir zwar zu Teegärten in relativ vielen japanischen Präfekturen enge Kontakte pflegen, in denen Shincha hergestellt wird, aber nicht zu Teegärten in allen japanischen Tee-Präfekturen.

Shincha-Ernte-Übersicht 2017, Stand 13. April
Lage Teegarten Teestrauchvarietät Voraussichtliches Shincha-Erntedatum 2017
Süd-Kyushu, Kagoshima-Präfektur, Insel Yakushima Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe Kuritawase 13. April, HEUTE GEERNTET
Süd-Kyushu, Kagoshima-Präfektur, Insel Yakushima Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe Yutaka Midori 14. April
Süd-Kyushu, Kagoshima-Präfektur, Insel Yakushima Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe Sae Midori 16. April
Süd-Kyushu, Kagoshima-Präfektur, Insel Yakushima Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe Asatsuyu 17. April
Süd-Kyushu, Miyazaki-Präfektur Bio-Teegarten von Haruyo und Shigeru Morimoto Yutaka Midori 28. April
Süd-Kyushu, Miyazaki-Präfektur Bio-Teegarten von Haruyo und Shigeru Morimoto Saki Midori 29. April
Süd-Kyushu, Kumamoto-Präfektur, Region Minamata Teegarten von Kazuya Matsumoto Yabukita 28. April
Honshu, Mie-Präfektur, Region Ise Bio-Teegarten von Iwao Hayashi Yabukita 20. Mai
Honshu, Shizuoka Präfektur Vergleichsteegarten Yabukita 22. Mai

Bei der Frage, zu welchem Zeitpunkt die Blätter für einen Shincha genau geerntet werden spielen natürlich eine ganze Menge Faktoren eine wichtige Rolle.

Dazu gehört sicherlich an erster Stelle der Faktor der Anbauregion, denn die zeitlichen Unterschiede zwischen weiter südlich und weiter nördlich liegenden Anbauregionen sind immens. Kyushu liegt dabei am weitesten im Süden Japans, mit vielen bekannten Teeanbau-Regionen wie Kirishima, Satsuma und Yakushima in der Präfektur Kagoshima, sowie den mittlerweile fast ebenso bekannten Tee-Präfekturen Miyazaki, Kumamoto, Saga und anderen. Weiter im Norden befindet sich die Insel Honshu, die sich allerdings von Südwesten bis Nordosten mehrere Hundert Kilometer in die Länge zieht. Die Teeanbaugebiete Nara, Kyoto und Mie befinden sich zwar noch relativ weit im Süden auf Honshu, allerdings schön mehrere Hundert Kilometer nördlich von Kyushu. Shizuoka und Saitama gehören nicht nur auf Honshu sondern überhaupt zu den nördlichsten Teeanbaugebieten. Der zeitliche Unterschied der Ernte zwischen dem südlichsten Kyushu und den nördlichsten Anbauregionen der Hauptinsel Honshu kann durchaus sechs Wochen betragen.

Einerseits ist also die Makro-Lage von entscheidender Wichtigkeit hinsichtlich des Erntezeitpunkt, aber auch die Meso-Lage, besonders auch hinsichtlich der Höhe, spielt keine unwichtige Rolle. Während wir in manchen Jahren bei Haruyo und Shigeru Morimoto in der Präfektur Miyazaki die ersten feinen Blätter bereits Mitte April ernten konnten, fand die Ernte der höher gelegenen Gegenden von der Präfektur Miyazaki, die für ihre Kamairicha-Produktion bekannt sind, zumeist erst drei bis vier Wochen später statt. Während sich Ende März 2017 in Yakushima bereits die ersten Blatttriebe zeigten, lag zeitgleich in den besagten höheren Regionen von Miyazaki noch der Schnee auf den Teesträuchern, und dies, obwohl die beiden Anbauregionen sich beide im Süden der südlichsten japanischen Hauptinsel Kyushu befinden.

Ein zweiter, sehr wesentlicher Faktor ist die Teestrauchvarietät, wie sich aus den ersten Zeilen der obigen Tabelle leicht erkennen lässt. Da die Teestrauchvarietät Yabukita seit Ende des 20. Jahrhunderts sich zur am weitesten verbreiteten Teestrauchvarietät in Japan entwickelte, mit ca. 70-80% aller verwendeten Teesträucher – was sicherlich auch kritisch zu betrachten ist – wird diese oft als eine Art Norm herangezogen. Spricht man beispielsweise über das Thema, welche Teestrauchvarietäten früher austreiben, und welche später, wird die Strauchvarietät Yabukita als Nullpunkt angesetzt. Während einige Strauchvarietäten wie Yutaka Midori und Kuritawase eine gute Woche früher austreiben als die Norm-Strauchvarietät Yabukita, treiben anderen Strauchvarietäten wie Asatsuyu nur einige Tage früher aus als die Varietät Yabukita. Sicherlich gibt es darüber hinaus auch Teestrauchvarietäten, die später als die Yabukita austreiben, was hier jedoch nicht näher betrachtet werden soll, da es im Fall von Shincha-Blog im Regelfall um Teestrauchsorten mit zeitlich frühen Vegetationszyklus geht. Um Missverständnissen vorzubeugen: Die besagten frühen Teestrauchvarietäten wachsen nicht schneller, nein sie treiben früher aus. Den Vergleich zwischen Schneller und weniger schnell wachsenden Teestrauchvarietäten gibt es natürlich auch. Dies hat einen wesentlichen Einfluss auf den Ernteertrag, doch ist dies eine andere Dimension als die Dimension des Zeitpunktes des Austreibens der jungen Triebe. Hier im Shincha-Blog wird daher das Thema der Wachstumsgeschwindigkeit nicht weiter thematisiert, während das Thema der zeitlichen Verschiebung der Wachstumszyklen öfter wieder aufgegriffen werden wird.

Als drittes spielt hinsichtlich des Erntezeitpunktes die Frage eine entscheidende Rolle, wie der Ernte- und Produktionsstil eines Teegartens bzw. Teemachers ist, der die Blätter für den entsprechenden Shincha erntet und verarbeitet. Solange wir nicht von Pulverteesorten (Matcha) und von lange beschatteten Teesorten (Gyokuro) sprechen, sondern von „normalen“ nicht gemahlenen Blattteesorten, und solange von modernen Tee-Produktionsstilen die Rede ist und nicht vom Produktionsstil, der bis Mitte oder spätestens Ende des 20 Jahrhunderts eher vorherrschend war, lässt sich zusammenfassend sagen, dass heutzutage feinere, jüngere, kleinere Blätter als hochwertigeres Blattgut angesehen werden. Betont sei jedoch, dass es einige wichtige Ausnahmen von dieser Verallgemeinerung gibt. Abgesehen von diesen Ausnahmen jedoch, zeichnet es einen Teemacher oder Teegarten aus, der besonders hochwertigen Tee herstellen möchte, eher fein zu ernten, oder aber fein zu sortieren. Herr Matsumoto, der mit seinem raren Shincha MOE mittlerweile sehr viel Beachtung findet, erntet dafür weit über das übliche Maß hinaus feines Blattgut. Das geerntete Blattgut ist derart fein, dass eine Sortierung gänzlich entfällt, was eine wirklich selten anzutreffende Besonderheit darstellt. Sehr fein geerntetes Blattgut bedeutet allerdings, dass sehr früh geerntet wird, denn zu einem späteren Zeitpunkt wären die Blätter nicht mehr so fein. Dies erklärt, warum die Ernte des Shincha MOE bei Herr Matsumoto relativ früh stattfindet, obwohl der in der Präfektur Kumamoto vorzufindende Teegarten vergleichsweise hoch gelegen ist.

Kabuse Shincha Vorbereitungen im Teegarten von Mankichi Watanabe auf Yakushima

Inzwischen sind die Vorbereitungen für den Kabuse Shincha vom Bio-Teegarten der Familie Watanabe auf Yakushima bereits in vollem Gange. Gestern erhielten wir von Frau Goto, der Mitarbeiterin von Herrn Watanabe, bereits Fotos, die Mankichis Sohn Keita Watanabe für uns in seinem Teegarten aufgenommen hat.

Watanabe Kabuse Shincha 2017
Watanabe Kabuse Shincha 2017

Die Insel Yakushima, ganz im Süden Japans, noch weiter südlich der Insel Kyushu als die anderen Anbaugebiete in der Präfektur Kagoshima, liegt rund 200 km südlich der Stadt Kagoshima. Auf Yakushima treiben die Teesträucher landesweit am frühesten aus, weshalb Yakushima gewissermaßen eine Oase für die „Teesorte“ Shincha darstellt.

Auf dem Foto, das Mankichi Watanabes Sohn Keita am 4. April 2017 aufgenommen hat, sieht man nicht nur, dass die Teesträucher für den Kabuse Shincha bereits mit schwarzen Netzen beschattet werden – die Hälfte der Arbeit des Anbringens der Netze ist bereits geschafft – sondern auch, dass zu dieser frühen Zeit bereits die jungen Blatttriebe gut zu sehen sind. Auch die hellgrüne Farbe des Teegartens verrät uns, dass die Teesträucher bereits deutlich begonnen haben auszutreiben, und schön Knospen gebildet haben, die für den Watanabe Kasbuse Shincha 2017 verwendet werden.

Umso erstaunlicher ist, dass auf dem Foto die Teegartenparzelle von Mankichi Watanabe zu sehen ist, in der die Teesträucher der Varietät Asatsuyu angebaut werden, denn dies sind nicht einmal die ersten Sträucher, die bei Herrn Watanabe austreiben. Nein, die Strauchvarietät Kuritawase ist noch früher dabei neue Triebe und Blattknospen zu bilden. Nicht mehr lange also, bis der Watanabe Kabuse Shincha 2017 geerntet werden kann!

Die Shincha-Zeitgrenze: Von Yakushima nach Shizuoka

Während bei manchen Teesorten die Analyse der Namen durchaus in die Irre führen kann, scheint dies im Fall von Shincha eher eine Möglichkeit zu sein, einen spannenden Blick hinter die Kulissen zu werfen. Der Schlüssel zu allen Überlegungen ist dabei natürlich in der ersten der beiden Silben zu finden, nämlich im „Shin“, das ganz schlicht und ergreifend „neu“ bedeutet. Beim Shincha geht es bekanntlicherweise um die ersten frischen Tees des neuen Erntejahres. Doch wann werden diese in welchen Regionen geerntet?

Vor zwei Jahren, also 2015, haben wir das Glück gehabt, ein sehr frühes Shincha-Jahr mitzuerleben, was einerseits durch die Wetterlage bedingt war, und zudem dadurch, dass wir uns genau zur rechten Zeit am rechten Ort aufhielten: So erlebten wir bereits Ende März die Shincha-Ernte bei Mankichi Watanabe auf der Insel Yakushima, die etwa 200 km südlich der Stadt Kagoshima liegt, und damit noch weiter südlich als die Insel Tanegashima. Beide Inseln, also Yakushima als auch Tanegashima, gehören zur Präfektur Kagoshima, auch wenn der Hauptteil von Kagoshima, der sich auf der Insel Kyushu befindet, nicht unweit von Tanegashima und umso mehr von Yakushima entfernt ist.

Während im Jahr 2015 die Shincha-Ernte bei Mankichi Watanabe bereits Ende März begann, so fand die Ernte in der Kirishima Region erst circa drei Wochen später statt, was angesicht der Tatsache, dass es sich immer noch um dieselbe Präfektur handelt, durchaus erstaunlich klingt. Shutaro Hayashi erntete im Jahr 2015 seinen ersten Tee (Tennen Gyokuro) der ersten Ernte etwa am 20. April. In der benachbarten Präfektur Miyazaki hingegen fand die Ernte des Morimoto Shincha bei Haruyo und Shigeru Morimoto jedoch kurz zuvor statt, was unter anderem auf die bekanntlicherweise starke Sonneneinstrahlung in Miyazaki zurückzuführen ist.

Wirklich ins Erstaunen versetzte uns allerdings, dass in den letzten Jahren in Europa bei manchen Teehändlern fast zeitgleich mit den Shincha-Sorten aus dem südlichsten Ende Japans (also Kyushu u.a. mit den Präfekturen Kagoshima, Miyazaki und Kumamoto) ein Shincha aus Shizuoka auf den hiesigen Markt kam. Wie kann das nur möglich sein? Da Shizuoka rund 1000km weiter im Norden liegt als Yakushima, grob gesagt gerade einmal etwas südlich von Tokyo, müsste doch dort die Ernte minimal vier Wochen später statt finden, wenn nicht sogar eher sechs Wochen später?

Eine Antwort, die uns wirklich zum Schmunzeln brachte, wußte uns zu dieser Frage Shutaro Hayashi zu sagen, der seinem Universitätsstudium in Kagoshima viele spannende Kontakte in der japanischen Insider-Teeszene zu verdanken hat, die immer mal wieder überraschende Dinge ans Licht bringen: Natürlich kann ein Shincha bereits kurz nach der Ernte in Yakushima und Tanegashima aus Shizuoka kommen, auch wenn dort die Ernte noch garnicht stattgefunden hat. Naja, und wie?

Dafür gibt es mindestens zwei Möglichkeiten: Zum einen gibt es in Shizuoka unzählige Tee-Großhändler und Tee-Finalverarbeiter (Japanisch: Tonya-san), die Blätter aus ganz Japan einkaufen, und dann mit einem „passenden“ Namen verkaufen. „Shizuoka Shincha“ bedeutet in deren Augen nicht, dass die geernteten Shincha-Blätter aus Shizuoka stammen müssen, sondern einfach nur, dass die finale Verarbeitung in Shizuoka stattgefunden hat. Eine interessante Interpretationsweise, die sicherlich ihre Berechtigung hat, auch wenn das nicht so ganz zu unserer eigenen Tee-Philosophie zu passen scheint.

Die zweite Möglichkeit ist aber auch nicht gerade weniger überraschend: Man kann natürlich auch die Teeblätter der Ernte im vorigen Jahr im vorverarbeiteten Zustand (Aracha) einfrieren, und dann gerade kurz bevor in anderen Regionen im folgenden Jahr geerntet wird, die Finalvearbeitung durchführen. So ist man der Erste, der Shincha auf den Markt bringt, egal wann die neue Ernte stattfindet!

Offen gesagt ist unsere Denkweise da wirklich anders, denn natürlich ist es schön schon zu einem frühen Zeitpunkt im Jahr zum Genuß eines frischen Shincha zu kommen, aber macht es nicht letztlich den wirklichen Charme eines Shincha aus, dass er wirklich frisch geerntet wurde, und nicht nur frisch schmeckt? Zudem, ist es nicht schön zu wissen, woher das geerntete Shincha-Blattgut wirklich stammt, und mitzuerleben wie der Shincha bei einem bestimmten Teegarten geerntet wurde und dessen Charakter trägt?

Aus dieser Idee ist der vorliegende „Shincha Blog 2017“ entstanden, bei dem wir so gut wie jeden Tag die neuesten Shincha-Ereignisse, vor allem bei unseren Teegarten-Partnern Mankichi Watanabe auf Yakushima, Haruyo und Shigeru Morimoto in Miyazaki, und Herrn Matsumoto in Kumamoto, mitverfolgen und darüber berichten. Und in wenigen Tagen gibt es bereits die ersten Fotos aus Yakushima!

Yakushima Zedernwald

Diesmal ist die Zeit ein wenig knapp, so haben wir nur einen Vormittag um wenigstens kurz in die Berge zu gehen. Als wir losfahren, ist es zwar extrem feucht von dem Starkregen am Vortag, aber dennoch regnet es nicht.

Während wir bis hoch zu den mehrere tausend Jahre alten Zedern wandern, fängt der Regen aber wieder an. Schon nach kurzer Zeit sind wir komplett nass, aber irgendwie scheint das niemanden so wirklich zu stören. Der Anblick dieses fantastischen Waldes mit seinen zahlreichen Bächen, hohen Bäumen und viel Moos lässt uns vergessen, dass der Regen bereits alle Schichten unserer Kleidung durchdrungen hat.

Zum Mittagsessen sind wir mit den Watanabes und Frau Goto verabredet, weshalb wir auch schon bald wieder aufbrechen. Im Teegarten angekommen, merken wir, wie uns langsam kalt wird. Wir freuen uns unter der Heizung zu sitzen, und ein bisschen zu trocknen. Zusammen bereiten wir nach dem Essen noch die Pakete mit dem diesjährigen Watanabe Kabuse Shincha vor, bevor wir uns auf den Weg zur letzten Fähre nach Kagoshima machen.

Yakushima – Besuch beim Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe

Unsere Unterkunft auf Yakushima liegt diesmal direkt am Hang. Hinter dem Haus fängt direkt der Wald an. So werden wir morgens nicht erst vom Wecker geweckt, sondern sanft durch Vogelgesang. Einige von uns auch durch eine Durchsage, die aber niemand von uns wirklich verstanden hat. Ein Aufruf zum Frühsport auf dem nahegelegenen Sportplatz?

Um die Mittagszeit machen wir uns wieder auf den Weg zum Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe. In den Gesichtern der Watanabes und Gotos sieht man, dass es gestern wirklich spät geworden ist, weshalb wir auch nicht lange stören wollen. Wir erkundigen uns nur, wie die Verarbeitung gelaufen ist und kaufen noch etwas Pulvertee. Frau Watanabe hat für uns Kuchen zum Watanabe Kanaya Midori Schwarztee und etwas Reis und Gemüse vorbereitet, sodass wir uns etwas stärken und aufwärmen können.

Heute wollen sie einmal nicht so lange arbeiten, bestehen aber trotzdem darauf, uns noch zu unserer Unterkunft zu fahren, damit wir nicht durch den Regen müssen. Zum Abendessen beschließen wir mit Valérie und Francoise in ein Restaurant zu gehen, in dem wir uns im vergangen Jahr mit Mankichi Watanabe getroffen haben, um über unsere Zusammenarbeit zu sprechen. Schon beim Reinkommen werden wir von der Besitzerin begrüßt: „Ach schön, dass ihr wieder da seid, ihr seid doch die beiden Vegetarier aus Deutschland.“ Davon gibt es hier scheinbar nicht so viele. Der Regen hat nun zum Glück nach dem Essen aufgehört, sodass wir uns einen schönen Platz am Meer suchen, um den Abend gemütlich ausklingen zu lassen.

Besuch im Teegarten von Mankichi Watanabe auf der Insel Yakushima

Nach einer kurzen Nacht machen wir uns auf dem Weg zum Hafen, um nach etwa 2 Stunden auf der Insel Yakushima anzukommen. Wir haben heute wirklich Glück. In den letzten Tagen hat es in der ganzen Region Kyushu und auch auf Yakushima fürchterlich geregnet. Heute ist es zwar wolkig, aber trocken. Ab und zu sehen wir sogar ein paar Sonnenstrahlen. Wir stellen schnell unsere Sachen in der Unterkunft ab, um dann zu Mankichi Watanabe weiterzufahren. Noch etwas über eine halbe Stunde brauchen wir um unseren abgelegensten Teegarten zu erreichen.

Da die Tage, an denen geerntet werden kann, sehr rar sind, arbeiten alle auf Hochtouren, um heute die Yabukita zu ernten und den Aracha fertig zu machen. Herr Goto übernimmt die Ernte mit einer Helferin, die die frischen Blätter immer wieder, wenn die Teesäcke voll sind, zur Verarbeitungsanlage transportiert. Zwei weitere Helfer rollen die schwarzen Netze ein. Die Watanabes produzieren von der ersten Ernte nur Kabusecha.

Mankichi Watanabes Teegarten auf Yakushima

Wir versuchen uns im Hintergrund zu halten und genießen zusammen mit Valérie und Francoise einen der schönsten Teegärten Japans. Mankichi Watanabe sehen wir heute nur kurz in der Fabrik, er winkt uns kurz zu begrüßt uns, widmet sich dann aber gleich wieder der Teeverarbeitung, die seine volle Aufmerksamkeit verlangt. Bis zum Sonnenuntergang wird weiter geerntet. Die Verarbeitung läuft noch, wie wir am nächsten Tag erfahren, bis morgens um halb 3.

In der Erntezeit, so ab Ende März bis Ende April schläft Mankichi Watanabe in der Teefabrik, um flexibel reagieren zu können, wenn die Büsche bereit sind für die Ernte und gleichzeitig das Wetter passt. Das sind manchmal nur wenige Stunden, die es abzupassen gilt. Müsste er erst von zuhause kommen, immerhin eine Stunde Autofahrt, würde das nicht immer klappen. In diesem Jahr, so erzählt uns Frau Goto, hat es ungewöhnlich viel geregnet. Es war auch recht kalt, sodass die Teebüsche sehr langsam gewachsen sind – ein gutes Zeichen für die Qualität. Die Ernte auf Yakushima ist daher erst Anfang April losgegangen. Im letzten Jahr haben wir den ersten Tee schon Ende März geerntet.

Abschied von der Märcheninsel Yakushima

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Nachdem wir gestern unsere Gäste aus Kiel verabschiedet haben, naht noch auch schon die Zeit, zu der auch wir von dieser Märcheninsel Yakushima Abschied nehmen werden. Da das Wetter heute sehr schön ist, entschließen wir uns erst die letzte Fähre zurück aufs Festland – naja auf die große Insel Kyushu – zu nehmen, und den heutigen Tag noch hoch in den Bergen von Yakushima zu verbringen. Von Miyanoura aus fahren wir mit dem Linienbus hoch hinauf nach Shiratani Unsuikyo, um von dort aus einen der vielen Rundwege zu laufen.

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Vier Stunden dauert unsere Tour vom Bergeinstieg bis auf den Taikoiwa Felsen und zurück. Shiratani Unsuikyo liegt auf etwa 800m über dem Meer – die ersten Höhenmeter haben wir noch mit dem Bus zurückgelegt. Der Taikoiwa Felsen ragt etwa 1300m über dem Meerespiegel über in ein Tal hinein. Der Ausblick vom Felsen auf die anderen Vulkane und ins Tal ist unglaublich. So bietet sich auch ein sagenhafter Blick über die facettenreiche Flora, denn abgesehen vom Augenblick auf dem Felsen sind wir sonst nur unter den Baumkronen gewandert, so dass wir nun erst einen Überblick von oben aus über die Baumkronen genießen können. Nebelschwaden ziehen am heutigen Tag über die Gipfel hinweg und ein frischer Wind weht über den Felsen, auf dem wir uns für einige Minuten niedergelassen haben.

Berglandschaft_Yakushima_Taikoiwa Abschied von der Märcheninsel Yakushima weiterlesen

Wie Mankichi Watanabe seinen grünen und schwarzen Tee herstellt

Da es heute wieder in Strömen regnet, nutzen wir die Zeit um uns in Ruhe die Teeverarbeitungsanlagen von Familie Watanabe anzuschauen. Mankichi Watanabe erklärt uns sehr detailliert alle Schritte bei der Herstellung seiner Bio-Grüntees. Nur dann, wenn Mankichi Watanabe die komplette Produktion vom rohen Teeblatt aus seinem eigenen Teegarten bis hin zum fertig sortierten und final erhitzten Tee durchgeführt hat, darf der Tee unter seinem Namen verkauft werden. Einfacheres Blattgut vor allem von der zweiten und dritten Ernte, das Mankichi Watanabe nicht unter seinem Namen verkaufen möchte, wird als Aracha an einen befreundeten Betrieb in Shizuoka geschickt, der daraus Pulvertee mahlt.

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Mankichi hat seinen eigenen Stil bei der Verarbeitung entwickelt – er schafft es die Frische der geernteten Blätter einzufangen und zu bewahren – wahre Kunst. Es gehört aber auch zu seinem Stil, dass er so bescheiden ist, niemals viele Worte darüber zu verlieren. Dies erinnert uns auch etwas an Shigeru Morimoto, der niemals selbst seine Arbeit loben würde, obwohl er besondere Tees erschafft.

Frischer_Tee_Yakushima_Watanabe Wie Mankichi Watanabe seinen grünen und schwarzen Tee herstellt weiterlesen

Der Weg zum Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe

Nach dem Frühstück brechen wir auf: Zusammen mit drei unserer Kunden aus Deutschland, die in Kiel, München und Dresden unsere MARIMO-Tees in ihren Teeläden verkaufen. Sie sind mit uns zusammen unterwegs, um die Bio-Teegärten persönlich kennenzulernen – mehr also als nur „Teehandel“. Vielmehr geht es auch darum vor Ort viel zu sehen und zu lernen, und diese Erfahrungen dann weiterzugeben. Unser Ziel liegt gut 200km südlich von Kirishima, wo eigentlich nur das offene Meer zu finden ist. Erst einmal fahren wir mit dem Zug nach Kagoshima, wo wir in das Tragflächenboot Richtung Süden umsteigen. Nach gut zwei Stunden ist unser Ziel erreicht: Die atemberaubende Insel Yakushima.

Yakushima_Inselblick_Watanabe

Im Vergangenen Jahr, also 2014, fuhren wir nach der Ernte bei den Morimotos nach Yakushima – eigentlich um die schöne Natur dort zu genießen und uns etwas von der Hektik und dem kurzen Schlaf während der ersten Ernte zu erholen. Wie es uns als Teemenschen so geht, können wir es aber nicht sein lassen herausfinden, ob auf der abgelegenen Insel nicht vielleicht auch einen Bio-Teegarten gibt. Kurzerhand finden wir heraus, dass es sogar insgesamt drei relativ kleine Bio-Teegärten gibt, und überlegen, ob wir nicht vielleicht spontan einen davon besuchen könnten. Aber welcher Garten von den dreien könnte uns wohl gefallen und guten Tee haben?

Yakushima_Tal

Ein Teegarten springt uns regelrecht ins Auge, nachdem wir eine Landkarte von Yakushima gefunden haben, in der zum Teil die Gesichter der Betreiber einzelner Gärten zu sehen sind: Es ist der Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe, dessen Gesicht auf dem Foto uns auf Anhieb sympathisch erscheint. Nachdem wir auf der Insel Yakushima ankamen, haben wir uns also als erstes ein Fahrrad geliehen und uns gleich auf den Weg zum Teegarten gemacht – ganz schön leichtsinnig, wie sich auf dem Weg herausstellt. Auf Yakushima regnet es sehr viel, und es zog an dem Tag auch noch sehr starker Wind auf. Zudem waren die Fahrräder nicht besonders gut in Schuss, an der Küste ging es ständig auf und ab, und der Gegenwind wurde immer stärker. Auf etwa der halben Strecke fing es an sehr stark zu regnen, und der Gegenwind lässt und fast auf der Stelle treten. Obwohl wir uns mit Regensachen ausgestattet haben werden wir klatsch nass.

Es ist nur ein Gedanke, der uns dazu bringt überhaupt weiterzufahren: Wenn der Weg zum Teegarten von Mankichi Watanabe so beschwerlich ist, und uns alle Anzeichen zu sagen scheinen „Kehrt um und vergesset den Teegarten“, muss am Ende ein wahrlich einzigartiger Teegarten auf uns warten. Wir halten also durch. Nach zwei Stunden Fahrt und komplett erschöpft kamen wir völlig durchnässt beim Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe an. Nachdem wir ein paar Worte gewechselt haben, und das Staunen über die verregneten Fahrradfahrer aus den Gesichtern der Watanabes verschwunden ist, verstehen wir uns auf Anhieb gut. Die Idee auf der Insel Yakushima Freizeit zu verbringen und zu entspannen schwindet schnell, und wir verbringen letztlich fast unsere kompletten drei Tage zusammen mit Mankichi Watanabe und den Helfern im Teegarten. Einen Nachmittag nehmen wir uns aber doch Zeit, um einmal hoch in der Berge zu fahren, und ein wenig wandern zu gehen, und die seltene Pflanzen und atemberaubende Landschaft zu genießen.

MARIMO_Yakushima_Zeder_Watanabe

Für die wunderschönen mehrere tausend Jahre alten Zedern und unfassbar schönen Wälder kommen schon auch mal Touristen aus dem Ausland auf die Insel. Teebegeisterte zog es bislang selten nach Yakushima. Obwohl die Anbaubedingungen durch die hohe Feuchtigkeit ideal sind, gibt es auf Yakushima vergleichsweise wenige Teegärten, was wohl auch an dem eng begrenzten Gebiet liegt, in dem Teeanbau überhaupt möglich ist. Nur ein schmaler Streifen an der Küste ist an manchen Stellen einigermaßen Eben. Dahinter geht die Landschaft schnell in die steil hinaufstrebenden Berge über. Das Zentrum der Insel besteht aus mehreren Vulkanen, von denen der höchste Krater „Miyanoura-Dake“ mit über 1900m die höchste Erhebung der Region Kyushu darstelt, zu der Yakushima gerade noch dazu gezählt wird. Von der Mitte aus bis zum Schildkrötenstrand von Nagata erstreckt sich ein Nationalpark. Da die Insel Heimat von unglaublich vielen Tier- und Pflanzenarten ist, und zudem hier die wahrscheinlich ältesten Zedern der Welt stehen – die älteste soll 7000 Jahre alt sein – hat die UNESCO die Insel Yakushima im Jahr 1993 zum Weltkulturerbe erklärt.

Watanabe_Yakushima_Wald

Heute, im April 2015, also knapp ein Jahr nachdem wir zum ersten Mal hier her kamen und Mankichi Watanabe und seinen idyllischen Bio-Teegarten kennenlernen durften, gibt es keine großen Wellen, und die Überfahrt von Kagoshima-Stadt nach Yakushima verläuft sehr ruhig. Im Hafen von Miyanoura angekommen laufen wir zu unserem Hotel. Nach dem Einchecken fahren wir gleich weiter zum Teegarten von Mankichi Watanabe. Das Wetter ist sehr unbeständig, sodass wir uns entschließen mit dem Bus zu fahren und dann den letzten Teil der Strecke zu laufen. Es hat tagsüber einfach zu stark geregnet, weshalb heute keine Ernte stattfindet. Wir streunen nach der Begrüßung aber ein wenig durch die nahegelegenen Bio-Teegarten-Parzellen. In der Zwischenzeit, seit unserer Abreise vor etwa einer Woche, nachdem wir mit Mankichi Watanabe unsere Shincha-Vorbestellung besprochen haben, haben die Watanabes neben der Kuritawase noch Sae Midori und Yutaka Midori geerntet.

Watanabe_Yakushima_Teegarten

Wenn ihr den Blog schon längere Zeit verfolgt, wisst ihr ja, dass wir im Teegarten von Mankichi Watanabe dieses Jahr bereits Ende März zusammen geerntet haben. Für unseren neuen Bio-Watanabe-Kabuse-Shincha wurden die Kuritawase- und Sae Midori-Sträucher schon geerntet. Auch Yutaka Midori wurde in der Zwischenzeit schon geerntet, die aber kein Bestandteil unseres Watanabe Kabuse Shincha sein wird. Es fehlt für unseren Watanabe Kabuse Shincha so nur noch eine Strauchsorte, die wir besonders mögen – Asatsuyu. Asatsuyu bedeutet übersetzt Morgentau. Die Strauchsorte ist fantastisch grün und präsentiert sich mit einer unglaublichen Süße – ein wahrer Schatz – aber nicht ganz einfach zu kultivieren im Bio-Anbau. Zum Glück können wir uns auf den Jahrzehntelangen Erfahrungsschatz von Mankichi Watanabe im biologischen Teeanbau verlassen.

Watanabe Kabuse Shincha

In den nächsten Tagen, wenn es dann einmal aufhört zu regnen, wird hier gleich mit der Ernte fortgefahren. Wir sind alle schon ganz gespannt darauf.