Morimoto Dinner 2015

Haruyo und Shigeru MORIMOTO in Europa 2015

Morimoto Dinner Tarte Citron

Partnerschaft zu einem Teeproduzenten bedeutet bei uns mehr als nur zu den Teegärten zu fahren, die einzelnen Arbeitsschritte anzusehen, und vor Ort einzukaufen. Deshalb sind wir im Frühjahr bei der ersten Ernte in Japan sowohl, um bei verschiedenen Arbeitsschritten im Bio-Teegarten und in der Grüntee-Herstellung mitzuhelfen, als auch, um zusammen mit Haruyo und Shigeru Ideen zu entwickeln, und gemeinsam besondere grüne Tees herzustellen.

Morimoto Marimo Bio Familie

Im Frühherbst 2015, nachdem die Grüntee-Sommerernte fertig verarbeitet wurde, machten sich Haruyo und Shigeru Morimoto auf den Weg nach Europa um auch uns bei der Arbeit hier vor Ort in Europa zu unterstützen. In diesem Jahr hängt ihr Besuch auch mit der Einladung der Präfektur Miyazaki zur EXPO in Mailand zusammen. Von allen Grüntee-Erzeugern in Miyazaki wurden Haruyo und Shigeru Morimoto ausgewählt, um im Japan-Pavillon an drei Tagen ihre biologischen Tees zu präsentieren. Am Tag ihrer Ankunft fahren wir mittags gleich mit dem Zug weiter nach Mailand. Es ist für uns alle das erste Mal mit dem Zug durch die Alpen zu fahren. Die Strecke ist wirklich beeindruckend – für uns die einzige Möglichkeit für Sightseeing vom Zug aus. Während der Besuche der Morimotos in Europa bleibt ansonsten kaum Freizeit. Die beiden möchten möglichst an viele Orte kommen, an denen ihr grüner Tee angeboten wird, suchen den Austausch mit den Teeladen-Besitzern und deren Kunden – den Grünteeliebhabern. Zwei Wochen gehen da schnell vorbei.

EXPO_Haruyo_Morimoto_MARIMO_Tokujou Sencha

In Mailand angekommen geht die Arbeit gleich los. Am ersten Tag ist der offizielle Eröffnungsempfang für die Präfektur Miyazaki. An vier Tagen darf die Präfektur zeigen, was sie für kulinarische Leckerbissen breit hält. Zum Empfang kommen fast ausschließlich Japaner, die sich sehr über die kalte Erfrischung Bio Morimoto Mizudashi freuen. Japanischer Bio Grüntee scheint im Ausland deutlich interessanter zu sein, als in der Heimat.

Degustation_Japan_EXPO_Milano_Morimoto2

Auf der obersten Etage des Pavillons bieten nacheinander alle japanischen Präfekturen ihre regionstypischen Lebensmittel für kleine Verkostungen an. Miyazaki ist mit Taku-an (eingelegtem Rettich), Shochu (Süßkartoffelschnaps), Shiitake, Rindfleisch und eben biologischem grünem Tee von den Morimotos vertreten. Da der Ansturm auf den Japan-Pavillon sehr groß ist– zum Teil Wartezeiten bis zu 4 Stunden, um in den Pavillon zu gelangen – ist die Zeit für die Verkostungen sehr knapp bemessen. Wir haben 20 Minuten Zeit um jeweils 50 Besucher mit den grünen Tee der Morimotos zu versorgen. Da bleibt leider keine Zeit für ein intensives Gespräch. Da es noch recht warm ist, haben wir uns entschieden Kaltaufgüsse des Bio Morimoto Yanagicha Bancha, Bio Morimoto Tokujou Sencha und Bio Morimoto Matcha zu präsentieren. Bei den knapp 30 Grad Celsius und strahlendem Sonnenschein kamen die kalten Grüntees sehr gut an. Für Haruyo und Shigeru Morimoto war die Zeit in Mailand vergleichsweise anstrengend, obgleich auch ein spannendes Erlebnis. Sie leben ja in Miyazaki auf dem Land. Das laute Stadt- und das Messeleben ist da schon ein starker Kontrast.

Morimoto Tee Event Frankreich September 2015

Auf dem Rückweg, den wir ebenfalls mit dem Zug antreten, ist noch eine Verkostung in Frankreich geplant, bevor wir wieder zurück nach Frankfurt kommen. Da es kaum möglich ist, alle Teeläden, die Morimoto Grüntee anbieten, innerhalb von gerade einmal zwei Wochen zu besuchen, entscheiden wir uns, am letzten Tag vor der Rückreise nach Japan ein kleines Event in den MARIMO Räumlichkeiten zu veranstalten – das Morimoto Dinner.

Morimoto Bio Tee Präsentation Shigeru

Morimoto Bio Tee Dinner 2015

Zu Beginn des „Morimoto Dinner“ stellen Haruyo und Shigeru Morimoto ihren biologischen Teegarten vor. Als die beiden im Alter von 22 Jahren heiraten, und damit auch die Verantwortung für den Familienbetrieb übernahmen, bewirtschaftete die Familie gerade einmal einen Hektar – der heutige Teegarten Nr. 4 und 7, direkt am Haus. Mit der Zeit und der wachsenden Erfahrung im Teeanbau und der Grüntee-Verarbeitung vergrößerte sich auch der Familienbetrieb, sodass heute auf etwa 7,5 Hektar Teepflanzen verschiedenster Varietäten angebaut werden. Vielfalt ist Haruyo und Shigeru Morimoto bereits seit den siebziger Jahren ein wichtiges Anliegen.

In seinen jungen Jahren wurde Shigeru allerdings stark von seinem Vater Ryotaro geprägt. Dieser hatte mit dem Grüntee-Anbau in einer Zeit angefangen, in der die Agrikulturchemie gerade populär wurde. Der Einsatz von leicht löslichen Mineraldüngern und synthetischen Pflanzenschutzmitteln wurde in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg stark propagiert, sodass viele Landwirte glaubten, sie könnten ohne diese industriellen Hilfsmittel nicht produzieren. Auch Shigeru ist in diesem Glauben aufgewachsen. Anfang der 1970er Jahre, mit der Geburt der ersten Tochter Yukie, fand jedoch ein Prozess des Umdenkens statt.

Shigeru Morimoto Bio Teegarten

Die körperliche Belastung durch den Kontakt mit den chemischen Pflanzenschutzmitteln beim Ausbringen derselben, und die enorme Erschöpfung an den darauffolgenden Tagen, haben die beiden Morimotos bis Anfang der 1970er nur in dem Glauben ertragen, dass es anders nicht ginge. Ein kleines Feld allerdings (heute Nr. 7), das an einem Bach gelegen ist, war besonders schwer zu bearbeiten. Beim Ausbringen der Pflanzenschutzmittel blieb man mit den Füßen im Boden stecken. Mit Maschinen konnte man das Feld gar nicht bearbeiten und auch die Düngerausbringung war beschwerlich. So beschloss Shigeru im Herbst 1971, dieses Feld sich selbst zu überlassen. Damals glaubte er noch, dass das Feld damit verloren sei.

Es kam aber anders. Die Pflanzen gediehen. Der Glaube an die Notwendigkeit von Pflanzenschutzmitteln und Mineraldünger war damit gebrochen. Shigeru hätte den Betrieb nun am liebsten von einem Tag auf den nächsten nur noch ökologisch bewirtschaftet. Das Risiko erschien Haruyo Morimoto aber zu hoch, schließlich lebte die ganze Familie vom Teeanbau und so entschlossen sie sich die einzelnen Parzellen ihres Teegartenbetriebs Schritt für Schritt umzustellen. Wichtige Entscheidungen treffen die beiden stets gemeinsam. Die Entscheidung für die Umstellung zu ökologischem Teeanbau stellt sicherlich die Grundlage des biologischen Morimoto-Grüntees dar, wie wir ihn heute kennen.

Morimoto Dinner GO EN Mizudashi

Morimoto Dinner Mizudashi Sencha

Für das „Morimoto Dinner“ bereitete Tobias das vegetarische Abendessen vor, und dabei passend zu jedem der drei Gänge je eine Sorte grünen Tees, sozusagen als Teebegleitung zum biologischen Dinner. Als Aperitif servierten wir einen mit Eiswürfeln aufgegossenen Go En Kabuse Tamaryokucha. Nur wenige Tropfen Tee bringt man auf diese Weise hervor, die aber aufgrund des fantastischen Umami den ganzen Mund füllen. Zur leichten Vorspeise (Frischer grüner Salat mit Ziegenkäse, Trauben und Oliven, dazu frisch gebackenes Matcha-Brot, für das wir Morimoto Premium Matcha Minami Sayaka verwendet haben) servieren wir den Morimoto Tokujou Kabusecha. Die intensive Süße, die durch die Strauchsorte Oku Midori in diesem Tee besonders zum Tragen kommt, kombiniert sich hervorragend mit Ziegenfrischkäse und dem frischen Gemüse. Zum Hauptgang (rote Paprika gefüllt mit Shiitake-Pilzen, Pistazien und Zucchini an Herzoginkartoffeln) servieren wir den Morimoto Yanagicha Bancha. Das intensive Umami der Shiitake Pilze gesellt sich charmant zu der blumigen Frische und Leichtigkeit des Yanagicha. Zum Abschluss reichen wir eine Tarte au Citron mit einem Matcha-Baiser-Tupfer. Passend dazu gießen wir den Morimoto Shiraore mit kaltem Wasser, also als Mizudashi auf. Durch die Zubereitung mit kaltem Wasser löst sich hauptsächlich das Umami und die Süße aus den feinen Teeblättern und zarten, flachgefalteten Blattsteilen – eine perfekte Ergänzung zur zitronigen Frische der Tarte. Da es noch relativ warm für die Jahreszeit ist, gibt es vor und nach dem Essen Morimoto Mizudashi Sencha als belebende Erfrischung.

Mimikoko Band Musik Morimoto Dinner

Morimoto_Bio_Gruentee_Dinner_Haruyo

Während des Abendessens übersetzen Dietmar und Kirill für Haruyo und Shigeru Morimoto. Die beiden Morimotos sprechen leider keine Fremdsprachen. Jedoch, wer die beiden einmal persönlich erlebt hat, bemerkt, dass man sich auch gar nicht mal so schlecht ohne die konventionelle verbale Kommunikation verständigen kann, nämlich von Herz zu Herz, wie die beiden Morimotos oft betonen.

Vielen Dank an Alle für diesen schönen Abend.