Kirishima Teegarten von Shutaro Hayashi – Erntevorbereitungen

Unsere Reise führt uns ganz zu Anfang der neuen Woche nach Kirishima, wo wir Shutaro, Kenji und ihren Vater Osamu Hayashi treffen. Shutaro Hayashi begrüßt uns gleich am Bahnhof. Er kommt direkt aus dem Teegarten und ist auch noch in voller Montur: Farmer‘s Shoes, Gartenhose, Hut und ein Hemd für die Arbeit im Teegarten. Man merkt im ersten Augenblick unseres Wiedersehens, dass seine Gedanken schon bei der bevorstehenden Erntephase sind, man merkt aber auch, dass er damit voll in seinem Element ist. Auch von ihm hören wir, dass die diesjährige erste Ernte wohl sehr stressig, mit sehr langen Arbeitstagen werden wird. Die frühen Sorten rücken näher an die späten Sorten heran, sodass einige Varietäten wohl in etwa zur gleichen Zeit erntereif sein werden. Noch hat die Ernte aber nicht begonnen, da es erst in den letzten Tag wärmer geworden ist, und die jungen Triebe noch sehr klein sind.

Kirishima Asatsuyu Mishou

Zuerst fahren wir zu dem kleineren der beiden Teegärten von Familie Hayashi. Dieses Stück Land, gut einen Hektar groß, hat die Familie vor über 10 Jahren übernommen. Hier wurde schon vorher ökologischer Tee erzeugt, der Besitzer war nur irgendwann zu alt, um den Garten weiterzuführen. Zudem hatte er keine Nachfahren, die den Garten weiter führen wollten. Dieses Phänomen kennen wir aus vielen Teilen Japans. Immer weniger junge Menschen wollen die harte Arbeit im Teegarten leisten und ziehen lieber in die Großstädte in der Hoffnung auf einen Büro-Job. Zum Glück gibt es aber auch junge Leute, wie Shutaro und Kenji Hayashi, die in der Arbeit auf dem Teefeld und bei der Tee-Verarbeitung richtig aufgehen, und sogar Pläne haben den Garten und die Verarbeitung Stück für Stück zu erweitern, und zudem vollem Elan sind, neue und besondere Tee-Qualitäten hervorzubringen.

Kirishima Teegarten – neue Teegarten-Parzelle

Neben dem gut einen Hektar großen Teegarten ist eine kleine Weide, etwa 40 Ar groß. Hier wird im Moment noch Bio-Weidegras erzeugt. Im Laufe des Jahres wird hier aber ein neuer Bio-Teegarten entstehen. Die Hayashis tauschen mit dem Bauern, dem die Parzelle gehört, die Felder. Sie erhalten das Stück neben ihrem Teegarten, dafür erhält der Farmer ein Stück Land, das den Hayashis gehört, aber zur Zeit nicht genutzt wird, das sogar noch in der Nähe des Stalls liegt. Shutaro überlegt hier Tsuyu Hikari anzubauen, wenn er Stecklinge dieser Varietät bekommt. Direkt daneben zeigt er uns ein Feld, das im Moment leicht grün gescheckert aussieht. Die Pflanzen sind zwar alle etwa gleich ausgetrieben, aber die Blattfarbe ist nicht ganz einheitlich. Wir ahnen sofort, worum es sich handelt: Mishou, also samengezogene Pflanzen von einer Muttersorte, also keine keine Zairai-Sträucher, denn diese wären noch deutlich unterschiedlicher. In diesem Falle sind es die Mishou-Nachkommen der Asatsuyu. Die Sträucher sind daher der Asatsuyu sehr ähnlich, aber nicht 100% gleich. Noch sind einige Blätter etwas rötlich, was typisch für Asatsuyu ist, wenn man sie nicht beschattet. Sobald man sie beschattet, was Shutaro Hayashi für die nächsten Tage geplant hat, entwickelt die Pflanze eine intensive, fast neonartig leuchtend grüne Blattfarbe. Morgen, am Dienstag, beginnt dann tatsächlich die Beschattung auf dieser Parzelle, sodass Anfang Mai ein wunderbarer Shincha geerntet werden kann.

Shutaro Hayashi berichtet von der Beschattung der Kirishima Asatsuyu Mishou Sträucher

Der Kirishima Tennen Gyokuro stammt übrigens nicht von diesem Feld, denn dieser ist aus gänzlich sortenreiner Asatsuyu hergestellt. Am anderen Standort hat Shutaro aus Stecklingen gezogene Asatsuyu angepflanzt. Von dort stammt der Tennen Gyokuro. Bis zum anderen zusammenhängenden Teegarten sind es nur wenige Minuten. Hier treffen wir neben Shutaros Bruder Kenji auch ihren Vater Osamu. Wir bleiben beim Thema Strauchsorten. Shutaros Vater Osamu Hayashi zeigt uns ein bestimmte Parzelle, auf der auch in Zukunft weiter Zairaishu angepflanzt bleiben sollen. Die Vorlieben Shutaros und seines Vaters gehen recht weit auseinander. Während Osamu eher die blumig duftende Kanaya Midori und abgerundete Zairaishu mag, schwärmt Shutaro eher für die fein-eleganten und extravaganten Sorten wie Asatsuyu, Oku Yutaka und Asanoka. Während an einigen Stellen im Teegarten die alten Zairai-Sträucher herausgenommen werden, damit dort andere, rare Sorten jeweils in klein unterteilten Parzellen wachsen können, soll diese eine Parzelle mit Zairai bleiben. Darüber sind wir sehr froh, denn die Zairai von Shutaro Hayashis Teegarten schätzen wir persönlich sehr, auch da diese bei der zweiten Ernte eine hervorragende Qualität erreicht, während die anderen Sorten eher bei der ersten Ernte ihre beste Zeit haben.

Zairaishu Teefeld von Shutaro Hayashi in Kirishima
Nahaufnahme Zairai Teefeld im Teegarten von Shutaro Hayashi in Kirishima

Kirishima: Zeit für Shincha? News von Shutaro Hayashi

Was wir im Shincha Blog bisher noch garnicht erwäht haben? Naja, wie der Begriff „Shincha“ bzw. wie die Teesorte „Shincha“ eigentlich definiert ist. Bevor es darum geht, wie der aktuelle Stand der Asatsuyu-Teesträucher in Shutaro Hayashis Teegarten in Kirishima ist, daher hier einfach mal der Link, der diese spannenden Fragen klärt: Shincha

Shincha-Knospen der Teestrauchvarietät Asatsuyu im Teegarten von Shutaro Hayashi in Kirishima
Shincha-Knospen der Teestrauchvarietät Asatsuyu im Teegarten von Shutaro Hayashi in Kirishima

Charakteristisch für die Asatsuyu-Teesträucher, die auf obigen Fotos zu sehen sind, das Shutaro Hayashi heute Morgen (18.04.2017) in seinem Bio-Teegarten in Kirishima aufnahm, ist nicht nur die leuchtend frühlingsgrüne Blattfarbe, die noch intensiv hellgrüner ist, als bei den meisten anderen Strauchsorten, sondern auch die auffällig kleine Größe der Blätter, die damit einhergeht, dass die Asatsuyu Sträucher deutlich mehr Blätter hervorbringen, als andere Strauchsorten. Zudem geht die kleine Größe der Blätter der Asatsuyu-Teesträucher und deren eher weicher Baschaffenheit einher mit einer sehr dünnen Blattstärke, was beim Dämpfungsprozess den Effekt hat, dass der Dampf selbst bei kurzen Dämpfungszeiten verhältnismäßig tief ins Blattinnere eindringt. Das Resultat ist daher oftmals ein eher tief gedämpftes Asatsuyu-Blatt, wie wir es ja auch von Tennen Gyokuro aus der Strauchsorte Asatsuyu kennen, den Shutaro Hayashi herstellt, und damit schon einen erstaunliche Bekanntheit hierzulande erreicht hat, was sicherlich auch der Qualität dieses bewundernswerten Tees zu verdanken ist.

Doch: Auch wenn Shutaro Hayashi dieses Jahr wieder den Tennen Gyokuro aus der Kabuse Asatsuyu herstellen wird, hat er nicht vielleicht schon anderen Ideen, mit den Blättern noch eine weitere Teesorte zu kreieren?

Matcha und Teeraum-Design im Wandel der Zeit: Ein Projekt inspiriert vom Miumori Kirishima Matcha

Bei unserem Blog-Eintrag zum Miumori Kirishima Event in Paris, Oktober 2016, stellten wir bereits am Ende unseres kurzen Artikels spontan einige offene, frei aus der Luft gegriffene Fragen, bei denen es bereits in Ansätzen um das sehr weit gefasste Thema der Einbettung von Matcha in unterschiedliche Kulturen und Stilrichtungen ging, auch wenn dies aus den brainstormingartigen und etwas „provokativ“ gestellten Fragen vielleicht noch nicht ganz klar hervorgegangen sein mag. Auslöser für dieses gedankliche Spiel war eine Foto-Session mit dem Miumori Kirishima Matcha in Paris, bei dem sich der japanische, grüne Pulvertee in einer dem „Japan-Tee-Kenner“ womöglich etwas ungewohnter Umgebung präsentiert.

Wie zu jenem Zeitpunkt allerdings bereits angekündigt, haben wir begonnen, uns diesem Thema nun Schritt für Schritt tiefgehender zu widmen, zunächst einmal – eher noch im Rahmen des Brainstormings – in Form von nachfolgender Grafik (entstanden in Folge der genannten Foto-Session), die inspiriert vom Miumori Kirishima Matcha bereits kurze Zeit nach dem Event in Paris entstand, zu dem wir den Miumori Matcha präsentierten.

In the course of time - Miumori Kirishima Matcha
In the course of time – Miumori Kirishima Matcha

Zentrales Thema ist bei der Grafik die Verknüpfung der Teekultur, um den zu Pulver gemahlenem grünen Tee [ japanisch: Matcha ], mit verschiedenen Stilrichtungen im Laufe der Zeit, wobei hier fast schon provokativ mit der warnsignalartigen Farbkombination aus leuchtendem Gelb und Schwarz im Zusammentreffen des Matcha gespielt wird, der in manchen Epochen eher mit reflektierter Bescheidenheit in Verbindung gebracht wurde, und in Kontrast dazu auch immer sehr stark in der Kultur der reichen Adligen im alten Japan in luxuriösem Rahmen inszeniert wurde. Genannt sei hier zunächst nur dieser Kontrast, auch wenn sich in der Kultur des Matcha sicherlich unzählige Kontraste finden lassen würden. Matcha bewegt sich also nicht erst heute in einem verschiedene Kunstbereiche und gesellschaftliche Bereiche durchdringendem, inspirierendem künstlicherisch-kulturellem Spannungsfeld, sondern bereits seit vielen Jahrhunderten.

Um diesem Thema genauer auf den Grund zu gehen, lohnt sich ein Blick in „Der japanische Tee-Weg – Bewußtseinsschulung und Gesamtkunstwerk“ von Franzika Ehmke (1991).

Franziska Ehmcke (1991): Der japanische Tee-Weg
Franziska Ehmcke (1991): Der japanische Tee-Weg

Unter der Prämisse, dass der bevorzugte Charakter des Geschmacks des Tees auch etwas über die stilistischen Vorstellungen aussagt, beginnen wir bereits an einem recht frühen Zeitpunkt in der Geschichte, nämlich während der chinesischen Tang-Zeit (618-906). Wie auch bei Ehmcke (1991: S.11) Erwähnung findet, wurden damals „die Tee-Blätter gedämpft, in einem Mörser zerstoßen und zu einem Ziegel geformt“, wobei diese Art von Tee schließlich mit unterschiedlichen „Zutaten wie Ingwer, Orangenschalen, Reis, Salz und anderen Gewürzen“ gekocht wurde. In seinem „Klassischen Buch zum Tee“ lehnt LU YU jedoch alle diese Beigaben – mit Ausnahme des Salzes – ab. So brachte der Geschmack des Tees, dessen bitterer Akzent nun mehr zur Geltung kam, „das Einfache, das Selbstgenügsame und das Maßvolle“ zum Ausdruck.

Bereits in der Song-Zeit (960-1279) jedoch, wurde diese Art der Zubereitung abgelöst. Von nun an trat die Zubereitungsweise von zu Pulver gemahlenem Tee [ chinesisch: Mo-Cha; japanisch: Matcha ] in den Vordergrund. Zunächst werden dafür die feinen Blätter in einem Mörser oder später auch in einer Mühle, oftmals aus Stein, zerkleinert bzw. zermahlen, bis ein grünes Pulver entsteht. Dieses grüne Pulver wird dann mit einem aus Bambus hergestellten Teebesen [ Chasen ] in einer Schale mit warmen Wasser schaumig geschlagen und schließlich getrunken. Mit der Art des Tees änderte sich also auch die Art der verwendeten Utensilien.

„In der Tang- und besonders der Song-Zeit erwuchs eine künstlerisch-ästhetische Kultur, deren Zentrum der Tee-Genuß bildete, ergänzt  von sportlichen Spielen, geselligen Vergnügungen aller Art und der Tee-Literatur. Viele Elemente dieser „Tee-Kultur“ fanden später Eingang in den japanischen Tee-Weg: das Empfinden für das Einfache und Maßvolle, assoziiert mit dem bitteren Geschmack des Tees, die medizinischen und magischen Qualitäten des Tees, das gesellige Beisammensein in Tee-Gesellschaften mit ausgefeilter Etikette und künstlerischem Anspruch. Dennoch entwickelte sich in China selbst kein „Tee-Weg“ im japanischen Sinne. Dort blieb es bei einem, wenn auch höchst verfeinerten, gesellschaftlichen Ereignis oder Zeitvertreib.“

(Franziska Ehmcke 1991: S. 13)

pen Magazin 2007 "cha no yu design"
pen Magazin 2007 „cha no yu design“

Während auf dem Cover des japanischen pen Magazins von 2007, dessen Ausgabe sich mit dem Thema „cha no yu design“, also „Design der japanischen Teezeremonie“, befasst, noch ein wie gewohnt traditioneller japanischer Teeraum zu sehen ist, geht es in der Ausgabe selbst dann allerdings um die geschichtlichen Entwicklungen und Strömungen der Stile von Matchaschalen, sowie letztlich auch um zeitgenössische Teeräume.

pen Magazin 2007 zum Thema Teeraum Design
pen Magazin 2007 zum Thema Teeraum Design

Aufgegriffen werden dabei altbekannte Elemente wie die Bildrolle. Auch die Utensilien wie die Matchaschale selbst, die Wasserkelle und Kama, wirken hier wenn überhaupt nur ansatzweise abgewandelt. Doch die Struktur der Wände, die sich beim obigen Teeraum aus einzelnen Stäbchen zusammensetzt, greift lediglich auf das im Teeraum gängige Material Holz zurück, wandelt die Art des Einsatzes im Raum aber stark ab.

Franziska Ehmcke (1991: S.123) stellt eine Einteilung der Entwicklung der Teeraum-Architektur in vier Hauptphasen dar: Der erste Entwicklungsabschnitt umfasst die Zeit, während sich Teeräume noch innerhalb des Wohnkomplexes befanden („Stil vom Tee im Studierzimmer“), während bereits in der zweiten Entwicklungsphase selbständige kleine Tee-Hütten errichtet wurden, oder als Anbau errichtet wurden. Stil dieser Tee-Hütten war der Stil des „Tees der Einsiedlerhütte“ [ Japanisch: So-An = Strohhütte ]. Während der dritten Entwicklungsstufe wurden die kleinen Teeräume erweitert, und in der vierten Stufe gab es teilweise eine Rückkehr zum Teeraum im „Stil des Studierzimmers“.

Diese Einteilung sagt, ohne die einzelnen Stilrichtungen genau zu kennen, dem Leser zwar noch nicht allzu viel über das genaue Aussehen der Teeräume in den unterschiedlichen Phasen, doch lässt sich beispielsweise bereits aus der Wortwahl „Strohhütte“ herauslesen, dass sich in jener Phase das Element der bewußten Schlichtheit stark im Vordergrund befindet. Doch selbst die fast schon armselig wirkenden „Hütten“, die dem Gedanken der Einsiedlerhütte nachempfunden waren, verwendeten auch wenn dies auf den ersten Blick nicht unbedingt zu sehen ist, seltene und damit teure Materialien, und waren auch aufgrund der Kompliziertheit ihrer Konzeption sehr kostspielig. Äußerlich betrachtet stellten sie allerdings ganz offensichtlich eine Art der Abkehr von den Teewettspielen und luxuriösen Teegesellschaften im Prunk und Glanz der höfischen Welt dar.

Widmen wir uns zunächst der „Strohütte“, die Franziskia Ehmcke (1991: S.124f) folgendermaßen beschreibt:

„Das älteste noch existierende Tee-Häuschen im ‚Stil der Einsiedlerhütte‘ (sôon) ist der – traditionell RIKYÛ [Schreibung auch: RIKYU oder RIKYUU] zugeschriebene – Taian, angebaut an einen Subtempel, den Kyôkian, des Daitokuji. Beim Taian handelt es sich um einen Zwei-Matten-Raum mit ausgeschnittener Feuerstelle, Bildnische (tokonoma) und niedrigem Eingang (nijiriguchi), letzterer allerdings noch etwas höher als bei späteren sôan-Tee-Häusern. Die Wände der tokonama sind ebenso wie die rückwärtigen Pfeiler vollständig mit Lehm ausgekleidet – ein Stil, den RIKYÛ [Schreibung auch: RIKYU oder RIKYUU] entwickelte. Rechts neben der tokonoma befinden sich zwei Fenster, von denen eines als Hängefenster (kakeshôji) konzipiert ist: ein abnehmbares Papierfenster, das im Inneren des Tee-Raums vor den in der Mauer verankerten Fensterrahmen mit Bambusgitterwerk gehängt wird. Durch einen ‚angrenzenden Raum‘ (tsugi no ma) – mit einem Hängebord in einer der Ecken – gelangt man in den sogenannten Vorbereitungsraum (katte; nicht zu verwechseln mit der Küche, mizuya).

Zwischen 1583 und 1587 baute RIKYÛ [RIKYU/ RIKYUU] auch Zwei-Matten-Räume ohne tsugi no ma. Ausschließlich Lehmwände – selbst die tokonoma war mit Lehm verkleidet – begrenzten diese Räume, einzig drei Fenster, der nijiriguchi, ein gesonderter Eingang für den vom Vorbereitungsraum her eintretenden Gastgeber (neben der tokonoma) sowie ein Wandschrank für die Tee-Gerätschaften lockerten die schlichte Konstruktion auf.“

Teeraum für die japanische Teezeremonie - Neue Architektur in Tokyo
Teeraum für die japanische Teezeremonie – Neue Architektur in Tokyo

Auch im Buch „Tokyo Houses“, erschienen im Jahr 2002, das einen starken Schwerpunkt auf neue Architektur legt, und zudem, wie der Titel schon sagt, um Häuser in Tokyo geht – also einer Stadt, die an sich nicht allzu sehr für ihre Teekultur bekannt ist – findet sich das Thema der Teeraum-Architektur. Wie auf Seite 67 berichtet wird, orientiert sich das Architektenbüro, das das oben abgebildete Haus für die japanische Teezeremonie errichtet hat, an den Ausführungen des berühmten Novellisten Junichiro TANIZAKI (1886-1965) in seinem Buch „Inei Raisan“. Das hier aufgegriffene Thema ist dabei die Beziehung zwischen Licht und Schatten, das abgeschwächt durch die mit Papier bespannten Shoji von der Helligkeit der Umgebung in das Innere des Teeraums einströmt.

Doch wie ist eigentlich die Idee eines „Raumes für das Trinken von Tee, für das Trinken von Matcha“ entstanden? Um diese Frage zu beantworten, werfen wir einen Blick in das Werk „Chasho – Geist und Geschichte der Theorien japanischer Teekunst“ von Horst Siegfried Hennemann, erschienen 1994 im Harrassowitz Verlag. Bereits im zweiten Kapitel „Yoriai-Teegesellschaften der Kitayama- und die shoin-Kultur der Higashiyama-Ära“ finden wir darauf die Antwort:

„In der Nachbarschaft des Ginkaku vom Jishô-ji [die Endung ‚-ji‘ steht hierbei jeweils für ‚-Tempel‘] in Higashiyama, den YOSHIMASA in Anlehnung an YOSHIMITSUS Kinkaku vom Rokuon-ji in Kitayama erbauen ließ, errrichtete er im shoin-Stil seine Gebetshalle Tôgudô mit der viereinhalb-Matten-Klause [Klause im Sinne von ‚kleiner Raum, Häuschen] Dôjisai, die als Grundform und erstes Beispiel eines Teeraums (chashitsu) gilt.“

(Hennemann 1994: S. 58)

Benannt wird dieser erste Baustil eines Teeraums nach der Schreib- und Lesenische, die seitlich der Schmucknische [ Japanisch: tokonoma] angefügt wird. Die Idee dieser Schreib- und Lesenische [ Japanisch: tsuke-shoin ] wurde dabei der buddhistischen Tempelarchitektur entliehen. Erstmals wurde nun das buke-aristokratische Anwesen durch Schiebewände [ Japanisch: fusuma, shôji ] in Einzelräume unterteilt (Hennemann 1994: S. 58).

So entstanden Wohn- und Empfangsräume, für die es galt den entsprechenden Raumschmuck zu entwerfen. Für derartigen Raumschmuck wurde die Grundlage von Kunstgegenständen der chinesischen Song-Zeit sowie der Ming-Zeit gebildet. Benannt wurden die aus China stammenden Kunstgegenstände als „karamono„, was sie deutlich von den später zunehmend verwendeten Kunstgegenständen japanischer Herkunft unterscheidet. Gesammelt und ausgewählt wurden die Kunstgegenstände für den ersten Teeraum von den San-ami-Kunstverständigen, sowie nach Rang und Qualität klassifiziert, als auch beurteilt für ihren Verwendungszweck. Somit verkörpern diese Gegenstände die absolute Autorität der buke-aristokratischen Ästhetiknorm (Hennemann 1994: S. 58f).

Aus der gewissenhaften Abstimmung und der stilistischen Wahrnehmung der chinesischen Kunstwerke gesammelte Erfahrungen, trugen schließlich zur Entwicklung der Stilnorm „shin“ bei. Die Stilnorm shin stellt dabei einen Kontrast zur vordergründig auf Prachtentfaltung bedachten Raumgestaltung des tôcha dar, also den Teeweltspielen der aristokratischen Kreise und den dazugehörigen prunkvollen Festivitäten (frei nach Hennenmann 1994: S. 59). Wie weit ins Detail es bei den Regeln entsprechend der Stilnorm shin nun geht, wird gut aus folgendem ersichtlich:

Die Schmucknische findet in ihrer Frühform als aufgelegtes Bodenbrett (oshita) Verwendung. Ihr Schmuck erfordert vor einer fünf- oder dreiteiligen Rollbildgruppe, zumeist einem Triptychon (sampuku-ittsui), auf einem gravierten Rotlacktisch (shoku) angeordnet, unbedingt das Dreigerät des buddhistischen Altarschmucks (mitsu-gusoku): Weihrauchgefäß (kôro), Kranich Schildkröten-Kerzenständer (tsuru-shokudai) und Blumenvase (kabin), einschließlich des Weihrauchgerätes, des Löffels (kyôji), der Stäbchen (koji), des Ständers (tate) und der Weihrauchdose (kôgô) sowie seitlich links und rechts Blumenvasen. Beim fünfteiligen Gesamtschmuck (morokazari, itsutsukazari) werden Kerzenständer und Vase zum Paar links und rechts ergänzt. Je nach Größe der Schmucknische und Art des verwandten Bildmaterials können in vorgeschriebener Weise Vereinfachungen vorgenommen werden.

Die Anordnung der Schreibnische (shoin) besteht von rechts nach links aus oberhalb aufgehängter Rufglocke (kanshô) und rechts seitlich aufgelegtem Schlegel (shumoku), Schriftrolle (jiku-mono), Pinselstütze (hikka) mit Papiermesser (katana), Tusche (sumi), Pinsel (fude), Briefbeschwerer (bunchin), dann Wasserkännchen (mizuire, suiteki), Tuschstein (suzuri) mit Stellschirm (kembyô) dahinter, zwei längliche Papierbeschwerer (keisan), Stempelkasten (inrô) und Blumenvase (suibin) mit Blumen im rikka-Stil.

(Hennemann 1994: S. 60)

Ein sicherlich nicht unwichtiges Thema ist die Frage danach, wie sehr bestimmten Regeln gefolgt werden soll, oder aber wie sehr die künstlerische Freiheit ausgelebt werden kann. Bei dieser Frage geht es wohl weniger um die Frage, wie viel Freiheit bei der Durchführung der japanischen Teezeremonie angemessen ist, denn diese ist definitiv sehr eindeutig geregelt, wenn auch abhängig von der jeweiligen Strömung. Vielmehr geht es, und darum beschäftigen wir uns mit dieser Frage, um die Gestaltungsfreiheit des Teeraums als auch der dort verwendeten Utensilien, zu denen ganz wesentlich die Matchaschale gehört. Betrachten wir zu diesem Thema als Erstes einmal die Worte von ORIBE:

Im Schlußwort seiner Leitsätze, die als Ausführungsanleitung seines eigenen Teeverständnisses gegenüber dem wabi-Tee RIKYÛS zu verstehen sind, lässt er deutlich werden, dass dieses für ihn darin besteht den wabi-Tee von RIKYÛ zu individualisieren, und ihn damit zu überwinden. Für ORIBE stellt die dem Chanoyu (warmes Wasser für den Tee = Teezeremonie) innewohnende stilistische Heterogenität ein Betätigungsfeld freier künstlerischer Entfaltung dar. Während RIKYÛ [RIKYU/ RIKYUU] besonderen Wert auf eine Introvertiertheit legt, die auf Intensivierung abzielt, äußert sich bei ORIBE eine nach außen gerichtete Intensivierung, die ihren Ausdruck in der Deformation findet. Zu beobachten ist diese Art der Deformation unter anderem bei den Matchaschalen (Schöpfung der kutsugata-Matchaschale), mit kräftiger Bemahlung des Stils der ORIBE-Keramik [ORIBE-yaki] als auch bei der Wirkung bei Betrachtung des Flächenaufteilung der ‚acht-Fenster‘ der Teehausarchitektur des Hassô-an (Hennemann 1994: S. 169).

So ändert sich bei ORIBE nicht nur der Stil seiner Matchaschalen (Matchaschale im ORIBE-Stil), sondern auch der Stil des Teeraums [Japanisch: chashitsu]. ORIBE, der den Teeraum-Stil eines RIKYÛ (RIKYU/ RIKYUU) im Stil der Strohhütte [sô-an] als einengend empfindet, verlegt den Tee aus dem Teehaus in das ‚Kettenzimmer‘ (kusari no ma), einer Zwischenform von sô-an und shoin mit einem erhöhten Ehrenplatz (jôdan) für Gäste des hohen Adels und einer Schreibnische (tsuku-shoin) ritterlicher Wohnarchitektur (Hennenmann 1994: S. 169f).

 

Miumori Kirishima Matcha Tea Tasting und Photo Shooting in Paris – Oktober 2016

Es ist der 29. Oktober 2016 und wir stehen in einem wunderbaren Teeladen mitten in Paris. Während der Montmarte nicht nur für die weiße Basilika Sacré-Cœur berühmt ist, die auf dem Gipfel des Berges über Paris thront, und natürlich für all seine Künstler, sind wir heute wieder einmal im Laden von Valérie Stalport, der mittlerweile nicht nur in Paris an Bekanntheit gewonnen hat.

Miumori Kirishima Matcha Event 2016 in Paris
Miumori Kirishima Matcha Oktober Event 2016 in Paris

Als wir um Viertel vor Vier ankommen, um noch genügend Zeit zu haben uns mit Valérie und Eric abzusprechen und die „Tee-Bar“ vorzubereiten, sowie die Projektion mit dem Video „KIRISHIMA – a first step to decode a tea“ zu installieren, die hoch oben an der Wand gezeigt werden soll, ist Valéries Laden bereits voll!

Ja, es ist unglaublich, denn die Leute warten schon auf uns, und darauf, dass wir mit der Präsentation der neuen Bio-Tees aus Kirishima beginnen. Ganz im Mittelpunkt steht heute der Miumori Kirishima Matcha, der nicht nur mit seiner Süße und seinem fantastischen Umami prahlt, sondern auch Matcha- und Grüntee-Fans aus Paris mit seiner Geschmeidigkeit begeistert, die mit Sicherheit schon viele andere Matcha-Sorten gewohnt sind, und nicht von jedem Tee so leicht zu überzeugen sind, wie vom Miumori.

Miumori Kirishima Matcha - Teeliebhaberin in Paris
Miumori Kirishima Matcha – Teeliebhaberin in Paris

Natürlich haben wir für die Zubereitung des Miumori Kirishima Matcha auch die passenden Utensilien mitgebracht. Welche Matchaschalen könnten da passender sein, als die von Narieda Shinichiro, der direkt am Fuße des Kirishima-Gebirges lebt und arbeitet?

Miumori Kirishima Matcha Narieda Shinichiro
Miumori Kirishima Matcha zubereitet in zwei Matchaschalen von Narieda Shinichiro

Neben dem Miumori Kirishima Matcha, der wie gesagt heute im Mittelpunkt des Events steht, bereiten wir für unsere heutigen Gäste aber auch andere Tees aus dem biologischen Teegarten von Shutaro und Kenji Hayashi in Kirishima vor. Dazu gehören nicht nur High-End Tees wie der Tennen Gyokuro aus der Strauchvarietät Oku Yutaka, der sich durch ein unglaubliches Umami auszeichnet, sondern auch „einfachere Tees“, die aber wie von Shutaro und Kenji Hayashi gewohnt, dennoch auf einem sehr guten Nivau produziert sind, sodass man sie vielleicht als „gehobene Klasse von Alltagstees für anspruchsvolle Japantee-Trinker“ bezeichnen könnte.

Zu dieser Art von Tees könnte man sicherlich den neuen Miumori Kirishima Sencha zählen, der aus Blättern hergestellt wird, die zu einem beträchtlichen Teil aus Zairai-Sträuchern stammen, die der Ururgroßvater von Shutaro und Kenji vor mehr als 100 Jahren gepflanzt hat. Ein weiterer Klassiker, definitiv von sehr gehobener Qualität, den wir heute ebenfalls aufgießen, ist der Kirishima Tokujou Sencha, der Japantee-Fans durch seinen süß-frischen Duft der beschatteten Asatsuyu-Blätter bekannt sein dürfte.

 Miumori Matcha 20g Dose und Matchaschale von Narieda Shinichiro
Miumori Matcha 20g Dose und Matchaschale von Narieda Shinichiro

Auch der Abend mit Valérie und Eric ist sehr inspirierend, und es entstehen viele neue Ideen rund um das Thema Grüntee. Dies hängt auch damit zusammen, was wir für den nächsten Tag geplant haben. Unsere Ideen kreisen nämlich wieder einmal um das Thema der Geschichte des Matcha, bei dem es sich bekanntlicherweise hinsichtlich seines Ursprungs nicht um eine japanische Erfindung handelt. Schließlich hat man in China Matcha bereits während der Song-Dynastie mit einem Bambusbesen geschlagen, und dies damals schon in einer Matchaschale, lang bevor Matcha nach Japan gelangte.

So kreisen unsere Ideen weiter um das Thema Matcha, und seinen Wandel im Laufe der Zeit. Während in Japan die Hochblüte des Matcha von komplizierten Regeln und Abläufen rund um die Zubereitung, Kleiderordnung, Architektur und Auswahl der Gäste ging [Themen: Teezeremonie, Cha-no-yu, Chadô, Sen-no Riykû, Takeno Jôô], alles sehr formell, finden wir heute Matchabars in New York, Paris und Berlin, wo Matcha natürlich viel freier getrunken wird. Doch auch Matcha in Mixgetränken ist ein spannendes Thema. Während uns dies zwar modern erscheinen mag, so ist in China bereits vor der Song Dynastie grundsätzlich Tee nicht nur pur, sondern auch gemischt z.B. mit Gewürzen oder Milch getrunken worden. Matcha mit anderen Dingen zu mischen, ist also eine Idee, die es schon seit weit mehr als 1.000 Jahren gibt. Ob es damals schon Matcha-Smoothies mit Gemüse oder Früchten gab, ist uns allerdings auch nicht bekannt, aber wer weiß.

Wir nehmen dies jedoch als Anlass, die Geschichte des Matcha, sowie die Kultur und Orte, an denen er getrunken wird, als auch die Art und den Stil, wie er getrunken wird, zu beleuchten, und uns zu fragen, „Wie wird sich dies im Laufe der Zeit noch weiterentwickeln, welche Stile werden noch hinzukommen“? Der Beginn der Bearbeitung dieses Themas ist eine kleine Fotoreihe, mit deren Aufnahmen wir sogleich am nächsten Tag starten. Weitere Fotos und Erklärungen zu den Hintergründen werden in den kommenden Wochen und Monaten folgen, nicht nur online, sondern auch in Form von Postkarten und Plakaten, an vielen Orten, wo es Miumori Kirishima Matcha gibt!

Miumori Kirishima Matcha und neu belebte historische Architektur in Paris
Miumori Kirishima Matcha und neu belebte historische Architektur in Paris

Schmeckt der Matcha anders, abhängig davon, ob man erkennt, dass es sich ganz im Hintergrund über dem Dach um den Eiffelturm handelt? Und schmeckt der Matcha anders, abhängig davon, ob man erkennt, dass es sich bei der Matchaschale um ein Werk von Narieda Shinichiro handelt? Trinkt man Matcha im „traditionellen“ Teeraum, in der Matcha-Bar, im Büro, am Pool? Holt man das Wasser zur Zubereitung aus einer bestimmten Quelle am Berg? Sind vergoldete Matchaschalen mehr wert als eine zerbrochene und wieder zusammengeklebte alte Matchaschale, die die Tochter unserer japanischen Gastmutter in den Müll geworfen hat? Und wann gibt es endlich Matcha-Kiosks in den U-Bahn-Stationen?

Kirishima Tee Event 2016 mit neuem Sencha und Matcha von Shutaro und Kenji Hayashi

Es ist Sonntag, der 2. Oktober 2016, und wir sind voller Freude darüber, dass Shutaro Hayashi dieses Jahr noch einmal zusammen mit seinem jüngeren Bruder Kenji die weite Reise aus Kirishima angetreten ist, um zu uns nach Frankfurt am Main zu kommen. Nachdem wir vor gut zwei Monaten erfahren haben, dass die beiden Kirishima Brüder unsere Einladung annehmen würden, Anfang Oktober zu uns zu kommen, sprudelten bei uns natürlich gleich die Ideen, was wir alles zusammen unternehmen werden. Nun das Ergebnis: Das heutige „Kirishima Tea Event 2016“, mit anschließendem exqusiten Dinner und der „Welcome Kirishima Party“ am Abend, denn morgen ist der 3. Oktober, und damit in Deutschland Feiertag, sodass die meisten unserer Gäste Zeit haben werden, ein wenig auszuschlafen.

Kirishima Tee Event 2016 Kenji Hayashi
Kirishima Tee Event 2016 Kenji Hayashi beim Verteilen von Kirishima Tokujou Sencha

Eigentlich müssen wir zunächst einmal wieder einen Schritt zurückgehen, nachdem das obige Foto bereits Kenji Hayashi beim Austeilen des Kirishima Tokujou Sencha zeigt. Zur Begrüßung unserer Gäste, die aus Belgien, Frankreich, Österreich, Holland und nicht zuletzt aus vielen Orten aus Deutschland angereist sind, haben sich Kenji und Shutaro Hayashi nämlich gleich etwas Besonderes einfallen lassen. Um genau zu sein, ist dies eine „Mini-Teezeremonie-Begrüßung“ mit frisch geschlagenem Bio Premium Matcha aus Kirishima, der gerade erst vor einigen Tagen aus Japan bei uns eingetroffen ist: Der Miumori Kirishima Matcha, von dem man in der Tat behaupten kann, dass er alle unsere heutigen Gäste zu begeistern vermag.

Kirishima Miumori Matcha Shutaro Hayashi
Shutaro und Kenji Hayashi begrüßen unsere Gäste mit Kirishima Miumori Matcha

 

Zum besonderen Anlass, dass Shutaro und Kenji Hayashi heute auf dem „Kirishima Tea Event“ für unsere Gäste den Miumori Kirishima Matcha zubereiten, und zudem noch von einer in Japan sehr angesehenen Manufaktur die zum Matcha passenden traditionellen Süßigkeiten aus Azuki-Bohnen-Mehl mitgebracht haben, wollen wir natürlich auch nicht zu zurückhaltend sein, und haben statt einfachem Geschirr heute einige Werke von Narieda Shinichiro hervorgeholt. Zum einen passt das heute besonders gut, da Narieda Shinichiro bekanntlicherweise fast Nachbar von Shutaro und Kenji Hayashi ist, denn er lebt und arbeitet nur einige Kilometer entfernt vom Teegarten der Familie Hayashi am Fuße des Kirishima-Gebirges. Zudem haben wir aber bei unseren Besuchen im Atelier von Narieda, wo wir üblicherweise jedes Frühjahr mehrmals vorbeikommen, um etwas Zeit zusammen mit Narieda zu verbringen, aber auch um neue Werke des Keramikers auszusuchen, immer wieder kleine „Kashizara“, also spezielle kleine Teller für die Süßigkeiten bei der Teezeremonie oder eben einfach beim Matchatrinken, mitgebracht. Es handelt sich dabei in den meisten Fällen nicht um Keramiken, die wir von Narieda erwerben, um sie anschließend zu verkaufen, sondern in vielen Fällen um Unikate, die uns einfach gefallen, bei uns in der Austellung stehen, und die wir ab und zu herausholen, wenn besondere Gäste da sind – so wie heute! Die Süßigkeiten, die Shutaro und Kenji Hayashi mitgebracht haben, kommen auf den kleinen Kashizara von Narieda wunderbar zur Geltung, und unterstreichen die ehrerbietige Stimmung beim Genuß des diesjährigen Miumori Matcha aus Kirishima. Umrahmt wird unser heutiges Kirishima Event zudem von einer Ausstellung der dunkelgrau schillernden Matchaschalen Unikate von Narieda Shinichiro aus dem Jahr 2011, die er damals einmalig mit Holzascheanflug im Gasofen herstellte.

Präsentation beim diesjährigen Kirishima Tee Event
Präsentation beim diesjährigen Kirishima Tee Event

Das Seminar unseres heutigen Kirishima Tee Events lassen wir mit einer kurzen Vorstellung der Region Kirishima beginnen, denn selbstverständlich prägt die Region nicht nur aufgrund des Klimas und der Böden die geschmacklichen Nuancen der Tees aus selbiger Region, sondern die Region Kirishima ist ebenfalls die Heimat unserer beiden Bio-Teegärtner und Grüntee-Produzenten Shutaro und Kenji Hayashi. So berichtet uns Shutaro, dass er im Kindesalter jede Woche sonntags zusammen mit seinem Vater Osamu die Gipfel und Krater des Kirishima Gebirges erklomm. Dies war sicherlich nicht nur ein sportliches Training, sondern auch ein Grund dafür, dass sich Shutaro auch heutzutage noch sehr mit der imposanten Vulkanlandschaft der Kirishima Region verbunden fühlt. Daraus erschließt sich hinsichtlich seines Tee-Produktions-Stils, dass er weniger zur Improvisation neigt, also nicht spontane Ideen umsetzt, die neue, noch nicht da gewesene Geschmacksnuancen hervorbringen würden, sondern dass er zu den traditionellen Teegärtner zu zählen ist, die eher dazu neigen bereits bekannte Nuancen in ihrer Ausprägung jedes Jahr aufs Neue zu perfektionieren. Ein Grundpfeiler sicherlich dessen, dass die Kirishima-Tees von Shutaro und Kenji Hayashi insgesamt ein außergewöhnlich hohes Niveau erreichen, auf das man sich präzise verlassen kann.

Feinster Bio Sencha aus Kirishima von Shutaro Hayashi
Shutaro beim Verteilen von feinstem Bio Sencha aus Kirishima

Diese Verbundenheit mit der Vulkanlandschaft der Region Kirishima sowie deren Verbundenheit mit dem Teestil ihrer Umgebung ist somit ein wesentliches Element für den Stil der beiden Brüder Shutaro und Kenji. Ein Grund, weshalb wir uns entschlossen haben, in nächster Zeit noch mehr über verschiedene Facetten Kirishimas zu berichten.

Doch zurück zum heutigen Tee Event. Nach der Vorstellung der beiden „Kirishima-Brüder“ widmen wir uns nämlich dem Wechsel der Jahreszeiten im Teegarten. Während es vermutlich am häufigsten üblich ist, das „Teegartenjahr“ mit der ersten Ernte im April oder Mai beginnen zu lassen, sieht unser heutiges Seminarprogramm eine andere Abfolge vor: Wir beginnen im hier und jetzt, also mit der Herbsternte, der sich Shutaro und Kenji Hayashi sofort widmen werden, nachdem sie in der ersten Oktoberwoche nach Kirishima zurückkehren. Als ersten Tee verkosten wir also passend den Kirishima Aki Bancha, der ausschließlich aus den großen Blättern der Herbsternte hergestellt wird. Selbstverständlich trinken wir nun den Kirishima Aki Bancha der Ernte 2015, denn die Herbst-Ernte 2016 startet ja erst in einer Woche.

Kirishima Aki Bancha von Shutaro und Kenji Hayashi
Kirishima Aki Bancha von Shutaro & Kenji Hayashi

Da bei der ersten Ernte die Teesträucher nur so vor Kraft strotzen, wie man es im Frühling erwarten möchte, ist der Ernteertrag der ersten Ernte vergleichsweise hoch. Daher ist es grundsätzlich möglich, sich den Luxus zu erlauben, nur die feinsten Blätter auszuwählen, als auch nur die Blätter derjenigen Strauchsorten zu verwenden, die man besonders schätzt. Beim Aki Bancha, also bei der Hersbsternte, ist es jedoch so, dass die Teesträucher bereits nicht mehr so schnell wachsen und sich langsam auf die kühlere Jahreszeit mit weniger Sonne vorbereiten. Die Erntemenge des Kirishima Aki Bancha ist daher wie auch bei anderen Teegärten in anderen Regionen eher klein. Um nicht nur winzige Mengen zur Verfügung zu haben, die dann kaum exportiert werden können, ist es bei Shutaro und Kenji Hayashi das übliche Prozedere, für den Kirishima Aki Bancha mehr oder weniger alle Strauchsorten gleichermaßen zu ernten, zwar nicht an einem Tag, aber etwa innerhalb einer Woche. Die Blätter werden natürlich jeden Tag gleich gedämpft und getrocknet, so dass man sagen kann, es handele sich um einen Sencha im Sinne von gedämpftem Tee. Warum aber nennen wir ihn dann Bancha?

Natürlich sind die frisch geernteten grünen Teeblätter nach dem Dämpfen relativ weich, aber da verglichen mit der ersten oder zweiten Ernte deutlich größere, dickere, festere Blätter geerntet werden, ist es nicht möglich diese in schmale, lange Nadeln zu rollen, wie man es typischerweise von Sencha kennt. Genau dieser Unterschied ist es, der die Teesorte Bancha wesentlich charakterisiert. Dazu kommt, dass Shutaro und Kenji ihren Bancha nicht im Sommer oder Winter ernten, sondern im Herbst, so dass es sich um einen Bancha der Hersbternte handelt, also Aki Bancha. Nachdem die Blätter „gefaltet“ wurden, da wirkliches Rollen wie gesagt nicht möglich ist, werden die Blätter der unterschiedlichen Erntetage der Herbsternte miteinander geblendet, so dass sich ein recht ausgeglichenes Cuvée ergibt. Die anschließende Lichtsortierung sorgt dafür, dass rötliche Blätter und größere Blattstiele aussortiert werden. Das Ergebnis lässt sich sehen: Große, hell-olivgrüne Aki Bancha Blätter!

Hinsichtlich der Inhaltsstoffe ist sicherlich ein wichtiger Punkt zu nennen: Bei Tees der Herbsternte sind so gut wie alle Inhaltsstoffe in einer niedrigeren Dosis in den Blättern vorhanden, weshalb auch das Niveau des Koffeinsgehalts deutlich niedriger ist, als es bei einer ersten oder zweiten Ernte der Fall ist. Frei von Koffein ist sicherlich auch der Kirishima Aki Bancha nicht, aber für Teefreaks, die auch abends gerne eine Schale Grüntee trinken, ist dies möglicherweise eine bessere Wahl als ein Grüntee einer früheren Ernte.

Tea Tasting beim Kirishima Tee Event 2016
Tea Tasting beim Kirishima Tee Event 2016

Nachdem nun Shutaro und Kenji Hayashi von ihren Tätigkeiten im Bio-Teegarten nach der Herbsternte berichten, die vor allem mit dem Vorbereiten von Kompost und der biologischen Düngung zu tun haben, was eine der wichtigsten Voraussetzungen für die darauffolgende erste Ernte ist, springen wir gleich einen Schritt weiter, und gehen inhaltlich direkt zum Thema der ersten Ernte. Selbstverständlich gibt es eine Vielzahl von verschiedenen grünen Teesorten der ersten Ernte, jedoch wollen wir uns heute einer recht gehobenen Sorte des Kirishima Teegartens von Familie Hayashi zuwenden, nämlich dem Kirishima Tokujou Sencha.

Bio Kirishima Tokujou Sencha
Bio Kirishima Tokujou Sencha

Manchen Japan-Tee-Fans mag der Kirishima Tokujou Sencha zwar schon von der Ernte 2015 bekannt sein, doch nachdem es damals einen regelrechten Run auf diesen Sencha von Shutaro Hayashi gab, und der Tee deshalb schon nach rund sechs Wochen ausverkauft war, dürfte es sich dabei um eine lediglich recht kleine Gruppen von Leuten handeln, die das Glück hatten ihn letztes Jahr genau in dieser kurzen Zeit kennenzulernen. Da dieser Sencha daher auch den meisten Marimo-Kunden unbekannt sein dürfte, nehmen wir dies heute zum Anlass, ihn nun endlich offiziell und ausführlich vorzustellen.

Kirishima Bio Matcha Miumori Shutaro Hayashi

Während wir das Seminar halten, wird im Hintergrund der Sencha bereits bei knapp 70 Grad und einer recht kurzen Ziehzeit aufgegossen, um ihn dann an alle Gäste verteilen zu können. Als erstes fällt auf, dass sich nun schon ein frisch-süßlicher Duft dezent im ganzen Raum verteilt. Dies ist der Duft der beschatteten Asatsuyu von Shutaro Hayashi, die dieses Jahr, also 2016, an zwei Erntetagen hergestellt wurde. Japan-Tee-Fans ist diese pure Asatsuyu von Shutaro vermutlich schon bekannt. Doch beim Kirishima Tokujou Sencha handelt es sich um ein Cuvée der Asatsuyu vorwiegend mit Blattgut der Yabukita, die ungefähr zum gleichen Zeitpunkt geerntet wird.

Sakura-Mini-Teeschalen mit Kirishima Tokujou Sencha
Sakura-Mini-Teeschalen mit Kirishima Tokujou Sencha

Was den besonderen Reiz dieses Cuvées ausmacht, ist die Tatsache, dass Shutaro Hayashi, der während der Erntezeit ganz wesentlich für die Einstellung der Dämpfungsmaschine verantwortlich ist, die Blätter des Kabuse Asatsuyu etwas intensiver dämpft, als die Blätter der Yabukita-Sträucher. Dies hat einerseits damit zu tun, dass er das Tempo der Dämpfungsmaschine senkt, sodass die Blätter der Asatsuyu länger brauchen, um „hindurchzufließen“, aber es hat auch damit zu tun, dass die Blätter der Asatsuyu so fein sind, dass der Dampf sehr schnell in sie eindringt. Die Blätter der Yabukita sind ebenfalls sehr fein, doch eben eine Nuance größer und fester.

Der Effekt beim Aufgießen des Kirishima Tokujou Sencha ist, dass beim ersten Aufguss mehr der Geschmack der eher tiefgedämpften [ fukamushi ] Blätter der Asatsuyu mit ihrer intensiven frischen Süße zum Vorschein kommt, und dann beim zweiten Aufguss mehr die milde, leicht nussige Süße der kürzer gedämpften [ asamushi ] Yabukita, die final allerdings recht stark erhitzt wird, was den Geschmack sehr schön abrundet.

Kirishima Tee Seminar Mittagspause
Kirishima Tee Seminar Mittagspause

Nach der Verkostung des Kirishima Tokujou Sencha gehen wir einen kleinen Schritt weiter im Teegartenjahr, obwohl dies im Grunde genommen eigentlich nur bedingt zutrifft. Der nächste neue Tee, den wir vorstellen, ist nämlich der Miumori Kirishima Sencha, bei dem das Thema des Ernte-Zeitpunkts bereits etwas ausführlicher beleuchtet werden muss. Zunächst allerdings das, was beim Miumori Kirishima Sencha am einfachsten zu verstehen ist: Er besteht fast komplett aus dem Blättern von aus Samen gezogenen Sträuchern, die im japanischen den Namen Zairai tragen.

Miumori Kirishima Sencha
Miumori Kirishima Sencha

Nun aber zurück zum Erntezeitpunkt: Es handelt sich beim Miumori Kirishima Sencha um ein facettenreiches Cuvée aus Blattgut der ersten Ernte, die Ende April stattfindet, und der zweiten Ernte, die etwa sechs Wochen später, also Anfang Juni durchgeführt wird. Der Anteil des Blattguts der zweiten Ernte ist allerdings sehr fein geerntet und gut sortiert, sodass es auf den ersten Blick durchaus so wirkt, als handele es sich ausschließlich um Blattgut der ersten Ernte. Während wie bereits erwähnt, fast das komplette Blattgut von aus Samen gezogenen Pflanzen, also Zairai-Tee-Sträuchern stammt, wurden diese jedoch sowohl unterschiedlich angebaut als auch unterschiedlich verarbeitet. Ein Teil der Blätter stammt nämlich aus beschattetem Anbau [ kabuse saibai ], ein anderer Teil aus nicht beschattetem Anbau [ roji saibai ], ein Teil wurde flach gedämpft [ asa-mushi ], und ein Teil wurde tief gedämpft [ fuka-mushi ].

Shutaro und Kenji Hayashi während der Präsentation ihres Kirishima Teegartens
Shutaro und Kenji Hayashi während der Präsentation ihres Kirishima Teegartens

Während die Partien der flach gedämpften Zairai eher typisch für Zairai schmecken, ist der Charakter der tiefer gedämpften Zairai eher allgemein und kein großer Unterschied zu tiefer gedämpften anderen Sorten, denn je tiefer gedämpft wird, desto mehr verschwinden die geschmacklichen Unterschiede der verschiedenen Teestrauchsorten. Sicherlich ist klar, dass wiederum der beschattete Anteil der Sencha-Blätter im Miumori Kirishima Sencha eine besonders schöne Süße in den Tee bringt, und die kurz gedämpfte Zairai der ersten Ernte dagegen eine schöne Leichtigkeit. Dafür, dass es sich wie bei all unseren Tees um einen „gartenreinen Tee“ handelt, also nicht ein Cuvée von verschiedenen Teeherstellern, wie es am Markt eigentlich eher üblich ist, und darüberhinaus wie gesagt auch fast nur Blätter der Zairai-Sträucher verwendet werden, kommen dennoch unglaublich viele Facetten in diesem Tee zusammen, die für seinen geschmacklich sehr zugänglichen und ebenso leicht zuzubereitenden Charakter sorgen.

Dinner nach dem Kirishima Tee Seminar 2016
Dinner nach dem Kirishima Tee Seminar 2016

Schließlich genießen Shutaro und Kenji zusammen mit all unseren Gästen und uns das wunderbare Abendessen, das Tobias zusammen mit zwei ganz besonderen Köchen aus Berlin zubereitet hat, die dafür eigens angereist sind. Dass es sich ausschließlich um biologisch angebaute Zutaten handelt, ist denke ich selbstverständlich für alle, die unsere Seminar und Workshops kennen, doch die Eleganz des heutigen Dinners ist sicherlich nicht selbstverständlich, sondern vielmals dem besonderen Anlass angemessen, dass Shutaro und Kenji Hayashi extra den weiten Weg zu uns angetreten sind, wie auch viele unserer Kunden, die wir nach dem weiten Weg auch entsprechend verwöhnen möchten.

Welcome Kirishima Party am Abend nach dem Seminar
Welcome Kirishima Party am Abend nach dem Seminar

Grüntee-Workshop für Experten, 21 August 2016: Einfluss der geografischen Lage und des Produktionsstils auf die geschmacklichen Charakteristika von Teestrauchvarietäten

Nachdem seit 2013 unser jährliches Marimo-Teeseminar im Juli hinsichtlich der Teilnehmerzahl immer größer geworden ist, haben wir uns dieses Jahr dafür entschieden, erstmal eine Reihe von kleineren Workshops anzubieten, um in kleinerem Kreis inhaltlich noch mehr Tiefe vermitteln zu können. Eine größere Veranstaltung, bei der übrigens auch wieder Grüntee-Produzenten anwesend sein werden, wird dieses Jahr (2016) daher erst Anfang Oktober stattfinden. Beim Workshop, der heute (21. August 2016) stattgefunden hat, haben wir uns wieder einmal dem Thema Teestrauchsorten gewidmet, jedoch mit etwas anderer Ausprägung als bisher. Einige Details dazu sind in folgendem Blogeintrag kurz zusammengefasst.

Nachdem wir in den letzten Jahren bereits recht ausführlich das Thema von Teestrauchsorten im Vergleich zueinander bearbeitet haben, widmen wir uns heute erst einmal dem Thema, wie unterschiedlich ein und dieselbe Teestrauchsorte (gleichbedeutend mit Teestrauch-Varietät oder Teestrauch-Kultivar) hinsichtlich ihrer geschmacklichen Charakteristika ausgeprägt sein kann, in Abhängigkeit davon, wo sie angebaut wurde. In einem ersten Vergleich betrachten wir dazu eine unbeschattete Yabukita der ersten Ernte der Familie von Shutaro Hayashi ( Kirishima-Teegarten ) versus eine unbeschattete Yabukita der ersten Ernte von Familie Morimoto aus Miyazaki ( Morimoto-Teegarten ).

Bereits bei diesem ersten Vergleich stellen wir fest, dass es kaum möglich ist, den Unterschied, der von der geografischen Lage bedingt wird, so leicht herauszuschmecken, da dieser von anderen Einflüssen stark überlagert wird. Dabei ist insbesondere der Einfluss des Produktionsstils des jeweiligen Teegartens zu nennen. Während die Yabukita von Familie Morimoto, die unter anderem einen Bestandteil des Morimoto Tokujou Sencha darstellt, durch ihre Frische und zugleich ihren ansatzweise rohen Charakter einer kurzen finalen Erhitzung ( hi-ire ) geprägt ist, begleitet von einem zarten Umami, so begeistert die Yabukita von Shutaro Hayashis Teegarten, die einen Teil des Kirishima Tokujou Sencha bildet, mehr durch ihre blumige Süße, die sich elegant mit zart nussigen Aromen in den Vordergrund stellt. Diese sind ganz offensichtlich einer etwas intensiveren finalen Erhitzung ( hi-ire ) zuzurechnen, und weniger dem Klima, der Höhenlage oder der Bodenbeschaffenheit der geografischen Lage von Miyazaki versus Kirishima in der Kagoshima Präfektur.

Kirishima Tokujou Sencha versus Morimoto Tokujou Sencha

Für die nächsten Teestrauch-Sorten-Vergleiche haben wir daher Blattgut vorbereitet, bei dem der Einfluss des Produktionsstils keine Rolle spielt, um nun tatsächlich den Einfluss der geografischen Lage sowie des Bodens wahrnehmen zu können. Um den Einfluss des Produktionsstils wirklich ausblenden zu können, ist es natürlich erforderlich, Blattgut für den Vergleich heranzuziehen, das vom gleichen Produzenten hergestellt wurde. Dazu muss das Blattgut zudem recht genau vom selben Erntezeitpunkt stammen, denn sonst ergibt sich ein neuer Einflussfaktor, was wir natürlich vermeiden möchten.

Glücklicherweise haben wir diese seltene Möglichkeit, denn beim Teegarten von Familie Morimoto werden mehrere Strauchsorten nicht nur auf einer Parzelle angebaut, sondern teilweise an mehreren Standorten, die nicht allzuweit auseinander liegen. Produziert werden die Tees natürlich allesamt von Shigeru Morimoto. Doch schmecken diese Tees dann auch wirklich unterschiedlich, wenn der geografische Unterschied nur so gering ist?

Für unseren Vergleich ziehen wir nun beschattete Sencha Blätter der Yabukita von der ersten Ernte ( kurz: Tokujou Kabuse Yabukita Sencha ) der Teegartenparzelle Nummer 6 sowie Tokujou Kabuse Yabukita Sencha der Teegartenparzelle Nummer 9 heran. Bereits die Aufgussfarbe verrät, dass beide Tees sehr unterschiedlich sind, auch wenn das trockene Blattgut noch sehr ähnlich aussah. Als wir die Aufgüsse der beiden Tokujou Kabuse Yabukita Blätter verkosten, ist wirklich niemand in der Runde der Anwesenden, der behaupten würde, beide seien ähnlich. Es stellt sich die Frage, ob die Höhenlage beider Teegartenparzellen unterschiedlich ist. Dies ist in der Tat so. Doch liegt die Vermutung nahe, dass der deutliche geschmackliche Unterschied mehr noch von der unterschiedlichen Bodenbeschaffenheit beider Teegartenparzellen von Familie Morimoto herrührt.

In weiteren Vergleichen betrachten zudem den diesjährigen Fukamushi Sencha, der von Familie Morimoto dieses Jahr erstmalig komplett beschattet hergestellt wurde, was einen deutlichen Effekt auf den Einfluss der Dämpfung mit sich gezogen hat. Da die durch die Beschattung weicheren und kleineren Blättern wesentlich zugänglicher für den Dampf sind, ist die Tassenfarbe des Morimoto Fukamushi Sencha von 2016 deutlich intensiver als im Vorjahr, und zudem durch die gänzliche Beschattung deutlich grüner. Die Strauchsorte Oku Yutaka, aus der der Fukamushi Sencha der Morimotos ausschließlich besteht, ist nun kaum wiederzuerkennen. Warum? Je intensiver die Beschattung und je tiefer der Dampf in das Innere der Blätter eindringt – Zweiteres wird dabei von Ersterem wie gesagt beschleunigt – desto weniger deutlich sind die Teestrauchvarietäten voneinander unterscheidbar. Wir wagen dennoch den Vergleich mit dem Tennen Gyokuro Oku Yutaka aus Kirishima, der ebenso beschattet, und zudem vergleichsweise tief gedämpft wurde.

Tennen Gyokuro Oku Yutaka versus Morimoto Fukamushi Sencha

 

Narieda Shinichiro – Impressionen und neue Keramik vom Besuch im Atelier in Kirishima

Lange haben wir uns auf den diesjährigen Besuch bei Narieda gefreut. Wie bereits von den letzten Jahren gewohnt erwartet uns Narieda Shinichiro in seinem Atelier in Kirishima, wo wir jedoch nicht als erstes seine keramischen Werke bewundern, sondern erst einmal gespannt seine philosophischen Ausführungen verfolgen dürfen. Heute geht es um die Boomerang-Theorie, die es sicherlich wert wäre hier genauer erläutert zu werden, doch da es sich hier um einen Tee-Blog handelt, bleibt dieses Detail der Lebensphilosophie des Keramikers doch erstmal noch ein Geheimnis derjenigen, die dieses Jahr mit beim Besuch bei Narieda dabei waren.

Narieda Shinichiro erklärt sein Philosophie bevor er seine Matchaschalen zeigt

Schon Ende des letztes Jahres wollten wir ihm einen ausführlichen Dankesbrief schreiben, um uns nochmals persönlich für die großartigen Geschenke zu bedanken, die Narieda uns für unsere Tee-Workshops zum großen 10-Jahre-Marimo-Jubiläum speziell angefertigt hat. Für den damals eigens eingerichteten Teeraum, in dem unser Matcha-Workshop unter anderem mit handgepflückten Matcha-Sorten von Nakanishi stattfand, fertigte er uns ein edles Wassergefäß an, das Narieda als Geschenk unserer japanischen Mitarbeiterin überreichte, die es uns dann zur Jubiläumsfeier aus Japan mit nach Frankfurt brachte. Wirklich ein Grund sich nicht nur einmal zu bedanken, doch in der Hektik der letzten Monate kamen wir leider nicht dazu den angefangenen Brief zu vollenden, und so liegt er immer noch bei uns im Büro in Frankfurt. Heute ist nun also die Chance sich dafür in angemessener Weise zu entschuldigen, und persönliche Worte an Narieda zu richten, um sich für die wunderbare Keramik zu bedanken, und ihm zudem selbst auch ein Geschenk zu überreichen: Ein biologisch angebauter Weißwein aus Frankreich, den wir unter anderem auch deshalb ausgewählt haben, da heute erstmals zwei unserer französischen Kundinnen, die schon seit mehreren Jahren die Keramiken von Narieda in ihren Läden in Paris und Tours ausstellen und verkaufen, mit zum Besuch bei Narieda gekommen sind.

Shiboridahi Gyokuro Kyusu Einhandkanne von Narieda Shinichiro

An einem vollkommen unscheinbaren Ort in Nariedas Atelier, also nicht dort, wo er eigentlich seine Werke ausstellt, sondern eher abseits, finden wir kurz vor dem Abendessen, als bereits einige Freunde von Narieda sich im Atelier versammelt haben, einen neuen Entwurf einer Shiboridahi (einer japanischen Einhand-Teekanne, also eine besondere Art einer Kyusu), bei dem Narieda sich zwar an der Form der Jahre 2014 und 2015 orientiert, doch einige Details raffiniert weiterentwickelt hat. Wir sind begeistert, und bringen bei der nächsten Gelegenheit sogleich unsere Begeisterung sowie unser Interesse zum Ausdruck, vielleicht in naher Zukunft einige Werke in ähnlicher Weise angefertigt bekommen zu dürfen.

Regal mit Matchaschalen und Kyusu im Atelier von Narieda Shinichiro

Auf den Holzlatten, die die Böden eines großen Holzregals im Atelier von Narieda Shinichiro bilden, befinden sich diesmal weniger Werke als üblich, da sich Narieda momentan viel Zeit dafür nimmt, neue Keramiken zu entwickeln sowie die Formgebung seiner bisherigen Werke weiterzuentwickeln. Es wird sicherlich einige Monate dauern, bis Narieda Zeit finden wird sich der Anfertigung der neuen Serie von Shiboridashi – der Kyusu, die vor allem für feine und edles Tees gedacht sind -zu widmen. Die erste Serie an Noboridashi, damals aus schwarzem Ton, fertigte Narieda Shinichiro im Jahr 2013 speziell für die Teesorte GO EN an, einem lange beschatteten, gedämpften Tamaryokucha, den die Familie Morimoto herstellt. Anlass dafür war der damalige Besuch von uns zusammen mit Haruyo und Shigeru Morimoto im Atelier von Narieda. Seither verwendete Narieda bei der erneuten Anfertigung in den folgenden Jahren nicht mehr wie bei der kleinen Serie im Jahr 2013 seine schwarze Tonsorte, sondern einen helleren, beigen Ton. Auch die Form der Shiboridashi (wir nannten sie damals üblicherweise „Gyokuro-Kyusu von Narieda“) entwickelte sich im Jahr 2014 zu einer höheren Form weiter, und im Jahre 2015 wurden die Kanten am Fuß und am oberen Rand in eine dezent geschwungene Form abgewandelt. Während wir nun ja schon die Form der Serie, die wir für dieses Jahr erwarten, durch das oben gezeigte Exemplar in eine konkrete Vorstellung verwandeln konnten, wird es umso spannender bleiben, welche Art von Ton und eine wie geartete Glasur der Keramiker dieses Jahr auswählen wird.

Spachtel und Pinsel von Narieda zum Auftragen der Glasur

Zudem bleibt es auch spannend, in welche Richtung sich die Matchaschalen von Narieda dieses Jahr entwickeln werden. Im Atelier sehen wir einige kleinere Schalen, die nicht als Matchaschalen gedacht sind, bei denen Narieda bereits eine neue Art von Glasur ausprobiert hat. Narieda entwickelt seine Glasuren, egal ob es sich um die Verwendung für eine Matchaschale oder für andere Objekte handelt, grundsätzlich selbst. Er mischt also nicht nur seine Glasuren selbst, sondern entwickelt außerdem selbst die Rezepte für die Glasuren, die oftmals auch Material mitverwenden, das aus seiner nahen Umgebung, dem Kirishima-Gebirge stammt. Die Glasur, die wir diesmal erstmalig bei Narieda entdecken, erinnert an eine chinesische, sogenannte Hasenfellglasur, die jedoch abweichende Merkmale mit ausprägt. Über die Fellstruktur legt sich gewissermaßen eine andersgeartete, und andersfarbige andere Ebene. Ob Narieda diese Glasur dieses Jahr auch für die neuen Unikate, für die ein oder andere Matchaschalen verwenden wird? Mal sehen, was sich ergibt, wenn wir mit Narieda in den kommenden Tagen telefonieren. Die oben gezeigten Geräte wie Pinsel und Spachtel verwendet Narieda natürlich vorwiegend zum Auftragen der Glasuren, aber auch zum Nachbearbeiten der ein oder anderen Matchaschale, die ja oftmals nicht einfach eine glatte Oberfläche aufweisen, sondern mit überraschenden Strukturen zumeist auf der Außenseite aufwarten.

Erster Erntetag im Bio-Teegarten von Familie Hayashi in Kirishima

Noch am Vortag telefonieren wir mit Shutaro Hayashi, um uns zu erkundigen, was für Arbeiten denn für den nächsten Tag (25. April) geplant seien. Als wir erfahren, dass Familie Hayashi damit rechnet, dass dies der erste Tag der ersten Ernte 2016 werden wird, planen wir gleich früh am Morgen nach Kirishima zu fahren. In diesem Jahr beginnt die Ernte vergleichsweise spät. Seit mehreren Wochen ist es vergleichsweise kalt und regnerisch. Die Teesträucher wachsen sehr langsam, und durch den bewölkten Himmel ergibt sich eine Art natürliche Beschattung.

Im Wohnhaus der Familie Hayashi angekommen, empfängt uns Shutaros ältere Schwester Momoko. Sie entschuldigt sich sogleich dafür, dass es im Haus etwas unordentlich sei, obwohl eigentlich alles perfekt geordnet aussieht, wie es für die Familie charakteristisch ist. Zurzeit ist auch Shutaros zweite Schwester im Haus. Sie wohnt eigentlich in Kumamoto. Aufgrund des schweren Erdbebens und der andauernden Nachbeben ist sie jedoch vorübergehend ins Elternhaus nach Kirishima zurückgekehrt. So ist momentan viel los im Haus der Hayashis.

Shutaro, Kenji und ihr Vater Osamu sind bereits im Bio-Teegarten, der etwas abgelegen liegt. Wir fahren durch eine märchenhafte Landschaft bis wir die kleine Hochebene am Fuße des Kirishima-Gebirges erreichen. Durch den Regen der letzten Tage und bleibende Feuchtigkeit in den Wäldern leuchten dort die Grüntöne wunderschön.

Die früheste Strauchvarietät von Familie Hayashi in Kirishima ist die Asatsuyu, die nun heute geerntet wird. Für uns ist es das erste Mal, dass wir bei der Ernte in Kirishima mit dabei sind. Als wir zum ersten Mal mit Shutaro und seinem  Vater Osamu den Bio-Teegarten besucht haben, waren die Asatsuyu-Sträucher, die heute geerntet werden, noch sehr klein. Daher waren die damals noch sehr jungen Sträucher der Asatsuyu noch nicht bereit geerntet zu werden. Nun ist es endlich soweit!

Asatsuyu im Teegarten von Familie Hayashi in Kirishima im Jahr 2014
Asatsuyu im Teegarten von Familie Hayashi in Kirishima im Jahr 2016

In diesem Jahr ist die Menge noch sehr klein. Es dauert ein paar Jahre bis die Büsche viele Verzweigungen gebildet haben, die die Grundlage dafür sind, um im folgenden Frühjahr viele neue Blatttriebe hervorzubringen, die dann geerntet werden können. Zunächst sind Shutaro, Kenji und ihr Vater Osamu Hayashi damit beschäftigt, die Netze von der gut zehn Tage langen Beschattung wieder abzunehmen und einzurollen. Da die Familie bisher nur die Sträucher der Varietäten Asatsuyu und Oku Yutaka als beschatteten Tee anbietet, ist die hergestellte Menge an Kabusecha im Vergleich zu anderen Betrieben, die viele ihrer Strauchsorten beschatten, recht klein. Da viele Familienmitglieder auch bei den für die Beschattung notwendigen Tätigkeiten mithelfen, benutzen sie bisher keine Geräte zum Aus- und Einrollen der Netze, sondern machen dies gänzlich per Handarbeit.

Die Ernte übernimmt der jüngere Bruder Kenji, während sich Shutaro um die Verarbeitung kümmert. Für Shutaro ist daher natürlich die ständige Adjustierung der Dämpfungsmaschine ein wichtiges Thema. Beide kommunizieren sehr viel, auch hinsichtlich der Einstellung der Erntemaschine. Die Atmosphäre ist sehr konzentriert: Jeder hat seine Aufgaben und widmet sich diesen mit voller Aufmerksamkeit, um einen wirklich perfekten Sencha herzustellen.

Nach seinem Studium mit dem Schwerpunkt Teeanbau und Teeverarbeitung hat Shutaro an verschiedenen Standorten gearbeitet, um auch praktische Erfahrungen zu sammeln. Nun obliegt ihm die Entscheidung, wann und wieviel geerntet wird und auch wie die Verarbeitung im Detail durchgeführt werden soll. Sein Vater Osamu Hayashi begleitet alle Schritte. Vater und Sohn tauschen sich auch während des gesamten Prozesses aus. Die letztliche Entscheidung, wann welches Blattgut in welcher Größe geerntet wird, sowie alle expliziten Einstellungen der Maschinen obliegen jedoch aber am Ende Shutaro.

Während Shutaro die Teeverarbeitung durchführt, nutzen wir die Gelegenheit Osamu zu interviewen. Wir wollen wissen, wie sich seine Vorstellungen von einem perfekten Sencha von Shutaros Idealbild unterscheiden. Osamu sagt uns, dass er noch ein-zwei Tage mit der Ernte gewartet hätte, bis die Blätter ein bisschen größer wären. Auch die Dämpfung hätte er ein bisschen weniger stark gemacht. Diese Unterschiede in der Auffassung, wie der perfekte Tee gemacht werden sollte, gehen sicherlich unter anderem darauf zurück, dass sich die Teekultur sowie die Kultur der Teeproduktion in den letzten Jahrzehnten einen starken Wandel durchlaufen haben. Zudem haben Vater und Sohn auf ganz unterschiedliche Art die Teeverarbeitung erlernt. Während Shutaro an der Universität studierte, und dann in vielen verschiedenen Betrieben praktische Erfahrungen gesammelt hat, war es zu Osamus Zeiten üblich, eher ausschließlich im praktischen Umgang Stück für Stück die Teeverarbeitung zu erlernen. Nachdem Osamus Vater Haruo aus dem Krieg zurückgekehrt war, übernahm er die Verantwortung für den Familienbetrieb. Haruo Hayashi brachte später seinem Sohn Osamu alles über Teeverarbeitung bei, was er selbst erlernt hatte. Osamu beschreibt jedoch, dass dies wohl nicht sehr viel gewesen sei. Da die Arbeit in der Teeverarbeitung zu diesem Zeitpunkt noch nicht so technisiert war, gab es für jeden Verarbeitungsschritt einen Verantwortlichen und zusätzlich eine höher gestellte Person, die die Verantwortung für die gesamte Produktion innehatte. Diese war wirklich mit Leib und Seele bei der Teeherstellung. Von ihr hat Osamu am meisten gelernt.

Osamu Hayashi bei unserem ersten Treffen im Frühjahr 2014

Wie bereits erwähnt, haben sich aber auch die Idealvorstellungen von einem perfekten Sencha mit der Zeit verändert. So erinnert sich Osamu daran, wie er als Kind mit seinem Großvater Tee getrunken hat. Damals war die ideale Farbe vom japanischen Sencha Yamabuki, ein intensives Gelb. Erst zum zweiten Drittel des 20. Jahrhunderts änderte sich diese Vorstellung langsam. So wird heutzutage ein Grün, das auf der Farbskala eher in Richtung Türkis tendiert, als Ideal angesehen, während früher das Grün mit einer Tendenz zu Gelb als ideale Aufgussfarbe propagiert wurde.

Nach unserem Gespräch machen wir noch einen kleinen Teegarten-Rundgang und sehen dort einen alten Bekannten: Yagi-O, den wilden Ziegenbock, der im letzten Jahr durch die Teefelder gesprungen ist. Es gibt Nachwuchs: Familie Hayashi hat sich zusätzlich eine Ziege angeschafft, und seit einem halben Jahr laufen nun auch zwei junge Zicklein durch die Teefelder und fressen dort Beikräuter, die zwischen den Teesträuchern wachsen. Im ersten Jahr war die Anschaffung von Yagi-O nur ein Test, um Erfahrungen zu sammeln, ob sich Ziegen für die Beikrautregulierung im Bio-Teegarten eignen. Dieser Versuch ist geglückt, sodass die kleine Ziegenherde nun fester Bestandteil des Teegartens ist. In wenigen Wochen wird es wohl auch wieder Nachwuchs geben.

Kirishima Grüntee

Blattknospe_Kirishima_Teegarten

Natürlich wollen wir mit Werner und Frank auch den Kirishima Teegarten von Familie Hayashi besuchen, der sehr hochwertige Bio-Grünteesorten herstellt, wie unter anderem den Tennen Gyokuro aus der Strauchvarietät Asatsuyu. Gemeinsam mit Shutaro Hayashi, der an der Universität von Kagoshima Grünteeherstellung studiert hat, und nun die Produktion des Kirishima Teegartens leitet, fahren wir auf die Hochebene, wo der Garten und die Verarbeitungsanlage auf etwa 260m über dem Meer liegen. Die Sträucher sind seit unserem letzten Besuch vor einer Woche deutlich gewachsen, und die jungen Triebe ragen schon ein Stück hervor. Wir werden von leuchtendem Shincha-Hellgrün begrüßt.

Miyama_Kirishima_Sencha_Teegarten

Die Ernte wird hier voraussichtlich Ende April beginnnen. Für die Präfektur Kagoshima ist das schon recht spät, was einerseits an der Lage im Kirishima-Gebirge liegt, und andererseits daran, dass Familie Hayashi keine der allerfrühesten Strauchsorten anbaut, da deren Knospen im Kirishima-Gebirge dem Frost im Frühjahr ausgesetzt wären. Ihre früheste Strauchsorte ist die Asatsuyu, die sie für den Kirishima Tennen Gyokuro verwenden – eine Strauchsorte, die sehr sensibel beim Anbau ist, und für ihr frisches, frühlingshaft süßes Aroma bekannt ist. Im Bio-Anbau ist die Asatsuyu recht selten zu finden, da die Pflege der Asatsuyu-Sträucher auf natürlichem Wege außergewöhnlich anspruchsvoll ist, und daher viel Erfahrung erfordert.

Shutaro_Kirishima_Zairai

Im Gespräch mit Shutaro berichtet Werner von Fragen seiner Kunden, die darum gehen wie viele Schalen Grüntee pro Tag man denn maximal trinken sollte und ob denn drei bis fünf Tassen noch gut seien. Shutaro berichtet davon, dass in einer japanischen Zeitung die Empfehlung herausgegeben wurde, man solle nicht mehr als 200 Tassen Grüntee pro Tag trinken, was wir genauso wie Shutaro mit einer entsprechenden Prise Humor rezipieren. Obwohl wir beide ja passionierte Grüntee-Trinker sind, schaffen wir es wohl nicht einmal in die Nähe dieser Dimension zu kommen.

Abendessen_Shutaro_Dietmar_MARIMO

Am Abend treffen wir uns noch einmal mit Shutaro Hayashi zum gemeinsamen Abschiedsessen, und betonen beim Abschied, dass wir uns sehr darüber freuen würden, wenn er auch dieses Jahr im Herbst wieder zu Besuch zu uns kommen würde, und wir gemeinsame Verkostungen bei Kunden planen dürften.

Kirishima Teegarten und Besuch bei Narieda Shinichiro

Heute ist der erste April und auch in Japan ist „Scherztag“. Es wird heute also lustig!

Am Vormittag haben wir einen Fototermin vereinbart. Auch von Familie Hayashi wollen wir ein Familienfoto machen, damit wir von nun an die Tees aus Kirishima mit dem „Gesicht des Gartens“ zeigen können. Im vergangenen Jahr haben wir uns erst einmal kennen gelernt, über Teestrauchsorten, Handel und Bio-Philosophie diskutiert. Für ein Foto der Familie war am Ende dann keine Zeit mehr.

Eigentlich hatten die Hayashis sich gewünscht, dass wir mit dem Familienfoto noch warten bis die neunen Blattriebe weiter gewachsen sind. In Kirishima ist es im Vergleich zu dem Teil südlichen Teil von Kagoshima, in dem der Teegarten von Familie Watanabe liegt, sehr kühl, auch deshalb, da der Garten von Familie Hayashi höher gelegen ist. Hier in Kirishima zeigen sich erst die ersten sehr kleinen Blatttriebe, während bei Familie Watanabe schon geerntet wird. Da wir leider nicht bis zur Ernte Ende April hier bleiben können, starten wir heute Vormittag nun doch einen Versuch die Familie mit ihrem Bio-Teegarten auf einem Foto festzuhalten.

MARIMO_Kirishima Familienfoto mit Ziege Kirishima Teegarten und Besuch bei Narieda Shinichiro weiterlesen