Narieda Shinichiro – Impressionen und neue Keramik vom Besuch im Atelier in Kirishima

Lange haben wir uns auf den diesjährigen Besuch bei Narieda gefreut. Wie bereits von den letzten Jahren gewohnt erwartet uns Narieda Shinichiro in seinem Atelier in Kirishima, wo wir jedoch nicht als erstes seine keramischen Werke bewundern, sondern erst einmal gespannt seine philosophischen Ausführungen verfolgen dürfen. Heute geht es um die Boomerang-Theorie, die es sicherlich wert wäre hier genauer erläutert zu werden, doch da es sich hier um einen Tee-Blog handelt, bleibt dieses Detail der Lebensphilosophie des Keramikers doch erstmal noch ein Geheimnis derjenigen, die dieses Jahr mit beim Besuch bei Narieda dabei waren.

Narieda Shinichiro erklärt sein Philosophie bevor er seine Matchaschalen zeigt

Schon Ende des letztes Jahres wollten wir ihm einen ausführlichen Dankesbrief schreiben, um uns nochmals persönlich für die großartigen Geschenke zu bedanken, die Narieda uns für unsere Tee-Workshops zum großen 10-Jahre-Marimo-Jubiläum speziell angefertigt hat. Für den damals eigens eingerichteten Teeraum, in dem unser Matcha-Workshop unter anderem mit handgepflückten Matcha-Sorten von Nakanishi stattfand, fertigte er uns ein edles Wassergefäß an, das Narieda als Geschenk unserer japanischen Mitarbeiterin überreichte, die es uns dann zur Jubiläumsfeier aus Japan mit nach Frankfurt brachte. Wirklich ein Grund sich nicht nur einmal zu bedanken, doch in der Hektik der letzten Monate kamen wir leider nicht dazu den angefangenen Brief zu vollenden, und so liegt er immer noch bei uns im Büro in Frankfurt. Heute ist nun also die Chance sich dafür in angemessener Weise zu entschuldigen, und persönliche Worte an Narieda zu richten, um sich für die wunderbare Keramik zu bedanken, und ihm zudem selbst auch ein Geschenk zu überreichen: Ein biologisch angebauter Weißwein aus Frankreich, den wir unter anderem auch deshalb ausgewählt haben, da heute erstmals zwei unserer französischen Kundinnen, die schon seit mehreren Jahren die Keramiken von Narieda in ihren Läden in Paris und Tours ausstellen und verkaufen, mit zum Besuch bei Narieda gekommen sind.

Shiboridahi Gyokuro Kyusu Einhandkanne von Narieda Shinichiro

An einem vollkommen unscheinbaren Ort in Nariedas Atelier, also nicht dort, wo er eigentlich seine Werke ausstellt, sondern eher abseits, finden wir kurz vor dem Abendessen, als bereits einige Freunde von Narieda sich im Atelier versammelt haben, einen neuen Entwurf einer Shiboridahi (einer japanischen Einhand-Teekanne, also eine besondere Art einer Kyusu), bei dem Narieda sich zwar an der Form der Jahre 2014 und 2015 orientiert, doch einige Details raffiniert weiterentwickelt hat. Wir sind begeistert, und bringen bei der nächsten Gelegenheit sogleich unsere Begeisterung sowie unser Interesse zum Ausdruck, vielleicht in naher Zukunft einige Werke in ähnlicher Weise angefertigt bekommen zu dürfen.

Regal mit Matchaschalen und Kyusu im Atelier von Narieda Shinichiro

Auf den Holzlatten, die die Böden eines großen Holzregals im Atelier von Narieda Shinichiro bilden, befinden sich diesmal weniger Werke als üblich, da sich Narieda momentan viel Zeit dafür nimmt, neue Keramiken zu entwickeln sowie die Formgebung seiner bisherigen Werke weiterzuentwickeln. Es wird sicherlich einige Monate dauern, bis Narieda Zeit finden wird sich der Anfertigung der neuen Serie von Shiboridashi – der Kyusu, die vor allem für feine und edles Tees gedacht sind -zu widmen. Die erste Serie an Noboridashi, damals aus schwarzem Ton, fertigte Narieda Shinichiro im Jahr 2013 speziell für die Teesorte GO EN an, einem lange beschatteten, gedämpften Tamaryokucha, den die Familie Morimoto herstellt. Anlass dafür war der damalige Besuch von uns zusammen mit Haruyo und Shigeru Morimoto im Atelier von Narieda. Seither verwendete Narieda bei der erneuten Anfertigung in den folgenden Jahren nicht mehr wie bei der kleinen Serie im Jahr 2013 seine schwarze Tonsorte, sondern einen helleren, beigen Ton. Auch die Form der Shiboridashi (wir nannten sie damals üblicherweise „Gyokuro-Kyusu von Narieda“) entwickelte sich im Jahr 2014 zu einer höheren Form weiter, und im Jahre 2015 wurden die Kanten am Fuß und am oberen Rand in eine dezent geschwungene Form abgewandelt. Während wir nun ja schon die Form der Serie, die wir für dieses Jahr erwarten, durch das oben gezeigte Exemplar in eine konkrete Vorstellung verwandeln konnten, wird es umso spannender bleiben, welche Art von Ton und eine wie geartete Glasur der Keramiker dieses Jahr auswählen wird.

Spachtel und Pinsel von Narieda zum Auftragen der Glasur

Zudem bleibt es auch spannend, in welche Richtung sich die Matchaschalen von Narieda dieses Jahr entwickeln werden. Im Atelier sehen wir einige kleinere Schalen, die nicht als Matchaschalen gedacht sind, bei denen Narieda bereits eine neue Art von Glasur ausprobiert hat. Narieda entwickelt seine Glasuren, egal ob es sich um die Verwendung für eine Matchaschale oder für andere Objekte handelt, grundsätzlich selbst. Er mischt also nicht nur seine Glasuren selbst, sondern entwickelt außerdem selbst die Rezepte für die Glasuren, die oftmals auch Material mitverwenden, das aus seiner nahen Umgebung, dem Kirishima-Gebirge stammt. Die Glasur, die wir diesmal erstmalig bei Narieda entdecken, erinnert an eine chinesische, sogenannte Hasenfellglasur, die jedoch abweichende Merkmale mit ausprägt. Über die Fellstruktur legt sich gewissermaßen eine andersgeartete, und andersfarbige andere Ebene. Ob Narieda diese Glasur dieses Jahr auch für die neuen Unikate, für die ein oder andere Matchaschalen verwenden wird? Mal sehen, was sich ergibt, wenn wir mit Narieda in den kommenden Tagen telefonieren. Die oben gezeigten Geräte wie Pinsel und Spachtel verwendet Narieda natürlich vorwiegend zum Auftragen der Glasuren, aber auch zum Nachbearbeiten der ein oder anderen Matchaschale, die ja oftmals nicht einfach eine glatte Oberfläche aufweisen, sondern mit überraschenden Strukturen zumeist auf der Außenseite aufwarten.

Matchaschalen von Narieda Shinichiro und Beginn der MARIMO Kundenreise

Yoko, mit der wir nun eine Woche lang zusammen unterwegs waren, fliegt heute wieder zurück nach Tokyo. Da sie von Miyazaki aus fliegt fährt Shutaro sie zum Flughafen in der Nachbarpräfektur. Wir nutzen den freien Vormittag um noch einmal zu Narieda zu fahren. Bei unserem letzten Besuch war uns eine besondere Matchaschale mit Ascheanflugglasur von Narieda ins Auge gefallen. Narieda Shinichiro hat 2011 eine Reihe von etwa 10 Schalen mit Ascheanflug hergestellt, von denen dies die letzte Matchaschale ist, die sich noch in seinem Besitz befindet. Die Matchaschale „Kirishima“, die wir letztes Jahr auf dem CHA EN Event 2014 präsentiert haben, gehört natürlich auch zu dieser Reihe von Matchaschalen aus dem Jahr 2011.

Narieda Shinichiro Matchaschale
Nachdem wir ja letzten Mittwoch bereits bei Narieda zu Besuch und unser Hauptaugenmerk dabei auf den Gyokuro-Kyusu und Gyokuro-Teeschalen lag, hatten wir dann auf dem Rückweg das Gefühl, wir hätten die letzte Matchaschalen mit Ascheanflugglasur von 2011 doch erstehen sollen. Da es sich bei der Matchaschale allerdings nicht gerade um eine kleine Investition handelt, und wir uns ohnehin schon für unseren Einkauf bei Narieda von Yoko Geld leihen mussten, hatten wir die Matchaschale dann doch nicht mitgenommen. So haben wir nun aber heute die Gelegenheit noch einmal in die Berge zu Narieda zu fahren, um die Schalen doch noch zu bekommen – Yoko hat gestern Narieda schon angerufen, damit die Matchaschale nicht noch in letzter Minute an einen anderen Kunden geht.
Während einige der Matchaschalen von 2011 mit Ascheanflugglasur aus hellem Ton gefertigt sind, handelt es sich bei der vorliegen Schale um einer der wenigen Schalen, die aus dunklem, fast schwarzem Ton gefertigt sind. Die Form ist aufstrebend, leicht konvex, und von oben betrachtet sichtlich deformiert, was der Schale eine enorme Kraft, und avantgardistische Eleganz verleiht. Nachdem es sich nun um die letzte Chance handelt Narieda Shinichiro zusammen mit einer seiner Ascheanflugschalen zu fotografieren (außer er käme tatsächlich einmal zu Besuch nach Europa, wo sich die meisten Schalen der Aschenflugserie von 2011 befinden), nehmen wir diese Gelegenheit war, und es entsteht ein schönes Bild, bei dem sich Narieda sehr ernst zeigt – so kennen wir ihn sonst kaum. Während er seine Arbeit als Keramiker mit einer unglaublichen Ernsthaftigkeit angeht, so kennen wir ihn im Alltag als sehr humorvollen Menschen, der kaum eine Minute keinen Scherz macht.

Kirishima Naieda Schwalben
Narieda hat heute jedoch nicht so viel Zeit, und auch wir haben Nachmittags einen weiteren Termin. Heute beginnt unsere Kundenreise. Wir holen unsere lieben Gäste vom Flughafen ab. Nach einer kurzen Pause treffen wir Shutaro und seinen Bruder Kenji Hayshi zum gemeinsamen Abendessen. Die Familie hat ein Restaurant ausgesucht, das speziell für uns ein vegetarisches Menü zusammengestellt hat. Es ist eine schöne Begrüßung, die wir alle zusammen genießen.

Kirishima Teegarten und Besuch bei Narieda Shinichiro

Heute ist der erste April und auch in Japan ist „Scherztag“. Es wird heute also lustig!

Am Vormittag haben wir einen Fototermin vereinbart. Auch von Familie Hayashi wollen wir ein Familienfoto machen, damit wir von nun an die Tees aus Kirishima mit dem „Gesicht des Gartens“ zeigen können. Im vergangenen Jahr haben wir uns erst einmal kennen gelernt, über Teestrauchsorten, Handel und Bio-Philosophie diskutiert. Für ein Foto der Familie war am Ende dann keine Zeit mehr.

Eigentlich hatten die Hayashis sich gewünscht, dass wir mit dem Familienfoto noch warten bis die neunen Blattriebe weiter gewachsen sind. In Kirishima ist es im Vergleich zu dem Teil südlichen Teil von Kagoshima, in dem der Teegarten von Familie Watanabe liegt, sehr kühl, auch deshalb, da der Garten von Familie Hayashi höher gelegen ist. Hier in Kirishima zeigen sich erst die ersten sehr kleinen Blatttriebe, während bei Familie Watanabe schon geerntet wird. Da wir leider nicht bis zur Ernte Ende April hier bleiben können, starten wir heute Vormittag nun doch einen Versuch die Familie mit ihrem Bio-Teegarten auf einem Foto festzuhalten.

MARIMO_Kirishima Familienfoto mit Ziege Kirishima Teegarten und Besuch bei Narieda Shinichiro weiterlesen