Heute geerntet und schon fertig! Kirishima Aracha Shincha von Shutaro Hayashi

Heute sind wir bereits in diesem Jahr zum dritten Mal bei Shutaro Hayashi in Kirishima. Dieses Jahr begleiten wir durch den späten Start der Ernte den gesamten Prozess von der Beschattung bis zur Ernte und Verarbeitung des neuen Kirishima Aracha Shincha 2017. Vorige Woche konnte sich Shutaro Hayashi noch etwas mehr Zeit für uns nehmen, sodass wir noch gemeinsam durch die Teereihen streifen konnten. Heute kümmert sich sein Vater Osamu um uns, da Shutaro Hayashi sein Augenmerk auf die Shincha-Verarbeitung legt.

Bei unserem ersten Besuch dieses Jahr am 24. April waren Shutaro und Kenji gerade fertig geworden das Asatsuyu Teefeld für den Kirishima Tennen Gyokuro zu beschatten. Die kleine Mishou-Asatsuyu-Parzelle für den Kirishima Aracha Shincha, die etwas abgelegen liegt, konnten wir an diesem Tag noch ohne die schwarzen Netze begutachten. Am 25. April wurde dann auch diese Parzelle beschattet. Nun, acht Tage später, ist es soweit: Der KIRISHIMA ARACHA SHINCHA – Kabuse Asatsuyu wird geerntet.

Die Ernte ist des KIRISHIMA ARACHA SHINCHA ist geschafft
Die Ernte ist des KIRISHIMA ARACHA SHINCHA ist geschafft, die Erntemaschine steht nun neben der Verarbeitungshalle von Shutaro Hayashi und wartet auf den nächsten Einsatz (Foto: Arun Herzog)

Vormittags treffen wir zuerst Shutaros Schwester Momoko. Gemeinsam mit ihr fahren wir in den Bio-Teegarten der Familie, der etwas entfernt auf einer Höhe von etwa 260m über dem Meer liegt. Als wir im Teegarten ankommen, sind Shutaro und Kenji schon eine ganze Weile dabei die frisch geernteten Blätter der Kabuse Mishou Asatsuyu zu verarbeiten. Kenji Hayashi zeigt uns die Dokumentation ihrer heutigen Tätigkeiten: 6 Uhr morgens Beginn der Ernte, Kenjis Arbeit, 7:30 Uhr kommen die ersten Blätter an der Verarbeitungsanlage an. Ab 8 Uhr werden die frischen Teeblätter gedämpft, aufgelockert, getrocknet und zu Nadeln geformt. Hier zeigt Shutaro Hayashi sein ganzes Wissen und Können. Bis die Verarbeitung losgehen kann, braucht es immer eine gewisse Vorlaufzeit bis der Boiler für die Erzeugung des Wasserdampfes für die Dämpfung der frischen Teeblätter aufgeheizt ist.

Tasting des Kirishima Aracha Shincha 2017
Tasting des Kirishima Aracha Shincha 2017, am späten Vormittag des 3. Mai 2017 bereits aufgegossen am Tasting Tisch von Shutaro Hayashi in der Verarbeitungshalle (Foto: Arun Herzog)

Shutaro zeigt uns schon das erste Ergebnis seiner Arbeit. Die Farbe der Blätter ist großartig und der Geschmack des vorverarbeiteten Tees [Aracha] ist überwältigend. Was unterscheidet eigentlich Aracha von fertigem Tee? Es gibt einige nachgelagerte Verarbeitungsschritte, die im Stadium des Aracha noch nicht stattgefunden haben. Der Tee ist im Stadium des Aracha noch nicht sortiert, lediglich ein Sieb trennt größere Blätter und Blattstengel von kleineren. Beim Begutachten des diesjährigen KIRISHIMA ARACHA SHINCHA merken wir, dass Shutaro in diesem Jahr, um eine besonders gute Qualität zu erzeugen, sehr früh geerntet hat. Wir sehen in dem Aracha-Muster, dass er uns zum Probieren mitgibt so gut wie keine Blattstengel. Neben dem frühen Erntezeitpunkt liegt das aber auch an der edlen Strauchvarietät Asatsuyu, die kurze Internodien hat und somit der Kuki-Anteil sehr gering ist.

Kirishima Aracha Shincha Blätter
Kirishima Aracha Shincha Blätter beim Tasting vor Ort direkt nach der Verarbeitung (Foto: Arun Herzog)

Beim Aracha ist der Wassergehalt des Tees mit 5% Restfeuchte etwas höher als bei handelsüblichem Sencha, der eine Restfeuchte von etwa 2% aufweist. Geschmacklich ist die Welt des Aracha noch näher am frischen Teeblatt. Der leuchtend grünte Aracha weist natürlich die Geschmachscharakteristika der Strauchsorte Asatsuyu noch deutlich stärker auf, als das beim fertigen Tee derselben Strauchsorte der Fall ist. Durch die finale Erhitzung [hi-ire] treten zum Tee die Eigenheiten der Teestrauchvarietät in den Hintergrund.

Kirishima Aracha Shincha mit Narieda Kyusu
KIRISHIMA ARACHA SHINCHA – Kabuse Asatsuyu, intensiver Aufguss in einer Kyusu von Narieda Shinichiro um den Tee voll zu genießen (Foto: Arun Herzog)

Zuguterletzt finden wir noch Zeit den KIRISHIMA ARACHA SHINCHA – Kabuse Asatsuyu in einer richtigen Kyusu (ein Unikat von NARIEDA Shinichiro, das in der Form von den Kannen einer kleinen Serie aus dem Jahr 2016 etwas abweicht) aufzugießen und zu genießen. Während beim „Tasting Aufguss“ der Aracha Shincha mit heißen Wasser aufgegossen wurde, so dass man alle Nuancen gut herausschmecken kann, gießen wir ihn nun so auf, wie er perfekt zu genießen ist: Viele Blätter, relativ niedrige Temperatur, und in einer Kyusu, die ihm viel Fülle verleiht, und zeigt, dass der Tee – obwohl es sich um Aracha handelt – sehr viel Umami hat, und abgerundet schmeckt. Wir atmen auf, dass alles so gut gelaufen ist.

 

Mankichi und Keita Watanabe – Bio-Tee aus Yakushima

Nachdem wir nun seit unserer Ankunft in Japan in regelmäßigem Kontakt mit Frau Goto vom Teegarten von Mankichi Watanabe stehen, um den Import der beiden Watanabe Shincha-Sorten bestmöglich zu koordinieren, hatten wir diesmal bisher jedoch noch keine die Zeit nach Yakushima zu reisen. Heute schaffen wir es nun endlich uns auf den Weg auf die entlegene Insel zu machen, die ganz im Süden von Kyushu liegt, und noch zur Präfektur Kagoshima zählt, auch wenn zwischen der Stand Kagoshima und Yakushima etwa 150 Kilometer Meer gelegen sind.

Die märchenhafte Insel Yakushima – Blick von der Küste hinauf zu den Bergen

Die Ernte begann dieses Jahr hier bei Mankichi Watanabe auf Yakushima am 13. April. Die früheste Strauchsorte im Teegarten von Mankichi Watanabe ist die Kuritawase. Der Wortbestandteil „wase“ in Namen der Strauchsorte „Kuritawase“ bedeutet nebenbei bemerkt „früh“, da der außergewöhnlich frühe Erntezeitpunkt im Vergleich zu anderen Teestrauchvarietäten ein wesentliches Merkmal des Strauchsorte darstellt. Normalerweise folgt im Teegarten von Mankichi Watanabe auf Yakushima darauf als nächste Teestrauchsorte die Ernte der Varietät Sae Midori, und anschließend die Varieät Yutaka Midori, bevor die Asatsuyu ihren optimalen Zeitpunkt für die Ernte erreicht hat. Interessanterweise muss angemerkt werden, dass die Asatsuyu eigentlich als frühe Sorte gilt. Natürlich ist die Asatsuyu auch im Teegarten von Mankichi Watanabe früh, doch seine anderen, außergewöhnlich frühen Sorten, sind eben noch früher als die Asatsuyu.

Herr und Frau Watanabe, Frau und Herr Goto und die vielen jungen Helfer im Teegarten

In diesem Jahr ist die Reihenfolge allerdings etwas anders, denn das Klima ist dieses Jahr kühl. So kommt es dazu, dass sich nicht nur die Erntezeitpunkte der jeweiligen Sorten nach hinten verschieben, sondern es kommt auch zu Verschiebungen in der Reihenfolge, denn auch der Temperaturverlauf, die Niederschlagsmenge und Sonneneinstrahlung haben unterschiedliche Effekte aus die verschiedenen Strauchvarietäten. Aber die sich dieses Jahr so ergebende Erntereihenfolge passt zufällig genau für unseren Watanabe Kabuse Shincha, den Mankichi Watanabe speziell für MARIMO herstellt, obwohl es sich dabei nur um eine kleine Menge handelt, da die Erntemengen mancher seiner Varietäten extrem begrenzt sind. Der Watanabe Kabuse Shincha setzt sich aus drei Teestrauch-Varietäten zusammen: Kuritawase, Sae Midori und Asatsuyu. Alle Bestandteile werden etwa 10 Tage vor der Ernte beschattet. Limitierender Faktor für unseren Shincha ist die edle Teestrauch-Varietät Sae Midori. Im Teegarten gibt es nur ein paar wenige Reihen Sae Midori, so dass Mankichi Watanabe nur etwa 15kg pro Jahr bei der ersten Ernte davon ernten kann. In den vergangenen Jahren hat Mankichi auch noch Sae Midori für einen anderen Shincha verwendet, den er in Japan anbietet. In diesem Jahr hat er sich nun aber entschlossen die Sae Midori vollständig nur für unseren Watanabe Kabuse Shincha zu verwenden, wovon wir uns sehr geehrt fühlen, denn ohne dass dies abgesprochen wurde, räumt er dem Tee für unsere Kunden einen so wichtigen Platz ein, dass er dafür sogar die Tees für seine anderen Kunden hinsichtlich ihrer Zusammensetzung verändert. Es sind nun nur noch 3kg Kabuse Sae Midori als Rückstellmuster übrig, also hat er uns offensichtlich etwa 12kg der Kabuse Sae Midori für unseren Watanabe Kabuse Shincha gegeben. Wir sind sehr dankbar dafür, und wirklich angetan, von seinem Entgegenkommen.

Seit ein paar Tagen ist der fertig verarbeitete Watanabe Kabuse Shincha 2017 nun auf dem Weg nach Deutschland, wo Kirill und Masato bereits in den Startlöchern auf die Ankunft warten, um ihn dann schnellstmöglich versandbereit an unsere Kunden zu machen. Auch wenn wir natürlich immer so schnell wie möglich den neuen Tee in Europa anbieten möchten, dauert es dennoch zumindest noch einige Tage, denn selbst wenn der Shincha hier in Japan schon fertig verarbeitet vorliegt, folgt ja noch das Procedere für den Export, Transport, und Import. Dies ist nicht nur eine Frage der Entfernung von Japan bis nach Deutschland, sondern letztlich immer auch eine Frage wie schnell die entsprechenden Dokumente vorbereitet werden können, und wie schnell der Zoll bei der Importabwicklung arbeitet.

Davor, also bevor der Tee versendet werden kann, liegen natürlich auch noch einige Tage zwischen der Ernte und der finalen Verarbeitung. Der Tee liegt nach der primären Verarbeitung erstmal in Form von Aracha (vorverarbeitetem Tee) vor. Möchte man verschiedene Teestrauch-Varietäten kombinieren, folgt darauf das Blenden. Da der Tee möglichst schön, also ohne Blattstiele und kleine Ästchen vorliegen soll, folgt darauf die finale Sortierung. Darauf wiederum folgt ein für den Geschmack sehr wichtiger Schritt, die finale Erhitzung (hi-ire). Hier entscheidet Mankichi Watanabe wie stark er die Temperatur und Durchlaufzeit bei der Erhitzung einstellt, um einerseits die Shincha-Frische und den frisch-blumigen Duft des Tees zu erhalten, ihn aber gleichzeitig auf etwa 2% Feuchtigkeit herunter zu trocknen, wie das für Sencha und andere japanische Tees üblich ist. Wird die Temperatur zu hoch gewählt, so entstehen ansatzweise Röstnoten, die in einem Shincha üblicherweise nichts zu suchen haben, denn Röstnoten gehören eher zu einem Tee, der lagerfähig sein soll, und nicht zu einem Tee, der zum Ziel hat beim Trinken den Frühling zu feiern.

Da Mankichi Watanabe Bio-Tee erzeugt, und wir das auch in Europa zeigen möchten, folgt darauf noch die Bio-Export-Bürokratie. Für diesem Schritt ist Frau Goto zuständig, die sich um alle Belange bei der Zertifizierung kümmert. Sie arbeitet schon seit über 25 Jahren mit Mankichi Watanabe zusammen und hat sich damals, in den 1990ern auch dafür eingesetzt, dass der Teegarten biologisch betrieben wird. Vor zwei Jahren haben wir in unserem Reiseblog davon berichtet. Da die Mitarbeiter der japanischen Bio-Kontrollstellen oftmals einige Schwierigkeiten mit der englischen Sprache haben, das Export-Zertifikat aber auf Englisch ausgestellt werden muss, dauert es selbst bei einer erfahrenen Kontrollstelle oftmals bis zu 10 Tage bis das Zertifikat ausgestellt ist. Davor darf der Tee nicht abgeschickt werden. Der Transport nach Deutschland dauert von Japan auch noch einmal etwa ein bis zwei Wochen, manchmal sogar länger. Je nachdem wie viel am Zoll in Deutschland gerade los ist, kann es auch hier nochmal ein paar Tage dauern. Auch wenn wir alles nur Mögliche tun um den neuen Tee so schnell wie irgend möglich den Shincha-Durstigen anzubieten, dauert es doch immer mindestens 3 Wochen ab der Ernte, bis der Tee dann in Europa in den Läden steht. Die einzige Ausnahme ist, wenn wir einen kleinen Teil des Shincha direkt im Koffer mitnehmen, aber wie sich vermuten lässt, geht das nur mit wenigen Kilos, denn wir haben für unsere vierwöchige Reise ja noch allerhand andere Dinge und Arbeitsutensilien mit dabei, die wir auch gerne wieder mit nach Hause nehmen möchten.

Keita und Mankichi Watanabe

Während die erste Ernte in Miyazaki und Kirishima nun gerade erst beginnt, sind die Watanabes in den letzten Zügen der ersten Ernte: Yabukita und Kanaya Midori (letztere für den Watanabe Kanaya Midori Schwarztee) stehen noch auf dem Plan. Heute wird Yabukita geerntet und zu Sencha verarbeitet – der letzte Grüntee der diesjährigen ersten Ernte bei Mankichi Watanabe auf Yakushima. Während Mankichi Watanabe mit der Verarbeitung beschäftigt ist, holt uns sein Sohn Keita vom Hafen ab. Keita ist etwa in unserem Alter und lebt derzeit noch in Tokyo. Als Kind wuchs er zwar bei seiner Familie auf Yakushima auf, doch da es auf Yakushima zu jener Zeit bereits keine Oberschule mehr gab, zog er für den Besuch der Oberschule nach Kagoshima um. Letztlich zog er dann für sein Studium nach Tokyo, wo er seither blieb. Im Jahr 2016 war er schon für einige Wochen im Teegarten des Vaters um Stück für Stück die Abläufe und Tätigkeiten im Teegarten zu lernen. In diesem Jahr ist er über die ganze Zeit der ersten Ernte im Teegarten von Mankichi Watanabe und hilft wo er nur kann. Er hat vor einiger Zeit entschieden den Betrieb des mittlerweile 68-jährigen Vaters Mankichi Watanabe weiterzuführen. Im nächsten Jahr steht dann ein großer Umzug an. Mit seiner Frau und seinen beiden Kindern zieht Mankichis Sohn Keita Watanabe dann von Tokyo nach Yakushima. Größer könnte die Entfernung und auch der Kontrast zwischen moderner Großstadthektik im Norden und abgeschiedener Naturidylle auf einer abgelegenen, tropischen Insel ganz im Süden Japans kaum sein.

Keita Watanabe mit seinem zwei-jährigen Sohn

Kirishima Teegarten von Shutaro Hayashi – Erntevorbereitungen

Unsere Reise führt uns ganz zu Anfang der neuen Woche nach Kirishima, wo wir Shutaro, Kenji und ihren Vater Osamu Hayashi treffen. Shutaro Hayashi begrüßt uns gleich am Bahnhof. Er kommt direkt aus dem Teegarten und ist auch noch in voller Montur: Farmer‘s Shoes, Gartenhose, Hut und ein Hemd für die Arbeit im Teegarten. Man merkt im ersten Augenblick unseres Wiedersehens, dass seine Gedanken schon bei der bevorstehenden Erntephase sind, man merkt aber auch, dass er damit voll in seinem Element ist. Auch von ihm hören wir, dass die diesjährige erste Ernte wohl sehr stressig, mit sehr langen Arbeitstagen werden wird. Die frühen Sorten rücken näher an die späten Sorten heran, sodass einige Varietäten wohl in etwa zur gleichen Zeit erntereif sein werden. Noch hat die Ernte aber nicht begonnen, da es erst in den letzten Tag wärmer geworden ist, und die jungen Triebe noch sehr klein sind.

Kirishima Asatsuyu Mishou

Zuerst fahren wir zu dem kleineren der beiden Teegärten von Familie Hayashi. Dieses Stück Land, gut einen Hektar groß, hat die Familie vor über 10 Jahren übernommen. Hier wurde schon vorher ökologischer Tee erzeugt, der Besitzer war nur irgendwann zu alt, um den Garten weiterzuführen. Zudem hatte er keine Nachfahren, die den Garten weiter führen wollten. Dieses Phänomen kennen wir aus vielen Teilen Japans. Immer weniger junge Menschen wollen die harte Arbeit im Teegarten leisten und ziehen lieber in die Großstädte in der Hoffnung auf einen Büro-Job. Zum Glück gibt es aber auch junge Leute, wie Shutaro und Kenji Hayashi, die in der Arbeit auf dem Teefeld und bei der Tee-Verarbeitung richtig aufgehen, und sogar Pläne haben den Garten und die Verarbeitung Stück für Stück zu erweitern, und zudem vollem Elan sind, neue und besondere Tee-Qualitäten hervorzubringen.

Kirishima Teegarten – neue Teegarten-Parzelle

Neben dem gut einen Hektar großen Teegarten ist eine kleine Weide, etwa 40 Ar groß. Hier wird im Moment noch Bio-Weidegras erzeugt. Im Laufe des Jahres wird hier aber ein neuer Bio-Teegarten entstehen. Die Hayashis tauschen mit dem Bauern, dem die Parzelle gehört, die Felder. Sie erhalten das Stück neben ihrem Teegarten, dafür erhält der Farmer ein Stück Land, das den Hayashis gehört, aber zur Zeit nicht genutzt wird, das sogar noch in der Nähe des Stalls liegt. Shutaro überlegt hier Tsuyu Hikari anzubauen, wenn er Stecklinge dieser Varietät bekommt. Direkt daneben zeigt er uns ein Feld, das im Moment leicht grün gescheckert aussieht. Die Pflanzen sind zwar alle etwa gleich ausgetrieben, aber die Blattfarbe ist nicht ganz einheitlich. Wir ahnen sofort, worum es sich handelt: Mishou, also samengezogene Pflanzen von einer Muttersorte, also keine keine Zairai-Sträucher, denn diese wären noch deutlich unterschiedlicher. In diesem Falle sind es die Mishou-Nachkommen der Asatsuyu. Die Sträucher sind daher der Asatsuyu sehr ähnlich, aber nicht 100% gleich. Noch sind einige Blätter etwas rötlich, was typisch für Asatsuyu ist, wenn man sie nicht beschattet. Sobald man sie beschattet, was Shutaro Hayashi für die nächsten Tage geplant hat, entwickelt die Pflanze eine intensive, fast neonartig leuchtend grüne Blattfarbe. Morgen, am Dienstag, beginnt dann tatsächlich die Beschattung auf dieser Parzelle, sodass Anfang Mai ein wunderbarer Shincha geerntet werden kann.

Shutaro Hayashi berichtet von der Beschattung der Kirishima Asatsuyu Mishou Sträucher

Der Kirishima Tennen Gyokuro stammt übrigens nicht von diesem Feld, denn dieser ist aus gänzlich sortenreiner Asatsuyu hergestellt. Am anderen Standort hat Shutaro aus Stecklingen gezogene Asatsuyu angepflanzt. Von dort stammt der Tennen Gyokuro. Bis zum anderen zusammenhängenden Teegarten sind es nur wenige Minuten. Hier treffen wir neben Shutaros Bruder Kenji auch ihren Vater Osamu. Wir bleiben beim Thema Strauchsorten. Shutaros Vater Osamu Hayashi zeigt uns ein bestimmte Parzelle, auf der auch in Zukunft weiter Zairaishu angepflanzt bleiben sollen. Die Vorlieben Shutaros und seines Vaters gehen recht weit auseinander. Während Osamu eher die blumig duftende Kanaya Midori und abgerundete Zairaishu mag, schwärmt Shutaro eher für die fein-eleganten und extravaganten Sorten wie Asatsuyu, Oku Yutaka und Asanoka. Während an einigen Stellen im Teegarten die alten Zairai-Sträucher herausgenommen werden, damit dort andere, rare Sorten jeweils in klein unterteilten Parzellen wachsen können, soll diese eine Parzelle mit Zairai bleiben. Darüber sind wir sehr froh, denn die Zairai von Shutaro Hayashis Teegarten schätzen wir persönlich sehr, auch da diese bei der zweiten Ernte eine hervorragende Qualität erreicht, während die anderen Sorten eher bei der ersten Ernte ihre beste Zeit haben.

Zairaishu Teefeld von Shutaro Hayashi in Kirishima
Nahaufnahme Zairai Teefeld im Teegarten von Shutaro Hayashi in Kirishima

Watanabe Kabuse Yutaka Midori Shincha Update & Shutaro Hayashis Kirishima Asatsuyu

Heute Morgen telefonierten wir mit Frau Watanabe auf Yakushima, die uns freudig berichtete, dass gestern, am 21.04. nun auch die Kabuse Yutaka Midori geerntet und verarbeitet wurde. Es ist außergewöhnlich, dass in diesem Jahr die Asatsuyu vor der der Yutaka Midori geerntet wurde. In den vergangenen Jahren war es immer umgekehrt.

Kirishima Asatsuyu im Bio-Teegarten von Shutaro Hayashi

Auch von Shutaro Hayashi gibt es Neuigkeiten zu seiner wunderbaren Kirishima Asatsuyu. Am besten ihr sehr selbst, wie schön die Pflanzen ausgetrieben sind. Für die nächsten Tage ist erst einmal kein Regen in Kirishima vorhergesagt, sodass die Pflanzen bei den milden Temperturen tagsüber und den durchaus frischen Nächten mit nur einstelligen Gradzahlen, sehr langsam wachsen. Zur Mitte der kommenden Woche soll es dann wieder regnen. Das kingt erst einmal nach wirklich idealen Bedingungen für einen tollen Tee.

Kirishima Asatsuyu Teegarten von Shutaro Hayashi
Shincha-Ernte-Übersicht 2017, Stand 22. April
Lage Teegarten Teestrauchvarietät Shincha-Erntedatum 2017
Süd-Kyushu, Kagoshima-Präfektur, Insel Yakushima Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe Kuritawase geerntet am 13. April
Süd-Kyushu, Kagoshima-Präfektur, Insel Yakushima Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe Yutaka Midori geerntet am 21. April (Ernte später als für Yutaka Midori üblich)
Süd-Kyushu, Kagoshima-Präfektur, Insel Yakushima Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe Sae Midori geerntet am 15. April
Süd-Kyushu, Kagoshima-Präfektur, Insel Yakushima Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe Asatsuyu geerntet am 15. April
Süd-Kyushu, Miyazaki-Präfektur Bio-Teegarten von Haruyo und Shigeru Morimoto Yutaka Midori voraussichtlich 28. April
Süd-Kyushu, Miyazaki-Präfektur Bio-Teegarten von Haruyo und Shigeru Morimoto Saki Midori voraussichtlich 29. April
Süd-Kyushu, Kumamoto-Präfektur, Region Minamata Teegarten von Kazuya Matsumoto Yabukita voraussichtlich 28. April
Süd-Kyushu, Kagoshima Präfektur, Region Kirishima Teegarten von Shutaro Hayashi Asatsuyu voraussichtlich 30.April
Honshu, Mie-Präfektur, Region Ise Bio-Teegarten von Iwao Hayashi Yabukita voraussichtlich 10. bis 20. Mai
Honshu, Shizuoka Präfektur Vergleichsteegarten Yabukita voraussichtlich 22. Mai

Asatsuyu, Yutaka Midori und Yabukita auf der Insel Kyushu

Gestern zog es uns nun Richtung Süden. Wie verließen unser kleines Holzhäuschen in Kyoto, das wir für eine Woche unser Zuhause nennen durften, und sind nun schon zwei Tage auf der südlichsten Hauptinsel Kyushu unterwegs. Wir haben damit gerechnet, dass es hier schon wärmer sei und auch die Pflanzen bedeutend weiter in ihrer Entwicklung sind, aber so groß sind die Unterschiede nicht. Hier auf Kyushu  schauen wir uns an den ersten Tagen einige neue Bio-Teegärten an.

Berg-Teegarten auf der Insel Kyushu

Jeder Teegarten hat seinen ganz eigenen Geschmacks-Charakter, einmal natürlich durch den Anbau verschiedener Teestrauch-Varietäten, unterschiedliche Düngung, aber natürlich auch aufgrund des unterschiedlichen Terroirs, also dem Boden, der Lage und Ausrichtung des Teegartenstandortes, beziehungsweise der einzelnen Teegarten-Parzellen. Hinzu kommen natürlich die Vorstellungen des Teegartenbesitzers und Verantwortlichen der Vor- und Endverarbeitung. Bei den kleinen Familienbetrieben handelt es sich dabei oft um ein und dieselbe Person, dessen Geschmacksideale den Tee stark prägen. So entstehen Charaktertees.

Lebendiger Boden: Eine wichtige Voraussetzung für guten Tee

An unserem ersten Kyushu-Tag schauen wir uns einen Teegarten an, der für japanische Verhältnisse schon sehr weit oben gelegen ist. Die meisten seiner Parzellen liegen auf über 400 Metern, weitere auf immerhin 300 Metern über dem Meer. Für japanische Verhältnisse spricht man da schon von Bergtee (Yama-cha). Die Tee-Pflanzen treiben hier, aufgrund des kühlen Klimas in den Bergen entsprechend spät aus, obwohl wir uns auf Kyushu, also eigentlich auf der wärmsten Hauptinsel Japans befinden.

Die frühe Teestrauch-Varieträt Asatsuyu auf 400m über dem Meer (Kyushu, 20.04.2017)

Natürlich fragten wir aus Interesse für unseren Shincha-Blog auch nach dem voraussichtlichen Erntezeitpunkt. Dieser liegt bei den auf 400m gelegenen Parzellen voraussichtlich um den 3. bis 4.Mai. Gemeint ist hier natürlich lediglich der erste Erntetag. An diesem Standort wird dann mit der Ernte der frühen Teestrauch-Varietät Asatsuyu begonnen. Der früheste Tee wird in diesem Teegarten jedoch auf der Parzelle bei 300m schon um den 28. April herum geerntet. Beide Strauchsorten liegen von ihrem durchschnittlichen Erntezeitpunkt bzw. Wachstumsbeginn im Frühjahr etwa gleich auf. Allein die Lage der Teegarten-Parzellen ist hier für den Unterschied verantwortlich.

Die frühe Tee-Strauch-Varietät Yutaka Midori auf 300m über dem Meer (Kyushu, 21.04.2017)

Am Freitag besuchten wir einen zwar ebenso idyllisch, aber weniger hoch gelegenen Bio-Teegarten. Er liegt auf etwa 110 bis 150m über dem Meer. Hier ist es heute recht feucht-warm und es fliegen viele Insekten. Was uns aber neben dem phantastischen Ausblick in die üppige Natur besonders beeindruckt, sind die vielen verschiedenen Vogelstimmen, die wir hier von allen Seiten hören dürfen.

Dieser Teegarten ist bisher eher auf neutrale, also weder früh noch spät austreibende und spät austreibende Teestrauch-Varietäten ausgerichtet. Die früheste Sorte ist auch hier die Yutaka Midori, von der es aber nur eine kleine Teegarten-Parzelle gibt. Durch einige Neuanpflanzungen wird sich das Verhältnis aus frühen und späten Sorten hier aber in den nächsten Jahren vermutlich noch ändern.

Yabukita-Teesträucher in der Abendsonne auf etwa 120m über dem Meer (Kyushu, 21.04.2017)

Wir wollen noch nicht zu viel vorweg nehmen, aber vielleicht gibt es ja bald noch ein paar neue sehr spannende Tee-Sorten. Wir halten Euch auf dem Laufenden.

Shincha Update: MOE am 18. April 2017 und Wettlauf der Varietäten

Nachdem wir die letzten beiden Tage noch länger als an den anderen Tagen mit dem Zug unterwegs waren, heute bis nach Kyushu, sind wir nicht mehr ganz pünktlich dazu gekommen, die neuen Fotos der Teegärten hier im Shincha Blog 2017 zu zeigen, was hiermit mal gleich nachgeholt werden soll. Nachfolgend ein Fotos von Herrn Matsumoto, wie die Blätter der Yabukita-Sträuchern für den Shincha MOE am 18. April 2017 aussehen – 10 Tage also nachdem wir die ersten Aufnahmen des Shincha-Teegartens von Herrn Matsumoto zeigten.

Yabukita Sträucher von Herrn Matsumoto für Shincha MOE, aufgenommen am 18. April 2017
Yabukita Sträucher von Herrn Matsumoto für Shincha MOE, aufgenommen am 18. April 2017

Während sich die Ernte des Shincha MOE bei Herrn Matsumoto dieses Jahr wie angekündigt etwa 10 Tage verschiebt im Vergleich zu durchschnittlichen Jahren, ist es bei Familie Watanabe deutlich komplizierten. Warum?

Bei Herrn Matsumoto wird der Shincha MOE lediglich aus einer Strauchsorte hergestellt, nämich der Yabukita, und der spannende Punkt ist der den MOE neben Herrn Matsumoto Anbauphilosophie ausmacht, ist der extrem feine Schnitt. Herr Watanabe jedoch arbeitet bei seinen Shincha-Sorten anders, denn er verwendet dafür mehrere unterschiedliche Teestrauchvarietäten, die er für seine Shincha-Sorten auf mehrere Weisen kombiniert.

Shincha-Ernte-Übersicht 2017, Stand 20. April
Lage Teegarten Teestrauchvarietät Voraussichtliches Shincha-Erntedatum 2017
Süd-Kyushu, Kagoshima-Präfektur, Insel Yakushima Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe Kuritawase Geerntet am 13. April
Süd-Kyushu, Kagoshima-Präfektur, Insel Yakushima Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe Yutaka Midori Ernte später als für Yutaka Midori üblich – Warten auf aktuelle Informationen
Süd-Kyushu, Kagoshima-Präfektur, Insel Yakushima Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe Sae Midori Geerntet am 15. April
Süd-Kyushu, Kagoshima-Präfektur, Insel Yakushima Bio-Teegarten von Mankichi Watanabe Asatsuyu Geerntet am 15. April
Süd-Kyushu, Miyazaki-Präfektur Bio-Teegarten von Haruyo und Shigeru Morimoto Yutaka Midori 28. April
Süd-Kyushu, Miyazaki-Präfektur Bio-Teegarten von Haruyo und Shigeru Morimoto Saki Midori 29. April
Süd-Kyushu, Kumamoto-Präfektur, Region Minamata Teegarten von Kazuya Matsumoto Yabukita 28. April
Honshu, Mie-Präfektur, Region Ise Bio-Teegarten von Iwao Hayashi Yabukita 10. bis 20. Mai
Honshu, Shizuoka Präfektur Vergleichsteegarten Yabukita 22. Mai

Während dieses Jahr die Strauchsorte Kuritawase, die jedes Jahr sehr früh ist, auch dieses Jahr die erste Teestrauchvarietät war, die geerntet wurde, folgte jedoch als zweite und zeitlich dritte Sorte nur zwei Tage später die Asatsuyu und die Sae Midori. Dies ist überraschend, denn in den letzten Jahren verschob sich die Asatsuyu-Ernte mehrmals um fast eine Woche, nachdem die Yutaka Midori bereits längst geerntet war. Dieses Jahr jedoch, würden die Asatsuyu für ihre Verhältnisse früh geerntet, und die für ihr frühes Austreiben bekannte Yutaka Midori verspätete sich. Die klimatischen Unterschiede, die mit Wärme, Sonneneinstrahlung und Niederschlagsmenge zu tun haben, beeinflussen die Zyklen der Strauchsorten also auf unterschiedliche Weise, so dass sich auch deren Erntezeitpunkte im Verhältnis zu einander verschieben, und nicht nur absolut.

Kirishima: Zeit für Shincha? News von Shutaro Hayashi

Was wir im Shincha Blog bisher noch garnicht erwäht haben? Naja, wie der Begriff „Shincha“ bzw. wie die Teesorte „Shincha“ eigentlich definiert ist. Bevor es darum geht, wie der aktuelle Stand der Asatsuyu-Teesträucher in Shutaro Hayashis Teegarten in Kirishima ist, daher hier einfach mal der Link, der diese spannenden Fragen klärt: Shincha

Shincha-Knospen der Teestrauchvarietät Asatsuyu im Teegarten von Shutaro Hayashi in Kirishima
Shincha-Knospen der Teestrauchvarietät Asatsuyu im Teegarten von Shutaro Hayashi in Kirishima

Charakteristisch für die Asatsuyu-Teesträucher, die auf obigen Fotos zu sehen sind, das Shutaro Hayashi heute Morgen (18.04.2017) in seinem Bio-Teegarten in Kirishima aufnahm, ist nicht nur die leuchtend frühlingsgrüne Blattfarbe, die noch intensiv hellgrüner ist, als bei den meisten anderen Strauchsorten, sondern auch die auffällig kleine Größe der Blätter, die damit einhergeht, dass die Asatsuyu Sträucher deutlich mehr Blätter hervorbringen, als andere Strauchsorten. Zudem geht die kleine Größe der Blätter der Asatsuyu-Teesträucher und deren eher weicher Baschaffenheit einher mit einer sehr dünnen Blattstärke, was beim Dämpfungsprozess den Effekt hat, dass der Dampf selbst bei kurzen Dämpfungszeiten verhältnismäßig tief ins Blattinnere eindringt. Das Resultat ist daher oftmals ein eher tief gedämpftes Asatsuyu-Blatt, wie wir es ja auch von Tennen Gyokuro aus der Strauchsorte Asatsuyu kennen, den Shutaro Hayashi herstellt, und damit schon einen erstaunliche Bekanntheit hierzulande erreicht hat, was sicherlich auch der Qualität dieses bewundernswerten Tees zu verdanken ist.

Doch: Auch wenn Shutaro Hayashi dieses Jahr wieder den Tennen Gyokuro aus der Kabuse Asatsuyu herstellen wird, hat er nicht vielleicht schon anderen Ideen, mit den Blättern noch eine weitere Teesorte zu kreieren?

Watanabe Shincha 2017: Kuritawase & Asatsuyu Update

Nachdem wir gestern ein neues Foto von Herr Matsumoto aus der Präfektur Kumamoto erhielten, auf dem die Fortschritte der neuen Triebe der Teegartenparzelle zu sehen sind, von deren Teesträuchern er die Blätter für den sagenhaften Shincha MOE erntet, widmen wir uns heute kurz den neuesten Shincha-Geschehnissen auf Yakushima.

Frau Goto, die Mitarbeiterin des Teegartens von Mankichi Watanabe und seinem Sohn Keita Watanabe, ließ uns kürzlich wissen, da am 13. April 2017 der erste Teil der Kuritawase Sträucher geerntet wurde. Vor zwei Jahren erlebten wir bereits Ende März, wie im Teegarten von Herrn Watanabe die Blätter von der Strauchvarietät Kuritawase geerntet wurde – ein außergewöhnlich frühes Jahr 2015. Nun, 2017, handelt es sich um ein recht spätes Jahr, und tatsächlich wurde die Strauchvarietät Kuritawase nun erst am 13. April 2017 geerntet, obwohl es die frühest austreibende Teestrauchvarietät im Teegarten von Mankichi Watanabe ist, die er für die Hertellung unsere „Watanabe Kabuse Shincha“ verwendet.

Umso interessanter ist aber, dass die zeitlichen Verhältnisse im Vergleich der unterschiedlichen Teestrauchvarietäten sich ebenfalls ändert. Während im Jahr 2015 die Ernte der Kuritawase-Sträucher bereits Ende März stattfand, so wurden die Sträucher der Varietät Asatsuyu jedoch erst knapp zwei Wochen später fast schon Mitte April 2015 geerntet. Der zeitliche Abstand zwischen Kuritawase und Asatsuyu betrug also fast zwei Wochen. Dieses Jahr jedoch, also 2017, wurden die ersten Blätter für die Watanabe Kabuse Shincha von der Teestrauchvarietät Kuritawase erst am 13. April geerntet, doch erklärte uns Frau Goto, dass der zweite Erntetag der 15. April 2017 sei, also heute, und dass nun der zweite Teil der Kuritawase-Sträucher und zudem bereits der erste Teil der Strauchvarietät Asatsuyu geerntet wird.

Während der zeitliche Unterschied des Erntezeitpunkt bei Mankichi Watanabe’s Teegarten auf der Insel Yakushima ganz im Süden Japans also 2015 fast zwei Wochen betrug, so sind es nun im Jahr 2017 nur zwei Tage. Uns erwartet demnach nun dieses Jahr auch wieder ein spannender Watanabe Kabuse Shincha, dessen Charakter aufgrund des Cuvées aus Kabuse Kuritawase, Kabuse Sae Midori und Kabuse Asatsuyu zwar eine deutliche geschmackliche Stabilität aufweist, aber durch die jedes Jahr wirklich unterschiedliche klimatische Situtation auch immer wieder überraschende Noten zeigen wird.

Teegarten von Iwao Hayashi in der Präfektur Mie
Teegarten von Iwao Hayashi in der Präfektur Mie

Als Vergleich noch ein Foto, das wir heute im Bio-Teegarten von Iwao und Kimihiko Hayashi in der Präfektur Mie aufgenommen haben. Die Mie-Präfektur liegt grob gesagt etwa in der Höhe von Nagoya, alsa nur etwas mehr als einhundert Kilometer entfernt von der Kyoto-Präfektur. Somit liegt die Präfektur Mie etwa 600 bis 700 Kilometer nördlich von Yakushima, wo ja bereits vor zwei Tagen der erste Shincha geerntet wurde. Hier, in Mie, sieht man aber wirklich nur die allererstes, extrem kleinen Blattknospen. Während der Sohn Kimihiko Hayashi den ersten Erntetag auf den 10. Mai schätzte, belief sich die Schätzung des Vaters Iwao Hayashi auf den 20. Mai, denn es ist wirklich noch recht kühl in Mie dieses Jahr.

Kabuse Shincha Vorbereitungen im Teegarten von Mankichi Watanabe auf Yakushima

Inzwischen sind die Vorbereitungen für den Kabuse Shincha vom Bio-Teegarten der Familie Watanabe auf Yakushima bereits in vollem Gange. Gestern erhielten wir von Frau Goto, der Mitarbeiterin von Herrn Watanabe, bereits Fotos, die Mankichis Sohn Keita Watanabe für uns in seinem Teegarten aufgenommen hat.

Watanabe Kabuse Shincha 2017
Watanabe Kabuse Shincha 2017

Die Insel Yakushima, ganz im Süden Japans, noch weiter südlich der Insel Kyushu als die anderen Anbaugebiete in der Präfektur Kagoshima, liegt rund 200 km südlich der Stadt Kagoshima. Auf Yakushima treiben die Teesträucher landesweit am frühesten aus, weshalb Yakushima gewissermaßen eine Oase für die „Teesorte“ Shincha darstellt.

Auf dem Foto, das Mankichi Watanabes Sohn Keita am 4. April 2017 aufgenommen hat, sieht man nicht nur, dass die Teesträucher für den Kabuse Shincha bereits mit schwarzen Netzen beschattet werden – die Hälfte der Arbeit des Anbringens der Netze ist bereits geschafft – sondern auch, dass zu dieser frühen Zeit bereits die jungen Blatttriebe gut zu sehen sind. Auch die hellgrüne Farbe des Teegartens verrät uns, dass die Teesträucher bereits deutlich begonnen haben auszutreiben, und schön Knospen gebildet haben, die für den Watanabe Kasbuse Shincha 2017 verwendet werden.

Umso erstaunlicher ist, dass auf dem Foto die Teegartenparzelle von Mankichi Watanabe zu sehen ist, in der die Teesträucher der Varietät Asatsuyu angebaut werden, denn dies sind nicht einmal die ersten Sträucher, die bei Herrn Watanabe austreiben. Nein, die Strauchvarietät Kuritawase ist noch früher dabei neue Triebe und Blattknospen zu bilden. Nicht mehr lange also, bis der Watanabe Kabuse Shincha 2017 geerntet werden kann!

Erster Erntetag im Bio-Teegarten von Familie Hayashi in Kirishima

Noch am Vortag telefonieren wir mit Shutaro Hayashi, um uns zu erkundigen, was für Arbeiten denn für den nächsten Tag (25. April) geplant seien. Als wir erfahren, dass Familie Hayashi damit rechnet, dass dies der erste Tag der ersten Ernte 2016 werden wird, planen wir gleich früh am Morgen nach Kirishima zu fahren. In diesem Jahr beginnt die Ernte vergleichsweise spät. Seit mehreren Wochen ist es vergleichsweise kalt und regnerisch. Die Teesträucher wachsen sehr langsam, und durch den bewölkten Himmel ergibt sich eine Art natürliche Beschattung.

Im Wohnhaus der Familie Hayashi angekommen, empfängt uns Shutaros ältere Schwester Momoko. Sie entschuldigt sich sogleich dafür, dass es im Haus etwas unordentlich sei, obwohl eigentlich alles perfekt geordnet aussieht, wie es für die Familie charakteristisch ist. Zurzeit ist auch Shutaros zweite Schwester im Haus. Sie wohnt eigentlich in Kumamoto. Aufgrund des schweren Erdbebens und der andauernden Nachbeben ist sie jedoch vorübergehend ins Elternhaus nach Kirishima zurückgekehrt. So ist momentan viel los im Haus der Hayashis.

Shutaro, Kenji und ihr Vater Osamu sind bereits im Bio-Teegarten, der etwas abgelegen liegt. Wir fahren durch eine märchenhafte Landschaft bis wir die kleine Hochebene am Fuße des Kirishima-Gebirges erreichen. Durch den Regen der letzten Tage und bleibende Feuchtigkeit in den Wäldern leuchten dort die Grüntöne wunderschön.

Die früheste Strauchvarietät von Familie Hayashi in Kirishima ist die Asatsuyu, die nun heute geerntet wird. Für uns ist es das erste Mal, dass wir bei der Ernte in Kirishima mit dabei sind. Als wir zum ersten Mal mit Shutaro und seinem  Vater Osamu den Bio-Teegarten besucht haben, waren die Asatsuyu-Sträucher, die heute geerntet werden, noch sehr klein. Daher waren die damals noch sehr jungen Sträucher der Asatsuyu noch nicht bereit geerntet zu werden. Nun ist es endlich soweit!

Asatsuyu im Teegarten von Familie Hayashi in Kirishima im Jahr 2014
Asatsuyu im Teegarten von Familie Hayashi in Kirishima im Jahr 2016

In diesem Jahr ist die Menge noch sehr klein. Es dauert ein paar Jahre bis die Büsche viele Verzweigungen gebildet haben, die die Grundlage dafür sind, um im folgenden Frühjahr viele neue Blatttriebe hervorzubringen, die dann geerntet werden können. Zunächst sind Shutaro, Kenji und ihr Vater Osamu Hayashi damit beschäftigt, die Netze von der gut zehn Tage langen Beschattung wieder abzunehmen und einzurollen. Da die Familie bisher nur die Sträucher der Varietäten Asatsuyu und Oku Yutaka als beschatteten Tee anbietet, ist die hergestellte Menge an Kabusecha im Vergleich zu anderen Betrieben, die viele ihrer Strauchsorten beschatten, recht klein. Da viele Familienmitglieder auch bei den für die Beschattung notwendigen Tätigkeiten mithelfen, benutzen sie bisher keine Geräte zum Aus- und Einrollen der Netze, sondern machen dies gänzlich per Handarbeit.

Die Ernte übernimmt der jüngere Bruder Kenji, während sich Shutaro um die Verarbeitung kümmert. Für Shutaro ist daher natürlich die ständige Adjustierung der Dämpfungsmaschine ein wichtiges Thema. Beide kommunizieren sehr viel, auch hinsichtlich der Einstellung der Erntemaschine. Die Atmosphäre ist sehr konzentriert: Jeder hat seine Aufgaben und widmet sich diesen mit voller Aufmerksamkeit, um einen wirklich perfekten Sencha herzustellen.

Nach seinem Studium mit dem Schwerpunkt Teeanbau und Teeverarbeitung hat Shutaro an verschiedenen Standorten gearbeitet, um auch praktische Erfahrungen zu sammeln. Nun obliegt ihm die Entscheidung, wann und wieviel geerntet wird und auch wie die Verarbeitung im Detail durchgeführt werden soll. Sein Vater Osamu Hayashi begleitet alle Schritte. Vater und Sohn tauschen sich auch während des gesamten Prozesses aus. Die letztliche Entscheidung, wann welches Blattgut in welcher Größe geerntet wird, sowie alle expliziten Einstellungen der Maschinen obliegen jedoch aber am Ende Shutaro.

Während Shutaro die Teeverarbeitung durchführt, nutzen wir die Gelegenheit Osamu zu interviewen. Wir wollen wissen, wie sich seine Vorstellungen von einem perfekten Sencha von Shutaros Idealbild unterscheiden. Osamu sagt uns, dass er noch ein-zwei Tage mit der Ernte gewartet hätte, bis die Blätter ein bisschen größer wären. Auch die Dämpfung hätte er ein bisschen weniger stark gemacht. Diese Unterschiede in der Auffassung, wie der perfekte Tee gemacht werden sollte, gehen sicherlich unter anderem darauf zurück, dass sich die Teekultur sowie die Kultur der Teeproduktion in den letzten Jahrzehnten einen starken Wandel durchlaufen haben. Zudem haben Vater und Sohn auf ganz unterschiedliche Art die Teeverarbeitung erlernt. Während Shutaro an der Universität studierte, und dann in vielen verschiedenen Betrieben praktische Erfahrungen gesammelt hat, war es zu Osamus Zeiten üblich, eher ausschließlich im praktischen Umgang Stück für Stück die Teeverarbeitung zu erlernen. Nachdem Osamus Vater Haruo aus dem Krieg zurückgekehrt war, übernahm er die Verantwortung für den Familienbetrieb. Haruo Hayashi brachte später seinem Sohn Osamu alles über Teeverarbeitung bei, was er selbst erlernt hatte. Osamu beschreibt jedoch, dass dies wohl nicht sehr viel gewesen sei. Da die Arbeit in der Teeverarbeitung zu diesem Zeitpunkt noch nicht so technisiert war, gab es für jeden Verarbeitungsschritt einen Verantwortlichen und zusätzlich eine höher gestellte Person, die die Verantwortung für die gesamte Produktion innehatte. Diese war wirklich mit Leib und Seele bei der Teeherstellung. Von ihr hat Osamu am meisten gelernt.

Osamu Hayashi bei unserem ersten Treffen im Frühjahr 2014

Wie bereits erwähnt, haben sich aber auch die Idealvorstellungen von einem perfekten Sencha mit der Zeit verändert. So erinnert sich Osamu daran, wie er als Kind mit seinem Großvater Tee getrunken hat. Damals war die ideale Farbe vom japanischen Sencha Yamabuki, ein intensives Gelb. Erst zum zweiten Drittel des 20. Jahrhunderts änderte sich diese Vorstellung langsam. So wird heutzutage ein Grün, das auf der Farbskala eher in Richtung Türkis tendiert, als Ideal angesehen, während früher das Grün mit einer Tendenz zu Gelb als ideale Aufgussfarbe propagiert wurde.

Nach unserem Gespräch machen wir noch einen kleinen Teegarten-Rundgang und sehen dort einen alten Bekannten: Yagi-O, den wilden Ziegenbock, der im letzten Jahr durch die Teefelder gesprungen ist. Es gibt Nachwuchs: Familie Hayashi hat sich zusätzlich eine Ziege angeschafft, und seit einem halben Jahr laufen nun auch zwei junge Zicklein durch die Teefelder und fressen dort Beikräuter, die zwischen den Teesträuchern wachsen. Im ersten Jahr war die Anschaffung von Yagi-O nur ein Test, um Erfahrungen zu sammeln, ob sich Ziegen für die Beikrautregulierung im Bio-Teegarten eignen. Dieser Versuch ist geglückt, sodass die kleine Ziegenherde nun fester Bestandteil des Teegartens ist. In wenigen Wochen wird es wohl auch wieder Nachwuchs geben.