Sakura-No Shincha MOE – schon unterwegs nach Europa und noch hier in Kumamoto

Der heutige Besuch bei Herrn Matsumoto im Teegarten Sakura-No En in Kumamoto bringt uns wieder einmal innerhalb von wenigen Stunden zu einer Vielzahl an beeindruckenden Erlebnissen. Die Begrüßung ist etwas hektisch, denn Herr Matsumoto hat bereits einen ausführlichen Tagesplan vorbereitet, was er alles mit unseren Kunden und uns unternehmen möchte. Das Zeitfenster für unseren Besuch ist knapp bemessen. Heute Vormittag hat Herr Matsumoto noch einen Teil des Sakura-No Sencha verarbeitet. Wir treffen ihn nun in seiner Pause, bis es dann am Abend für ihn wieder weiter geht mit der Arbeit. Wir sind sehr dankbar, dass wir, obwohl wir zur für die Familie am anstrengendsten Erntezeit zu Besuch kommen, dennoch so herzlich empfangen werden.

Kazuya Matsumoto bei der Zubereitung seiner Tees - der Geruch und der Verhalten der Blätter ist entscheidend
Kazuya Matsumoto bei der Zubereitung seiner Tees – der Geruch und der Verhalten der Blätter ist entscheidend (Foto: Arun Herzog)

Kazuya und seine Frau Satomi Matsumoto holen uns direkt vom Bahnhof ab, und bringen uns zum neuen Wohnhaus der jungen Familie Matsumoto. Hier wohnen die beiden mit ihren vier Kindern, während im über 100 Jahre alten Haus der Familie Matsumoto, das wir in den letzten Jahren immer besuchen durften, nun Kazuyas Eltern leben.

Sakura-No Shincha MOE
Sakura-No Shincha MOE (Foto: Arun Herzog)

Als erstes, nachdem Herr Matsumoto uns in den ersten Stock des idyllischen Holzhauses geführt hat, gießt er uns einen mit kaltem Wasser zubereiteten Shincha MOE auf, der erst vor wenigen Tagen geerntet wurde. Wir haben Glück, denn die Menge, die bereits auf dem Weg nach Europa ist, haben unsere Kunden bereits vor Monaten reserviert, so dass für uns selbst nichts zum Probieren übrig bleiben wird. Hier, vor Ort im Haus von Herrn Matsumoto, genießen wir also den frisch geernteten Shincha MOE, und zudem die Chance ihn hier mit dem lokalen Quellwasser trinken zu dürfen, was natürlich ein besonderes Geschenk für uns ist.

aufgegossene Blätter des Sakura-No Shincha MOE
aufgegossene Blätter des Sakura-No Shincha MOE (Foto: Arun Herzog)

Es folgt ein Aufguss des Sakura-No Shincha MOE 2017 mit Kazuyas spezieller Aufgussmethode: Zuerst gießt er etwas kaltes Wasser in die offene Kyusu (Japanese Tea Instructor Kyusu). Nach einer kurzen Wartezeit fügt er heißes Wasser hinzu und gießt dann recht schnell ab. Wir sind wieder einmal hin und weg vom Geschmack und dem intensiven Duft des Shincha MOE, der dieses Jahr wieder einen fantastisch frischen Duft verbreitet, die geschmacklich von einer abgerundete Süße gekrönt wird.

Onigiri von Satomi Matsumoto
Onigiri von Satomi Matsumoto (Foto: Arun Herzog)

Während wir den feinen Tee genießen, kommen immer wieder neue, vornehmlich vegetarische Speisen auf den Tisch, die Satomi Matsumoto für uns vorbereitet hat. Die Matsumotos legen beim Essen nicht nur Wert auf regionale Zutaten, sondern machen sich auch Gedanken darüber welche Teesorten zu welchen Speisen gut passen. Diese Überlegungen haben sicherlich auch damit zu tun, dass die Tees von Sakura-No En in einigen sehr edlen Restaurants in Japan ausgeschenkt werden. Zu den Kunden zählt unter anderen das Sushi-Restaurant des renommiertesten Sushi-Chefs in der Präfektur Miyazaki. Dort wird vor allem feiner Sencha von Sakura-No En ausgeschenkt. In anderen japanischen hochkarätigen Restaurants, die nicht auf Sushi spezialisiert sind, sondern diverse anderen Speisen anbieten, wird in letzter Zeit der in Japan mittlerweile landesweit bekannte Schwarztee von Sakura-No En angeboten, aber auch der außergewöhnliche Houjicha. Sakura-No En, die schon vor gut hundert Jahren zum offiziellen Lieferanten des japanischen Kaisers [Tenno] ernannt wurden, sind gänzlich auf gehobene Tees spezialisiert, so dass man hier nicht dem Irrtum erliegen sollte, dass es sich bei der Sorte Houijcha, der in vielen anderen Restaurants frei zum Essen ausgeschenkt wird, um eine einfache Teesorte handeln muss, auch wenn die oftmals der Fall ist. Wie bei allen anderen Teesorten ist es sicherlich wichtig eine ganze Reihe von Variationen über einen längeren Zeitraum zu probieren, um letztlich möglichst viele geschmackliche Nuancen und Spielarten innerhalb einer Sorte von Tee wie Sencha oder Houjicha zu verstehen, und die Werte der einzelnen Variationen und Ausprägungen einschätzen zu lernen. Ganz klassisch, verwenden auch feine Konfiserien die Pulverteesorten von Herrn Matsumoto, um unter anderen daraus Matcha-Kuchen herzustellen.

Zum Abschluss des phantastischen Mittagessens gibt es noch einen Matchakuchen. Eine japanische Konfiserie in der Nähe verwendet einen beschatteten Pulvertee von Sakura-No En aus alten Sträuchern für die Herstellung dieses exquisiten Kuchens. Während viele Kuchen in Japan und auch bei uns in Europa relativ süß sind, sodass man die leichte Herbheit des Tees kaum noch schmecken kann, ist dieser Matcha-Kuchen nur sehr leicht gesüßt, sodass wir den Teegeschmack genießen können, der facettenreicher kaum zur Geltung kommen könnte.

 

Grüntee-Kuchen, hergestellt mit Pulvertee von Sakura-No En
Grüntee-Kuchen, hergestellt mit Pulvertee von Sakura-No En (Foto: Arun Herzog)

Gut gestärkt fahren wir nun in die Teegärten. Die sehr hoch gelegenen Gärten, die auf 450 bis 600m über dem Meeresspiegel liegen, wurden noch nicht geerntet. Hier ist es deutlich kühler als unten im Tal, wo auf 200m Höhe bereits vorige Woche die Blätter für den Shincha MOE geerntet wurde. In den höheren und somit kühleren Lagen, wachsen die Teebüsche generell langsamer. Auch die beschatteten Anteile für den Sakura-No Sencha, die für etwa 10 Tage abgedeckt werden, sind erst soweit ausgetrieben, dass gerade erst mit der Beschattung [kabuse] begonnen wurde. Die Ernte wird daher in etwa 7-10 Tagen stattfinden.

Kazuya Matsumoto in seinem Teegarten
Kazuya Matsumoto in seinem Teegarten (Foto: Arun Herzog)

Während der Fahrt von einer Parzelle zur nächsten, fahren wir auf engen Serpentinen durch einen atemberaubenden Wald. Zwischendrin beeindrucken uns immer wieder Ausblicke in die Ferne, die fantastischer kaum sein könnten.

Fernblick in der Nähe vom Teegarten Sakura-No En
Fernblick in der Nähe vom Teegarten Sakura-No En (Foto: Arun Herzog)

Bei der Rückfahrt zeigt uns Kazuya noch Felder von einem Freund, mit dem er seit einer Weile eng zusammenarbeitet. Kazuya Matsumoto hat den jungen Teegärtner und Produzenten, der den Betrieb von seinem Vater vor einiger Zeit übernommen hat, und nun in der vierten Generation weiterführt, vor über drei Jahren überzeugt, wie Herr Matsumoto ohne Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, auf rein natürliche Weise zu produzieren. Mit der neuen Ernte bekommen wir auch Muster eines besonderen Tees jenes Gartens. Wir sind schon sehr gespannt.

Sakura-no Shincha MOE Update: Herr Matsumoto hat geerntet

Endlich ist es soweit: Heute Morgen rief uns Herr Matsumoto von Teegarten Sakura-No En an, um uns die freudige Nachricht zu überbringen, dass er die super feinen Blätter für den Shincha MOE vor zwei Tagen geerntet hat. Das Erntedatum des Sakura-No Shincha MOE 2017 ist demnach der 25. April. Nachdem zunächst die Aracha-Produktion stattfand, würden dann gestern, also am 26. April von Herrn Matsumoto auch die Endverarbeitung (shi-age) des Shincha MOE 2017 durchgeführt. Wie die Fans des Shincha MOE vermutlich bereits wissen, ist dieser Shincha so fein geerntet, dass keine finale Sortierung stattfindet, denn es gibt nichts, dass sortiert werden könnte oder sollte. Dennoch, der finale Schritt der shi-age findet statt, in diesem Fall eben nicht mit dem Sinn der finalen Sortierung, doch aber mit dem Sinn der finalen Erhitzung (hi-ire), denn es handelt sich beim Shincha MOE nicht um einen Aracha-Shincha, sondern um einen final verarbeiteten Shincha.

Sakura-No Shincha MOE 2017 von Herrn Matsumoto
Sakura-No Shincha MOE 2017 von Herrn Matsumoto

Nachdem wir Dank des erfreulichen Anrufs von Herrn Matsumoto direkt mit ihm Rücksprache halten konnten, hat es geklappt, dass er direkt noch am heutigen Tag (27. April 2017), also nur zwei Tage nach Ernte des Shincha MOE 2017, den Tee per Luftfracht, wie es bei uns im Fall von Shincha üblich ist, nach Frankfurt versenden konnte.

Der Shincha MOE 2017 wird also in Kürze bereits in Frankfurt eintreffen, und wird dann bei allen Teefachgeschäften, die den Shincha bei uns reserviert haben, innerhalb von wenigen Tagen erhältlich sein. Wir selbst sind natürlich auch schon total gespannt und vollen Verfreude, ihn dann probieren zu können, sobald wir zurück in Deutschland sind. Möglicherweise haben so unsere Kunden die Chance den tollen Shincha früher probieren zu können als wir selbst, was uns freut, denn wir haben hier in Kyushu ja immerhin täglich den Genuß die frische „Shincha-Luft“ in den Teeanbaugebieten atmen zu dürfen.

Sakura-No En: Vorbereitungen für den Sakura-No Shincha MOE

Für uns geht es nun immer weiter in den Süden. Heute steht ein Besuch bei Kazuya und Satomi Matsumoto (Sakura-No En) an. Mit Kazuya stehen wir schon seit gut zwei Wochen in engem Kontakt. Er hält uns auf dem Laufenden, wie sich die Sträucher für den Sakura-No Shincha MOE entwickeln. Schon beim Treffen am Bahnhof merken wir, dass Kazuya schon ein bisschen aufgeregt ist, so kurz vor dem Erntebeginn. Natürlich ist eine unserer ersten Fragen, wann es denn nun soweit ist und der Sakura-No Shincha MOE 2017 geerntet wird. Im letzten Jahr (2016) war die Ernte am 17.April. Wann es in diesem Jahr soweit ist erklärt uns Kazuya während wie das MOE-Feld besichtigen. Er holt etwas weiter aus:

Kazuya Matsumoto erklärt uns das Wachstum der frischen Blatttriebe für den Sakura-No Sencha und Sakura-No Shincha Moe

Den richtigen Erntezeitpunkt zu finden erfordert nicht nur gute Kenntnis darüber, wie der Blattstand sein sollte, sondern auch gute Kenntnis des Terrains. Das Yabukita-Feld für den Shincha MOE wächst nämlich nicht einheitlich, weshalb für den Moe auch keine vollen Reihen geerntet werden, sondern immer nur die Ränder.

Das Wachstum der jungen Sprossen beginnt zunächst in vertikaler Richtung. Die jungen Triebe streben gen Himmel. Es findet ein Längswachstum statt, wobei die Blätter zu Anfang mit der Blattspitze nach oben gerichtet sind. Die jungen Blätter sind noch zu fein um der starken Frühjahressonne standzuhalten, weshalb sie noch nicht zur Sonne hin ausgerichtet sind. Nach der Bildung von etwa drei bis vier Blättern verlangsamt sich das Längswachstum. Es werden nun nur noch langsam neue Blätter gebildet.  Stattdessen verändert sich nun langsam die Ausrichtung der Blätter. Sie stehen nicht mehr mit der Spitze zum Himmel, sondern richten sich nach und nach mit der Blattfläche zur Sonne aus. Die Pflanze vergrößert die Blattfläche um eine möglichst große Oberfläche für die Photosynthese zu bilden. Von oben gesehen kann man die beiden Wachstumszustände sehr schön sehen. Solange noch alte Blätter sichtbar sind, so hat das horizontale oberflächenvergrößernde Wachstum noch nicht eingesetzt. Genau am Scheitelpunkt zwischen beiden Wachstumsphasen ist die Zeit für den Shincha-Moe – also noch gerade bei dem Punkt, an dem die Blätter aufrecht mit der Spitze gen Himmel zeigen. Für Sencha wartet man generell bis die Blätter mit der Blattfläche zur Sonne gerichtet sind. Zu dem Zeitpunkt kann man in der Aufsicht keine alten Blätter mehr sehen. Sie werden vollständig von den neuen verdeckt.

Frischer Blattrieb im Längswachstum – Shincha MOE Stadium
Frischer Blatttrieb beim Beginn der Oberflächenvergrößerung der Blätter und Horizontalausrichtung- Sakura-No Sencha Stadium

Wir haben heute das Glück beide Zustände gleichzeitig zu sehen. Am einen Rand des Feldes, der zum Wald hin gelegen ist, sind die Pflanzen schon recht weit gewachsen. An einigen Stellen sind die neuen Triebe so dicht, dass wir tatsächlich keine alten Blätter mehr sehen können. Das liegt vor allem daran, dass die Bäume etwas Schatten spenden, wodurch das Mikroklima an diesen Stellen feuchter ist. Hier wird Kazuya Matsumoto keinen Sakura-No Shincha MOE mehr ernten können. Nach ein paar Schritten, die wir in die Teereihen hineinlaufen zeigt sich uns ein ganz anderes Bild. Hier sind die Triebe noch sehr klein, sodass wir ohne Mühe die alte Blattdecke darunter sehen können. Kazuya hat aus diesem Grunde beschlossen von der Seite aus die Blätter für den Shincha MOE zu ernten, die weiter entfernt von den an den Teegarten angrenzenden Bäumen liegt. Spontan sagt er, dass es frühestens übermorgen soweit ist. Im Laufe des Gesprächs und nachdem er alle Reihen durchschritten hat, korrigiert er sich noch einmal auf circa den 27.April.

Wachstum der frischen Blatttriebe

In den vergangenen Jahren gab es im Teegarten Sakura-No En immer wieder Frost, sodass ein Teil der Triebe noch vor der Ernte wieder eigegangen ist. In diesem Jahr gibt es keinerlei Frostschäden. Es war lange Zeit sehr kalt und recht plötzlich wurde es dann warm, T-Shirt-Wetter. Kazuya rechnet damit, dass die Erntezeit in diesem Jahr sehr kurz und sehr stressig sein wird, weil die Pflanzen bei dem warmen Wetter gut wachsen. Wenn es nun auch noch regnet, Mitte nächster Woche wahrscheinlich, wachsen die Pflanzen dann sehr schnell. Dann stehen wirklich sehr sehr lange Arbeitstage an.

Shincha Update: MOE am 18. April 2017 und Wettlauf der Varietäten

Nachdem wir die letzten beiden Tage noch länger als an den anderen Tagen mit dem Zug unterwegs waren, heute bis nach Kyushu, sind wir nicht mehr ganz pünktlich dazu gekommen, die neuen Fotos der Teegärten hier im Shincha Blog 2017 zu zeigen, was hiermit mal gleich nachgeholt werden soll. Nachfolgend ein Fotos von Herrn Matsumoto, wie die Blätter der Yabukita-Sträuchern für den Shincha MOE am 18. April 2017 aussehen – 10 Tage also nachdem wir die ersten Aufnahmen des Shincha-Teegartens von Herrn Matsumoto zeigten.

Yabukita Sträucher von Herrn Matsumoto für Shincha MOE, aufgenommen am 18. April 2017
Yabukita Sträucher von Herrn Matsumoto für Shincha MOE, aufgenommen am 18. April 2017

Während sich die Ernte des Shincha MOE bei Herrn Matsumoto dieses Jahr wie angekündigt etwa 10 Tage verschiebt im Vergleich zu durchschnittlichen Jahren, ist es bei Familie Watanabe deutlich komplizierten. Warum?

Bei Herrn Matsumoto wird der Shincha MOE lediglich aus einer Strauchsorte hergestellt, nämich der Yabukita, und der spannende Punkt ist der den MOE neben Herrn Matsumoto Anbauphilosophie ausmacht, ist der extrem feine Schnitt. Herr Watanabe jedoch arbeitet bei seinen Shincha-Sorten anders, denn er verwendet dafür mehrere unterschiedliche Teestrauchvarietäten, die er für seine Shincha-Sorten auf mehrere Weisen kombiniert.

Shincha-Ernte-Übersicht 2017, Stand 20. April
Lage Teegarten Teestrauchvarietät Voraussichtliches Shincha-Erntedatum 2017
Süd-Kyushu, Kagoshima-Präfektur, Insel Yakushima Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe Kuritawase Geerntet am 13. April
Süd-Kyushu, Kagoshima-Präfektur, Insel Yakushima Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe Yutaka Midori Ernte später als für Yutaka Midori üblich – Warten auf aktuelle Informationen
Süd-Kyushu, Kagoshima-Präfektur, Insel Yakushima Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe Sae Midori Geerntet am 15. April
Süd-Kyushu, Kagoshima-Präfektur, Insel Yakushima Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe Asatsuyu Geerntet am 15. April
Süd-Kyushu, Miyazaki-Präfektur Bio-Teegarten von Haruyo und Shigeru Morimoto Yutaka Midori 28. April
Süd-Kyushu, Miyazaki-Präfektur Bio-Teegarten von Haruyo und Shigeru Morimoto Saki Midori 29. April
Süd-Kyushu, Kumamoto-Präfektur, Region Minamata Teegarten von Kazuya Matsumoto Yabukita 28. April
Honshu, Mie-Präfektur, Region Ise Bio-Teegarten von Iwao Hayashi Yabukita 10. bis 20. Mai
Honshu, Shizuoka Präfektur Vergleichsteegarten Yabukita 22. Mai

Während dieses Jahr die Strauchsorte Kuritawase, die jedes Jahr sehr früh ist, auch dieses Jahr die erste Teestrauchvarietät war, die geerntet wurde, folgte jedoch als zweite und zeitlich dritte Sorte nur zwei Tage später die Asatsuyu und die Sae Midori. Dies ist überraschend, denn in den letzten Jahren verschob sich die Asatsuyu-Ernte mehrmals um fast eine Woche, nachdem die Yutaka Midori bereits längst geerntet war. Dieses Jahr jedoch, würden die Asatsuyu für ihre Verhältnisse früh geerntet, und die für ihr frühes Austreiben bekannte Yutaka Midori verspätete sich. Die klimatischen Unterschiede, die mit Wärme, Sonneneinstrahlung und Niederschlagsmenge zu tun haben, beeinflussen die Zyklen der Strauchsorten also auf unterschiedliche Weise, so dass sich auch deren Erntezeitpunkte im Verhältnis zu einander verschieben, und nicht nur absolut.

Shincha MOE – Neuigkeiten aus dem Teegarten von Herrn Matsumoto

Vor wenigen Minuten erreichte uns die neueste Nachricht von Herrn Matsumoto, der für uns zur Zeit fast täglich ein Foto in seinem Teegarten aufnimmt, und uns zuschickt. Dabei geht es immer genau um die Teegartenparzelle, von deren Teesträuchern Herr Matsumoto die Blätter für den Shincha MOE erntet. So kann man wunderbar beobachten, wie die feinen jungen Triebe Stück für Stück weiter austreiben, bis sie die perfekte Größe und Beschaffenheit erreicht haben, dass Herr Matsumoto sie für den Shincha MOE ernten kann.

Die Teegartenparzelle, von dem die Blätter für den Shincha MOE stammen, fotografiert von Herrn Matsumoto am 14. April 2017
Die Teegartenparzelle, von dem die Blätter für den Shincha MOE stammen, fotografiert von Herrn Matsumoto am 14. April 2017

Den unverkennbar schönen Teegarten, in dem Herr Matsumoto die Yabukita-Sträucher anbaut, deren Blätter er in sehr jungem Stadium für den außergewöhnlich fein geernteten Shincha MOE verwendet, ist leicht wiederzuerkennen: Im Hintergrund schaut man auf eine idyllische Meeresbucht in der Präfektur Kumamoto.

Auch von Frau Goto, einer Mitarbeiterin im Teegarten von Mankichi Watanabe und seinem Sohn Keita Watanabe, erhielten wir heute eine Nachricht, wie sich dort die Teesträucher weiterentwickeln, und welche Teestrauchvarietäten für den Shincha dieses Jahr an welchem Tag voraussichtlich geerntet werden oder auch schon bereits geerntet wurden. Mehr dazu schreiben wir in unserem morgigen Blog-Beitrag hier im Shincha Blog 2017.

Shincha 2017 – Die Einflussfaktoren Lage, Teestrauchvarietät und Produktionsstil

Während im Teegarten von Mankichi Watanabe auf der Insel Yakushima, dem frühesten Shincha-Anbaugebiet Japans abgesehen vom noch weiter südlich gelegenen Okinawa, bereits die jungen Blatttriebe mehrere Zentimeter weit ausgetrieben sind, sind in nördlicheren Teeanbaugebieten Japans, wie Shizuoka oder Saitama, noch gar keine neuen Blatttriebe des Jahres 2017 zu sehen. Nachfolgend haben wir einen ersten Versuch gewagt, die zeitliche Dimension der unterschiedlichen Orte, an denen Shincha hergestellt wird, in einer Tabelle zusammen zu tragen. Natürlich ist die Liste nicht vollständig, da wir zwar zu Teegärten in relativ vielen japanischen Präfekturen enge Kontakte pflegen, in denen Shincha hergestellt wird, aber nicht zu Teegärten in allen japanischen Tee-Präfekturen.

Shincha-Ernte-Übersicht 2017, Stand 13. April
Lage Teegarten Teestrauchvarietät Voraussichtliches Shincha-Erntedatum 2017
Süd-Kyushu, Kagoshima-Präfektur, Insel Yakushima Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe Kuritawase 13. April, HEUTE GEERNTET
Süd-Kyushu, Kagoshima-Präfektur, Insel Yakushima Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe Yutaka Midori 14. April
Süd-Kyushu, Kagoshima-Präfektur, Insel Yakushima Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe Sae Midori 16. April
Süd-Kyushu, Kagoshima-Präfektur, Insel Yakushima Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe Asatsuyu 17. April
Süd-Kyushu, Miyazaki-Präfektur Bio-Teegarten von Haruyo und Shigeru Morimoto Yutaka Midori 28. April
Süd-Kyushu, Miyazaki-Präfektur Bio-Teegarten von Haruyo und Shigeru Morimoto Saki Midori 29. April
Süd-Kyushu, Kumamoto-Präfektur, Region Minamata Teegarten von Kazuya Matsumoto Yabukita 28. April
Honshu, Mie-Präfektur, Region Ise Bio-Teegarten von Iwao Hayashi Yabukita 20. Mai
Honshu, Shizuoka Präfektur Vergleichsteegarten Yabukita 22. Mai

Bei der Frage, zu welchem Zeitpunkt die Blätter für einen Shincha genau geerntet werden spielen natürlich eine ganze Menge Faktoren eine wichtige Rolle.

Dazu gehört sicherlich an erster Stelle der Faktor der Anbauregion, denn die zeitlichen Unterschiede zwischen weiter südlich und weiter nördlich liegenden Anbauregionen sind immens. Kyushu liegt dabei am weitesten im Süden Japans, mit vielen bekannten Teeanbau-Regionen wie Kirishima, Satsuma und Yakushima in der Präfektur Kagoshima, sowie den mittlerweile fast ebenso bekannten Tee-Präfekturen Miyazaki, Kumamoto, Saga und anderen. Weiter im Norden befindet sich die Insel Honshu, die sich allerdings von Südwesten bis Nordosten mehrere Hundert Kilometer in die Länge zieht. Die Teeanbaugebiete Nara, Kyoto und Mie befinden sich zwar noch relativ weit im Süden auf Honshu, allerdings schön mehrere Hundert Kilometer nördlich von Kyushu. Shizuoka und Saitama gehören nicht nur auf Honshu sondern überhaupt zu den nördlichsten Teeanbaugebieten. Der zeitliche Unterschied der Ernte zwischen dem südlichsten Kyushu und den nördlichsten Anbauregionen der Hauptinsel Honshu kann durchaus sechs Wochen betragen.

Einerseits ist also die Makro-Lage von entscheidender Wichtigkeit hinsichtlich des Erntezeitpunkt, aber auch die Meso-Lage, besonders auch hinsichtlich der Höhe, spielt keine unwichtige Rolle. Während wir in manchen Jahren bei Haruyo und Shigeru Morimoto in der Präfektur Miyazaki die ersten feinen Blätter bereits Mitte April ernten konnten, fand die Ernte der höher gelegenen Gegenden von der Präfektur Miyazaki, die für ihre Kamairicha-Produktion bekannt sind, zumeist erst drei bis vier Wochen später statt. Während sich Ende März 2017 in Yakushima bereits die ersten Blatttriebe zeigten, lag zeitgleich in den besagten höheren Regionen von Miyazaki noch der Schnee auf den Teesträuchern, und dies, obwohl die beiden Anbauregionen sich beide im Süden der südlichsten japanischen Hauptinsel Kyushu befinden.

Ein zweiter, sehr wesentlicher Faktor ist die Teestrauchvarietät, wie sich aus den ersten Zeilen der obigen Tabelle leicht erkennen lässt. Da die Teestrauchvarietät Yabukita seit Ende des 20. Jahrhunderts sich zur am weitesten verbreiteten Teestrauchvarietät in Japan entwickelte, mit ca. 70-80% aller verwendeten Teesträucher – was sicherlich auch kritisch zu betrachten ist – wird diese oft als eine Art Norm herangezogen. Spricht man beispielsweise über das Thema, welche Teestrauchvarietäten früher austreiben, und welche später, wird die Strauchvarietät Yabukita als Nullpunkt angesetzt. Während einige Strauchvarietäten wie Yutaka Midori und Kuritawase eine gute Woche früher austreiben als die Norm-Strauchvarietät Yabukita, treiben anderen Strauchvarietäten wie Asatsuyu nur einige Tage früher aus als die Varietät Yabukita. Sicherlich gibt es darüber hinaus auch Teestrauchvarietäten, die später als die Yabukita austreiben, was hier jedoch nicht näher betrachtet werden soll, da es im Fall von Shincha-Blog im Regelfall um Teestrauchsorten mit zeitlich frühen Vegetationszyklus geht. Um Missverständnissen vorzubeugen: Die besagten frühen Teestrauchvarietäten wachsen nicht schneller, nein sie treiben früher aus. Den Vergleich zwischen Schneller und weniger schnell wachsenden Teestrauchvarietäten gibt es natürlich auch. Dies hat einen wesentlichen Einfluss auf den Ernteertrag, doch ist dies eine andere Dimension als die Dimension des Zeitpunktes des Austreibens der jungen Triebe. Hier im Shincha-Blog wird daher das Thema der Wachstumsgeschwindigkeit nicht weiter thematisiert, während das Thema der zeitlichen Verschiebung der Wachstumszyklen öfter wieder aufgegriffen werden wird.

Als drittes spielt hinsichtlich des Erntezeitpunktes die Frage eine entscheidende Rolle, wie der Ernte- und Produktionsstil eines Teegartens bzw. Teemachers ist, der die Blätter für den entsprechenden Shincha erntet und verarbeitet. Solange wir nicht von Pulverteesorten (Matcha) und von lange beschatteten Teesorten (Gyokuro) sprechen, sondern von „normalen“ nicht gemahlenen Blattteesorten, und solange von modernen Tee-Produktionsstilen die Rede ist und nicht vom Produktionsstil, der bis Mitte oder spätestens Ende des 20 Jahrhunderts eher vorherrschend war, lässt sich zusammenfassend sagen, dass heutzutage feinere, jüngere, kleinere Blätter als hochwertigeres Blattgut angesehen werden. Betont sei jedoch, dass es einige wichtige Ausnahmen von dieser Verallgemeinerung gibt. Abgesehen von diesen Ausnahmen jedoch, zeichnet es einen Teemacher oder Teegarten aus, der besonders hochwertigen Tee herstellen möchte, eher fein zu ernten, oder aber fein zu sortieren. Herr Matsumoto, der mit seinem raren Shincha MOE mittlerweile sehr viel Beachtung findet, erntet dafür weit über das übliche Maß hinaus feines Blattgut. Das geerntete Blattgut ist derart fein, dass eine Sortierung gänzlich entfällt, was eine wirklich selten anzutreffende Besonderheit darstellt. Sehr fein geerntetes Blattgut bedeutet allerdings, dass sehr früh geerntet wird, denn zu einem späteren Zeitpunkt wären die Blätter nicht mehr so fein. Dies erklärt, warum die Ernte des Shincha MOE bei Herr Matsumoto relativ früh stattfindet, obwohl der in der Präfektur Kumamoto vorzufindende Teegarten vergleichsweise hoch gelegen ist.

Shincha MOE: Die ersten jungen Triebe sind bereits zu sehen

Am heutigen Tage (8. April 2017) erhielten wir von Herrn Matsumoto, dessen Teegarten sich auf der südlichsten Hauptinsel Japans, Kyushu, in der Präfektur Kumamoto befindet, die freudige Nachricht, dass bereits die ersten jungen Triebe in der Teegartenparzelle zu sehen sind, von deren Teesträuchern die Blätter für den Shincha MOE geerntet werden.

Herr Matsumotos Teegartenparzelle für den Shincha MOE am 8. April 2017
Herr Matsumotos Teegartenparzelle für den Shincha MOE am 8. April 2017

Wie auf den Fotos zu sehen ist, herrscht derzeit recht regnerisches Wetter vor, und es ist noch relativ kühl in Kumamoto, weshalb die Ernte des Shincha MOE dieses Jahr sicherlich nicht wie letztes Jahr schon vor dem 20. April stattfinden wird, sondern eher am Ende des Monats April.

Herr Matsumoto erntet für den Shincha MOE selbstverständlich nur die jungen Triebe, die auf dem Foto dank ihrer hellgrünen Farbe gut zu erkennen sind. Die älteren Blätter, die deutlich dunkler, größer und fester sind, werden nicht geerntet. MOE bedeutet übrigens „Frühlingsgrün“, und gemeint ist eben diejenige Farbe der jungen Triebe, die für den Shincha MOE geerntet werden.

Besuch bei Satomi und Kazuya Matsumoto von Sakura-no En

Für den heutigen Tag ist ein Besuch bei Familie Matsumoto von Sakura-no En geplant. Schon vor mehreren Wochen telefonierten wir mit Herr Matsumoto und vereinbarten, dass wir den genauen Zeitpunkt unseres Besuchs erst recht kurzfristig festlegen werden, je nachdem wann Familie Matsumoto es sich zeitlich am ehesten einrichten kann. In der Erntezeit ist in den Teegärten und der Teeverarbeitung natürlich immer sehr viel los, und die Zeit der Familienmitglieder, die zugleich die wichtigsten Mitarbeiter ihrer Betriebe sind, extrem knapp. Wie wir schon in den vorherigen Berichten erwähnt haben, ist es zudem in diesem Jahr eine besondere Herausforderung die Grüntee-Ernte zu organisieren, weil es wirklich viel regnet und die Tee-Sträucher daher recht langsam wachsen. Von diesem Blickwinkel aus betrachtet, ist unser Besuch eher zweitrangig, denn die Arbeit im Teegarten und in der Verarbeitung zu bewältigen, und um guten Shincha sowie die anderen Tees der ersten Ernte herzustellen, ist natürlich die wichtigste Aufgabe der Betriebe.

Vormittags hat Kazuya Matsumoto von Sakura-no En noch in der Verarbeitung zu tun, sodass wir uns erst mittags treffen können. Gemeinsam mit seiner Schwester – seine Frau Satomi Matsumoto ist leider ein bisschen erkältet – fahren wir in ein kleines Restaurant, um gemeinsam Mittag zu essen. Wie auch bei unseren vorherigen Besuchen, ist Kazuya immer gut vorbereitet, um egal an welchem Ort, seinen Tee auch unterwegs zubereiten zu können. Vor einigen Jahren verkosteten wir seinen Shincha MOE direkt am Rande seines Teegartens, in dem sich genau die Teesträucher befinden, die für den Shincha MOE geerntet wurden. Nun packt er im Restaurant eine mit heißem Wasser gefüllte und gut verschlossene Kanne aus, sowie viele kleine Teeschälchen, und beginnt uns den Shincha MOE aufzugießen. Er zeigt uns die frisch geernteten und frisch verarbeiteten Blätter und dann den Aufguss. Wir sind begeistert. Alle Anzeichen stehen dafür, dass die anderen Grünteesorten von Sakura-no En, wie etwa der Sakura-no Sencha, in diesem Jahr ebenso besonders gut ausfallen werden. Kazuya Matsumoto beschreibt es folgendermaßen: Es gibt ein Qualitätsintervall für den Sakura-no Shincha MOE, je nach Jahr. In diesem Jahr, meint er, ist der Sakura-No Shincha MOE qualitativ noch höher ausgefallen als in den letzten Jahren, und die Vorzeichen für einen ebenso prächtigen Sakura-no Sencha sind gegeben. Durch die niedrigen Temperaturen wuchsen die Tee-Pflanzen langsam. Aufgrund der wenigen Sonnentage tendieren dieses Jahr selbst die nicht beschatteten Sencha-Sorten geschmacklich in die Richtung der beschatteten Tees [Kabusecha], mit ausgesprochen viel Umami.

Kazuya Matsumoto spricht im Zusammenhang mit der ersten Ernte 2016 von „Tennen Kabusecha“, also wörtlich übersetzt natürlich beschatteten Tee, aufgrund der wetterbedingten Lichtverknappung. In den letzten Jahren hatten die Matsumotos mehrere Male Ernteausfälle durch späten Frost in den Nächten. Dieses Jahr jedoch, obwohl es insgesamt recht kühl war, konnten die dichten Wolken dafür sorgen, dass es nicht zu Nachtfrost kam. Der diesjährige Shincha MOE wurde an zwei Tagen geerntet, am 17. April und am 22. April 2016. Wir fühlen uns geehrt, als wir von Kazuya Matsumoto erfahren, dass er für den Export an uns in Europa ausschließlich die frühesten Grüntee-Blätter ausgewählt hat. Der Sakura-no Shincha MOE, den es dieses Jahr wieder ab Anfang Mai in einigen wenigen, besonderen Teeläden in Europa zu finden geben wird, besteht also ausschließlich aus Blattgut, das Herr Matsumoto am 17. April 2016 geerntet hat.

Nach dem Essen fahren wir noch ins Haus von Kazuya und Satomi Matsumoto. Kazuya zeigt uns zuerst das neue Wohnhaus der wachsenden Familie – das vierte Kind ist unterwegs. Nun gibt es im Erdgeschoss auch endlich Platz zum Verpacken der Tees von Sakura-no En sowie für die Vorbereitung des Versands an Kunden in Japan und für die Vorbereitung der Transporte zu uns in Europa. Bis vor knapp einem Jahr hat Satomi Matsumoto noch in dem räumlich sehr begrenzten Haus der Eltern, das inzwischen über 100 Jahre zählt, die Lieferungen an ihre Kunden vorbereitet.